{"id":26656,"date":"2023-02-11T17:47:34","date_gmt":"2023-02-11T16:47:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/?p=26656"},"modified":"2023-02-16T09:19:06","modified_gmt":"2023-02-16T08:19:06","slug":"meister-guru-und-taeter-gastartikel-von-florian-hoelscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2023\/02\/11\/meister-guru-und-taeter-gastartikel-von-florian-hoelscher\/","title":{"rendered":"Meister Guru &#8211; und T&#228;ter? Gastartikel von Florian H&#246;lscher"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Da in der Welt momentan nicht wenig passiert, ist das Thema Machtmissbrauch an Musikhochschulen in der letzten Zeit nicht so oft besprochen worden, obwohl es nat&#252;rlich weiterhin Skandale gibt, <a href=\"https:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-11560201\/New-Yorks-Juilliard-school-rocked-sexual-misconduct-claims.html\">siehe zum Beispiel hier.<\/a><\/p>\n<p>Der Pianist und Hochschulprofessor <a href=\"https:\/\/www.hfmdk-frankfurt.de\/person\/prof-florian-hoelscher\">Florian H&#246;lscher<\/a> (Musikhochschule Frankfurt) setzt sich vorbildlich f&#252;r die Aufkl&#228;rung und Verhinderung von Machtmissbrauch ein und hat dazu einen sehr erhellenden Artikel geschrieben, den ich vor allem deshalb so bemerkenswert finde, weil er die psychologischen Hintergr&#252;nde beleuchtet, aus denen Machtmissbrauch enstehen kann. Er entwirft darin sogar eine hochinteressante T&#228;tertypologie, in der vielleicht die eine oder der andere Lehrende wiedererkennen, mit denen sie mal zu tun hatten. Nicht alle von diesen werden oder wurden automatisch zu T&#228;tern, aber es geht um bestimmte wiederkehrende Muster.<\/p>\n<p>Man kann immer nur betonen, dass es am besten ist, entstehenden Machtmissbrauch sehr fr&#252;h zu erkennen und potenzielle Aus&#252;bende eines solchen Machtmissbrauchs z.B. durch Gespr&#228;che &#252;ber Fehlverhalten aufzukl&#228;ren, das ihnen vielleicht selbst gar nicht sofort bewusst ist. Erfolgreiche Pr&#228;ventivarbeit ist wesentlich besser als einen entstandenen Scherbenhaufen wieder zu &#8222;richten&#8220;, denn dazu ist es dann oft zu sp&#228;t. Die meisten Institutionen reagieren nach wie vor mit einem automatischen Schutzreflex bei interner Kritik, selbst wenn die Fakten &#252;ber Fehlverhalten eines Lehrenden schon l&#228;ngst auf dem Tisch liegen.<\/p>\n<p>Nun aber zu dem hochinteressanten Artikel von Florian H&#246;lscher, den er uns freundlicherweiser zur Ver&#246;ffentlichung zur Verf&#252;gung gestellt hat. Hans-J&#252;rgen von Bose hat &#252;brigens immer wieder seine Bewunderung f&#252;r Stefan George zum Ausdruck gebracht. Wenn man den Artikel liest, versteht man, warum. (Moritz Eggert)<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meister, Guru \u2013 und T&#228;ter?<\/p>\n<p>&#220;berlegungen zum Zusammenhang zwischen Lehrverst&#228;ndnissen und &#220;bergriffen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Abstract<\/u><\/p>\n<p>In allen Lernsituationen und in allen Lehrverh&#228;ltnissen gibt es Hierarchien. Diese k&#246;nnen didaktisch begr&#252;ndet, aber auch institutionell oder durch Pers&#246;nlichkeitsstrukturen bedingt sein oder aus dem Lehrgegenstand selbst hervorgehen. Beim Nachdenken &#252;ber Machtmissbrauch und &#220;bergriffe lohnt es, auch einen Blick auf diese Urbedingungen von Lehre und Lernen zu werfen. Urs&#228;chliche und notwendige Zusammenh&#228;nge zwischen bestimmten didaktischen Konstellationen und Machtmissbrauch gibt es nicht. Aber die gelebten Lehr- und Lernverst&#228;ndnisse k&#246;nnen jeweils bestimmte Formen von &#220;bergriffen beg&#252;nstigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Voraussetzungen. Die \u201edidaktische Haltung\u201c<\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn es um Lehre an einer Hochschule oder Universit&#228;t und ihre Grundbedingungen geht, wird an hervorgehobener Stelle nahezu immer die F&#228;higkeit der Dozierenden zur Reflexion des eigenen Handelns angemahnt. \u201eHochschuldidaktik beginnt beim Verhalten der Hochschullehrkr&#228;fte zu sich selbst: bei ihren Erfahrungen und bei ihrer F&#228;higkeit und Bereitschaft zur Reflexion des eigenen Tuns, Denkens, F&#252;hlen; bei ihrer Beziehung zu Sachen und Menschen; und f&#252;hrt weiter zu der Bereitschaft, die st&#228;ndige Selbstvergewisserung transparent zu machen.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Im Leitbild der HfMDK klingt dies an zwei Stellen an: \u201eWir streben nach Verbesserung auf Basis kontinuierlicher Reflexion.\u201c und: \u201eWir reflektieren unser k&#252;nstlerisches, p&#228;dagogisches und wissenschaftliches Handeln auf Grundlage der Sicherung, Pflege und Neudeutung des kulturellen Erbes.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Die genannte Forderung nach einer \u201edidaktischen Haltung\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> bezieht sich auf alle Ebenen der Lehre. In diesem Versuch soll der Blick auf die Basisaspekte eines Lehr- und Lernverst&#228;ndnisses gerichtet werden: auf das Hierarchiegef&#228;lle, die Verteilung von Verantwortung zwischen Lehrenden und Studierenden im Lehr- und Lernprozess sowie den Grad der Teilhabe an diesem; schlie&#223;lich auf die Frage einer F&#252;hrung von Studierenden und ihren Lernprozessen: Ob dies, wie es Ulrich Mahlert nennt, etwa gem&#228;&#223; einer instruktivistischen Methode bzw. einem direktiven Unterrichtsstil im Sinne einer Erzeugungsdidaktik geschieht oder nach einer konstruktivistischen Methode, einem nicht-direktiven Unterrichtsstil, gem&#228;&#223; einer Erm&#246;glichungsdidaktik.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt sollen verschiedene Modelle der p&#228;dagogischen F&#252;hrung daraufhin befragt werden, ob sie mehr als andere anf&#228;llig sind f&#252;r einen Missbrauch seelischer oder k&#246;rperlicher Art. Anders gesagt: Gibt es einen (notwendigen oder augenf&#228;lligen) Zusammenhang zwischen Lehrverst&#228;ndnis einerseits und &#220;bergriffen oder Machtmissbrauch jeder Art andererseits?