{"id":14472,"date":"2016-12-17T14:15:26","date_gmt":"2016-12-17T13:15:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/?p=14472"},"modified":"2016-12-17T14:15:26","modified_gmt":"2016-12-17T13:15:26","slug":"der-stand-der-dinge-7-und-letzte-folge-der-tod-der-kunst-ein-ausblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2016\/12\/17\/der-stand-der-dinge-7-und-letzte-folge-der-tod-der-kunst-ein-ausblick\/","title":{"rendered":"Der Stand der Dinge (7. und letzte Folge): Der Tod der Kunst &#8211; Ein Ausblick"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Manchmal ist es ganz gut, kurz innezuhalten und etwas m&#246;glichst n&#252;chtern zu betrachten, ohne einen von Ideologien, falschen Erwartungen oder eigenen Hoffnungen verstellten Blick. Vielleicht ist das neue Design des Bad Blogs ein guter Anlass dazu.<br \/>\nNat&#252;rlich gibt es nie einen endg&#252;ltigen \u201eStand der Dinge\u201c, alles ist im Fluss. Aber gerade diese Tatsache l&#228;sst uns vielleicht manchmal Dinge erwarten, die nicht m&#246;glich sind, oder andersherum Dinge &#252;bersehen, die durchaus m&#246;glich w&#228;ren.<br \/>\nHier also ein m&#246;glichst emotionsloser Blick auf die Neue Musik, wie sie sich heute, am Ende des Jahres 2016, darstellt. Man m&#246;ge mir massiv oder zaghaft widersprechen oder zustimmen, nichts an dieser Diskussion ist abgeschlossen oder der Weisheit letzter Schluss, es ist allein ein Versuch einer unsentimentalen Bestandsaufnahme, bei der ich nat&#252;rlich von eigenen Erfahrungen gepr&#228;gt bin. Wo diese von Lesern erg&#228;nzt, kommentiert oder erweitert w&#252;rden, beg&#228;nne es spannend zu werden.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/06-klassizismus-jacques-louis-david-marat.jpg?ssl=1\" class=\"thickbox no_icon\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"14473\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2016\/12\/17\/der-stand-der-dinge-7-und-letzte-folge-der-tod-der-kunst-ein-ausblick\/06-klassizismus-jacques-louis-david-marat\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/06-klassizismus-jacques-louis-david-marat.jpg?fit=620%2C798&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"620,798\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"06-klassizismus-jacques-louis-david-marat\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/06-klassizismus-jacques-louis-david-marat.jpg?fit=620%2C798&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/06-klassizismus-jacques-louis-david-marat.jpg?resize=233%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14473\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/06-klassizismus-jacques-louis-david-marat.jpg?resize=233%2C300&amp;ssl=1 233w, https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/06-klassizismus-jacques-louis-david-marat.jpg?resize=600%2C772&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/06-klassizismus-jacques-louis-david-marat.jpg?w=620&amp;ssl=1 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Der Tod der Kunst &#8211; Ein Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>In der letzten Folge meiner Situationsbeschreibung der &#8222;Neuen Musik&#8220; akademischer Pr&#228;gung komme ich nicht umhin, einen Blick auf die Gesamtsituation zu werfen, in der Kultur &#252;berhaupt stattfindet. Diese