{"id":399,"date":"2010-08-29T21:14:18","date_gmt":"2010-08-29T19:14:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/?p=399"},"modified":"2010-08-29T21:14:18","modified_gmt":"2010-08-29T19:14:18","slug":"kampf-der-musikwelten-muzak-in-oldenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/2010\/08\/29\/kampf-der-musikwelten-muzak-in-oldenburg\/","title":{"rendered":"Kampf der Musikwelten &#8211; Muzak in Oldenburg"},"content":{"rendered":"<p>ngg_shortcode_0_placeholderEin Bahnhof als Kampfgebiet. Musikalisch, versteht sich. In Oldenburg haben sich zahlreiche Musiker &#252;ber den Bahnhof verteilt und spielten Neue Musik was das Zeug hergibt, darunter Werke von Ber&#252;hmtheiten der Szene und andere. Meistens solistisch.Wer aus dem Zug kam oder zum Zug wollte, der musste sich das gefallen lassen. Klangwolken, extraordin&#228;r, in der Schalterhalle. Xenakis &#252;ber Lautsprecher gibt eben keine Ruh&#8216;. Nicht f&#252;r die G&#228;ste des Bahnhoflokals &#8222;Gleis 9&#8220;. Man nahm die Herausforderung an.<!--more--><\/p>\n<p>In dem Ma&#223;e, in dem die Musik aus der Schalterhalle lauter wurde, erh&#246;hte man hier den Pegel. Gewonnen hat letztlich keiner. Denn der menschlichen Stimme, eingestellt auf sprachlichen Austausch, fehlt da einfach die Kraft.<\/p>\n<p>Unter den Musikern selbst scheint das Auff&#252;hrungskonzept auch nicht unumstritten. Ein Komponist und Musiker, anwortete mir auf die Frage, wie er sich in dieser Situation f&#252;hle, dass ihm nicht wohl dabei sei, weil selbst die Musiker untereinander gegeneinander antr&#228;ten, je geradezu in Konkurrenz st&#252;nden.<\/p>\n<p>Mir gef&#228;llt es an sich sehr, an einem Ort auch solche Musik zu h&#246;ren, die man gemeinhin dort nicht erwartet. Schwieriger ist es allerdings, Musik wahrzunehmen, wo sie immer kliingt.<\/p>\n<p>Am alten Rathaus spielte gegen 13:20 Uhr das Glockenspiel. Es war allerdings eine andere Melodie als gew&#246;hnlich (ist ja eine bew&#228;hrte Methode aus der Wahrnehmungspsychologie und der Kunst des Clowning). Offenbar verarbeitete man das Oldenburg-Lied &#8211; und seien sie mir nicht b&#246;s, ich kenne es nicht (&#8222;verfloch &#8211; ten; das Oldenburglied&#8220; von Ali Gorji). Man konnte tats&#228;chlich etwas erkennen, was in diesem Glockenspiel so &#228;hnlich klang. Die Menschen vor Ort, die ich dazu befragen wollte, konnten sich aber schon kurz nach dem St&#252;ck nicht an sein Erklingen erinnern. &#8222;Ich habe da nicht aktiv zugeh&#246;rt&#8220;, oder: &#8222;Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, dann h&#246;re ich nicht auf Musik&#8220; waren einschl&#228;gige Meinungen hierzu. Dass in Oldenburg gerade ein Zug mit Neuer Musik im Gep&#228;ck Halt macht, wussten sie ebenso wenig.<\/p>\n<p>Wer h&#246;rt zu? Im Bahnhof war es ja ein anderes Bild. Man musste, man konnte dem nicht entgehen. Entweder weil es so laut war, oder weil die Musik spielte, w&#228;hrend man auf den Zug wartete oder durch den Bahnhof hindurcheilte.<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<p>Es muss hier dann doch die Frage erlaubt sein, wie viel Musik darf man Menschen zumuten, die nichts daf&#252;r k&#246;nnen, dass sie sich an so einem Platz aufhalten. Ist das nicht eine umgedrehte Form von Muzak?<\/p>\n<p>Das ist ja auch etwas, was auf die anderen Spielorte in Bahnh&#246;fen zutrifft. Man setzt die unschuldig im Bahnhof gefangenen den Kl&#228;ngen aus. Das kann noch gem&#252;tlich sein, wenn in Oldenburg eine Harfenistin &#8222;In a Landscape&#8220; von John Cage spielt, aber es kann geradezu auch extrem gewaltig sein wie bei Xenakis&#8216; elektronischer Musik &#8222;Voyage absolu \u2026&#8220;.<\/p>\n<p>Es w&#228;re sch&#246;n, wenn mir von den Veranstaltern der ganzen Stationen, darauf eine Antwort geben w&#252;rden.<\/p>\n<p><em>Pers&#246;nliche Anmerkung 1:<\/em> Ich hatte als Jugendlicher immensen Spa&#223; daran, Menschen mit dieser Art von Musik zu &#8222;schocken&#8220;. Das w&#228;re auch der einzige Grund gewesen, einen F&#252;hrerschein zu erwerben und Auto zu fahren. Ich h&#228;tte Anhalter mitnehmen k&#246;nnen, die es damals noch gab, und mit Free Jazz oder eben Neuer Musik akustisch herauszufordern &#8211; heute w&#252;rde ich auch Machaut und Dufay dazunehmen. So eine Art Auto-DJ. Deswegen sehe ich so eine Veranstaltung wie die in Oldenburg mit einer gewissen Sympathie.<\/p>\n<p><em>Pers&#246;nliche Anmerkung 2:<\/em> Es ist nicht die Lautst&#228;rke der akustischen Ereignisse allein. Beim Zugfahren, im Bus, &#252;berall wo man mit Menschen zwangsweise zusammen sich aufh&#228;lt, empfinde ich es nerviger, wenn &#252;ber die Ohrh&#246;rer von mobilen Klangabspielger&#228;ten jene Schlagzeugzisch-Laute in einer alle repetitive Musik &#252;berbietenden Weise penetrant durchhuschen. Erg&#228;nzung: Im Zug bin ich gerade von drei Ohrh&#246;rer-H&#246;rer umgeben. Aber alle brav still auf ihrer Weise. Links eine Lesung von &#8222;Der Hamster&#8220; und unter mir tieffrequente Wagonger&#228;usche, erg&#228;nzt um einen jede Minute erklingend ein Signalton und die pneumatische Schiebet&#252;r, die dann und wann robuste Absaugger&#228;usche der funktionierenden (!) Toilette durchl&#228;sst.<\/p>\n<p><em>[Martin Hufner]<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Musik als Bahnhofsmuzak. Beobachtungen zur Gewalt von Musik im &#246;ffentlichen Raum.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[587,1509],"tags":[1658,1659,1650,1652,483,820,1378,1653,1657,1648,1649,1656,1315,5844,1651,1655,1654],"class_list":["post-399","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog","category-foto","tag-ali-gorji","tag-clowning","tag-dufay","tag-herausforderung","tag-iannis-xenakis","tag-jazz","tag-john-cage","tag-jugendliche","tag-konkurrenz","tag-lautsprecher","tag-machaut","tag-musikwelten","tag-muzak","tag-oldenburg","tag-oldenburglied","tag-schalterhalle","tag-sympathie","has_no_thumb"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/399","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=399"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/399\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":411,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/399\/revisions\/411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=399"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.nmz.de\/sounding-d\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}