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Hierarchien in der Lehre fr&#252;her und heute. Hochschuldidaktische Forderungen<\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist nicht &#252;berraschend, dass im hochschuldidaktischen Diskurs verbreitet ein eher dialogisches Verh&#228;ltnis mit meist flachen Hierarchien zwischen Lehrenden und Lernenden im Sinne einer konstruktivistischen Methode postuliert wird. Die Anleitung zum eigenverantwortlichen Lernen, die Anpassung eigener Methoden an individuelle Lern- und Studienziele der Studierenden und die Interaktion stehen dabei im Mittelpunkt der &#220;berlegungen. Die Schweizer Vordenkerin Brigitta Pf&#228;ffli nennt unter den Kriterien f&#252;r Qualit&#228;t in der Lehre unter anderen folgende:<\/p>\n<p>\u201eDozierende<\/p>\n<ul>\n<li>verstehen Lernen als individuellen Prozess, erm&#246;glichen deshalb verschiedene Zug&#228;nge zu den Lerninhalten und ber&#252;cksichtigen so die Heterogenit&#228;t der Studierenden,<\/li>\n<li>setzen verschiedene Methoden und Hilfsmittel [\u2026] in Abh&#228;ngigkeit von den Inhalten, Zielen und Ressourcen flexibel, situations- und niveaugerecht ein,<\/li>\n<li>involvieren die Studierenden durch authentische und interaktive Lernumgebungen in verstehende und probleml&#246;sende Lernprozesse,<\/li>\n<li>variieren ihre Rolle entsprechend der Lerngestaltung\u201c.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Sie<\/p>\n<ul>\n<li>\u201ekonkretisieren Lernsituationen, in denen die Studierenden [\u2026] eigene Ziele setzen und eigene Lernwege bestimmen,<\/li>\n<li>&#252;bernehmen Mitverantwortung f&#252;r den Lernprozess der Studierenden,<\/li>\n<li>thematisieren den Aspekt der Eigenverantwortlichkeit f&#252;r den Lernprozess\u201c.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#220;berlegungen dieser Art richten sich nicht nur gegen Lehrformen wie traditionell verstandene Vorlesungen, in denen nur eine Person spricht und in denen Lehre in erster Linie als Wissens-, Erkenntnis- oder Methodentransfer angesehen wird. Indem das Lernen in den Mittelpunkt gestellt wird (h&#228;ufig auch unter dem Schlagwort \u201eThe shift from teaching to learning\u201c), wird f&#252;r alle Lehrformen bis hin zum k&#252;nstlerischen Einzelunterricht ein auf Dialog und Kollegialit&#228;t basierendes Verst&#228;ndnis des Lehr- und Lernverh&#228;ltnisses begr&#252;ndet. Dieses will nicht nur dem Umstand Rechnung tragen, dass man es in der Lehre mit einer gro&#223;en Heterogenit&#228;t und Vielfalt an Pers&#246;nlichkeiten und ihren je eigenen F&#228;higkeiten, Zielen, Denkweisen, ihren Vorlieben und ihren kulturellen, sozialen oder individuellen Pr&#228;gungen zu tun hat. Sondern es schlie&#223;t auch den Gedanken ein, dass die Vermittlung verschiedener k&#252;nstlerischer oder k&#252;nstlerisch-wissenschaftlicher Gegenst&#228;nde jeweils unterschiedliche Methoden, unterschiedliche Arten der Aneignung und des Entdeckens aus sich selbst heraus geradezu fordern:<\/p>\n<p>Mag es noch legitim sein, eine blo&#223;e Information (etwa einer nicht umstrittenen historischen Tatsache) auch einmal ,ex cathedra\u2018 zu verk&#252;nden, so w&#228;re es beispielsweise abwegig, die Entwicklung kreativer oder improvisatorischer Elemente und Prozesse (selbst solcher im Kontext historischer Praxis) oder von interpretatorischen Freiheiten ausschlie&#223;lich durch Vortrag und Anweisung anzulegen.<\/p>\n<p>Zudem hat sich weithin die Ansicht durchgesetzt, dass selbst vermeintlich objektivierbare Schulen \u2013 z.B. Fragen der Haltung, der musikalischen Technik, der Atemf&#252;hrung \u2013 auf individuelle Besonderheiten wie physiognomische oder psychologische Dispositionen eingehen m&#252;ssen, wollen sie nicht nur punktuell erfolgreich sein.<\/p>\n<p>Der Berliner Musikp&#228;dagoge Christoph Richter begr&#252;ndet seine Forderung nach einem auf Dialog und Kollegialit&#228;t basierenden Lehrverst&#228;ndnis auch k&#252;nstlerisch. Ebenso wie ein k&#252;nstlerischer Entdeckungs- und Erkenntnisprozess prinzipiell nie abgeschlossen ist, ist auch ein Prozess der Aneignung in der Lehre ein suchender, offener, abw&#228;gender, kritischer und dialogischer: \u201eSeit einiger Zeit ist das Prinzip des Dialogs und des Gespr&#228;chs zu einer wichtigen Weise des Erkennens, des Denkens, des Handelns und des Umgangs zwischen Menschen geworden. Unter Dialog ist die abw&#228;gende, die sich hin und her wendende Auseinandersetzung &#252;ber etwas [\u2026] zu verstehen \u2013 als Dialog zwischen Menschen, zwischen Menschen und Sachen oder auch im inneren Dialog mit sich selbst, auf der Suche nach guten L&#246;sungen.<\/p>\n<p>Der Dialog lebt vom Austausch des Wissens, von Erfahrungen und Vorstellungen, vom Austausch der individuellen Eigenart und der Ideen der Partner. Zum Wesen der dialogischen Auseinandersetzung geh&#246;ren ihre Unabschlie&#223;barkeit, Vorl&#228;ufigkeit und Ver&#228;nderlichkeit. Dialogisches Verhalten setzt Unsicherheit, Zuh&#246;ren-K&#246;nnen und Neugier voraus, vor allem auch die Einsicht, nicht am Ziel, sondern auf dem Weg zu sein.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>In diesem dialogischen Verhalten, das sowohl das Verst&#228;ndnis von Lehre als auch deren Klima und Umgangsformen pr&#228;gt, sieht Richter eine Grundvoraussetzung f&#252;r eine <u>zeitgem&#228;&#223;e<\/u> \u201eMeister-Lehre\u201c:\u00a0 Diesen Begriff versucht er gleichzeitig neu zu fassen und zu retten. Dem dialogischen Modell stellt er ein traditionelles und unreflektiertes Verst&#228;ndnis von \u201eMeister-Lehre\u201c gegen&#252;ber: \u201eFestgelegtsein auf Handlungs- und Denkweisen, das [\u2026] Beharren auf fertigen und angeblich bew&#228;hrten L&#246;sungen und Methoden, das Einfordern von Gefolgschaft \u2013 und auf der anderen Seite das unkritische &#220;bernehmen und Nachmachen.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p><u>\u00a0<\/u><\/p>\n<p><u>Meisterbegriffe <\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In eben dieser Imitation und Gefolgschaft liegen allerdings die historischen Wurzeln der instrumentalen Ausbildung in Europa: In den Stadtpfeifereien gab es Meister, Gesellen und Lehrlinge; erstere waren nicht nur f&#252;r die Ausbildung der Lehrlinge (die nicht selten bei ihnen im Haushalt lebten) zust&#228;ndig, sondern auch f&#252;r die Durchf&#252;hrung und Organisation von Funktionsmusiken bei Festen, Beerdigungen und anderen &#246;ffentlichen Anl&#228;ssen. Bei diesen Anl&#228;ssen durften Lehrlinge im Sinne eines \u201elearning by doing\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> das Gelernte gleich anwenden: \u201eLernen durch Nachmachen, Abgucken, Mitmachen, durch praktische Musiziervorbereitung und durch Lernen im Ernstfall.