ist zweifelsohne von politischen Umst&#228;nden gepr&#228;gt. <\/p>\n<p>In der Kulturgeschichte der Menschheit gab es immer wieder Epochen, in denen f&#252;r Kultur g&#252;nstige Freir&#228;ume existierten. Die Umst&#228;nde f&#252;r diese Freir&#228;ume gleichen sich, denn sie haben folgende Kriterien:<\/p>\n<p>&#8211; eine stabile Lebenssituation innerhalb eines sozialen und politischen Umfeldes, das von einem gewissen Wohlstand der Bev&#246;lkerung gepr&#228;gt ist<br \/>\n&#8211; starke Pr&#228;senz von hochwertigen Bildungsinstitutionen (Universit&#228;ten, Schulen etc.).<br \/>\n&#8211; eine Gelassenheit der herrschenden Strukturen gegen&#252;ber den K&#252;nsten, die diesen trotz immer existierender &#8222;Tabus&#8220; (z.B. Gottesl&#228;sterung, Kritik an der Obrigkeit) einen Freiraum zuordnet, die sprichw&#246;rtliche &#8220; Narrenfreiheit&#8220;<br \/>\n&#8211; eine pr&#228;sente Schicht von individuellen &#8222;G&#246;nnern&#8220; und M&#228;zenen, die den Kunstbetrieb finanziell befeuern und aktiv daran teilnehmen<\/p>\n<p>Als besonders g&#252;nstig f&#252;r hochwertige Kultur erweisen sich zudem noch folgende Kriterien:<\/p>\n<p>&#8211; gesellschaftlicher &#8222;Aufbruch&#8220;, zum Beispiel durch Konsolidierung (siehe Renaissance) oder soziale und politische Umbr&#252;che, die die Freiheit und M&#246;glichkeiten von Individuen bef&#246;rdern oder positiv ver&#228;ndern<br \/>\n&#8211; technologischer und wirtschaftlicher Aufschwung<br \/>\n&#8211; Neue Einfl&#252;sse (z.B. Amalgamierung von bisher fremden kulturellen Einfl&#252;ssen, g&#252;nstiges Umfeld f&#252;r &#8222;Zugereiste&#8220;, intensiver Kontakt mit anderen Kulturen)<\/p>\n<p>Als Paradebeispiel mag hier die besondere Rolle von St&#228;dten wie Wien oder Venedig in der Musikgeschichte gelten. In beiden St&#228;dten gab es jeweils l&#228;ngere Zeitraume, in denen sich ein an Vielfalt reiches kulturelles Umfeld bilden konnte, das sich durch gro&#223;e Kosmopolit&#228;t auszeichnete. Es war &#8222;eingewanderten&#8220; K&#252;nstlern m&#246;glich, Status und Ansehen zu erlangen, gleichzeitig bef&#246;rderte diese Konkurrenz im positiven Sinne die einheimischen Talente. Zudem gab es intensiven Kontakt mit einem extrem heterogenen kulturellen Umfeld, z.B. durch Handel oder Geopolitik, eine Umstand, der in Europa besonders zum Tragen kam.<\/p>\n<p>Dieses Prinzip des &#8222;Melting Pot&#8220; machte auch die USA zur Weltmacht, die sie heute ist &#8211; eine gleichzeitig relativ stabile und m&#246;glichst heterogene Gesellschaft die sich gr&#246;&#223;tenteils erfolgreich auf bestimmte gemeinsame Werte einigen kann ist &#8211; das beweist die Geschichte immer wieder &#8211; g&#252;nstig f&#252;r wissenschaftlichen wie auch kulturellen Fortschritt. Im Gegensatz dazu bieten sich stark abgrenzende Nationen nie einen N&#228;hrboden f&#252;r Kultur. In Ihnen k&#246;nnen individuelle gro&#223;e K&#252;nstler existieren, diese brauchen allerdings dann die Anerkennung im neugierigeren Ausland, um sich entfalten zu k&#246;nnen. G&#228;nzlich isolierte Diktaturen wie zum Beispiel Nordkorea k&#246;nnen sogar zum kompletten Niemandsland werden &#8211;  nichts kommt hinein, nichts dringt nach au&#223;en. Auch die gr&#246;&#223;ten Talente k&#246;nnen hier ihr Potential nicht erf&#252;llen.