{"id":14453,"date":"2016-12-11T18:55:49","date_gmt":"2016-12-11T17:55:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/?p=14453"},"modified":"2016-12-11T18:55:49","modified_gmt":"2016-12-11T17:55:49","slug":"der-stand-der-dinge-6-berufsaussichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2016\/12\/11\/der-stand-der-dinge-6-berufsaussichten\/","title":{"rendered":"Der Stand der Dinge (6): Berufsaussichten"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Manchmal ist es ganz gut, kurz innezuhalten und etwas m&#246;glichst n&#252;chtern zu betrachten, ohne einen von Ideologien, falschen Erwartungen oder eigenen Hoffnungen verstellten Blick. Vielleicht ist das neue Design des Bad Blogs ein guter Anlass dazu.<br \/>\nNat&#252;rlich gibt es nie einen endg&#252;ltigen \u201eStand der Dinge\u201c, alles ist im Fluss. Aber gerade diese Tatsache l&#228;sst uns vielleicht manchmal Dinge erwarten, die nicht m&#246;glich sind, oder andersherum Dinge &#252;bersehen, die durchaus m&#246;glich w&#228;ren.<br \/>\nHier also ein m&#246;glichst emotionsloser Blick auf die Neue Musik, wie sie sich heute, am Ende des Jahres 2016, darstellt. Man m&#246;ge mir massiv oder zaghaft widersprechen oder zustimmen, nichts an dieser Diskussion ist abgeschlossen oder der Weisheit letzter Schluss, es ist allein ein Versuch einer unsentimentalen Bestandsaufnahme, bei der ich nat&#252;rlich von eigenen Erfahrungen gepr&#228;gt bin. Wo diese von Lesern erg&#228;nzt, kommentiert oder erweitert w&#252;rden, beg&#228;nne es spannend zu werden.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?ssl=1\" class=\"thickbox no_icon\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"14455\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2016\/12\/11\/der-stand-der-dinge-6-berufsaussichten\/carl_spitzweg_-_der_arme_poet_neue_pinakothek\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?fit=1151%2C900&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1151,900\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_(Neue_Pinakothek)\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?fit=1024%2C801&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?resize=300%2C235&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"235\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14455\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?resize=300%2C235&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?resize=768%2C601&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?resize=1024%2C801&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?resize=600%2C469&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2016\/12\/Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_Neue_Pinakothek.jpg?w=1151&amp;ssl=1 1151w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Berufsaussichten<\/strong><\/p>\n<p>Nie war der K&#252;nstlerberuf eine &#8222;sichere Bank&#8220;, das ist eine alte Weisheit. Generationen von Eltern haben ihren Kindern erfolgreich abgeraten, einen solch unsicheren Beruf zu ergreifen und nur wenige K&#252;nstler wagen es, sich ganz auf einen kreativen Beruf einzulassen anstatt ihn nur als &#8222;Hobby&#8220; zu betreiben.<br \/>\nWir m&#252;ssen uns allerdings klar sein, dass die tats&#228;chlichen Umst&#228;nde des Komponistendaseins sich &#252;ber die Jahrhunderte radikal ver&#228;ndert haben. <\/p>\n<p>Die ersten Komponisten in Europa waren entweder fahrende S&#228;nger oder &#8222;Spezialisten&#8220; im Dienste einer religi&#246;sen Institution. Erstere waren direkt auf die Publikumsgunst angewiesen, letztere eher auf die Anerkennung oder das Fachwissen, dass sie im Rahmen einer spezialisierten Ausbildung errungen hatten.