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Die Ausbildung muss man sich sehr hierarchisch vorstellen: Die Weitergabe von Lehrgeheimnissen au&#223;erhalb der Zunft war vielerorts unter Strafe gestellt, und analog zu der Ausbildung in Handwerksbetrieben durchlief man die Stationen \u201eAufdingen\u201c und die eigentliche \u201eLehre\u201c, bevor man schlie&#223;lich \u201efreigesprochen\u201c wurde.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Der Meister war der eigentliche und einzige Bezugspunkt: Ihm eiferte man in allen Fragen der Spiel- und &#220;betechnik, im musikalischen Geschmack, im Musikverst&#228;ndnis, aber auch in Fragen der Sittlichkeit oder der Lebensf&#252;hrung und Lebensplanung nach.<\/p>\n<p>Ohne die Entwicklung im Einzelnen nachzeichnen zu wollen, soll kurz die Sprache auf einen ver&#228;nderten \u201eMeister\u201c-Begriff insbesondere im 19. Jahrhundert kommen, der von einem neuen Selbstbewusstsein des \u201eautonomen\u201c K&#252;nstlers, von idealistischer Kunstphilosophie und einem aufkommenden Genie- und Virtuosenkult gespeist ist. Zu den Meistern pilgerte man wie zu Heiligen \u2013 Ulrich Mahlert formuliert: \u201eIm Wort ,Meister\u2018 schwingt eine sakrale Bedeutung mit. Meister ,erleuchten\u2018 ihre Sch&#252;ler. Diese werden seine ,J&#252;nger\u2018, die ihren Meister (archetypisch eine m&#228;nnliche Person) &#252;ber alles verehren, ihm ,nachfolgen\u2018 und seine Lehre tradieren.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Auch heute noch legitimieren sich Lehrende &#252;ber die Ahnenreihe ihrer Lehrer oder Lehrerinnen, die beispielsweise im Falle von Pianistinnen und Pianisten nicht selten &#252;ber Artur Schnabel und Leschetitzky zu Liszt und Czerny f&#252;hrt und schlie&#223;lich bei Beethoven endet.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Viele so genannte Schulen basieren bis heute auf einer traditionellen \u201eMeisterlehre\u201c, und in den meisten F&#228;llen gr&#252;ndet sich die Verehrung der nachfolgenden Generationen auf Faktoren wie handwerkliche Vollendung, musikalische und &#228;sthetische Weisheit, k&#252;nstlerische Vision und pers&#246;nliche Ausstrahlung des Meisters. \u201eDas pr&#228;gendste Moment in der Ausbildung eines Musikers oder einer Musikerin scheint auch noch am Beginn des 21. Jahrhunderts die Begegnung und die k&#252;nstlerisch-fachliche Unterweisung durch einen Meister seines Fachs zu sein.\u201c.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Die Nachahmung und das Nacheifern sind in der \u201eMeisterlehre\u201c die dominierenden Lernprinzipien; entsprechend sind Lehrende in allererster Linie Vorbild und beispielgebende Autorit&#228;ten, deren so genannte Methode &#252;bernommen wird. In manchen F&#228;llen geh&#246;ren Befehle, Anordnungen oder das Aufzwingen von Inhalten, Techniken und Ansichten zu den Elementen der Lehre. Neben einer Legitimierung &#252;ber Traditionslinien wird dabei meist auch der eigene Erfolg des \u201emaestro\u201c als schlagendes Argument benutzt: \u201eIch kann es \u2013 und wei&#223;, wie es geht\u201c.<\/p>\n<p>Eine didaktische Bewertung der Prinzipien der \u201eMeisterlehre\u201c aus heutiger Sicht ist in der Vergangenheit an verschiedenen Stellen versucht worden. Um eine solche geht es hier nicht (nur soviel sei erw&#228;hnt: Das Prinzip der tempor&#228;ren oder partiellen Nachahmung wird als Werkzeug auch in Lehrverst&#228;ndnissen eingesetzt, die prinzipiell im scharfen Gegensatz zu einer Meisterlehre im oben beschriebenen Sinne stehen).<\/p>\n<p>Es geht auch nicht um die unbestreitbaren, gro&#223;en Erfolge, die traditionellen Meister-Lehren zugeschrieben werden k&#246;nnen. Im Folgenden soll einzig der Aspekt der Hierarchie in Meister-Sch&#252;ler-Verh&#228;ltnissen betrachtet werden, insbesondere auch Ph&#228;nomene wie Abh&#228;ngigkeiten und Gehorsam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Charisma, Faszination, Abh&#228;ngigkeit: der \u201egeistige F&#252;hrer\u201c Stefan George<\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein besonders facettenreiches Bild auf ein Spannungsfeld zwischen k&#252;nstlerisch-intellektueller Vision, systematischer und gewollter Abh&#228;ngigkeit, Elementen von krassem Missbrauch auf der einen Seite, sowie Faszination, blinder Gefolgschaft und mehreren menschlichen Trag&#246;dien auf der anderen Seite bietet sich beim Blick auf den Dichter Stefan George (1868-1933) und seinen Kreis.<\/p>\n<p>Es lohnt, an dieser Stelle etwas weiter auszuholen. An George l&#228;sst sich vieles studieren, das in Einzelaspekten auch in musikalischen Ausbildungskontexten auf verschiedensten Niveauebenen gegenw&#228;rtig ist. Das System George ist gut erforscht, und da es sich bei ihm nicht um einen Heiligen des Musiklebens handelt, l&#246;sen die Beschreibungen beim Lesen idealerweise nicht sofortige Abwehrreflexe aus.<\/p>\n<p>George, ein mitunter mythisch verehrter und auch zu Lebzeiten &#228;u&#223;erst einflussreicher Dichter, scharte seit der Jahrhundertwende eine Gruppe von zunehmend systematisch rekrutierten jungen M&#228;nnern (in vielen F&#228;llen nach damaligem \u2013 und in manchen F&#228;llen nach heutigem \u2013 Gesetz minderj&#228;hrig) um sich. Sein Kreis l&#228;sst sich ebenso als geistige Elitevereinigung, Sekte, M&#228;nnerbund, als \u201eStaat\u201c oder als ordensartiges soziales Konstrukt begreifen. Georges Zeitgenosse, der Soziologe Max Weber, sprach von einer \u201evon k&#252;nstlerischen Weltgef&#252;hlen getragenen Sekte\u201c und pr&#228;gte mit Verweis auf den George-Kreis den Begriff \u201echarismatischer Herrschaftsverband\u201c.