<\/p>\n<p>Einen Blick auf die heutige Situation in Deutschland im Kontext der Welt zu werfen bedeutet, sich in das Minenfeld der Filterblasen und individuellen politischen Meinungen zu begeben. Jeder Ausblick &#252;ber zuk&#252;nftige Entwicklungen muss Spekulation bleiben. Dennoch muss man feststellen, dass es Tendenzen in der j&#252;ngeren Zeit gibt, die eine schwere Bedrohung f&#252;r die freie Kultur darstellen, die wir bisher als etwas fast Selbstverst&#228;ndliches erlebt haben in der erstaunlich langen Periode des Friedens, die mit der zunehmenden Einigung Europas einherging. <\/p>\n<p>Der sichtbare Aufschwung der &#8222;Neuen Musik&#8220; nach dem Krieg fand bekannterma&#223;en in einem Kontext des &#8222;Wiederaufbaus&#8220; statt. Eine nach ihrem Selbstverst&#228;ndnis freie Welt konsolidierte und erholte sich nach Jahrzehnten des Krieges und der Unterdr&#252;ckung. Einzelnen Individuen erschlossen sich pl&#246;tzlich wieder ungeahnte M&#246;glichkeiten, der Reichtum der Mittelklasse nahm zu und der technologische und wirtschaftliche Fortschritt nahm besonders in Europa und Nordamerika an Fahrt auf. Solange sich Komponisten dieser Zeit in irgendeiner Form als &#8222;Klangforscher&#8220;, also als K&#252;nstler mit quasi-wissenschaftlichen Ambitionen begriffen, war ihnen die F&#246;rderung gewogen, entweder durch staatliche Institutionen (die zum Beispiel die &#8222;Klangforschungsst&#228;tte&#8220; IRCAM erm&#246;glichten), oder sogar durch Geheimdienste (wie im Falle des CIA, im Kontext  des &#8222;Kalten Krieges&#8220;). Dieses Umfeld erwies sich f&#252;r Kultur generell als &#252;beraus g&#252;nstig, daher strahlen die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute stark aus, sowohl was Popularkultur als auch Hochkultur angeht. Das hei&#223;t nicht, dass diese Zeit frei von Konflikten, Katastrophen oder Spannungen war, aber es war einer gr&#246;&#223;tenteils freien Kunst m&#246;glich, diese zu thematisieren und zu verarbeiten, quasi zu unabh&#228;ngigen Chronisten einer komplexen gegenw&#228;rtigen Gef&#252;hlswelt zu werden. <\/p>\n<p>Bis heute profitieren wir von den Errungenschaften, die dieser Aufschwung mit sich brachte. Das Studieren im Ausland wurde aktiv mit Stipendien gef&#246;rdert, ausl&#228;ndische Studenten wurden im eigenen Land willkommen gehei&#223;en. Bis heute treffen ausl&#228;ndische K&#252;nstler z.B. in Deutschland auf ein ansehnliches Netzwerk von F&#246;rderm&#246;glichkeiten, die jedermann offen stehen, egal ob deutscher Herkunft oder nicht. Deutschen Studenten wiederum helfen zahlreiche F&#246;rdermittel dabei, im Ausland wichtige Erfahrungen zu sammeln und den eigenen Horizont zu erweitern. An zahlreichen Festivals in Europa versammelt sich &#8211; was zeitgen&#246;ssische Musik angeht &#8211; sprichw&#246;rtlich die gesamte Welt, und innerhalb Europas gibt es einen regen Austausch unterschiedlicher Szenen und Schulen, durch die geografische N&#228;he beg&#252;nstigt.