<br \/>\nDiese beiden Facetten des Komponistendaseins ziehen sich in zahllosen Variationen durch die Jahrhunderte europ&#228;ischer Geschichte. Bemerkenswert ist aber, dass man sich zu einem Gro&#223;teil dieser Zeit als Komponist als eine Art &#8222;Handwerker&#8220; verstand, der &#252;ber ein besonderes Wissen\/K&#246;nnen verf&#252;gt, das nicht jedermann zueigen war, &#228;hnlich also zum Beispiel wie ein Baumeister oder andere spezialisierte Handwerker. Im Selbstverst&#228;ndnis eines Barock-Komponisten war man also zum Beispiel als Musiker kaum weniger &#8222;abgesichert&#8220; als in irgendeinem anderen Handwerksberuf auch. In einem Zeitalter ohne Renten- oder Krankenversicherungen, ohne Bausparvertr&#228;ge und organisierter Sozialhilfe konnte quasi jeder Beruf als &#8222;unsicher&#8220; angesehen werden.<\/p>\n<p>Erst mit der Klassik und der Romantik bildet sich das bis heute pr&#228;gende Bild des &#8222;K&#252;nstlers&#8220; heraus, der sich nicht mehr nur als Handwerker sondern auch als Sch&#246;pfer einer unabh&#228;ngigen Kunst versteht, die um ihrer selbst Willen gew&#252;rdigt werden kann. In derselben Zeit entsteht auch erst das romantische Konzept des &#8222;missverstandenen&#8220; oder armen K&#252;nstlers, der um seiner Kunst willen darbt, unausl&#246;schlich als Bild in unseren K&#246;pfen sp&#228;testens seit Spitzweg. <\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen des B&#252;rgertums entsteht eine neue &#8222;Sicherheit&#8220; der Mittelschicht, die diese zunehmend genie&#223;t und die dieser auch die Besch&#228;ftigung mit &#8222;sch&#246;nen Dingen&#8220; erm&#246;glicht. Hier wird der K&#252;nstler zunehmend zum mehr oder weniger beliebten Au&#223;enseiter, der auf die Gunst verschiedener Individuen angewiesen ist. Gleichzeitig w&#228;chst aber mit dem Ideal der humanistischen Bildung auch die Anerkennung k&#252;nstlerischen Schaffens. Alle Kinder sollen Kunst- und Musikunterricht bekommen, weil kreative Besch&#228;ftigung als etwas Positives und &#8222;Bildendes&#8220; angesehen wird. <\/p>\n<p>Diese Ideale bestehen in unserem Bildungssystem bis heute fort. Tats&#228;chlich hat ein junger Komponist mehr Ausbildungsperspektiven als jemals in der Geschichte der Menschheit. Wurde fr&#252;her das zum Komponieren notwendige musikalische Fachwissen entweder innerhalb einer Familie oder einer exklusiven &#8222;Schule&#8220; weitergetragen, stehen heute z.B. in Deutschland zahllose F&#246;rderprogramme bereit, die schon 5-J&#228;hrigen eine ansehnliche Ausbildung als Komponist erm&#246;glicht. Es gibt Musikkinderg&#228;rten, in der schon Vorschulkinder mit dem Komponieren vertraut gemacht werden, es gibt &#8222;Jugend komponiert&#8220;, Musikschulen, Komponierkurse f&#252;r jedes Alter. Nat&#252;rlich interessieren sich nicht alle Kinder f&#252;r den Beruf des Komponisten, aber wenn sie es tun, werden sie aufs Liebevollste gef&#246;rdert, angeregt und unterst&#252;tzt. Allerdings braucht es auch das n&#246;tige soziale Umfeld, das diese Art von Ausbildung unterst&#252;tzt. So sind bis heute praktisch alle &#8222;Neue Musik&#8220;- Komponisten auch Gymnasiasten und Abiturienten, kommen aus einem Umfeld, das entweder schon ohnehin k&#252;nstlerisch affin ist, oder zumindest f&#252;r die Kinder etwas &#8222;besseres&#8220; will oder sich schlicht und einfach auch einen &#8222;brotlosen&#8220; Beruf bei den Kindern leisten kann.