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Als George die kultische Verehrung des fr&#252;hverstorbenen Kreismitglieds \u201eMaximin\u201c und dessen Stilisierung zum Heiligen etablierte, handelte er sich den Vorwurf ein, nicht nur als Prophet, sondern auch als Religionsstifter zu wirken. Friedrich Gundolf, zentrale Figur des Kreises bis zu seiner Versto&#223;ung, widersprach allerdings Vorw&#252;rfen, es handele sich hierbei um eine Sekte oder einen Geheimbund: Der Kreis sei \u201eeine kleine Anzahl Einzelner mit bestimmter Haltung und Gesinnung, vereinigt durch die unwillk&#252;rliche Verehrung eines gro&#223;en Menschen, und bestrebt, der Idee, die er ihnen verk&#246;rpert (nicht diktiert), schlicht, sachlich und ernsthaft durch ihr Alltagsleben oder durch ihre &#246;ffentliche Leistung zu dienen.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Am Beginn des Kontakts eines sp&#228;teren Kreismitglieds zu George stand jeweils eine \u201e&#228;sthetische Erfahrung\u201c. Im Keim enthielt sie schon das gleichsam religi&#246;se Verh&#228;ltnis zwischen Meister und J&#252;nger, das durch die imitierenden Techniken im Kreisleben sp&#228;ter gefestigt und tradiert wurde. Die &#228;sthetische Erfahrung mit Georges Lyrik diente als eine Art Erweckung zur Nachfolge<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a>.<\/p>\n<p>Der 17-j&#228;hrige Hugo von Hofmannsthal war einer der ersten, um die George warb. Wenige Tage nach der ersten Begegnung formulierte der junge Dichter eindrucksvoll und beklemmend die Atmosph&#228;re von charismatischer Anziehung, Verf&#252;hrung und Angst in seinem ber&#252;hmt gewordenen Gedicht \u201eDer Prophet\u201c, ein Dokument der k&#252;nstlerischen Verarbeitung einer existenziellen Extremsituation:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Halle hat er mich empfangen,<\/p>\n<p>Die r&#228;tselhaft mich &#228;ngstet mit Gewalt,<\/p>\n<p>Von s&#252;&#223;en D&#252;ften widerlich durchwallt;<\/p>\n<p>Da h&#228;ngen fremde V&#246;gel, bunte Schlangen.<\/p>\n<p>Das Tor f&#228;llt zu, des Lebens Laut verhallt,<\/p>\n<p>Der Seele Atmen hemmt ein dunkles Bangen,<\/p>\n<p>Ein Zaubertrunk h&#228;lt jeden Sinn befangen<\/p>\n<p>Und alles fl&#252;chtet hilflos, ohne Halt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er aber ist nicht wie er immer war,<\/p>\n<p>Sein Auge bannt und fremd ist Stirn und Haar.<\/p>\n<p>Von seinen Worten, den unscheinbar leisen,<\/p>\n<p>Geht eine Herrschaft aus und ein Verf&#252;hren<\/p>\n<p>Er macht die leere Luft beengend kreisen<\/p>\n<p>Und er kann t&#246;ten, ohne zu ber&#252;hren.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Max Weber definierte Charisma als \u201emagisch bedingte Qualit&#228;t, um derentwillen eine Pers&#246;nlichkeit als ,F&#252;hrer\u2018 anerkannt wird\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> und machte sie zum Ausgangspunkt einer neuen Herrschaftssoziologie. Charismatische Erziehung hat zum Ziel, \u201eAuserw&#228;hlte wiederum charismatisch zu bef&#228;higen\u201c. Dies setze die \u201eIsolierung von der gewohnten Umgebung voraus\u201c und \u201eEintritt in eine besondere Lebensgemeinschaft, Umgestaltung der gesamten Lebensf&#252;hrung [\u2026], endlich feierliche Rezeption der Erprobten in den Kreis der bew&#228;hrten Tr&#228;ger des Charisma\u201c.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Webers Beschreibung, die teilweise unter Verweis auf die Strukturen des George-Kreises entwickelt worden ist, l&#228;sst sich durchaus in vielen Punkten auf k&#252;nstlerische Ausbildungszusammenh&#228;nge anwenden.<\/p>\n<p>Gerade weil der George-Kreis keinen institutionellen Regeln und institutionell vorgegebenen Machtverh&#228;ltnissen unterworfen war, kann man an ihm so gut studieren, welches Machtpotential in geistig-k&#252;nstlerischer \u201eF&#252;hrerschaft\u201c, in prophetisch angehauchten Meisterfiguren liegt: Wie leicht auf einer nicht rationalen Ebene Heilsversprechen verfangen, Abh&#228;ngigkeiten geschaffen werden und schlie&#223;lich fatale Formen von Erniedrigung, Missbrauch und Ausschluss erwachsen k&#246;nnen. Das ma&#223;volle Sch&#252;ren von Rivalit&#228;ten, ein Spiel mit Beg&#252;nstigungen und Rangfolgen, schlie&#223;lich Degradierungen und Versto&#223;ungen sind dabei Mittel zur Sicherung des Bundes und der meisterlichen Herrschaft. Ein Ausscheiden aus dem Kreis war nicht vorgesehen. Wenn ein Mitglied sich f&#252;r eine akademische Laufbahn oder eine Familiengr&#252;ndung entschied, konnte es zu heftigen Konflikten und zum Bruch kommen, den mehrere junge M&#228;nner nicht verkrafteten. George behandelte Abtr&#252;nnige als Verr&#228;ter und sprach vom \u201ekranken Blut\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a>; es kam zu Selbstmorden, beispielsweise als ein Mitglied zwischen der Freundschaft zu einem \u201eVerr&#228;ter\u201c und der Loyalit&#228;t zu den Idealen des Georgeschen Bundes aufgerieben wurde und damit nicht mehr fertig wurde. Im George-Kreis wurde die \u201e&#220;berwindung des Sexus\u201c als &#252;bergeordnetes Ziel ausgegeben: \u201eDie Liebe zu den sch&#246;nen Knaben musste &#252;ber alle Begierden des Fleisches erhaben sein\u201c<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> \u2013 der Begriff des \u201ep&#228;dagogischen Eros\u201c kursierte. Offenbar kam es in einer h&#228;ufig \u201eerotisch aufgeheizten Stimmung\u201c<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> dennoch auch zu sexuellen Kontakten zwischen George und Mitgliedern des Kreises. Ein (abtr&#252;nniger) Sch&#252;ler erkl&#228;rte dies auch im Nachhinein noch damit, dass George das \u201eUrbild Meister-Sch&#252;ler-Beziehung im 20. Jahrhundert neu etabliert hat, inklusive sexuellen Handlungen\u201c.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> George-Biograph Thomas Karlauf spricht vom \u201eungeheuerliche(n) Versuch, die P&#228;derastie mit Hilfe p&#228;dagogischen Eifers zur h&#246;chsten geistigen Daseinsform zu erkl&#228;ren\u201c.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Die Vorw&#252;rfe sind im Zusammenhang mit den Missbrauchsf&#228;llen an reformp&#228;dagogischen Schulen erneut in den Fokus geraten.