<\/p>\n<p>Man muss kein Schwarzmaler sein, um diese Situation als zunehmend gef&#228;hrdet zu sehen. Schon jetzt beginnt die vormalige Offenheit einem zunehmend wieder territorial abgrenzenden Denken zu weichen. Es zeigt sich immer mehr, dass die zum Teil unglaublich schnell voranschreitende Globalisierung (durch technische Fortschritte wie den neuen Medien beg&#252;nstigt) jetzt sichtbar dezidierte Gegentendenzen des Isolationismus und der erneuten Abschottung zur Folge hat. Die Welt ist so komplex geworden, dass sie den&#8220;normalen&#8220; B&#252;rger &#252;berfordert und archaische &#196;ngste vor Entfremdung und Identit&#228;tsverlust bef&#246;rdert. In vielerlei Hinsicht f&#252;hlen sich die reaktion&#228;r wirkenden Kr&#228;fte &#8211; ob es sich um religi&#246;se Fanatiker oder rechtspopulistische Politiker handelt macht hier tats&#228;chlich kaum einen Unterschied &#8211; als die neuen &#8222;Revolution&#228;re&#8220;, die die urspr&#252;ngliche, vermeintlich bessere &#8222;Ordnung&#8220; wieder herstellen, die die in ihren Augen &#8222;falsch gewordene&#8220; Welt wieder in die &#8222;richtige&#8220; umwandeln soll. Dass diese urspr&#252;ngliche Ordnung eine Fata Morgana ist und es sie so auch nie gab (man muss sich nur die nie enden wollende Geschichte territorialer Anspr&#252;che innerhalb Europas anschauen um das zu verstehen) und gerade die dynamisch changierenden und im gegenseitigen Austausch profitierenden Verh&#228;ltnisse gr&#246;&#223;ere Chancen f&#252;r Individuen bieten, wird hierbei geflissentlich &#252;bersehen. Der schon im 20. Jahrhundert aufkommende Konflikt zwischen den prosperienden St&#228;dten als Schmelzpunkten sozialer Umbr&#252;che und der &#8222;Provinz&#8220; als Heimstatt derjenigen, die sich eher zu kurz gekommen f&#252;hlen und sich dem Wandel entziehen wollen, f&#252;hrt dazu, dass trotz Massenmedien die Reichweite der individuellen Weltsicht eher abgenommen hat. <\/p>\n<p>Der best&#228;ndige Blick auf die Lebenswelten anderer Menschen erzeugt in den meisten F&#228;llen eigene Unzufriedenheit oder &#220;berheblichkeit. Andere Kulturen werden daher schon rein statistisch fast nie als &#8222;gleichwertig&#8220; empfunden, sie sind entweder &#8222;unterlegen&#8220; (was die eigene Arroganzbef&#246;rdert), oder &#8222;&#252;berlegen&#8220;, was wiederum Neidgef&#252;hle und Wirtschaftsflucht erzeugt. Beides wirkt sich nicht positiv auf das gemeinschaftliche Leben von Menschen aus: der Begriff &#8222;global&#8220;, vormals ein positiver Begriff, der die gemeinsamen Interessen aller Menschen symbolisiert und Grenzen &#252;berwinden sollte, wird nun zum Schimpfwort, zum Symbol anonymer Interessen von Konzernen und Machtballungen, die den Reichtum dieser Welt unter sich aufteilen. Einerseits wissen wir mehr &#252;ber den Rest der Welt als jemals zuvor in der Geschichte dieses Planeten, gleichzeitig macht uns dieses Wissen aber auch missg&#252;nstiger, unzufriedener und &#228;ngstlicher als jemals zuvor. Wir werden d&#252;mmer, je vermeintlich kl&#252;ger wir werden, je mehr wir &#252;ber andere Menschen zu wissen glauben. So werden komplexe Kulturen in einfache Feindbilder heruntergebrochen, die man dann in ihrer G&#228;nze verneinen und ablehnen kann. Es gibt nur noch &#8222;den&#8220; Fl&#252;chtling, &#8222;den&#8220; Zuwanderer, keine Individuen mit unterschiedlichen Geschichten mehr, wie sie zum Beispiel das klassische Einwandererland Amerika jahrzehntelang ohne Probleme akzeptieren (und sich einverleiben) konnte, ohne dass es diesem Land in irgendeiner Form schlecht tat.