<\/p>\n<p>Ein heutiger Komponist Neuer Musik tritt dann mit fast 100% Wahrscheinlichkeit eine akademische Ausbildung an. Meistens als Kompositionsstudent, oft schon als Jungstudent an einer Hochschule, oft auch als Schulmusiker (an den Lebensunterhalt denkend), oft auch &#252;ber den Umweg eines anderen universit&#228;ren Studiums wie zum Beispiel Medizin, Philosophie, Musikwissenschaft, etc.. W&#228;hrend dieses Studiums sind Komponisten weiterhin &#8211; ein gewisses Talent oder gute Selbstorganisation vorausgesetzt &#8211; hochgef&#246;rdert. Es gibt Stipendien zuhauf, Meisterkurse, &#8222;Call for Scores&#8220; und zahllose Wettbewerbe. Ein durchschnittlicher Kompositionsprofessor bekommt pro Woche durchschnittlich 3-5 Ausschreibungen zugesandt, die er an seine Studenten weiterleiten kann. Auch innerhalb der Hochschulen werden den jungen Komponisten zahllose Projekte erm&#246;glicht, die in der freien Wildbahn so nicht realisierbar w&#228;ren. Damit wird das Hochschulstudium fast zu einem &#8222;Muss&#8220; bei einer heutigen Komponistenlaufbahn.<\/p>\n<p>Wenn das Studium endet, sind Komponisten weiterhin nicht alleingelassen. Bis zum Alter von ungef&#228;hr 35 Jahren steht ihnen ein weitgef&#228;chertes Netz von Stipendien und Ausschreibungen zur Verf&#252;gung. Besonders beliebt und begehrt sind hierbei die sogenannten &#8222;Aufenthaltsstipendien&#8220; wie zum Beispiel Villa Massimo, Schloss Solitude, etc. die bei Erhalt sorgenfreies Leben f&#252;r l&#228;ngere Zeit erm&#246;glichen, da den Stipendiaten fast immer eine Art &#8222;Grundgehalt&#8220; gezahlt wird, das sie von Auftr&#228;gen unabh&#228;ngig macht. <\/p>\n<p>So weitgef&#228;chert (auch international) dieses Stipendiensystem ist, so umk&#228;mpft ist es auch. Auf nicht immer allein k&#252;nstlerisch begr&#252;ndbare Weise trennt sich hier ein wenig die Spreu vom Weizen. Komponisten, die widerst&#228;ndig sind oder stilistisch in keine Schublade passen, haben es dabei schwerer als diejenigen, die sich einer bestimmten &#8222;Schule&#8220; verschreiben, deren &#8222;Mentor&#8220; (=Lehrer) z.B. in vielen Gremien und Jurys sitzt. Da diese Lehrer wiederum ihre Reputation aus erfolgreichen Studenten beziehen, sind diese ihren eigenen Sch&#252;lern gegen&#252;ber meistens gn&#228;diger gestimmt als fremden. Dennoch ist die Zahl der M&#246;glichkeiten so hoch (im Vergleich zu K&#252;nsten wie Bildender Kunst oder Literatur ist das Verh&#228;ltnis der Bewerber zu tats&#228;chlichen Stipendienpl&#228;tzen im Fach Komposition sehr g&#252;nstig), dass die meisten es schaffen, diese Jahre nach dem Studium gut &#252;ber die Runden zu bringen, auch wenn sie nicht zu den Allererfolgreichsten geh&#246;ren.<\/p>\n<p>Mit 35 enden die meisten F&#246;rderungen f&#252;r &#8222;Junge Komponisten&#8220; (als ein solcher gilt man bis zu diesem Alter auf jeden Fall), wobei in den letzten Jahren eine Tendenz zu beobachten ist, auch diese Grenze in Richtung 40 oder &#8222;ohne Alterslimit&#8220; zu &#246;ffnen. Dennoch werden nun die M&#246;glichkeiten auf jeden Fall rarer. Die ganz wenigen, die dann von ihrer k&#252;nstlerischen Arbeit allein leben k&#246;nnen (nicht mehr als eine Handvoll) k&#246;nnen sich gl&#252;cklich sch&#228;tzen, d&#252;rfen sich aber auch nicht zur&#252;cklehnen, denn die freie Auftragslage ist alles andere als einfach. Die anderen werden sich in den meisten F&#228;llen einen Zweitberuf erwerben. Viele gehen in der einen oder anderen Form in die Lehrt&#228;tigkeit, bilden also wieder neue Komponisten aus, die dann wieder neue Komponisten ausbilden werden. Andere benutzen ihre Kenntnisse, um sich anders &#252;ber Wasser zu halten, werden Notensetzer, Arrangeure, Theatermusiker oder Jingle\/Filmkomponisten. Wieder andere engagieren sich als Funktion&#228;re, zum Beispiel bei der GEMA oder beim DKV, da aus den dadurch entstehenden Kontakten neue  Auff&#252;hrungsm&#246;glichkeiten und Gelegenheiten entstehen k&#246;nnen. Die ganz Armseligen werden zu GEMA-Betr&#252;gern oder &#8222;Gesch&#228;ftsmodellern&#8220;, quasi zu Bettwanzen des Musikbetriebs. Viele beenden aber auch an diesem Punkt ganz einfach ambitioniertes Komponieren und gehen in einem anderen Beruf auf.