Die Radiowoche vom 17.01.22–23.01.2022

Im Radio. Foto: Hufner
Im Radio. Foto: Hufner

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 03. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr.

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Inhalt


mo – 17.01.2022


19:30:00 | Ö1
Kit Downes und Ankathie Koi 2021 bei den New Adits in Klagenfurt

Christian Bakonyi präsentiert zwei Konzerte, die die stilistische Breite des 2010 gegründeten Festivals New Adits in Kärnten veranschaulichen, kuratiert von Pianistin Ingrid Schmoliner und Elektroakustiker Matthias Erian. Am 23. September 2021 trat in der Villa For Forest in Klagenfurt der 35-jährige britische Pianist Kit Downes auf, der zuletzt auch durch Einspielungen für ECM („Dreamlife of Debris“, 2019) hervorgetreten ist, in deren Rahmen er auf der Kirchenorgel improvisierend zugange ist. Downes brillierte mit einem frei improvisierten Set, in dessen kontrastreichen, expressiven Selbstgesprächen Echos von Arnold Schönberg und der Zweiten Wiener Schule ebenso zu vernehmen waren wie impressionistische Fragilitäten und zupackender jazziger Drive.

Einen Tag später verhandelte am selben Ort Ankathie Koi Themen wie Eifersucht und mexikanische Dreiecksbeziehungen: Die aus Bayern stammende, in der Wahlheimat Wien hochgehandelte Sängerin bestach durch ihre Soul-angefixte, nuancenreiche Popstimme, Pianist Nick Ratterton (alias Dominik Beyer) fungierte mit Blues-betontem, erdigem Spiel als kongenialer Widerpart.

20:00 bis 22:30 | hr2-kultur
Das Kroatische Rundfunk-Sinfonieorchester in Zagreb

Lehrer und Schüler: Unter diesem Motto gibt es im Konzert des Kroatischen Radio-Sinfonieorchesters zeitgenössische Musik aus Kroatien zu entdecken – ergänzt um die 4. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Katarina Kutnar, Violine;Kroatisches Rundfunk-Sinfonieorchester, Leitung: Berislav Šipuš

Stanko Horvat (1930-2006): Dithyrambos | Berislav Šipuš (*1958): Sinfonia concertante für Violine und Orchester | Beethoven: 4. Sinfonie B-Dur op. 60. (Aufnahme von 5. März 2020 aus dem Vatroslav-Lisinski-Konzertsaal)

Stanko Horvat, Vaterfigur der kroatischen Neuen Musik, lernte in den Fünfzigerjahren in Paris das serielle Komponieren kennen. Und wandte sich bald wieder von ihm ab. Er bevorzugte einen fasslichen, expressiven Stil. Seine Vorbilder dafür wurden polnische Komponisten wie Lutosławski und Penderecki. Der Titel seines Werkes „Dithyrambos“ bezeichnet einen Lobgesang auf den griechischen Gott der Ekstase; Stanko Horvat komponierte das Stück wenige Jahre vor seinem Tod. Berislav Šipuš, der bei Stanko Horvat studierte, dirigiert dann die Uraufführung seiner Sinfonia concertante mit der jungen kroatischen Geigerin Katarina Kutnar als Solistin. Im zweiten Teil des Konzerts erklingt die 4. Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

20:03 bis 21:30 | Deutschlandfunk Kultur
In Concert: WOMEX – Frischer Wind aus Portugal

Moderation: Carsten Beyer. Die WOMEX ist Schaufenster und Treffpunkt für Bands der Weltmusikszene. Seit 1994 versammeln sich Musiker, Produzenten, Labelbetreiber und Konzertveranstalter jedes Jahr in einer anderen Stadt, um dort fünf Tage lang konzentriert neue Musik aus aller Welt anzuhören. Viele internationale Karrieren haben hier ihren Anfang genommen, daher sind die Konzert-Slots heiß begehrt. In der heutigen Sendung präsentiert Ihnen Carsten Beyer einige der spannendsten Bands der WOMEX, die vom 27.-31.10.2021 in der portugiesischen Hafenstadt Porto über die Bühne ging.