<\/p>\n<p>Besonders kompliziert stellt sich die Einordnung des Individuums im Gef&#252;ge der diversen Agenden dar, die unsere Umgebung in die eine oder andere Richtung ver&#228;ndern wollen. Waren fr&#252;her die meisten Menschen damit konfrontiert, sich einer einzigen Autorit&#228;t unterzuordnen (was sie gerne taten, solange diese sich auch einigerma&#223;en um ihr Wohlergehen sorgte), wetteifern nun unz&#228;hlige Agenden und Autorit&#228;ten um die Aufmerksamkeit der Menschen. Wer sich hier wirklich um das Wohlergehen sorgt, wird immer unklarer &#8211; Hassprediger wollen Kanonenfutter f&#252;r den Dschihad, Konzerne wollen willige K&#228;ufer, deren Vorlieben berechenbar und gl&#228;sern sind, Populisten wollen willige W&#228;hler, die leicht manipulier- und mobilisierbar sind. In jedem dieser F&#228;lle geht es aber in Wirklichkeit um eins: die Vernichtung von individueller Freiheit. Auch vormals unschuldige Bewegungen wie Tierschutz, Nichtrauchen oder Veganismus bekommen zunehmend fanatische und sektenartige Z&#252;ge, verlangen gewisserma&#223;en Unterwerfung unter ihre Ideale. Es reicht nicht mehr, selber keinen Pelz zu kaufen und zu tragen,  nun muss man den Pelztr&#228;ger angreifen, vorf&#252;hren und attackieren.<\/p>\n<p>Da im heutigem Medienalltag unz&#228;hlige &#8222;Ideologien&#8220; um Aufmerksamkeit konkurrieren, m&#252;ssen alle &#252;bertreiben, sei es mit den immer mehr um sich greifenden bewussten und sekundenschnell weltweit verbreiteten Falschmeldungen oder mit Provokation und &#220;berschreitung des &#8222;guten Geschmacks&#8220;. Die Welt ist inzwischen jeden Tag kurz vom Untergang, irgendein beliebiges Problem ist das dringlichste &#252;berhaupt, irgendeine Agenda ist nun die Allesentscheidende. Menschen bekommen Depressionen wegen Problemen, die sie nicht selber betreffen und tausende Kilometer entfernt sind.  Menschen f&#252;rchten sich vor Dingen, die ihnen selber nicht passieren und auch h&#246;chstwahrscheinlich nie passieren werden. Wenn etwas irgendwo passiert, betrifft es sofort alle, doch diese Betroffenheit ist nie produktiv oder heilend, sondern erzeugt nur noch mehr Angst.  <\/p>\n<p>Obwohl die meisten Menschen sicherlich ein moralisch gutes Leben f&#252;hren wollen, wird dies immer schwieriger. Bin ich pervers, weil ich Fleisch esse? Ist diese Spendenhilfsaktion noch vertrauensw&#252;rdig oder handelt es sich um einen Betrugsversuch? L&#252;gt man mich an oder sagt man mir die Wahrheit?  Die Unsicherheit f&#228;ngt schon beim eigenen Postfach an &#8211; kein Mensch kann das Internet benutzen, ohne best&#228;ndigen und beharrlichen Betrugsversuchen ausgesetzt zu sein, Datenklau, Identit&#228;tsraub und kompletter Verlust der eigenen Identit&#228;t sind immer nur einen Mausklick entfernt.<\/p>\n<p>Diese Situation sch&#252;rt genau die &#196;ngste, die freier Kunst hinderlich sind. Gute Kunst ist immer inherent furchtlos und mutig, sie setzt sich dem Neuen und Ungewohnten aus und probiert Entw&#252;rfe im &#8222;Wilden Raum&#8220; der Imagination aus, in dem erst einmal alles m&#246;glich ist, weil nichts real sein muss. In diesem Raum k&#246;nnen kontr&#228;re Weltentw&#252;rfe gefahrlos miteinander kommunizieren, sich vermengen, sich austauschen, ja sogar sich bekriegen ohne dass jemand zu Schaden kommen muss. Dennoch funktioniert ein solcher Raum nie ohne Tabus, ja es sind sogar bestimmte Tabus notwendig, deren m&#246;gliche &#220;berwindung durch die Phantasie die wilden R&#228;ume der Kunst &#252;berhaupt erst befeuert. Oder anders gesagt: wenn alle Menschen wirklich frei, gl&#252;cklich und erf&#252;llt sind, braucht es vielleich gar keine Kunst mehr, denn es ist dann keine trostspendende Vision des &#8222;Anderen&#8220; mehr notwendig.