{"id":12089,"date":"2015-07-29T13:14:14","date_gmt":"2015-07-29T11:14:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/?p=12089"},"modified":"2015-07-29T13:33:01","modified_gmt":"2015-07-29T11:33:01","slug":"wie-man-eine-oper-fertig-schreibt-jetzt-aber-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2015\/07\/29\/wie-man-eine-oper-fertig-schreibt-jetzt-aber-wirklich\/","title":{"rendered":"Wie man eine Oper fertig schreibt. Jetzt aber wirklich."},"content":{"rendered":"<p>Ich h&#228;tte es ja gestern schon tun k&#246;nnen, aber dann war es mir dann doch zu hektisch und &#252;ber&#8217;s Knie gebrochen. Also habe ich mir das letzte St&#252;ck des <a href=\"https:\/\/www.landestheater-linz.at\/stuecke\/detail?k=11605266&amp;s=2015\/16\">St&#252;cks <\/a>f&#252;r heute aufgehoben. Es ist nicht mehr viel, vielleicht sind es 15, 20 Takte, und die habe ich eigentlich auch schon im Kopf. Aber zum prokrastinieren schreibe ich jetzt noch schnell diesen Blogartikel. Dann schreibe ich die letzten Takte und &#8222;Terra Nova&#8220; ist fertig. Nat&#252;rlich nicht wirklich. Vor mir liegen noch lange Monate der Korrekturen (vor allem der noch nicht fertigen Klavierausz&#252;ge), Partitureditieren, Arbeit im Tonstudio&#8230;.aber das eigentliche, das Erfinden des Ganzen, ist dann getan. Der Rest ist Flei&#223;arbeit.<br \/>\n&#8212;<br \/>\nMan stellt sich als Komponist ja immer alles m&#246;gliche vor, vor allem imagin&#228;re Personen, die sich ganz detailliert mit dem auseinandersetzen, was man geschrieben hat. Die gibt es nat&#252;rlich nie, oder vielleicht mal 300 Jahre sp&#228;ter wenn man sehr viel Gl&#252;ck hat, aber dieses Gl&#252;ck bringt einem dann nichts mehr. Auf jeden Fall denkt man immer, dass einem jemand ganz kritisch &#252;ber die Schulter schaut und dann die Nase r&#252;mpft und &#8222;na, na&#8220; sagt, wenn man etwas zu schludrig macht. Das ist dann quasi die imagin&#228;re Vaterfigur des Lehrers, zumindest bei mir (Da heute auch sehr viele hervorragende Komponistinnen unterrichten, sind diese dann imagin&#228;re Mutterfiguren in der Zukunft ihrer ehemaligen Studenten?). Wie auch immer: schlampig will man nicht sein. Daher will man auch so einen Opernschluss nicht runterrotzen mit irgendeiner billigen L&#246;sung. Man hat einfach Angst, dass dann jemand sagt: &#8222;hier hat der Eggert es sich zu einfach gemacht&#8220;.<br \/>\nEin Kollege schrieb mal eine gar nicht schlechte Oper, in der ihn pl&#246;tzlich gegen Ende ein solcher Zeitdruck &#252;berfiel, dass er einfach am Ende das Orchester weglie&#223; und die Hauptfigur 15 Minuten a cappella singen lie&#223;. Das wurde dann irgendwie psychologisch begr&#252;ndet, hat aber nicht funktioniert, da das dann einfach immer so klang wie: &#8222;ich hatte keine Zeit, daher habe ich jetzt einfach mal dieses nervige Orchester weggelassen&#8220;. So ein bisschen billig halt. Sparsame Schl&#252;sse, so wie zum Beispiel der des Adagios aus Mahlers Neunter, sind etwas Tolles, aber es muss sich dann auch wirklich zwingend als Konsequenz des Vorherigen ergeben, nicht klingen wie eine eilige Notl&#246;sung.<br \/>\nDas ist die gro&#223;e Gefahr bei Opernschl&#252;ssen, dass man sich vormacht, noch gute Einf&#228;lle zu haben, wenn man in Wirklichkeit keine hat. &#220;berhaupt ist die gr&#246;&#223;te Gefahr beim Komponieren diejenige, dass man sich selbst anl&#252;gt.