21:30 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Einstand: Frauen gesucht – Junge Dirigentinnen in der Ausbildung

Von Miriam Stolzenwald. Frauen sind für den Dirigierberuf genauso gut geeignet wie Männer. Heutzutage gibt es keine Zweifel mehr daran. Von einer gerechten paritätischen Verteilung der Geschlechter in diesem Berufsfeld kann man jedoch nicht sprechen, die Männer haben die Nase vorn. Dabei würden sich die Musikhochschulen mehr Frauen im Dirigierstudium wünschen. Zwar konnten Dirigierstudentinnen bereits namhafte Preise gewinnen und Karriere machen. Aber trotz größerer Offenheit den Frauen in diesem Beruf gegenüber, sind es immer noch wenige im Vergleich zu den männlichen Kollegen. Was sind die Hürden, die Frauen in diesem Studienfach noch überwinden müssen? Welche Verantwortung tragen dabei die Schulen und Musikschulen, die potenzielle Bewerberinnen auf ein Dirigierstudium vorbereiten? Und was hat sich in der Ausbildung und dem Berufsfeld Dirigentin in den letzten Jahren für Frauen verändert?


di – 18.01.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: The Silence of Sound – Über klingende Abwesenheiten

Von Michael Rebhahn. Stille macht den Klang erst möglich, auch wenn es Stille ohne Klang nicht gibt. Eine Sendung auf der Spur eines paradoxen Zustands.

Stille, die Exklusion alles Hörbaren, ist ein produktives Paradox – ein Nichts, das möglicherweise ist, aber letztlich nicht sein kann. „Kein einziger Klang fürchtet die Stille, die ihn auslöscht, und es gibt keine Stille, die nicht mit Klang geladen ist”, schreibt John Cage in seinem Stück 45’ für einen Sprecher und bringt damit die wechselseitige Abhängigkeit auf den Punkt: ohne Klang kein Nichtklang. Eine Sendung über komponierte Abwesenheiten, über Stille als Bedrohung und über die ausbleibende Grabesstille an den letzten Ruhestätten von Komponistinnen und Komponisten.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Alexander Strauch: „Linie und Block“ (Quartetto Maurice); Moritz Eggert: „Drei Seelen“ (Adrian Iliescu, Violine; Moritz Eggert, Klavier); Christoph Reiserer: „here we are“ (Christoph Reiserer, Saxofon; Gunnar Geisse, Gitarre; Stefan Blum, Schlagzeug); Nikolaus Brass: „Songlines I“ (Doris Orsan, Violine); Nicolaus Richter de Vroe: Fünf Stücke (Korbinian Altenberger, Susanna Pietsch, Violine; Wen Xiao Zheng, Giovanni Menna, Viola; Jaka Stadler, Samuel Lutzker, Violoncello); Gunnar Geisse: „fractals/Fraktale“ (Gunnar Geisse, Gitarre); Eva Sindichakis: „Ambivalenz“ (Julia Rebekka Mai, Viola; Arno Waschk, Klavier); Volker Nickel: Drei kurze Szenen (Xsemble München)

20:05 bis 21:00 | SWR 2
SWR2 Jazz Session: Artlessly Falling – Mary Halvorson’s Code Girl beim Jazzfest Berlin 2021

Von Niklas Wandt. Mary Halvorson zählt zu den umtriebigsten Gitarristinnen und Komponistinnen der experimentellen New Yorker Szene. Beim Jazzfest Berlin 2021 war sie im Silent Green live mit ihrer Band Code Girl zu hören – ein Sextett, dessen Besetzung zunächst wie eine Jazzcombo wirkt. Musikalisch verwischen allerdings die Grenzen zwischen Avantgarde und komplexem Songwriting. Ergebnis ist ein höchst eigentümlicher Genrehybrid. Karg, existentialistisch, undurchdringlich und doch merkwürdig berührend.

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Go West – Der Komponist und Multimediakünstler Guilherme Vaz

Von Simonetta Dibbern. Guilherme Vaz ist einer der Pioniere der brasilianischen Klangkunst. Als Jazzmusiker, Konzeptkünstler, Dirigent und Komponist sorgte er seit den 1970er-Jahren für Aufsehen. Er war es, der die musique concrète ins brasilianische Kino brachte. Auf der Suche nach den kulturellen Wurzeln seines Landes reiste er mehr als 20 Jahre durch Brasilien. In dieser Zeit entstanden Sinfonien über die Elementarkräfte, die Vaz auf Schallplatten veröffentlichte. Dass er sich damit auch geografisch außerhalb der Musikszenen bewegte, hat dafür gesorgt, dass er bis heute international kaum Beachtung fand.