<\/p>\n<p>Aus dem Blickwinkel unserer Fragestellung ergibt sich das verst&#246;rende Bild eines von Sendungsbewusstsein getriebenen Charismatikers, der \u2013 ausgehend von seinem Selbstverst&#228;ndnis als \u201egro&#223;er Dichter\u201c und Vision&#228;r \u2013 eine geistige F&#252;hrerrolle ergriff, &#252;ber die er begabte Jugendliche, auch mit Heilsversprechen und unter Verletzung zahlreicher Grenzen, an sich band \u2013 mit teilweise katastrophalen Folgen f&#252;r die Betroffenen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Lehrverst&#228;ndnis und Machtmissbrauch<\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die Verantwortung, die Lehrende mit dem Unterricht &#252;bernehmen, hat schon 1735 der Musiktheoretiker Johann Mattheson hingewiesen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHiern&#228;chst ist auch darauf zu achten, dass man zum Lehr=Meister einen bescheidenen, sittsamen Menschen wehle, der keine &#246;ffentliche, gro&#223;e Laster an sich habe; kein aufgeblasener Fantast; kein Liebhaber falscher Griffe bey jungem Frauenzimmer; kein schmutziger Sau=Nickel; kein Trunckenbold oder Bruder=liederlich sey: denn, wenn er auch sonst alle K&#252;nste bes&#228;&#223;e, und h&#228;tte diese oder andere Unarten an sich, so w&#252;rde der Untergebene an guten Sitten weit mehr dabey verliehren, als im Spielen gewinnen.\u201c<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Berichte von sexuellen &#220;bergriffen im Musikunterricht und &#252;ber deren seelische Folgen gibt es zahlreich und konstant &#252;ber die Jahrhunderte hinweg.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Im Zuge der MeToo-Debatte haben viele Opfer den Mut gefunden, von ihren F&#228;llen zu erz&#228;hlen, und in diesem Zusammenhang sind auch vermehrt Berichte an die &#214;ffentlichkeit gelangt. Bei den &#220;bergriffen geht es um verschiedenste Formen wie verbale, sexuell konnotierte Bel&#228;stigungen, unerw&#252;nschte Ber&#252;hrungen bis hin zu sexueller N&#246;tigung und versuchter oder tats&#228;chlicher Vergewaltigung.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Kontexte, insbesondere Machtstrukturen und Aspekte des Lehrverst&#228;ndnisses, in denen derartige Taten stattfinden, l&#228;sst sich zun&#228;chst konstatieren, dass es &#220;bergriffe in nahezu allen Macht- und Lehrkonstellationen zu geben scheint. Es lassen sich aber wiederkehrende Muster erkennen, die im Folgenden beschrieben werden sollen. Dabei gilt: Taten bleiben Taten \u2013 mit der Analyse von Mustern und Kontexten werden diese nicht erkl&#228;rt und sicherlich nicht entschuldigt. Der folgende Versuch einer beispielhaften Typologie kann m&#246;glicherweise f&#252;r problematische Zusammenh&#228;nge sensibilisieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Der \u201eHeilsbringer\u201c<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>In vielen Berichten in der Literatur wird beschrieben, dass manche junge Studierende \u2013 nach Meinung der Lehrenden \u2013 (noch) eine gewisse Scheu haben, sich in der Kunst und mit der Kunst extrovertiert und emotional zu &#228;u&#223;ern, sei es im Unterricht oder auf der B&#252;hne. Die Studiensituation macht sie eventuell unsicher, Verehrung und Machtgef&#228;lle m&#246;gen eine Rolle spielen, ebenso die neue und manchmal sehr fremde Umgebung. Manche sind vielleicht schlicht so erzogen worden, dass sie dem \u201eMeister\u201c dem&#252;tig entgegenzutreten haben. Der \u201eMeister\u201c diagnostiziert das und beschreibt die Sch&#252;chternheit als gro&#223;es Defizit, als Problem, das nur er zu l&#246;sen in der Lage sei \u2013 unter der Voraussetzung, dass man sich ihm ganz anvertraue. Das Handlungsmuster wird oft auch in Verbindung mit der Feststellung von k&#246;rperlichen oder bewegungstechnischen Blockaden beschrieben.<\/p>\n<p>Dieses Prinzip ist vergleichbar mit dem, das auch Stefan George pflegte: Der \u201eMeister\u201c konstatiert, dass der Sch&#252;ler oder die Sch&#252;lerin unabdingbar eine bestimmte Entwicklung zu durchschreiten habe, wenn er oder sie etwa zu Wahrheit, Erkenntnis, h&#246;chster Kunst oder gar Erl&#246;sung kommen wolle; auch George war der Meinung, dass \u201eder Weg zur neuen Kunst (\u2026) ausschlie&#223;lich &#252;ber ihn\u201c f&#252;hre.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p>Im Zuge von vermeintlich direkt pers&#246;nlichkeitsbildenden, als Therapie getarnten Ma&#223;nahmen werden dann auch Grenzen verletzt. Besonders h&#228;ufig wird davon berichtet, dass ein Meister Studierenden aus anderen Kulturkreisen dabei \u201ehelfen\u201c wolle, sich von ihrer Erziehung und ihren kulturellen Pr&#228;gungen zu \u201ebefreien\u201c. Die Mechanismen einer Machtsch&#246;pfung, deren sich die Verantwortlichen bedienen, erinnern in fataler Weise an George, der von seinen J&#252;ngern verlangt hatte, mit dem bisherigen Leben zu brechen. In vielen beschriebenen F&#228;llen &#252;bernimmt der so genannte Meister die kulturelle \u201eInitiation\u201c gleich selbst, im extremen Fall gilt die \u00a0vermeintliche sexuelle Befreiung der Studierenden als Bestandteil davon. Sexuelle &#220;bergriffe werden dann in zynischer Weise getarnt als Lernziel \u2013 im Sinne von: Die Studierenden m&#252;ssen \u201eerfahren, was k&#252;nstlerische Freiheit wirklich sei\u201c etc. \u2013 als w&#252;rden diese &#220;bergriffe dazu beitragen, Musik in ihrer je eigenen Gedanken- oder Gef&#252;hlswelt, in ihrer Atmosph&#228;re und in ihrem biographischen Kontext wirklich n&#228;her zu kommen, sie zu verstehen und nachzuvollziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Der \u201em&#228;chtige Kumpel\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf einen ersten Blick k&#246;nnte man denken, dass es immer dann leichter zu &#220;bergriffen und zur Verletzung der psychischen und physischen Integrit&#228;t von Studierenden kommt, wenn das Hierarchegef&#228;lle im Unterrichtsverh&#228;ltnis nicht zu gro&#223; ist \u2013 wenn man sich scheinbar eher auf einer Ebene begegnet. Dann sitzt das Gespr&#228;ch etwas lockerer, ist die private und letztlich die intime Verabredung \u201enat&#252;rlicher\u201c. Dem kann entgegengehalten werden, dass auch sehr machtbewusste Personen, die Gefolgschaft und Gehorsam einfordern, unter Umst&#228;nden eine freundschaftliche und heimelige Atmosph&#228;re schaffen, in der man spricht, sich austauscht und anvertraut. &#196;hnliches wird aus dem George-Kreis durchaus auch berichtet: Der Meister sei im pers&#246;nlichen Umgang &#252;berraschend \u201eeinfach\u201c gewesen, man traf sich im privaten Rahmen, etablierte eine lockere \u201eGruppe\u201c.