<br \/>\nAll diese Dinge fallen aber vielleicht auch nur anderen Komponisten auf. Und Schlampigkeit ist nicht unbedingt immer katastrophal. W&#228;re Mozart ein flei&#223;iges und ordentliches Genie gewesen, man h&#228;tte ihn vielleicht kaum ertragen. So ist es irgendwie sympathisch zu entdecken, wo er ein bisschen geschludert hat. Auch im Schludern zeigt sich, ob man inspiriert ist oder nicht. Ob mein Opernschluss perfekt ist? Keine Ahnung &#8211; Perfektion ist etwas f&#252;r Warmduscher.<br \/>\n&#8212;<br \/>\nAm Schluss habe ich auf jeden Fall viel herumgewerkelt. Vielleicht auch deswegen, weil mich k&#252;rzlich eine Mail des Intendanten erreichte, in der mir mitgeteilt wurde, dass nach momentanen Pl&#228;nen beim Schluss die ganze Hinterb&#252;hne ge&#246;ffnet werden wird und Chor und Hauptdarsteller ca. 100 Meter vom Publikum entfernt sind, weil sie ganz hinten am Ende eines langen Korridors stehen. So hat sich Carlus Padrissa (Fura dels Baus) das ausgedacht, ist auch keine schlechte Idee. Hinzu kommt, dass am Ende der Oper quasi alle nur noch in einem (so steht&#8217;s im Libretto) &#8222;alien parlando&#8220; singen, weil sie ja jetzt wei&#223;e Aliens ohne Gef&#252;hle sind. Wie man das in hundert Meter Entfernung noch h&#246;ren soll, ist mir nicht ganz klar, auf jeden Fall denke ich mir, dass das Ganze schon verst&#228;rkt werden muss, und dass man die Alienstimme mittels eines Vocoder-Effekts realisieren sollte.<br \/>\nNun stehen die ca. ca. 80 Darsteller (Chor, Kinderchor, 10 Solisten) nicht nur da hinten herum, sondern sollen auch laut Libretto eine Party veranstalten. Nun kommt in so einer Entfernung nicht wirklich Partystimmung auf, die sich zum Publikum &#252;bertr&#228;gt. Und &#252;berhaupt: warum Party? Das sind doch jetzt alles unsterbliche Aliens ohne Gef&#252;hle? Warum wollen die pl&#246;tzlich tanzen und abhotten?<br \/>\nDie Musik ist daher zwangsl&#228;ufig eher monumental und monolithisch geworden. Monumental deswegen, weil die Entfernung &#252;berbr&#252;ckt werden muss, monolithisch weil es hier um eine gef&#252;hllose Welt geht. Gleichzeitig muss aber der H&#246;rer emotional einbezogen werden, es ist also die Darstellung einer Gef&#252;hllosigkeit mittels eines eher emotionalen Mediums (Musik). Das ist eine interessante Aufgabe.<br \/>\n&#8212;<br \/>\nDie monumentalen Stellen sind schon komponiert, und das ist nat&#252;rlich immer sehr viel Schreibarbeit, bei der man immer viel Geduld braucht. Wenn man n&#228;mlich von der piccolo-Fl&#246;te zu den Kontrab&#228;ssen scrollt sind dazwischen irgendwie 80 Notenzeilen. Ich wei&#223;, man kann auch Computermonitore senkrecht aufstellen und damit mehr sehen, aber auch das reicht nicht bei dem perversen Format, dass mein Verlag und ich hier verwenden (f&#252;r Kenner: 800 mm H&#246;he, 420 mm Breite, Rastralgr&#246;&#223;e 5.5). Dass die Partitur so riesig ist, hat nicht mit meinem Gr&#246;&#223;enwahn zu tun, sondern mit der simplen Tatsache, dass sich meine Librettisten Franzobel und Rainer Mennicken entschlossen haben, st&#228;ndig Chor und dutzende von Solisten in fast jeder Szene aufzufahren, und das braucht einfach Platz. Ich glaube ehrlich, dass ich die H&#228;lfte der Kompositionszeit nur damit verbracht habe, zu scrollen. Rauf, runter, immer wieder. Alex in &#8222;Clockwork Orange&#8220; w&#252;rde sagen &#8222;Das alte Rauf-Runter-Spiel&#8220;. Es ist das Spiel der Komponisten unserer Zeit. Beethoven musste noch nicht scrollen, daf&#252;r brauchte er ein H&#246;rrohr.<br \/>\n&#8212;<br \/>\nNun aber zum Schluss der Oper: also, die Menschheit hat eine Rakete zu den Sternen geschickt, die Aliens sind aber schon l&#228;ngst bei uns und haben uns k&#246;rperfresserm&#228;&#223;ig umgewandelt in wei&#223;e Unsterbliche. Einzig die Astronomin Pandura, die die ganze Reise &#252;berhaupt erst ins Rollen gebracht hat, ist noch nicht verwandelt. Nun soll die laut Libretto noch einmal auftreten und ihren Geliebten, Kolker, suchen, der aber schon l&#228;ngst ein wei&#223;er Alien-Zombie ist. Sie hat da noch einen Satz zu singen, mehr oder weniger &#8222;Kolker, wo bist du?