<\/p>\n<p>Wenn man sich die Szene anschaut, so ist f&#252;r jeden &#8222;Neue Musik&#8220;-Komponisten ein Netzwerk an Kontakten von gro&#223;er Wichtigkeit. Hierbei herrscht oft ein Prinzip des &#8222;wie du mir so ich dir&#8220;. Man l&#228;dt sich gegenseitig zu selbstgegr&#252;ndeten Festivals ein, vergibt &#8222;composer in residence&#8220; &#8211; Posten in der Hoffnung sp&#228;ter selber einen zu bekommen, engagiert sich f&#252;r Kollegen. Die Komponistenlandschaft erweist sich im Gegensatz zum Beispiel zur Literaturszene als erstaunlich sozial, man ist auf gegenseitige Hilfe angewiesen (jedes &#8222;Konzert&#8220;, jede &#8222;Auff&#252;hrung&#8220; erfordert immer die B&#252;ndelung von vielen Interessen), also gibt man sich diese Hilfe auch gegenseitig. Soziale Kompetenz spielt hierbei eine gro&#223;e Rolle &#8211; ist man unkollegial, zu &#8222;pushy&#8220; oder zu verschroben wird sich dies auch in geringeren Auff&#252;hrungszahlen auswirken.<\/p>\n<p>Grunds&#228;tzlich ist aber &#8222;Neue Musik&#8220; kein ertragreiches Gesch&#228;ft, da der Arbeitsaufwand zur Honorierung in keinerlei Verh&#228;ltnis steht. Absolut jeder Dienstleistungsberuf steht besser da als der Komponistenberuf, es gibt keinen Stundenlohn da der Arbeitsaufwand nicht zu bemessen ist, aber g&#228;be es einen, w&#228;re er sehr niedrig, vor allem bei arbeitsaufw&#228;ndigen Unterfangen wie zum Beispiel Opern oder Orchesterst&#252;cken. Zudem ist zu beobachten, dass die Auftragshonorare nicht nur seit Jahrzehnten stagnieren sondern immer mehr fallen. Gerade im Bereich Kammermusik sind Auftr&#228;ge selten bis nicht vorhanden, und manch ein Komponist l&#228;sst sich auf absurde Auftragshonorare ein, um endlich mal &#8222;seine&#8220; Oper schreiben zu k&#246;nnen, dabei die Preise f&#252;r die Kollegen verderbend.<\/p>\n<p>Ein Komponist der im Jahr Orchester-und Kammermusikauftr&#228;ge in H&#246;he von 10.000,- EUR bekommt, w&#252;rde durchaus als jemand gelten, der &#8222;es geschafft&#8220; hat, ebenso wenn er f&#252;r Wertung und Tantiemen (GEMA) j&#228;hrlich 5000,-EUR bek&#228;me (er w&#228;re dann schon im Topbereich der E-Musik). Bei 15.000,-EUR im Jahr ist man allerdings weit davon entfernt, eine Familie ern&#228;hren zu k&#246;nnen und liegt <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/themen\/293\/durchschnittseinkommen\/\">knapp 18.000,-EUR unter dem deutschen Durchsnittslohn.<\/a>. <\/p>\n<p>Es ist ein bisschen &#228;hnlich wie beim ebenfalls schlecht bezahlten Ballett\/Tanztheater &#8211; es gibt viele Menschen, die diesen Job machen wollen, deswegen findet man immer jemand, der es f&#252;r &#8222;noch weniger&#8220; machen wird. Ein Ende dieses Abw&#228;rtstrends ist momentan nicht abzusehen, was auch mit der schwieriger werdenden finanziellen Situation der auftraggebenden Institutionen zu tun hat.<\/p>\n<p>In den 50er bis 80er Jahren gab es sie durchaus zahlreich, die &#8222;Komponistenf&#252;rsten&#8220;, die wie weiland ein Verdi oder Strau&#223; sehr gut vom Komponieren leben konnten. Als ber&#252;hmtes Beispiel kann Hans Werner Henze gelten, der es auch liebte, dieses Image durch sein Auftreten zu kultivieren. Heute ist dieser Typus so gut wie ausgestorben, sp&#228;testens wenn es um die Ern&#228;hrung einer Familie geht gibt es keinen echten &#8222;Reichtum&#8220; und noch nicht einmal einen &#8222;Mittelstand&#8220; in der Neuen Musik-Szene, Ausnahmen best&#228;tigen die Regel. In den 80er Jahren rieten einem die Kompositionslehrer, kein paralleles Instrumentalstudium zu betreiben sondern sich ganz aufs Komponieren zu konzentrieren. Heute ist es genau umgekehrt, der Typus des &#8222;Nur