{"id":859,"date":"2010-09-08T00:34:41","date_gmt":"2010-09-07T22:34:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/2010\/09\/08\/diagnosen-und-posen-klangsternhagelnuechtern\/"},"modified":"2010-09-08T00:43:02","modified_gmt":"2010-09-07T22:43:02","slug":"diagnosen-und-posen-klangsternhagelnuechtern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/2010\/09\/08\/diagnosen-und-posen-klangsternhagelnuechtern\/","title":{"rendered":"diagnosen und posen &#8211; klangsternhagelnuechtern"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"padding:0px 10px 10px 10px\" src=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/files\/2010\/09\/image574118857.jpg\" width=\"280\" align=\"left\" alt=\"image574118857.jpg\" title=\"image574118857.jpg\" \/><\/p>\n<p>Ent-Zug. Diese Diagnose hat zuerst der Herausgeber einer bedeutenden Musikzeitschrift und Medienkleinunternehmer gestellt &#8211; sich selbst, nachdem er den Zug in Richtung heimatlicher Gefilde verlassen hat. Und ich muss sie uneingeschr&#228;nkt auf mich anwenden: auch ich habe Ent-Zug. Zwei Tage habe ich die drei Anh&#228;nger und die bunte Lok nun schon nicht mehr gesehen: am Montag waren sie zur Waggonwellness im Depot und heute stand der D-Train in G&#246;ppingen und Leonberg, wo ich ihm nicht hingefolgt bin. Wass offenbar nicht schlau war, denn es war wohl viel los und eine tolle Atmosph&#228;re &#8211; trotz Regens. <\/p>\n<p>Grund f&#252;r meine Abwesenheit in Leonberg war ein Beitrag f&#252;r den BR, der heute, Mittwoch, um sieben in der Fr&#252;h Bayern 4 Klassik l&#228;uft &#8211; reinh&#246;ren, Kollege Hufner, hier wird das Tagesprogramm f&#252;r Augsburg und Passau bekannt gegeben und Frau Barthelmes attestiert den Bayern einen anarchischen Charakter. <\/p>\n<p>http:\/\/www.br-online.de\/br-klassik\/allegro\/index.xml<\/p>\n<p>Anl&#228;sslich der Produktion im SWR durfte ich auch noch lernen, was Programmaustausch wirklich hei&#223;t. Nicht etwa, wie vermutet, werden Inhalte ausgetauscht. Sondern man muss eine Menge &#252;ber Software, vulgo: Programme reden, bis man so weit ist, dass sich das, was auf dem Papier und in Form von Rohmaterial existiert, sich zu einem smashigen Beitrag verbindet. Das ist wohl die Folge davon, wenn im SWR immer mehr Autoren und Redakteure selbst produzieren m&#252;ssen und die Techniker nicht einmal mehr gescheites Arbeitsmaterial zur Verf&#252;gung haben&#8230; <\/p>\n<p>Stuttgart war anders als die &#252;brigen Stationen &#8211; nicht nur, weil die Auff&#252;hrung von Sternklang klugerweise vorverlegt wurde. (Es blieb w&#228;hrend der Parkmusik tat&#228;schlich trocken, die ersten Tropfen fielen nach dem Schlussakkord und heute sch&#252;ttete es in Str&#246;men.) Stuttgart war bislang auch die einzige Station, in der das Geld nicht in Soundspazierg&#228;nge, Soundwalks, Klangpicknicks oder &#8211; auf diese Kreation erhebe ich den alleinigen Patentanspruch &#8211; &#8222;Klangwalks&#8220; gestopft wurde, sondern mit Sternklang eine Komposition ausgew&#228;hlt wurde, die zwar schon vierzig Jahre auf dem Buckel hat, die jedoch nicht mutwillig ins Draussen gesto&#223;en wurde, sondern von vornherein daf&#252;r konzipiert war. <\/p>\n<p>&#8222;Umsonst und drau&#223;en &#8211; das lockt die Schwaben&#8220;, kommentierte eine Stuttgarterin lakonisch mein Erstaunen dar&#252;ber, dass trotz der Vorverlegung auf Montag so zahlreiche Menschen abends im Killesbergpark erschienen &#8211; und das obwohl K21-Demo war, was dann auch unter j&#252;ngeren Menschen bei der Begr&#252;&#223;ung meist zuerst angesprochen wurde. &#8222;Hallo. Warst Du bei der Demo?&#8220; &#8211; &#8222;Nein, Du?&#8220; &#8211; &#8222;Ja klar, darum hab ich den Anfang verpasst&#8230;&#8220; Nicht wenige der &#196;lteren tragen einen gr&#252;nen Button &#8222;obenbleiben&#8220;. Ich kann mich noch erinnern, dass in meiner Kindheit viele Menschen solche Schildchen trugen mit Aufschriften wie: &#8222;Atomkraft, nein danke.