{"id":569,"date":"2010-09-02T10:05:43","date_gmt":"2010-09-02T08:05:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/2010\/09\/02\/grosser-bahnhof\/"},"modified":"2010-09-02T10:14:35","modified_gmt":"2010-09-02T08:14:35","slug":"grosser-bahnhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/2010\/09\/02\/grosser-bahnhof\/","title":{"rendered":"gro&#223;er bahnhof"},"content":{"rendered":"<p><img width='640' src='https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/files\/2010\/09\/img_15.jpg'><br \/><i><a target=\"_blank\" href='http:\/\/maps.google.com\/maps?q=50.94213,6.95788'>GeoTagged, [N50.94213, W6.95788]<\/a><\/i><\/p>\n<p>Drei Tage NRW. Drei unterschiedliche Szenen. Essen, eine Gro&#223;stadt mit einer aktiven Musikhochschule und einer feinen Philharmonie &#8211; ein Tag, gepr&#228;gt von der Energie von jungen Musikern: folkwang modern, die mit gro&#223;em Einsatz sowohl die Musik ihrer Kommilitonen &#8211; wie Tim Kein&#228;cker mit einem Ensemblest&#252;cke, das subtil live-elektronische Erweiterungen integrierte &#8211; eines Lokalmatadors &#8211; Nicolaus A Huber, der viele Jahre als Kompositionsprfoessor die Neue Musik an Folkwang mit gepr&#228;gt hat &#8211; sowie von Iannis Xenakis. &#8222;Viele der Musiker werden vielleicht nie wieder in ihrem Leben einen Xenakis spielen &#8211; aber Sie werden von dieser Erfahrung zehren&#8220;, sagte G&#252;nter Steinke beim Nachkonzertbier voraus. Zustimmung in der Runde. <\/p>\n<p>Die Philharmonie Essen liegt nahe am Bahnhof, unweit der R&#252;ttenscheider Str. Und doch kommt kein wirklich urbanes Gef&#252;hl auf &#8211; man ist im Kultursatelliten, neben dem wundersch&#246;nen Aalto-Theater &#8211; und dem gro&#223;en Hotelschuppen, in dem die Philharmonie ihre G&#228;ste unterbringt. Das ist ja eine alte Frage, ob man mit Hilfe von Konzerth&#228;usern und dergleichen Urbanit&#228;t herstellen kann &#8211; Scharoun hat sich ja nichts anderes gedacht, als er den Masterplan f&#252;r Philharmonie und Stabi in Berlin gemacht hat. Doch so sch&#246;n im Park, wie die Essener Philharmonie sich findet, kann man wirklich auf die Idee kommen, hier sei kein &#246;ffentlicher Raum &#8211; im besten Sinne, ein bisschen H&#252;gel, ein bisschen Festspielraum umgibt die alte Stadthalle. Und auch f&#252;r die kommenden Jahre sind die Aussichten interessant: Intendant Johannes Bultmann hat eine interessante Dramaturgie entwickelt, die Netzwerker von Folkwang und GNM sind gl&#252;cklich, in ihm einen offenen Partner, auch zur Verwirklichung ihrer Ideen gefunden zu haben. <\/p>\n<p>Der Sprung nach Moers lie&#223;e sich gr&#246;&#223;er kaum denken. Nicht allein, was die Gr&#246;&#223;e angeht, auch hinsichtlich der Musik, die hier vorgestellt und vorgelebt wurde. Das Bollwerk in Moers ist ein Jugendzentrum unweit des Bahnhofs. Und trotz der N&#228;he zur Industrie stellt sich ein l&#228;ndliches Gef&#252;hl ein, wenn man in die weite blickt. Und der alte Lokschuppen &#8211; oder was immer das Bollwerk war &#8211; wirkt wie eine Scheune, der gegen&#252;ber zuf&#228;llig statt eines alten Heuwagens ein schicker wei&#223;er D-Zug steht. Ein Sounding D-Zug, um genau zu sein. Morgens bev&#246;lkern Schulklassen das Areal, besuchen das Multimedia-Jazztheater &#8222;Bienenkino&#8220; (siehe der Film aus Moers!). Man ist stolz: alle Erst- und F&#252;nftkl&#228;ssler der Stadt wurden mit Konzerten des Quintetts, betsehend aus Erz&#228;hler, Pianist