<\/p>\n<p>Werden diese Tabus allerdings zu dominant &#8211; zum Beispiel im Rahmen einer gr&#246;&#223;eren Agenda, die aufgrund eines totalit&#228;ren &#8222;&#252;bertriebenen&#8220; (siehe oben) Anspruchs gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Aufmerksamkeit und Unterwerfung beansprucht &#8211; dann wird bestimmte Kunst als &#8222;entartet&#8220; oder &#8222;politisch unkorrekt&#8220; ausgegrenzt, wird der freie Raum dramatisch eingeschr&#228;nkt, wird instrumentalisiert und unterdr&#252;ckt. <\/p>\n<p>Schon jetzt gibt es zahlreiche K&#252;nstler, die solche &#8222;Unterwerfungstendenzen&#8220; unter irgendeine Agenda begr&#252;&#223;en; die mehr &#8222;nationale&#8220; Kunst wollen; die sich w&#252;nschen, dass das eigene Territorium deutlicher markiert und abgegrenzt wird. Dies geschieht oft, weil sie sich pers&#246;nliche Beg&#252;nstigungen erhoffen. Sowohl im Dritten Reich als auch in der ehemaligen DDR gab es keinerlei Probleme, den Kunstbetrieb zu regulieren und zu instrumentalisieren, solange es dezidierte G&#252;nstlinge gab, die als willige Helfer eingesetzt werden konnten. Resultat waren jeweils Monokulturen, die um sich selber kreisten und stagnierten, wobei es jeweils nur besonders starken oder geschickten Individuen gelang, die Kommunikation mit der &#8222;anderen Welt&#8220; aufrechtzuerhalten, manchmal auch, weil ihnen als G&#252;nstlingen der Kontakt zum Rest der Welt weiterhin m&#246;glich war (z.B. Schostakowitsch oder Richard Strau&#223;), ihre individuelle Entfaltung also weiterhin m&#246;glich war. Die gro&#223;e Zahl der unendlich hohlen &#8222;Staatsk&#252;nstlern&#8220; im Dienste einer Diktatur spricht aber eine deutliche Sprache: wo man sich isoliert, wo man reglementiert, wo man ausgrenzt kann keine gute Kunst mehr entstehen. Die Kunst stirbt, weil ihr buchst&#228;blich die Luft zum Atmen geraubt wird.<\/p>\n<p>Ob die zahlreichen sich willig der Ausgrenzung anbiedernden K&#252;nstler heutzutage bewusst diesen Tod der Kunst in Kauf nehmen, sei dahingestellt, sicher ist aber, dass sie an ihr pers&#246;nliches Fortkommen, ihre pers&#246;nliche Karriere denken, und dabei Weitblick vermissen lassen. Sie sind willf&#228;hrige Instrumente ihres eigenen Untergangs.<\/p>\n<p>Die Kunst stirbt aber auch dort, wo der zunehmend gesichtslose &#8222;Mainstream&#8220; herrscht, der diesen Planeten fast schon fl&#228;chendeckend verseucht. Kalkulierte Kunst, die zwar keine Staatskunst im Sinne einer Ideologie aber daf&#252;r Geldkunst im Sinne eines angestrebten Profits ist (was nicht viel besser ist). Auch diesem goldenen Kalb ordnen sich zahllose Talente allzu freiwillig unter, dabei das verratend, dass sie irgendwann einmal dazu verlockt hat, Kunst zu machen. Man sagt Sklaverei sei schlimmer als der Tod, die freiwillige Sklaverei aber ist t&#246;dlicher Selbstbetrug.