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
Jazz Live: Play Beethoven! Das Uri Caine Trio und seine Jazz-Adaptionen von Beethoven-Sinfonien

Uri Caine, Klavier; Mark Helias, Kontrabass; Jim Black, Schlagzeug. Aufnahme vom 7.8.2021 aus dem Beethoven-Haus Bonn

Am Mikrofon: Odilo Clausnitzer. Seit seinen aufsehenerregenden „Goldberg Variations“ (2000) gilt der New Yorker Pianist Uri Caine als Spezialist für unorthodoxe Klassikadaptionen. Für die Konzertreihe „My Beethoven“ des Bonner Beethoven-Hauses nahm er sich im Trio Themen aus Sinfonien des großen Komponisten vor. Dabei ließ er sich zwar über weite Strecken von thematischer Notentreue leiten, erlaubte sich aber immer wieder nonchalante Ausreißer, rhythmische Aufladungen und stilistische Anspielungen von Blues bis Salsa: ein Zugang, so respektvoll wie einst Jacques Loussiers berühmtes „Play Bach“, doch mit dem Caine eigenen Fantasiereichtum und Augenzwinkern.

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Musikszene: Besser singen lehren – Die Arbeit der Margreet Honig Foundation

Von Andrea Braun. Sie haben Gesang studiert, sind erfolgreiche Sängerinnen oder Sänger – und dann stehen sie vor einem Schüler und wissen nichts zu sagen: Eine frustrierende Erfahrung, aber keine Überraschung, urteilt die niederländische Gesangspädagogik-Legende Margreet Honig. Denn selbst gut zu singen, bedeutet noch nicht, diese Fähigkeit auch vermitteln zu können. In der Gesangsausbildung an Konservatorien und Musikhochschulen kämen didaktische Aspekte heute immer noch zu wenig vor. Ein Problem, das auch deutsche Musikpädagogen umtreibt. Deshalb gründete die heute 83-Jährige vor drei Jahren in Amsterdam die Margreet Honig Foundation. Eine Stiftung, die in Workshops und Kursen lehrt, wie man gut unterrichtet. Die Nachfrage ist groß, die Liste ihrer Lehrer-Schüler prominent.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Horizonte: „Auf der Suche nach dem Flow“ – Neue Musik in Goyo Monteros Nürnberger Ballettproduktionen

Von Sibylle Kayser. Neue Musik wird heute u.a. für Videospiele, Gottesdienste oder auch für Sportevents bestellt. Je nach Einsatzgebiet werden an diese Gebrauchsarbeiten bestimmte Anforderungen gestellt, die sie erfüllen müssen. Denn mal muss die Musik Stimmungen erzeugen, Geschichten erzählen oder Gräben überwinden. In kaum einem Gebiet sind diese Anforderungen an neue Musik- bzw. Klangstücke jedoch so hoch wie in dem des zeitgenössischen Tanzes. Denn hier muss die Musik zusätzlich zu den genannten Funktionen als alleinige Hilfestellung die Tänzerinnen und Tänzer an der Hand nehmen: Rhythmik, Energie, Bewegungsimpuls, alles vermittelt die Musik. Nach welchen Kriterien zeitgenössische Musikstücke oder Soundarbeiten ausgewählt werden und welchen Anteil sie am Erfolg oder Misserfolg eines neuen Tanzstückes haben, davon erzählt einer der erfolgreichsten Choreografen in Deutschland: der Ballettdirektor des Staatstheaters Nürnberg, Goyo Montero.