<\/p>\n<p>Wenn es um &#220;bergriffe geht, findet sich allerdings tats&#228;chlich in einer besonders gro&#223;en Zahl von Berichten das Muster, dass Dozierende sich nahbar geben, sich mit Studierenden zu Freizeitaktivit&#228;ten in Caf\u00e9, Theater, auch im Schwimmbad oder in der Diskothek verabreden und\/ oder das verstehende, vertraute Gespr&#228;ch \u201evon gleich zu gleich\u201c suchen.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Die Grenzen zwischen Professionellem und Privatem verschwimmen dann wom&#246;glich umso leichter, je geringer auch die sprachliche Distanz ist.<\/p>\n<p>In diesen unklaren Zusammenh&#228;ngen mag es f&#252;r manche Studierende zun&#228;chst &#252;berraschend sein, wie \u201enormal\u201c die bewunderte und ber&#252;hmte Person ist. Manche lassen sich suggerieren, sie seien &#252;ber die pers&#246;nliche N&#228;he zu der wichtigen Pers&#246;nlichkeit, die &#252;ber Karrieren entscheiden kann, schon Teil des Betriebs, in den sie unbedingt eintreten wollen. Das kann von eben diesen \u201ewichtigen\u201c Personen ausgenutzt werden, es k&#246;nnen auch spiralartige Entwicklungen entstehen.<\/p>\n<p>In Bezug auf das vermeintlich kollegiale Lehrverst&#228;ndnis bleibt anzumerken, dass das Machtgef&#228;lle immer bestehen bleibt, unabh&#228;ngig von den Umgangsformen und vom Gespr&#228;chston:\u00a0 Die m&#228;chtige Person \u2013 das ist institutionell vorgegeben &#8211; hat in der Regel nicht nur einen inhaltlichen Erfahrungsvorsprung und einen h&#246;heren sozialen Status, sie hat auch ein weitgehendes \u201eDeutungsmonopol\u201c, sie entscheidet am Ende &#252;ber Noten, &#252;ber die Aufnahme in h&#246;here Studieng&#228;nge, schreibt Empfehlungen, f&#252;hrt in Netzwerke ein, etc. Es hilft, diese Tatsachen transparent zu machen, denn nur so wird klar, dass es letztlich immer die Lehrperson ist, die den \u201eTon\u201c vorgibt \u2013 sie entscheidet, ob man distanziert oder kumpelhaft, pers&#246;nlich oder professionell, zweideutig oder respektvoll miteinander umgeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Der \u201eF&#252;rst\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p>Im Zuge der MeToo-Debatte ist ein dritter Typus (vor allem in der Presse) immer wieder beschrieben worden: Der Typus des seiner Macht bewussten Herrschers, der sich gleichsam au&#223;erhalb des juristischen Rahmens sieht und der sich jederzeit das Recht herausnimmt, &#252;bergriffig zu werden. Er h&#228;lt sich schon aufgrund seiner Position f&#252;r unwiderstehlich und versteckt seine Absichten nicht einmal. Die Tatbest&#228;nde sind meist recht eindeutig: Es geht um Drohungen, Nachstellungen, N&#246;tigungen, Vergewaltigungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>\u201eUnd er kann t&#246;ten, ohne zu ber&#252;hren\u201c<\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sexuelle &#220;bergriffe sind besonders verabscheuensw&#252;rdige Formen des Machtmissbrauchs und der Ausnutzung von Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnissen. Aber auch Auspr&#228;gungen des seelischen Missbrauchs, Erniedrigung, Erzeugung von H&#246;rigkeit, Formen der Erpressung, Anwendung von Zwang und vieles mehr sind vielfach beobachtet und beschrieben worden und nicht hinnehmbar. Sie stehen, das ist meine These, zumindest auch in Zusammenhang mit einem Lehrverst&#228;ndnis. Eine unvollst&#228;ndige und punktuelle Aufz&#228;hlung mag beschreiben, was gemeint ist:<\/p>\n<ul>\n<li>Der oben beschriebene \u201eHeilsbringer\u201c schafft h&#228;ufig einen Kult um sich herum, &#252;ber den er schwere Abh&#228;ngigkeiten provozieren kann, selbst wenn es nicht zu sexuellen &#220;bergriffen kommt. Viele verstehen sich als Guru oder Meister und versehen ihre Lehre mit einer Vorstellung von Exklusivit&#228;t, die jeden Kontakt der Studierenden zu alternativen, erg&#228;nzenden Lehrmeinungen ausschlie&#223;t. Wer sich bei anderen kompetenten Spezialistinnen oder Spezialisten punktuell weiter ausbilden lassen m&#246;chte, wird zum Verr&#228;ter.<\/li>\n<li>Es wird vielfach beschrieben, dass Lehrkr&#228;fte sich im Unterricht ungefragt therapeutisch bet&#228;tigen, auch wenn sie daf&#252;r nicht ausgebildet sind. Betrifft diese \u201eTherapie\u201c Aspekte der K&#246;rperwahrnehmung, kommt es immer wieder zu &#220;bergriffen, zu zweideutigen und unerw&#252;nschten Situationen. Betrifft die \u201eTherapie\u201c hingegen Fragen der Pers&#246;nlichkeit, etwa das Selbstbewusstsein der Studentin oder des Studenten, entsteht Schaden vielfach nicht nur durch dilettantisches Vorgehen, sondern es kann z.B. ein legitimes Bed&#252;rfnis der Studentin oder des Studenten nach professioneller psychologischer Distanz gest&#246;rt werden: Lehrpersonen mischen sich in Belange ein, die sie nichts angehen, sie nehmen Einfluss in Bereichen, die au&#223;erhalb des eigentlichen Unterrichtsfeldes liegen, sie &#252;berschreiten ihren Kompetenzbereich und werden so seelisch &#252;bergriffig.<\/li>\n<li>Dozierende \u201evernichten\u201c mit einem Feedback, etwa nach einer Pr&#252;fung, die Studierenden, ohne dass sie irgendeine Verantwortung daf&#252;r &#252;bernehmen, wie die Studierenden in der Folge damit umgehen k&#246;nnen. An vielen Hochschulen (auch in Einzelf&#228;llen an der HfMDK) fehlen bis heute in vielen Studieng&#228;ngen klare Beschreibungen der so genannten Zielkompetenzen. F&#252;r Bewertungen fehlen damit transparente Kriterien, was den Boden bereitet f&#252;r Willk&#252;r, Beg&#252;nstigungen, Benachteiligungen.<\/li>\n<li>Ein \u201eS&#228;nger-Papst\u201c, der &#252;ber Karrieren entscheidet, empfiehlt einem jungen aufstrebenden S&#228;nger, er m&#246;ge doch besser Arzt werden: Diese Geschichte ist ber&#252;hmt geworden, weil sie in der &#246;ffentlichen Wahrnehmung ein \u201egutes\u201c Ende genommen hat. Der damals junge S&#228;nger ist mittlerweile selbst weltber&#252;hmt. Von den unz&#228;hligen destruktiven und vermeintlich abschlie&#223;enden Urteilen &#252;ber letztlich nicht erfolgreiche K&#252;nstlerinnen und K&#252;nstler wird in der Regel nicht berichtet. Diese Urteile haben aber, so steht zu vermuten, wesentlich zum Scheitern der Ambitionen und der Hoffnungen beigetragen.