<\/p>\n<p>Schlussendlich kann man nur feststellen, dass man die Zukunft nicht voraussehen kann, auch nicht im Hinblick auf ein kulturelles Einzelph&#228;nomen wie &#8222;Neue Musik&#8220;. Die reaktion&#228;ren Tendenzen der Stunde interessieren sich nicht f&#252;r Subtilit&#228;ten, wollen keine Abgr&#252;ndigkeit, keine Verunsicherung. Jede Freiheit, jede Wildheit ist ihnen verhasst.<\/p>\n<p>All dies aber ist Kunst: in ihr wird immer genau die Freiheit aufscheinen, die in der Wirklichkeit unterbunden wird. <\/p>\n<p>Die reaktion&#228;ren Kr&#228;fte k&#246;nnen triumphieren  oder einer neuen und tiefer verinnerlichten Offenheit weichen. Jeder Trend kennt Gegentrends. Aber auch Trendwenden bed&#252;rfen einer kollektiven Anstrengung und eines Bewusstseins f&#252;r den Wert der Dinge die verloren gehen k&#246;nnen. Und genau dieses Bewusstsein ist im Moment am Schwinden, im &#252;berw&#228;ltigenden Schreichor der globalen Befindlichkeiten und Welterkl&#228;rungen.<\/p>\n<p>Das Gl&#252;ck der Kunst misst sich an ihren Freiheitsgraden. Die Frage ist, ob wir uns diese Freiheit auch in Zukunft nehmen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>Moritz Eggert<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" style=\"display:none\"><div class=\"ShariffHeadline\"> <\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Der%20Stand%20der%20Dinge%20%287.%20und%20letzte%20Folge%29%3A%20Der%20Tod%20der%20Kunst%20%E2%80%93%20Ein%20Ausblick https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2016%2F12%2F17%2Fder-stand-der-dinge-7-und-letzte-folge-der-tod-der-kunst-ein-ausblick%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#6364FF; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"75\" height=\"79\" viewBox=\"0 0 75 79\" fill=\"none\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\"><path d=\"M37.813-.025C32.462-.058 27.114.13 21.79.598c-8.544.621-17.214 5.58-20.203 13.931C-1.12 23.318.408 32.622.465 41.65c.375 7.316.943 14.78 3.392 21.73 4.365 9.465 14.781 14.537 24.782 15.385 7.64.698 15.761-.213 22.517-4.026a54.1 54.1 0 0 0 .01-6.232c-6.855 1.316-14.101 2.609-21.049 1.074-3.883-.88-6.876-4.237-7.25-8.215-1.53-3.988 3.78-.43 5.584-.883 9.048 1.224 18.282.776 27.303-.462 7.044-.837 14.26-4.788 16.65-11.833 2.263-6.135 1.215-12.79 1.698-19.177.06-3.84.09-7.692-.262-11.52C72.596 7.844 63.223.981 53.834.684a219.453 219.453 0 0 0-16.022-.71zm11.294 12.882c5.5-.067 10.801 4.143 11.67 9.653.338 1.48.471 3 .471 4.515v21.088h-8.357c-.07-7.588.153-15.182-.131-22.765-.587-4.368-7.04-5.747-9.672-2.397-2.422 3.04-1.47 7.155-1.67 10.735v6.392h-8.307c-.146-4.996.359-10.045-.404-15.002-1.108-4.218-7.809-5.565-10.094-1.666-1.685 3.046-.712 6.634-.976 9.936v14.767h-8.354c.109-8.165-.238-16.344.215-24.5.674-5.346 5.095-10.389 10.676-10.627 4.902-.739 10.103 2.038 12.053 6.631.375 1.435 1.76 1.932 1.994.084 1.844-3.704 5.501-6.739 9.785-6.771.367-.044.735-.068 1.101-.073z\"\/><defs><linearGradient id=\"paint0_linear_549_34\" x1=\"37.0692\" y1=\"0\" x2=\"37.0692\" y2=\"79\" gradientUnits=\"userSpaceOnUse\"><stop stop-color=\"#6364FF\"\/><stop offset=\"1\" stop-color=\"#563ACC\"\/><\/linearGradient><\/defs><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button bluesky shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#84c4ff\"><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Der%20Stand%20der%20Dinge%20%287.