23.03 | WDR 3
Open: Ex & Pop – Mit Klaus Walter

23:03 – 24:00 | Ö1
Neue Zeitton-CD mit Werken von Gösta Neuwirth – Porträt-CD. Der Komponist und Musikwissenschaftler Gösta Neuwirth wird 85

Seit mehr als zwanzig Jahren gibt es bereits die CD-Reihe „Zeitton-Edition“, ein Kompendium der zeitgenössischen österreichischen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Das neueste Produkt daraus ist dem Komponisten und Musikwissenschaftler Gösta Neuwirth gewidmet, der sich dafür eine faszinierende Reihenfolge von ganz unterschiedlichen Kompositionen aus seinem Œuvre einfallen hat lassen: Werke für Kammerorchester mit und ohne Solisten sind zu hören, Kammermusik, aber auch ganz unterschiedlich begleitete Vokalmusik. Die CD erschien zum rechten Zeitpunkt: Am 6. Jänner 2022 hat der der Onkel von Komponistin Olga Neuwirth seinen 85. Geburtstag gefeiert.

Herausgegeben wird die Reihe „Zeitton-Edition“ von der Musikredaktion von ORF/Ö1 zusammen mit der AKM/GFÖM, bisher konnten 54 Compact Disks veröffentlicht werden – von A bis Z (von Klaus Ager bis Norbert Zehm) sind sehr viele wesentliche Komponistinnen und Komponisten Österreichs dort vertreten. Der Vertrieb der Reihe erfolgt im Rahmen der „Edition Ö1“ analog und digital über den ORF-Shop. Gestaltung: Hannes Heher

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: News & Roots

Zum 65.Geburtstag von Roman Schwaller: Henning Sieverts portraitiert den Schweizer Tenorsaxophonisten, ein Meister des swingenden Mainstream, der früher lange Jahre in München gelebt hat und nun in Wien zu Hause ist.


mi  – 19.01.2022


00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten – Zum 115. Geburtstag des Komponisten Richard Engelbrecht

Richard Engelbrecht: Satz für Streichorchester (Orchester des Collegium Musicum Schloß Pommersfelden: Hiroshi Kodama); Richard Engelbrecht: Musik in vier Sätzen (Karl Schicker, Flöte); Richard Engelbrecht: Bläserquintett (Bläserquintett der Nürnberger Symphoniker); Herbert Fromm: Streichquartett (Iturriaga-Quartett); Franz Reizenstein: Klaviertrio, op. 34 (Franz Reizenstein, Klavier; Werner Jahns, Violine; Karl Brehm, Violoncello); Konrad Lechner: „Facettes“ (Nürnberger Symphoniker: Klauspeter Seibel)

Am 19. Januar wäre der in München geborene Komponist, Dirigent und Pädagoge Richard Engelbrecht 115 Jahre alt geworden. BR Franken erinnert im „Concerto bavarese“ an das vielseitige Schaffen Engelbrechts, der 2001 in Würzburg starb. Richard Engelbrecht wuchs in Augsburg auf, wo er seine musikalische Ausbildung und seine erste Anstellung am Theater erhielt. 1933 verließ Engelbrecht Deutschland, um in Basel bei Felix Weingartner zu studieren. Da er seit 1936 mit der aus einer Berliner jüdischen Familie stammenden Ruth Herzfeld verheiratet war, konnte er nicht mehr zurückkehren. Die Familie entschloss sich, 1937 nach Argentinien auszuwandern. Bereits kurz nach dem Krieg ließ sich Engelbrecht in Stuttgart nieder, wo er für eine Bildungseinrichtung der amerikanischen Armee arbeitete. 1949 gründete er in Weikersheim das Internationale Institut für Musikerziehung, das er später an die Organisation „Jeunesses Musicales“ übergab, die dort seitdem ihren deutschen Stammsitz hat. 1957 rief er zusammen mit Karl Graf von Schönborn-Wiesentheid erneut eine musikpädagogische Einrichtung ins Leben: das Collegium Musicum Schloss Pommersfelden, das bis heute existiert und das Engelbrecht bis 1987 leitete. 1959 ließ sich Engelbrecht dauerhaft in Würzburg nieder, lebte später auch für kurze Zeit in Bamberg. Im Concerto bavarese erklingt ein Orchesterwerk Engelbrechts, interpretiert von „seinem“ Orchester des Collegium Musicum Schloss Pommersfelden, sowie zwei Kammermusik-Stücke. Außerdem in der Sendung: Werke von zwei fränkischen Komponisten, die ebenfalls wie Engelbrecht Deutschland während der Nazizeit verlassen mussten: Herbert Fromm und Franz Reizenstein.