<\/li>\n<li>Dozierende k&#246;nnen auch k&#252;nstlerisch Gehorsam und Gefolgschaft einfordern \u2013 schlie&#223;lich sitzen sie als Haupt-Begutachtende in der Regel auch in der Abschlusspr&#252;fung. Ein unreflektiertes Meister-Denken, dessen Ziel die erfolgreiche Nachahmung des Vorbilds durch die Lernenden ist, st&#246;&#223;t hier auf einer sehr einfachen Ebene an klare ethische Grenzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einem solchen Lehrverh&#228;ltnis ist Widerspruch unter Umst&#228;nden nicht vorgesehen. Studierende haben keine M&#246;glichkeit, sich zu wehren, wenn sie sich k&#252;nstlerisch oder pers&#246;nlich unverstanden, bedr&#228;ngt oder eingeengt f&#252;hlen. Es ist auch schwer vorstellbar, dass in einem solchen Kontext durch Studierende Respekt, wohlwollende Behandlung, Fairness oder auch mehr k&#246;rperliche Distanz eingefordert werden k&#246;nnen.<\/p>\n<ul>\n<li>Gegen die Aus&#252;bung von direkter Gewalt und Zwang, die \u201eKnechtschafft der Kunst-Pfeifferey\u201c, ihre \u201eSclaverey und Pr&#252;ge=Probe\u201c wandte sich schon Johann Mattheson: \u201eDenn durch den Zwang werden <em>Ingenia <\/em>niedergeschlagen \/ der Mensch verliehret seine nat&#252;rliche Gem&#252;ts Freyheit \/ er wird verdrie&#223;lich \/ tr&#228;ge \/ faul [\u2026].\u201c<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Ulrich Mahlert folgert: \u201eSp&#228;te Relikte solcher Gepflogenheiten sind Anschreien, Beschimpfen, Ver&#228;chtlichmachen, Liebesentzug und anderer Psychoterror \u2013 Gruselwerkzeuge einer schwarzen P&#228;dagogik [\u2026].\u201c<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Ausblick<\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unabh&#228;ngig davon, wie man \u201eMeister\u201c &#252;berhaupt definiert, sind \u201eMeister\u201c nat&#252;rlich weder &#252;blicherweise noch notwendigerweise T&#228;ter. K&#252;nstlerische und k&#252;nstlerisch-p&#228;dagogische Exzellenz darf \u2013 m&#246;glicherweise muss \u2013 mit Charisma, mit starken &#220;berzeugungen, mit fachlicher Besessenheit und &#228;sthetischer Leidenschaft ebenso einhergehen wie mit einem verantwortungsvollen Sendungsbewusstsein. Und es gibt erwiesenerma&#223;en &#220;bergriffe in flachen Hierarchien gleicherma&#223;en wie in autorit&#228;ren Lehrverh&#228;ltnissen.<\/p>\n<p>Statistiken und tiefergehende Studien zum Zusammenhang zwischen Lehrmodellen und &#220;bergriffen verschiedenster Art fehlen. Die Schlussfolgerung liegt allerdings nahe, dass bestimmte didaktische Konzepte (oder das Fehlen von ebendiesen) eher den Boden f&#252;r bestimmte Arten des Missbrauchs von Macht und Verantwortung bereiten als andere. So mag an der Stelle eines Fazits ein Pl&#228;doyer stehen:<\/p>\n<p>Wenn es im Unterrichtsverst&#228;ndnis die Ebene des erwarteten Gehorsams und der inhaltlichen, seelischen oder pers&#246;nlichen Abh&#228;ngigkeit &#252;berhaupt nicht gibt, ist ein &#220;bergriff oder eine ungute Entwicklung in diesem Bereich auch weniger wahrscheinlich oder gar nicht zu erwarten. Unreflektierte Schulen- oder Legendenbildungen haben in einer zeitgem&#228;&#223;en Didaktik, die sich auf ein modernes, aufgekl&#228;rtes Bildungsverst&#228;ndnis beruft, keinen Platz. Verzichtet man auf umfassende, also nicht-punktuelle Nachahmung, r&#252;ckt die Lehrperson automatisch ein wenig aus dem Fokus; den freiwerdenden Platz nehmen die Inhalte (Werke, Techniken, Stilistiken) sowie die lernende Person mit ihrer eigenen Suche, ihren eigenen Voraussetzungen, Sichtweisen und Bed&#252;rfnissen ein. Versteht man Lehre aber in dieser Weise als kompetente Begleitung eines Lern- und Aneignungsprozesses, ergibt sich fast von selbst ein respektvolles und auf Interesse gegr&#252;ndetes, gleichzeitig gesund-distanziertes Unterrichtsverh&#228;ltnis, in dem &#220;bergriffe fern liegen. Respekt ist dann kein von au&#223;en herangetragenes, der Lehre &#252;bergest&#252;lptes Prinzip, sondern eine aus den Bedingungen selbst erwachsende Selbstverst&#228;ndlichkeit.<\/p>\n<p>Erg&#228;nzend lohnt ein weiterer Blick ins Leitbild der Frankfurter Hochschule, in dem es hei&#223;t: \u201eWir begegnen einander mit Wertsch&#228;tzung, in wechselseitiger Anerkennung der Kompetenzen und schaffen eine Atmosph&#228;re, in der Authentizit&#228;t und Kreativit&#228;t gedeihen k&#246;nnen\u201c.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> Es ist unsere Aufgabe, dieses Leitbild mit Leben zu f&#252;llen.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals in einer internen Antidiskriminierungsbrosch&#252;re der Hochschule f&#252;r Musik und Darstellende Kunst Frankfurt\/Main: \u201eBegegnung. N&#228;he. Grenzen\u201c. Ein Handbuch f&#252;r den Hochschulalltag, Frankfurt am Main 2022\u201c, abrufbar zum Download unter: <a href=\"https:\/\/www.hfmdk-frankfurt.de\/thema\/antidiskriminierungsbeauftragte\">https:\/\/www.hfmdk-frankfurt.de\/thema\/antidiskriminierungsbeauftragte<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Darin gibt es lesenswerte weitere Artikel und Informationen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Christoph Richter: Meister-Unterricht. Prinzipien der Meisterlehre fr&#252;her und heute, in: &#252;ben &amp; musizieren 03\/2012, S. 6-11, hier S. 9<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Leitbild der Hochschule f&#252;r Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Richter, Meister-Unterricht, a.a.O., S. 9<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ulrich Mahlert: Wege zum Musizieren. Mainz 2011, S.35ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Brigitta K. Pf&#228;ffli: Lehren an Hochschulen. Eine Hochschuldidaktik f&#252;r den Aufbau von Wissen und Kompetenzen. Bern <sup>2<\/sup>2015, S. 46.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Richter: Meister-Unterricht, a. a. O, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Hierzu Magdalena Bork: Jenseits von \u201egut\u201c und \u201eb&#246;se\u201c. Meisterlehre im 21. Jahrhundert \u2013 Erkenntnisse aus einer Wiener AbsolventInnen-Studie, in: &#252;ben &amp; musizieren 03\/2012, S. 12-16, hier S. 12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Richter: Meister-Unterricht, a. a. O., S. 7.