%20und%20letzte%20Folge%29%3A%20Der%20Tod%20der%20Kunst%20%E2%80%93%20Ein%20Ausblick https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2016%2F12%2F17%2Fder-stand-der-dinge-7-und-letzte-folge-der-tod-der-kunst-ein-ausblick%2F \" title=\"Bei Bluesky teilen\" aria-label=\"Bei Bluesky teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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Jeder Trend kennt Gegentrends. Aber auch Trendwenden bed&#252;rfen einer kollektiven Anstrengung und eines Bewusstseins f&#252;r den Wert der Dinge die verloren gehen k&#246;nnen. Und genau dieses Bewusstsein ist im Moment am Schwinden, im &#252;berw&#228;ltigenden Schreichor der globalen Befindlichkeiten und Welterkl&#228;rungen.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" style=\"display:none\"><div class=\"ShariffHeadline\"> <\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Der%20Stand%20der%20Dinge%20%287.%20und%20letzte%20Folge%29%3A%20Der%20Tod%20der%20Kunst%20%E2%80%93%20Ein%20Ausblick https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2016%2F12%2F17%2Fder-stand-der-dinge-7-und-letzte-folge-der-tod-der-kunst-ein-ausblick%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#6364FF; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"75\" height=\"79\" viewBox=\"0 0 75 79\" fill=\"none\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\"><path d=\"M37.813-.025C32.462-.058 27.114.13 21.79.598c-8.544.621-17.214 5.58-20.203 13.931C-1.12 23.318.408 32.622.465 41.65c.375 7.316.943 14.78 3.392 21.73 4.365 9.465 14.781 14.537 24.782 15.385 7.64.698 15.761-.213 22.517-4.026a54.1 54.1 0 0 0 .01-6.232c-6.855 1.316-14.101 2.609-21.049 1.074-3.883-.88-6.876-4.237-7.25-8.215-1.53-3.988 3.78-.43 5.584-.883 9.048 1.224 18.282.776 27.303-.462 7.044-.837 14.26-4.788 16.65-11.833 2.263-6.135 1.215-12.79 1.698-19.177.06-3.84.09-7.692-.262-11.52C72.596 7.844 63.223.981 53.834.684a219.453 219.453 0 0 0-16.022-.71zm11.294 12.882c5.5-.067 10.801 4.143 11.67 9.653.338 1.48.471 3 .471 4.515v21.088h-8.357c-.07-7.588.153-15.182-.131-22.765-.587-4.368-7.04-5.747-9.672-2.397-2.422 3.04-1.47 7.155-1.67 10.735v6.392h-8.307c-.146-4.996.359-10.045-.404-15.002-1.108-4.218-7.809-5.565-10.094-1.666-1.685 3.046-.712 6.634-.976 9.936v14.767h-8.354c.109-8.165-.238-16.344.215-24.5.674-5.346 5.095-10.389 10.676-10.627 4.902-.739 10.103 2.038 12.053 6.631.375 1.435 1.76 1.932 1.994.084 1.844-3.704 5.501-6.739 9.785-6.771.367-.044.735-.068 1.101-.073z\"\/><defs><linearGradient id=\"paint0_linear_549_34\" x1=\"37.0692\" y1=\"0\" x2=\"37.0692\" y2=\"79\" gradientUnits=\"userSpaceOnUse\"><stop stop-color=\"#6364FF\"\/><stop offset=\"1\" stop-color=\"#563ACC\"\/><\/linearGradient><\/defs><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button bluesky shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#84c4ff\"><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Der%20Stand%20der%20Dinge%20%287.%20und%20letzte%20Folge%29%3A%20Der%20Tod%20der%20Kunst%20%E2%80%93%20Ein%20Ausblick https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2016%2F12%2F17%2Fder-stand-der-dinge-7-und-letzte-folge-der-tod-der-kunst-ein-ausblick%2F \" title=\"Bei Bluesky teilen\" aria-label=\"Bei Bluesky teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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