&#8220; K&#252;rzlich wurde ohne gr&#246;&#223;eren Protest die Laufzeitverl&#228;ngerung der Kraftwerke beschlossen. <\/p>\n<p>Es d&#252;rften mindestens dreihundert Menschen gewesen sein, die sich zwischen den sechs B&#252;hnen bewegten oder sich einen Sitzplatz suchten, um von einer Position aus das Geschehen zu verfolgen. Sagenhafte zweieinhalb Stunden dr&#246;hnt und murmelt, kuckuckt und synthetisiert die Musik vor sich hin. Zur originalen Auff&#252;hrungspraxis fehlten im Publikum vermutlich ein paar Joints und zu bem&#228;ngeln w&#228;re wohl, dass die Musiker, die ihre Formeln und Figuren &#8211; begleitet von Fackeltr&#228;gern &#8211; als Klanggabe zu ihren Freunden durch den Park trugen und jede B&#252;hne einzeln damit ansteckten, aufgrund der Distanzen recht schnell laufen mussten, was der Intention des w&#252;rdigen Schreitens mit gelegentlichem Blick zu den Sternen, den Stockhausen vorschreibt, nicht ganz entspricht. Vielleicht ist dies aber auch der einzige Weg, solchen Ideen die Peinlichkeit auszutreiben. <\/p>\n<p>Wenn man &#8211; nach einigen Runden entlang der B&#252;hnen, die man gedreht hat &#8211; sich auf einem Platz niederl&#228;sst und sich seiner M&#252;digkeit hingibt, kann einen diese Musik, die dann doch h&#228;ufig aufs Allereinfachste, Elementarste rekurriert, ganz sch&#246;n wegbeamen. Am Sch&#246;nsten sind die Momente, wenn nach elektroakustisch verst&#228;rktem Obertonged&#246;ns eine einzelne Geige, ein einzelnes Akkordeon von fern her&#252;berweht, sich durch den Park bewegt, dann erwacht das Gef&#252;hl der Erhabenheit &#8211; der bestirnte Himmel zeigt sich in seiner erschreckenden Gr&#246;&#223;e, ich selbst bin nur ein verwehter Ton im Sp&#228;tsommerwind. <\/p>\n<p>Die letzte Passage meines Textes war ziemlich kitschig, was ich auch auf meinen Ent-Zug zur&#252;ckf&#252;hre. Schnell als Pose markieren. &#8222;Wer glaubt denn heute noch, dass jemand mit dem was er schreibt identisch w&#228;re.&#8220; So &#228;hnlich hat Fritz J. Raddatz das schon in den 1980ern in seinen Tageb&#252;chern formuliert, woraus ich Ausz&#252;ge auf der R&#252;ckfahrt ins Rheinland &#8211; zur&#252;ck? nach vorne? wer wei&#223; es, wer will es wissen? &#8211; gelesen habe. Es gibt Menschen, denen ist dieses Geschreibe zu pers&#246;nlich, es erscheint Ihnen zu privat. Doch ist Musikh&#246;ren im Konzert ein privater Akt? Und ist es privat, wenn man sich dar&#252;ber austauscht, was man geh&#246;rt und empfunden hat? Oder ist es nur obsz&#246;n, sobald man das auch hinschreibt? <\/p>\n<p>&#8222;Das hat jetzt aber wirklich nichts mehr mit Sounding D zu tun, oder?&#8220; Ich meine schon. Denn Autohupen als &#228;sthetisches Erlebnis wahrnehmen zu k&#246;nnen, ist das eine. &#214;ffentlich eine Sprache f&#252;r dieses intime Erleben zu finden, die andere. &#8222;Und wer nicht einmal Tr&#228;nen geweint hat im Angesicht einer Rose oder eines Kunstwerks, ist der Kunst nicht w&#252;rdig&#8220;, auch so etwas in vergleichbarem Zungenschlag konnte man bei Raddatz lesen. Er hat ja so recht. Das macht ihn so unertr&#228;glich. <\/p>\n<div>Mobile Blogging from <a class=\"iblogger-location\" href=\"http:\/\/maps.google.com\/maps?ll=50.9366,6.9379\">here<\/a>.<\/div>\n<div class=\"iblogger-footer\"><\/p>\n<p style=\"text-align:right;font-size:10px\">[neue musik erfahren &#8211; <a href=\"http:\/\/www.nmz.de\/media\">nmz-media<\/a> hoert sounding-d]<\/p>\n<p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ent-Zug. Diese Diagnose hat zuerst der Herausgeber einer bedeutenden Musikzeitschrift und Medienkleinunternehmer gestellt &#8211; sich selbst, nachdem er den Zug in Richtung heimatlicher Gefilde verlassen hat. Und ich muss sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[587],"tags":[30,1830,1829,1276,1832,1673,1834,1831,5841,1815,538,1833],"class_list":["post-859","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog","tag-bloggen","tag-diskurs","tag-fritz-j-raddatz","tag-karlheinz-stockhausen","tag-oeffentlich","tag-oeffentlicher-raum","tag-parkmusik","tag-privat","tag-sounding-d","tag-sternklang","tag-stuttgart","tag-unterscheidungen-loeschen","has_no_thumb"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/859","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=859"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/859\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":862,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/859\/revisions\/862"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=859"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=859"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=859"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}