20:00 bis 22:25 | rbbKultur
rbbKultur Radiokonzert: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik 2022 – Eröffnungskonzert

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin; Leitung: Jonathan Stockhammer; GrauSchumacher Piano Duo. Dieter Ammann: glut | Luca Francesconi: Maccine in echo | Milica DjordjeviÄ: Quicksilver

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 NOWJazz: Sensible Saitengeflechte – Der dänische Gitarrist Jakob Bro

Von Bert Noglik. Er fasziniert mit Entschleunigung und der Fokussierung aufs Melodische. Die Musik von Jakob Bro, aufgewachsen in Kopenhagen, ist europäisch geprägt und zugleich auch jazzmusikalisch fundiert. Im Prozess des Improvisierens und in dichter Interaktion mit den ihn umgebenden Mitspielern gelingt es ihm, Sounds zu kreieren, die kunstvoll schwebenden Mobiles gleichen. Den Weg dazu wiesen ihm die Großen, die ihm in ihrem Kontexten Raum zur Entfaltung gaben, Musiker wie Paul Motian und Tomasz Stanko. Mit einem Pool von Gleichgesinnten findet Jakob Bro vor allem im Trio- und Quartettformat zu einer eigenen Klangsprache.

23:03 – 24:00 | Ö1
Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen: Zeit-Ton Magazin

Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen ausgesuchte Veranstaltungstipps für die kommenden sieben Tage und die spannendsten Neuveröffentlichungen. Gestaltung: Philipp Weismann


do – 20.01.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Essen NOW!

Philharmonie Essen. Aufzeichnung vom 30.10.2021. Helmut Lachenmann: „Kontrakadenz“ für Orchester (1970/71) | Nicolaus A. Huber: „Lockdown Basket Music“ für Orchester mit Monteverdi und Zuspielungen (2020). hr-sinfonieorchester; Leitung: Baldur Brönniman

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Rudi Stephan: „Die ersten Menschen“ (Nancy Gustafson, Sopran; Wolfgang Millgramm, Tenor; Donnie Ray Albert, Bariton; Franz Hawlata, Bass; Orchestre National de France: Mikko Franck); Dieter Acker: Sonate (Wolfram Arndt, Posaune; Giorgio Hillebrand, Klavier)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
KlassikPlus: Molière und die Musik – Dem „Maître de Plaisir“ zum 400. Geburtstag

Legendär die Feste und Theateraufführungen, die es am französischen Hof gab, voll überbordender barocker Opulenz – legendär wurde dann auch die Zusammenarbeit zwischen Molière und Jean-Baptiste Lully, der die Musik dort prägte wie kein anderer. Insgesamt 12 Comédie-ballets („Ballett-Komödie“) stammen aus dieser Kooperation. Molière gilt als der französische Autor, der die Farce, die leichte Unterhaltungskomödie, die Komödie zu einer der Tragödie gleichwertigen Gattung erhob. Jahrelang war er mit einer Theatertruppe durch Frankreich gezogen, ehe er vom Bruder des Königs an den Hof eingeladen wurde, wo er schließlich auch Ludwig XIV. begeisterte. Doch nicht nur Molières Kollegen und Zeitgenossen ließen sich von seinen Werken inspirieren: auch nachgeborene Komponisten wurden davon in den Bann gezogen. Seine Komödie „Der Bürger als Edelmann“ etwa wurde mit Ballettmusik von Lully uraufgeführt. Später haben sich dann auch Gabriel Fauré, Erwin Schulhoff oder Richard Strauss mit der Geschichte von dem Geschäftsmann Jourdain, der so gerne in Adelskreise aufsteigen möchte, auseinandergesetzt. Auch 350 bis 400 Jahre nach ihrer Entstehung sind die Werke Molières, musikalisch angereichert von Lully, Charpentier oder Strauss: einfach großartige Unterhaltung. Eine Sendung von Gudrun Petruschka

20:03 bis 22:00 | Deutschlandfunk Kultur
Konzert: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik

