{"id":469,"date":"2010-08-31T18:55:51","date_gmt":"2010-08-31T16:55:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/2010\/08\/31\/mit-clapping-klappts-2\/"},"modified":"2010-09-01T11:23:47","modified_gmt":"2010-09-01T09:23:47","slug":"mit-clapping-klappts-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/2010\/08\/31\/mit-clapping-klappts-2\/","title":{"rendered":"mit clapping klappts"},"content":{"rendered":"<p><img width='640' src='https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/files\/2010\/08\/img_1.jpg'><br \/><i><a target=\"_blank\" href='http:\/\/maps.google.com\/maps?q=51.47218,6.97922'>GeoTagged, [N51.47218, W6.97922]<\/a><\/i><\/p>\n<p>Auf gewisse Dinge ist Verlass. Als ich den Essener Hbf nat&#252;rlich wieder an der falschen Seite verlasse, passiere ich f&#252;nf Bauarbeiter, von denen einer eine Kreiss&#228;ge bedient und die anderen vier die Einhaltung der Arbeitssicherungsvorschriften bewachen. Welch eine Einstimmung auf Neue Musik! Kreiss&#228;ge statt Xenakis! Vielen Dank! <\/p>\n<p>Doch dann: alles ganz anders. Der Reihe nach. <\/p>\n<p>Der Essener Bahnhof ist ein merkw&#252;rdiger Bahnhof. Er trennt die Stadt gewisserma&#223;en in Norden und S&#252;den. S&#252;den ist da, wo R&#252;ttenscheidt ist und alle immer wohnen. (Fragt mich nicht, wieso!) Norden ist da, wo man shoppen geht, wo das Grillo mit Spaghetti auf dem Kopf und mit Schnitzeln um die Augen Werbung f&#252;r das zusammengesparte Theater macht und wo drei-vier Stra&#223;encaf\u00e9s Urbanit&#228;t suggerieren. Die meisten hocken im Starbuck&#8217;s. Der Essener Hauptbahnhof besteht aus unterschiedlichen Ebenen und wenn man zu den Regionalz&#252;gen oder zum Sounding D-Zug will, muss man h&#228;ufig durch komplizierte Tunnelsysteme, die zu allem &#220;berfluss ihre Beleuchtung dauernd wechseln, wie eine Sauna mit hyperaktiven Anwandlungen oder eine Lichtinstallation von rosalie. Doch es gibt eine Hauptdurchgangsstra&#223;e: Und die ist nun umzingelt. Von schwarzgewandeten jungen Musikern, die zwischen den Boutiquen und Fressbuden Aufstellung genommen haben und gerade &#8222;Was ihr wollt&#8220; spielt. Immerhin: Eine Komposition von G&#252;nter Steinke &#8211; kein Flashmob oder so ein neumodischer Kram. (Darauf wird zur&#252;ckzukommen sein.) Nein, sie spielen ein St&#252;ck, das von fanfarenartigen Blechbl&#228;sern eingeleitet wird, in das einige Streicher einstimmen und schlie&#223;lich Holzbl&#228;ser einfallen. Die Musik steigert sich, indem Figuren sich spiralartig wiederholen und am Ende &#8211; &#228;hnlich wie in Hyperion von Georg Friedrich Haas bspw. &#8211; mit filrrender Harmonie kulminieren. Das kriegt nat&#252;rlich nur mit, wer die 8-12 Minuten, die das St&#252;ck dauert, ich habe nicht darauf geachtet, dauert. Daf&#252;r haben die wenigsten Zeit, &#220;berraschung, Ablehnung, Zustimmung, Interesse, das alles l&#228;sst sich auf den Gesichtern ablesen, die dieses musikalische Spalier passieren. F&#252;r die einen ein Spie&#223;rutenlauf, f&#252;r die anderen Musikmassage. <\/p>\n<p>Mit einem Menschen h&#228;tte ich gern noch gesprochen, er hat jeden Musiker gefilmt, mit seinem Mobiltelephon. Er war offensichtlich ganz fasziniert und ich h&#228;tte ihn gern gefragt. Er verschwand in der Menge, w&#228;hrend ich mit Hasto Molavi spreche, der S&#228;ngerin, die einige Reimann-Lieder ganz ber&#252;hrend von einer Balustrade herab gesungen hat. Ein krasseres Beispiel lie&#223;e sich nicht daf&#252;r finden, dass eine solche Bahnhofsaktion f&#252;r die Katz ist. Sie erinnert mich an den Rufer in der W&#252;ste: mit kleiner, doch sehr sch&#246;ner Stimme singt sie Musik, die am Ende einer jahrhundertelangen Entwicklung steht. Die nur stattfinden konnte, weil sich die Musik vom Au&#223;en ins Innen zur&#252;ckgezogen hatte, in die KAMMER. Nun, in die Unbill und den L&#228;rm der Stadt geworfen ist sie schutzlos, nackt. Und viel leiser als der Ghettoblaster mit dem dieser Falcoverschnitt t&#228;nzelnd m&#252;helos alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Gerade darum wichtig, sich dieser Schutzlosigkeit auszusetzen? <\/p>\n<p>Vor dem Bahnhof vereinzelt Studierende, Komponisten, Musiker &#8211; sie haben wei&#223;e Unif&#246;rmchen umgeh&#228;ngt bekommen, verteilen Werbematerial. Sie sind stolz: Sie wollen k&#252;nftig in Ihre Bio schreiben: Gef&#246;rdert von der Bundeskulturstiftung. Das hat Witz. <\/p>\n<p>Auf der S&#252;dseite stehen zwei M&#228;nner im Blaumann. Sie klatschen. Sie haben keine Flyer in der Hand. Sie versuchen nachzumachen, was Stephan Froleyks und das junge Schlagzeugensemble SPLASH gerade zum Besten gegeben haben, vor dem Bahnhof und durch die Bahnhofshalle ziehend: Steve Reichs &#8222;Clapping Music&#8220;. Sounding D hat sie erreicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GeoTagged, [N51.47218, W6.97922] Auf gewisse Dinge ist Verlass. 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