Komponist&#8220; ist quasi ausgestorben. <\/p>\n<p>Solange man als Komponist studiert oder als &#8222;jung&#8220; gilt, wird man im Verh&#228;ltnis besser gef&#246;rdert als in absolut jeder anderen Kunstsparte, danach aber kommt man in eine Situation in der es wenig Aussicht auf grunds&#228;tzliche &#196;nderung oder irgendeine Form von Vorankommen gibt, au&#223;er als Akademiker oder Funktion&#228;r. Es mag im Vergleich dazu zahllose wenig verdienende bildende K&#252;nstler geben, aber einigen wenigen von ihnen kann es jederzeit gelingen, einen beachtlichen &#8222;Marktwert&#8220; zu erlangen, der auch zu finanziellem Wohlstand f&#252;hren kann. Auch wenn viele K&#252;nstler das &#8211; zu Recht &#8211; nicht als Hauptmotivation f&#252;r ihr Schaffen sehen, gibt die Aussicht auf m&#246;gliche Erfolgssteigerung eine nicht unwichtige Motivation f&#252;r die Qualit&#228;t des eigenen Schaffens ab. Dass Komponisten nach ihrer Berufsausbildung meistens in einer Art (unverschuldeten, weil durch die Berufsumgebung gesetzte) Sackgasse stecken, f&#246;rdert also nicht unbedingt das Niveau der Szene.<\/p>\n<p>Man fragt sich angesichts der Situation ein wenig: warum wird so um die jungen Komponisten geworben, wenn es kaum eine Perspektive f&#252;r sie gibt? <\/p>\n<p>Der Stand der Dinge:<\/p>\n<p>&#8211; Die Einstiegsh&#252;rde f&#252;r Komponieren als Beruf ist so niedrig wie nie, &#8222;Kreativsein&#8220; ist schick.<br \/>\n&#8211; Die Ausbildungssituation f&#252;r akademisches Komponieren ist reichhaltig und voller Entfaltungsm&#246;glichkeiten.<br \/>\n&#8211; Mit zunehmendem Alter schwinden diese Entfaltungsm&#246;glichkeiten und eine gewisse Ern&#252;chterung tritt ein, die sich in zunehmenden &#8222;Ersatzt&#228;tigkeiten&#8220; manifestiert.<br \/>\n&#8211; Der Komponist als eine Art &#8222;Star&#8220; oder &#8222;F&#252;rst&#8220; ist ein Ding der Vergangenheit, zumindest im akademischen Bereich.<\/p>\n<p>Moritz Eggert<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" style=\"display:none\"><div class=\"ShariffHeadline\"> <\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Der%20Stand%20der%20Dinge%20%286%29%3A%20Berufsaussichten https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2016%2F12%2F11%2Fder-stand-der-dinge-6-berufsaussichten%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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Hierbei herrscht oft ein Prinzip des &#8222;wie du mir so ich dir&#8220;. Man l&#228;dt sich gegenseitig zu selbstgegr&#252;ndeten Festivals ein, vergibt &#8222;composer in residence&#8220; &#8211; Posten in der Hoffnung sp&#228;ter selber einer zu werden, engagiert sich f&#252;r Kollegen. Die Komponistenlandschaft erweist sich im Gegensatz zum Beispiel zur Literaturszene als erstaunlich &#8222;sozial&#8220;, man ist auf gegenseitige Hilfe angewiesen (jedes &#8222;Konzert&#8220;, jede &#8222;Auff&#252;hrung&#8220; erfordert immer die B&#252;ndelung von vielen Interessen), also gibt man sich diese Hilfe auch. Soziale Kompetenz spielt hierbei eine gro&#223;e Rolle &#8211; ist man unkollegial, zu &#8222;pushy&#8220; oder zu verschroben wird sich dies auch in geringeren Auff&#252;hrungszahlen auswirken.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" style=\"display:none\"><div class=\"ShariffHeadline\"> <\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Der%20Stand%20der%20Dinge%20%286%29%3A%20Berufsaussichten https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2016%2F12%2F11%2Fder-stand-der-dinge-6-berufsaussichten%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#6364FF; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"75\" height=\"79\" viewBox=\"0 0 75 79\" 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