Großer Sendesaal im Haus des Rundfunks Berlin. Aufzeichnung vom frühen Abend. Christian Winther Christensen: Piano Concerto (2018) | Mirela IviceviÄ: „Black Moon Lilith“ für Orchester (2019/2020) – Uraufführung der revidierten Fassung | Sergej Newski: „18 Episodes“ für Orchester und Zuspiel (2019). Rei Nakamura, Klavier; Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin; Leitung: Bas Wiegers

21.30 Uhr: Live aus dem radialsystem

George Lewis: „AMO“ für sechs Stimmen und Live-Elektronik (2020) – (Deutsche Erstaufführung). Neue Vocalsolisten: Johanna Vargas, Sopran; Susanne Leitz-Lorey, Sopran; Truike van der Poel, Mezzosopran; Martin Nagy, Tenor; Guillermo Anzorena, Bariton; Andreas Fischer, Bass

20:04 bis 21:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: Rhythmus und mehr – Schlagzeug in Neuer Musik

Edgard Vaèse: Ionisation | Morton Feldman: The King of Denmark | Iannis Xenakis: Mélanges (aus: Pléiades) | Gerhard Stäbler: Kybele Kassandra-Studie | Christopher Rouse: Bonham | José Manuel López López: Cálculo secreto | Younghi Pagh-Paan: Klangsäulen | Iannis Xenakis: Okho

20:04 bis 22:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert live: WDR Sinfonieorchester

Über die Zerbrechlichkeit und Schönheit des Lebens: Das WDR Sinfonieorchester begrüßt das Neue Jahr mit dem Virologen Hendrik Streeck.

Der Virologe Hendrik Streeck hat einige Semester Musikwissenschaft studiert. Die Bedeutung der Musik in Pandemiezeiten beschäftigt ihn neben der medizinischen Seite sehr. Wenn die Themen Tod und Leben dazu in einem außergewöhnlichen Konzertprogramm dargeboten werden, ergeben sich interessante Bezüge. In Schuberts früher „Begräbnis-Feyer“ setzte der 16-Jährige die Vision des eigenen Todes in Töne. Davon ausgehend hat der Schweizer Komponist Roland Moser in seiner modernen Weiterführung klingende Schatten von Schuberts Werk bis ins Heute fallen lassen. Sein Landsmann Heinz Holliger, der bei diesem Konzert auch das WDR Sinfonieorchester dirigiert, tariert in seiner Komposition „Atembogen“ die Grenzen des Hörbaren aus: der Atem als essentielle Lebensvoraussetzung. Das Programm schließt mit einem Werk mitreißender Lebensfreude voller Energie und Sonne: mit Mendelssohns „Italienischer Sinfonie“.

Franz Schubert: Nonett es-Moll, D 79 „Franz Schuberts Begräbnis-Feyer“ | Roland Moser: Echoraum, nach Franz Schuberts Nonett es-Moll, D 79 | Hendrik Streeck: Zurück zur Normalität? Ein Gespräch mit Sebastian Wellendorf über Musik, Wissenschaft und Gesellschaft (Teil 1) | Heinz Holliger: Atembogen | Hendrik Streeck: Zurück zur Normalität? Ein Gespräch mit Sebastian Wellendorf über Musik, Wissenschaft und Gesellschaft (Teil 2) | Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 4 A-Dur, op. 90 „Italienische“. Hendrik Streeck, Virologe; WDR Sinfonieorchester, Leitung: Heinz Holliger. Übertragung aus dem Kölner Funkhaus

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Neue Produktion des Ensemble Aventure (2/2)

Eres Holz: touching universes and ends (Ureinspielung) | Schakalkopf | Volker Heyn: Mashyhn (Ureinspielung) | Juan Allende-Blin: Douleurs disséminées (Ureinspielung) | Johannes Boris Borowski: Ach (Ureinspielung) | As if

Die Begegnung zweier Generationen findet in dieser Produktion des Freiburger Ensemble Aventure statt. Neben neuen Werken der „Altmeister“ Juan Allende-Blin und Volker Heyn sind aktuelle Stücke der jüngeren Komponistengeneration zu hören. Der Chilene Allende-Blin hat sich das Entdecken von Unbekanntem zur Lebensaufgabe gemacht. Volker Heyn ist ein kompromissloser Autodidakt, der die Körperlichkeit des Rock in die komponierte Musik eingebracht hat. Sein neues Stück steht neben der handwerklich perfektionierten Versenkung in die Ensemblemusik von Eres Holz und Johannes Boris Borowski.