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. hierzu Michael Roske: Umrisse einer Sozialgeschichte der Instrumentalp&#228;dagogik, in: Handbuch der Musikp&#228;dagogik,hrsg. von Christoph Richter, Bd. 2, Kassel\/Basel\/London 1993, S. 158-196.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ulrich Mahlert, Editorial zu: &#252;ben &amp; musizieren 03\/2012, S. 1.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Das Beispiel stammt aus: Henry Kinsbury: Music. Talent and Performance: a Conservatory Cultural System, Philadelphia 2001, S. 46; hier zitiert nach Raymond Ammann: Exzellenzkriterien f&#252;r die \u201cMeister-Sch&#252;ler\u201d-Beziehung im Musikunterricht, Forschungsbericht der Hochschule Luzern 2013, S. 17f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Bork: Jenseits von \u201egut\u201c und \u201eb&#246;se\u201c, a. a. O., S. 12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. hierzu: Thomas Karlauf: Stefan George. Die Entdeckung des Charisma, M&#252;nchen <sup>2<\/sup>2019, S. 410-418.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Friedrich Gundolf: George, Berlin 1920, S. 31, zitiert nach: Thomas Karlauf: Stefan George, a. a. O., S. 410.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Vgl. hierzu: Gunilla Eschenbach: Imitation im George-Kreis, Berlin 2011, S. 12f<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Hugo von Hofmannsthal: Gesammelte Werke. Gedichte und lyrische Dramen, Frankfurt am Main 1970, S. 502.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Vgl. Karlauf: Stefan George, a. a. O., S. 412 und 416.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Ebd., S. 417.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Thomas Karlauf: P&#228;derastie aus dem Geist Stefan Georges? Interview mit Julia Encke, Frankfurter Allgemeine Zeitung 05.04.2010.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Thomas Karlauf: Stefan George,a. a. O., S. 388.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Karlauf: P&#228;derastie, a. a. O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Karlauf: Stefan George, a. a. O., S. 394.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Johann Mattheson: Kleine General=Ba&#223;=Schule, Hamburg 1735, S. 60.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Vgl. hierzu insbesondere: Freia Hoffmann (Hrsg.): Panische Gef&#252;hle. Sexuelle &#220;bergriffe im Instrumentalunterricht. Mainz 2006 sowie Matthias Bartsch, Martin Knobbe, Jan-Philipp M&#246;ller: Gef&#228;hrliche N&#228;he. In: Der Spiegel, 27.04.2019.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Der Autor verzichtet hier auf eine gender-neutrale Bezeichnung. Damit soll nicht angedeutet werden, dass ein &#228;hnliches Verhalten nicht auch gelegentlich bei nicht-m&#228;nnlichen Personen beobachtet werden konnte oder kann.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Vgl. Karlauf: Stefan George, a. a. O., S. 17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Solche Aktivit&#228;ten k&#246;nnen selbstverst&#228;ndlich auch tats&#228;chlich einvernehmlich stattfinden, so wie es auch zu einvernehmlichen Liebesverh&#228;ltnissen zwischen erwachsenen Menschen aus dem Lehrkontext heraus kommen kann.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Zitiert nach Ulrich Mahlert: M&#228;chte und Ohnm&#228;chte. Musizierunterricht als Machtgef&#252;ge. In: &#252;ben &amp; musizieren 01\/2021, S. 6-10, S. 8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Vgl. Leitbild der Hochschule f&#252;r Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, a. a. O.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" style=\"display:none\"><div class=\"ShariffHeadline\"> <\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Meister%20Guru%20%E2%80%93%20und%20T%C3%A4ter%3F%20Gastartikel%20von%20Florian%20H%C3%B6lscher https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2023%2F02%2F11%2Fmeister-guru-und-taeter-gastartikel-von-florian-hoelscher%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#6364FF; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"75\" height=\"79\" viewBox=\"0 0 75 79\" fill=\"none\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\"><path d=\"M37.813-.025C32.462-.058 27.114.13 21.79.598c-8.544.621-17.214 5.58-20.203 13.931C-1.12 23.318.408 32.622.465 41.65c.375 7.316.943 14.78 3.392 21.73 4.365 9.465 14.781 14.537 24.782 15.385 7.64.698 15.761-.213 22.517-4.026a54.1 54.1 0 0 0 .01-6.232c-6.855 1.316-14.101 2.609-21.049 1.074-3.883-.88-6.876-4.237-7.25-8.215-1.53-3.988 3.78-.43 5.584-.883 9.048 1.224 18.282.776 27.303-.462 7.044-.837 14.26-4.788 16.65-11.833 2.263-6.135 1.215-12.79 1.698-19.177.06-3.84.09-7.692-.262-11.52C72.596 7.844 63.223.981 53.834.684a219.453 219.453 0 0 0-16.022-.71zm11.294 12.882c5.5-.067 10.801 4.143 11.67 9.653.338 1.48.471 3 .471 4.515v21.088h-8.357c-.07-7.588.153-15.182-.131-22.765-.587-4.368-7.04-5.747-9.672-2.397-2.422 3.04-1.47 7.155-1.67 10.735v6.392h-8.307c-.146-4.996.359-10.045-.404-15.002-1.108-4.218-7.809-5.565-10.094-1.666-1.685 3.046-.712 6.634-.976 9.936v14.767h-8.354c.109-8.165-.238-16.344.215-24.5.674-5.346 5.095-10.389 10.676-10.627 4.902-.739 10.103 2.038 12.053 6.631.375 1.435 1.76 1.932 1.994.084 1.844-3.704 5.501-6.739 9.785-6.771.367-.044.735-.068 1.101-.073z\"\/><defs><linearGradient id=\"paint0_linear_549_34\" x1=\"37.0692\" y1=\"0\" x2=\"37.0692\" y2=\"79\" gradientUnits=\"userSpaceOnUse\"><stop stop-color=\"#6364FF\"\/><stop offset=\"1\" stop-color=\"#563ACC\"\/><\/linearGradient><\/defs><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button bluesky shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#84c4ff\"><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Meister%20Guru%20%E2%80%93%20und%20T%C3%A4ter%3F%20Gastartikel%20von%20Florian%20H%C3%B6lscher https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2023%2F02%2F11%2Fmeister-guru-und-taeter-gastartikel-von-florian-hoelscher%2F \" title=\"Bei Bluesky teilen\" aria-label=\"Bei Bluesky teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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