&#8220;. Nicht direkt Arienmaterial.<br \/>\nIch finde ja ganz gut, wenn man die Geduld der H&#246;rer nicht &#252;berstrapaziert, und sich nicht in Sachen reinsteigert, die eigentlich nichts mehr Neues bringen. Daher liebe ich den Schluss von Tosca: Cavaradossi tot, Tosca springt vom Balkon, gut ist. Da wird nicht mehr lange rumgemacht oder endlos gestorben und dabei langweilig gesungen wie bei Wagner. Von Puccini kann man viel lernen, was Timing angeht, ganz ehrlich.<br \/>\nDeswegen habe ich mich entschlossen, dass Pandura nur ganz kurz hereinplatzt, so a la &#8222;nobody expects the Spanish inquisition&#8220;. Sie singt ihren Satz und schreit. Ich finde, dass Opern nur dann gut sind, wenn am Schlu&#223; eine Frau schreit, weil die das einfach so gut k&#246;nnen. Bitte da jetzt nichts hinein interpretieren!<br \/>\n&#8212;<br \/>\nDanach tritt laut Libretto der &#8222;Kleine Prinz&#8220; auf, der quasi als idee fixe durch die Oper geistert, direkt aus dem Buch von Saint-Exupery. Kitschgefahr hoch 10 nat&#252;rlich, Alarmstufe Rot f&#252;r den Komponisten! Aber wie ich schon neulich geschrieben habe, Kitsch ist nur schlimm, wenn man Angst davor hat. Wenn etwas potentiell kitschig ist muss man es zulassen und an genau der richtigen Stelle brechen, und dann ist es vielleicht doch kein Kitsch, denn Kitsch will ja immer gefallen und nicht weiter aufregen. Musik sollte aber schon aufregend sein. Kitsch der mich nicht kalt zur&#252;ckl&#228;sst ist guter Kitsch.<br \/>\nDer kleine Prinz in meiner Oper wird tats&#228;chlich von einem Knaben gesungen. Ich erinnere mich, dass ich bei &#8222;musica viva&#8220; in M&#252;nchen mal ein ganz langes und langweiliges St&#252;ck sah (vor Ewigkeiten), das Publikum war schon halb wegged&#228;mmert, aber dann trat &#8211; kurz vor Schluss &#8211; noch einmal schnell ein Knabensopran auf, und keiner traute sich zu buhen. Nein, stattdessen gro&#223;er Applaus f&#252;r den unschuldigen Knaben, der ja f&#252;r das langweilige St&#252;ck vorher gar nichts konnte. Ich bin sicher, dass der Komponist das perfide geplant hat, so wie man ja auch automatisch gute Kritiken bekommt, wenn man Opern &#252;ber die &#8222;wei&#223;e Rose&#8220; oder die Nazizeit schreibt.<br \/>\nDieses &#8222;Knabensopran-As&#8220; spiele ich daher ungern in meiner Oper, denn solche niederen Methoden sind nat&#252;rlich unter meiner W&#252;rde. Hoffe ich zumindest. Ich habe nat&#252;rlich auch eine wunderbare Entschuldigung, denn es steht ja so im Libretto drin.<br \/>\nAlso, der kleine Prinz singt, wenn es ihm die Gewerkschaft f&#252;r Knabensoprane erlaubt, noch so sp&#228;t (die Oper dauert ja mit Pause 3 Stunden) aufzutreten, und er singt ganz kurz und ich hoffe es wird sehr sch&#246;n und subtil (ich muss es ja noch komponieren, nachdem ich diesen Artikel geschrieben habe).<br \/>\nUnd dann&#8230;.<br \/>\ndann steht im Libretto, dass Pandura noch einmal dramatisch ihre Hand ins Publikum strecken soll, und dass man sieht, dass die auch ganz wei&#223; ist. Nun hat das Publikum ja eigentlich verstanden, dass nun alle wei&#223;e Aliens sind, bringt es jetzt was, dass man zeigt, dass sie es auch noch wird? Und vor allem, wie streckt sie ihre Hand zum Publikum&#8230;.aus hundert Metern Entfernung???! Das sieht man doch gar nicht, au&#223;er es wird (bei Carlus Padrissa nicht unm&#246;glich) auf eine Videoleinwand &#252;bertragen, aber das ist nicht dasselbe.