und Schlagzeuger erreicht! Und das sie erreicht wurden, sp&#252;rt man an den Reaktionen &#252;berdeutlich. F&#252;r den etwas gr&#246;&#223;eren H&#246;rer wirkte der Hauptteil des Programms etwas konstruiert &#8211;  weniger improvisiert als angek&#252;ndigt, die Interaktionsmomente waren auch eher sp&#228;rlich. Viel aufregender dann die Zugabe, als sich  das Gef&#252;hl einstellte, dass in diesem Moment auf Zurufe aus dem Publikum eine Geschichte entsteht. Bis hin zu dem spannenden Prozess, dass auf dem Zeichenbrett eine andere Geschichte entstand als auf der Textebene. Aber statt &#8222;die Giraffe&#8220;, die zuvor mit allerlei Lebensmitteln gef&#252;ttert wurde, bis sie ganz gr&#252;n wurde, &#8222;&#252;bergibt sich&#8220;, w&#228;hlte der S&#228;nger die vornehmere Variante: die Giraffe ist m&#252;de und muss jetzt nach Haus. Die Kinder wussten es besser: &#8222;Die Giraffe kotzt!&#8220; Der Rest ist Vermittlung&#8230; <\/p>\n<p> Die abendliche Reunion der drei bisherigen Improviser in residence f&#252;hrte eindr&#252;cklich vor Augen, welch unterschiedliche musikalische Handschriften Rainer Michalke f&#252;r die Moerser als K&#252;nstler gewonnen hatte &#8211;  und welch unterschiedliches Erlebnis von &#8222;improvisierter&#8220; Musik die Sch&#252;ler der Stadt erfahren konnten. <\/p>\n<p>Die abendlichen Politikerreden, auch die neue Schulministerin und stellvertretende Ministerpr&#228;sidentin Sylvia L&#246;hrmann, waren zugegen &#8211; &#8222;ich sag ja immer, kinder sind nicht gef&#228;&#223;e, die man f&#252;llen, sondern feuer, die man entfachen muss&#8220; &#8211; bezeugten, das hier an einem kleinen Ort etwas entstanden ist, was sich Chancen ausrechnen darf, fortgef&#252;hrt zu werden &#8211; und dabei eine spezifische lokale Tradition der improvisierten Musik aufgreift und im besten Sinne an ein junges Publikum vermittelt. Auch so entsteht Identifikation, vielleicht gar Identit&#228;t. <\/p>\n<p>Nun bin ich bereits in K&#246;ln, &#8222;meiner&#8220; Stadt, als Gast mit dem Zug. In K&#246;ln macht man gro&#223;en Bahnhof. Die K&#246;lner Philharmonie &#246;ffnet heute Mittag ihre Pforten f&#252;r die Zugg&#228;ste, das Ensemble musikFabrik &#8211; der gr&#246;&#223;te freie &#8222;Player&#8220; in der K&#246;lner Neue Musik-Szene &#8211; wirkt mit. Aber auch Th&#252;rmchen-Ensemble und viele andere unterstreichen, dass diese Stadt immer noch zu Recht als ein Zentrum f&#252;r neue Musik gilt. <\/p>\n<p>Es k&#246;nnte ein sch&#246;ner Tag werden. Das Wetter jedenfalls spielt mit. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GeoTagged, [N50.94213, W6.95788] Drei Tage NRW. Drei unterschiedliche Szenen. Essen, eine Gro&#223;stadt mit einer aktiven Musikhochschule und einer feinen Philharmonie &#8211; ein Tag, gepr&#228;gt von der Energie von jungen Musikern: [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[587],"tags":[1476,117,1715,445,1144,1721,1725],"class_list":["post-569","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog","tag-essen","tag-koeln","tag-moers","tag-musikfabrik","tag-nrw","tag-rainer-michalke","tag-sylvia-loehrmann","has_no_thumb"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=569"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/569\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":570,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/569\/revisions\/570"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}