<br \/>\nLieber nicht &#8211; ich lasse das weg. Ich finde es viel sch&#246;ner, das Schicksal von Pandura offen zu lassen, vor allem um die Amerikaner im Publikum zu &#228;rgern, denn wie wir Europ&#228;er alle wissen halten Amerikaner offene Schl&#252;sse nicht aus und es muss alles ganz sauber aufgel&#246;st und bis ins kleinste Detail gekl&#228;rt werden, und dann stehen alle da und halten sich die H&#228;ndchen. Wir dekadenten Europ&#228;er m&#246;gen dagegen so richtig offene Schl&#252;sse, wie zum Beispiel den von &#8222;2001&#8220; (nicht vergessen, Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke waren keine Amerikaner, sondern, &#228;h, Engl&#228;nder, also zumindest fast Europ&#228;er).<br \/>\nIch finde es ganz wichtig, dass Pandura ihr H&#228;ndchen nicht streckt, denn sie ist eine meiner Lieblingsfiguren in der Oper, und auch die einzige wirklich liebende. Und die wahre Liebe rettet immer, nicht wahr?<br \/>\nMan k&#246;nnte nat&#252;rlich auch den anderen Weg gehen, und alles &#252;bertreiben. Pandura tritt auf, streckt ihre wei&#223;e Hand ins Publikum, verwandelt sich. Schlu&#223;akkord. Dann tritt die Souffleuse auf, streckt ihre wei&#223;e Hand ins Publikum, Schlu&#223;akkord. Dann tritt ein B&#252;hnenarbeiter auf, streckt seine wei&#223;e Hand ins Publikum, Schlu&#223;akkord. Dann tritt&#8230;.ich denke ihr versteht. W&#228;re zumindest ein guter Sketsch.<br \/>\n&#8212;<br \/>\nMan hat sich ja bei einer so langen Oper an die Figuren gew&#246;hnt und hat sie lieb gewonnen. Am Schluss hat man dann zwei M&#246;glichkeiten: die Figuren springen vom Balkon, oder sie leben weiter. F&#252;r den Komponisten hei&#223;t es aber auf jeden Fall: Abschied nehmen, und das ist nie ganz leicht.<br \/>\nAutoren sprechen ja davon, dass Figuren ihr Eigenleben entwickeln, oft auch gegen den Willen des Erfinders. Bei Musik ist es nicht anders. Ich sp&#252;re oft, wie die Musik die ich schreibe sich dagegen wehrt in die Richtung zu gehen, in die ich sie dr&#252;cken will. Da muss man nachgeben, denn dort wo die Musik hin will ist es meistens viel interessanter als dort wo ich hin will, mit all meinen Komplexen und Versagens&#228;ngsten (die jeder von uns hat). Man kommt nie ganz dort hin wo die Musik hin will, aber es ist ganz sch&#246;n, immer wieder einen kleinen Ausschnitt dieses Ortes zu sehen (h&#246;ren) zu bekommen.<br \/>\nBei langen St&#252;cken wie Opern gewinnt die Musik manchmal eine solche Eigendynamik, dass sich bestimmte Dinge von selbst schreiben. Das ist schwer zu beschreiben, und bedeutet auch nicht, dass das Komponieren an sich einfach wird, aber es entsteht eine Art Fluss der dem Komponisten bestimmte Konsequenzen fast aufzwingt. Und dieser Fluss m&#252;sste mit dem Taktstrich nicht aufh&#246;ren. W&#252;rde mir der Postbote jetzt noch einmal 20 Seiten Libretto bringen, ich k&#246;nnte wahrscheinlich gut weiter arbeiten, da ich in der Materie drin bin. Und das hei&#223;t wiederum, dass man mit dem Schlussstrich auch lauter unerz&#228;hlte Geschichten zur&#252;ckl&#228;sst, verwaist auf halber Strecke. Vielleicht kommt daher auch das Loch, in das man nach einer solchen Arbeit unweigerlich f&#228;llt, und in dass auch ganz sicher ich fallen werde. Michael Ende schrieb dann immer &#8222;Und das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erz&#228;hlt werden&#8220; (in der &#8222;Unendlichen Geschichte&#8220;, ein heute durch uns&#228;gliche Verfilmungen untersch&#228;tztes Buch).<br \/>\nStrategien zur &#220;berwindung dieses &#8222;Geschichtenlochs&#8220; g&#228;be es. Die beste Strategie ist vermutlich, direkt nach dem Ziehen des Schlu&#223;striches eine neue Oper anzufangen. Das nehme ich mir immer vor, und tats&#228;chlich muss ich auch tats&#228;chlich direkt danach eine neue Oper anfangen, n&#228;mlich eine Kinderoper f&#252;r Bonn. Und die wird sogar VOR &#8222;Terra Nova&#8220; uraufgef&#252;hrt (schluck). Mache ich aber nicht, stattdessen fahre ich mit der Familie in den Urlaub. Wo ich dann nat&#252;rlich als allererstes in ein Loch falle.<br \/>\n&#8212;<br \/>\n&#8222;Schlussstrich ziehen&#8220; klingt immer so poetisch. Man stellt sich dann immer einen bleichen genialen Komponisten vor, der nach durchwachter und durchgearbeiteter Nacht mit zerzaustem Haar und mit einem fast nicht mehr existenten Bleistift zitternd einen Strich zieht und dann sinnend aus dem Fenster schaut, ergriffen von seiner eigenen Genialit&#228;t.<br \/>\nDie Realit&#228;t sieht anders aus. Der Komponist (ich) sitzt ausgeschlafen und mit Cappuccino versorgt in Unterhose und &#8222;Firefly&#8220;-T-Shirt vor seinem langweiligen Computer und markiert in Sibelius mit der linken Maustaste eine Linie, dann dr&#252;ckt er mit der rechten Maustaste auf den freien Platz daneben und w&#228;hlt aus dem Men&#252; &#8222;Taktstrich&#8220; den Unterpunkt &#8222;Schlussstrich&#8220; aus, was wegen der Rechtschreibreform dann auch noch ziemlich Schei&#223;e beim Lesen aussieht. Nicht unbedingt ein Akt bei dem man gleich einem Maler Modell stehen m&#246;chte.<br \/>\nIch finde es aber gut, wenn man beim Komponieren ganz n&#252;chtern ist und keine Gro&#223;mannsfantasien aufkommen l&#228;sst. Je n&#252;chterner man ist, desto mehr kann man es innerlich kochen lassen. Ekstase zu komponieren hei&#223;t nicht, durch die Wohnung zu h&#252;pfen und sich an seinem eigenen Mist zu berauschen. Ekstase komponieren ist harte, sorgf&#228;ltige Arbeit, aber wenn die Ekstase dann komponiert ist, ist es das gr&#246;&#223;te Gl&#252;ck. Keinen Stolz aufkommen lassen. Immer daran denken, dass das alles eh niemanden wirklich interessiert. Dann freut man sich, wenn das Gegenteil der Fall ist.<br \/>\nAber dennoch: Vielleicht mache ich heute Abend eine gute Whiskyflasche auf.<br \/>\nJa, das werde ich tun.<\/p>\n<p>Moritz Eggert<\/p>\n<div id=\"attachment_12090\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2015\/07\/wei%C3%9Fe-Hand.jpg?ssl=1\" class=\"thickbox no_icon\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12090\" data-attachment-id=\"12090\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2015\/07\/29\/wie-man-eine-oper-fertig-schreibt-jetzt-aber-wirklich\/weisse-hand\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2015\/07\/wei%C3%9Fe-Hand.jpg?fit=1280%2C960&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1280,960\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPhone 5s&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1438175047&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;2.15&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.05&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;3&quot;}\" data-image-title=\"wei\u00dfe Hand\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2015\/07\/wei%C3%9Fe-Hand.jpg?fit=1024%2C768&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-12090 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nmz.de\/badblog\/files\/2015\/07\/wei%C3%9Fe-Hand.jpg?resize=300%2C225&#038;ssl=1\" alt=\"wei&#223;e Hand\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12090\" class=\"wp-caption-text\">Der Komponist reckt die wei&#223;e Hand und starrt mit aufgerissenen Augen ins Publikum<\/p><\/div>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" style=\"display:none\"><div class=\"ShariffHeadline\"> <\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Wie%20man%20eine%20Oper%20fertig%20schreibt.%20Jetzt%20aber%20wirklich. https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2015%2F07%2F29%2Fwie-man-eine-oper-fertig-schreibt-jetzt-aber-wirklich%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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Also habe ich mir das letzte St&#252;ck des St&#252;cks f&#252;r heute aufgehoben. Es ist nicht mehr viel, vielleicht sind es 15, 20 Takte, und die habe ich eigentlich auch schon im Kopf. Aber zum prokrastinieren schreibe ich jetzt noch schnell diesen Blogartikel. Dann schreibe ich die letzten Takte und &#8222;Terra Nova&#8220; ist fertig. Nat&#252;rlich nicht wirklich. Vor mir liegen noch lange Monate der Korrekturen (vor allem der noch nicht fertigen Klavierausz&#252;ge), Partitureditieren, Arbeit im Tonstudio&#8230;.aber das eigentliche, das Erfinden des Ganzen, ist dann getan. Der Rest ist Flei&#223;arbeit.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" style=\"display:none\"><div class=\"ShariffHeadline\"> <\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Wie%20man%20eine%20Oper%20fertig%20schreibt.%20Jetzt%20aber%20wirklich. https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2015%2F07%2F29%2Fwie-man-eine-oper-fertig-schreibt-jetzt-aber-wirklich%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#6364FF; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"75\" height=\"79\" viewBox=\"0 0 75 79\" fill=\"none\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\"><path d=\"M37.813-.025C32.462-.058 27.114.13 21.79.598c-8.544.621-17.214 5.58-20.203 13.931C-1.12 23.318.408 32.622.465 41.65c.375 7.316.943 14.78 3.392 21.73 4.365 9.465 14.781 14.537 24.782 15.385 7.64.698 15.761-.213 22.517-4.026a54.1 54.1 0 0 0 .01-6.232c-6.855 1.316-14.101 2.609-21.049 1.074-3.883-.88-6.876-4.237-7.25-8.215-1.53-3.988 3.78-.43 5.584-.883 9.048 1.224 18.282.776 27.303-.462 7.044-.837 14.26-4.788 16.65-11.833 2.263-6.135 1.215-12.79 1.698-19.177.06-3.84.09-7.692-.262-11.52C72.596 7.844 63.223.981 53.834.684a219.453 219.453 0 0 0-16.022-.71zm11.294 12.882c5.5-.067 10.801 4.143 11.67 9.653.338 1.48.471 3 .471 4.515v21.088h-8.357c-.07-7.588.153-15.182-.131-22.765-.587-4.368-7.04-5.747-9.672-2.397-2.422 3.04-1.47 7.155-1.67 10.735v6.392h-8.307c-.146-4.996.359-10.045-.404-15.002-1.108-4.218-7.809-5.565-10.094-1.666-1.685 3.046-.712 6.634-.976 9.936v14.767h-8.354c.109-8.165-.238-16.344.215-24.5.674-5.346 5.095-10.389 10.676-10.627 4.902-.739 10.103 2.038 12.053 6.631.375 1.435 1.76 1.932 1.994.084 1.844-3.704 5.501-6.739 9.785-6.771.367-.044.735-.068 1.101-.073z\"\/><defs><linearGradient id=\"paint0_linear_549_34\" x1=\"37.0692\" y1=\"0\" x2=\"37.0692\" y2=\"79\" gradientUnits=\"userSpaceOnUse\"><stop stop-color=\"#6364FF\"\/><stop offset=\"1\" stop-color=\"#563ACC\"\/><\/linearGradient><\/defs><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button bluesky shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#84c4ff\"><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Wie%20man%20eine%20Oper%20fertig%20schreibt.%20Jetzt%20aber%20wirklich. https%3A%2F%2Fblogs.nmz.de%2Fbadblog%2F2015%2F07%2F29%2Fwie-man-eine-oper-fertig-schreibt-jetzt-aber-wirklich%2F \" title=\"Bei Bluesky teilen\" aria-label=\"Bei Bluesky teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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