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
JazzFacts: Architektur und Schattenspiel – Die Klangkunst des Pianisten Craig Taborn

Von Karl Lippegaus. 2010 setzte Craig Taborn mit seinem Album „Avenging Angel“ neue Maßstäbe für das Soloklavier im Jazz. Nun hat er mit „Shadow Plays“ seine Entwicklungen auf diesem Feld in der letzten Dekade dokumentiert. Dabei beweist er sich als kühner Klangarchitekt mit Sinn für Details und große Formen. 1993 wurde Taborn in der Band des Saxofonisten James Carter bekannt, ein Jahr später präsentierte er auf seinem Debütalbum Stücke von John Coltrane und Ornette Coleman in aufregendem neuem Triogewand. Seitdem gehen bei ihm Tradition und Innovation Hand in Hand. Taborn beherrscht meisterhaft das freie Spiel, wurde von dem Bebop-Pionier Herbie Nichols und dem frühen Avantgardisten Andrew Hill beeinflusst, liebt aber auch seit seinen Teenager-Jahren in Minneapolis die schier unbegrenzten Möglichkeiten der elektronischen Keyboards und überträgt die Errungenschaften von Techno und Metalcore auf sein Klavierspiel. Der bescheiden auftretende Musiker ist ein Garant für neue Ideen in der Improvisationsmusik und ein radikaler Denker.

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Neue Musik | Die Ohrenschärferin – die Komponistin Farzia Fallah

Porträtiert von Ursula Böhmer. Sie wollte Ingenieurin werden und wurde Komponistin: die Iranerin Farzia Fallah. Seit vielen Jahren lebt die 1980 in Teheran geborene Musikerin in Köln.

„Was ich mir immer wünsche, ist ein aktives Hören – ein aktives, bewusstes Hören. Weil ich denke, das ist etwas, was uns heutzutage abhanden kommt. Weil unsere Sinnesorgane, unsere Ohren durchgehend nicht nur am Arbeiten sind, sondern belastet sind!“, sagt Farzia Fallah. Feine Tonverschiebungen und expressive Klanglinien laden in ihren Werken daher zum Ohrenspitzen ein.

Die vielfach ausgezeichnete Komponistin hat in Bremen, Köln und Freiburg unter anderem bei Younghi Pagh-Paan und Johannes Schöllhorn studiert – und lebt inzwischen in Köln. Im „Kollektiv3:6Koeln“ entwickelt sie gemeinsam mit acht weiteren Komponist*innen und Instrumentalist*innen Projekte im Bereich experimenteller Musik. 2020 erschien in der „Edition Zeitgenössische Musik“ des Deutschen Musikrats eine Porträt-CD mit ihren Stücken. Im Herbst 2021 wurde sie zur „Composer in Residence“ des Archivs Frau und Musik in Frankfurt am Main ernannt, um dort mehrere Monate lang zu leben und neue Werke zu erarbeiten.

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Historische Aufnahmen – Franz Liszt und das Geheimnis der Klavierästhetik. Sekretär, Freunde & Co (2/2)

Am Mikrofon: Philipp Quiring. Die Verehrung für Franz Liszt nahm teilweise obskure Formen an. So wurde ihm zu Ehren ein Fanclub gegründet. Seine verschmähte Schülerin Olga Janina wiederum hat ihn mit einem Revolver bedroht. Die Liszt’sche Klavierästhetik für sich genommen wurde über Generationen hinweg weitergegeben. So lernten Francis Planté oder Edouard Risler den Liszt-Stil aus zweiter Hand kennen. In der Sendung geht der Kurator der British Library, Jonathan Summers, auf ihre besonderen Einspielungen ein. Außerdem wird Camille Saint-Saëns mit seinem g-Moll-Konzert zu hören sein, von dem sich Liszt begeistert zeigte. Beide Musiker waren befreundet und tauschten sich immer wieder aus. Dass sich der Liszt-Sekretär Arthur Friedheim neben den Pasteten- und Cognac-Bestellungen auch um die Kenntnis der Klavierstücke bemühte, ist eine ganz eigene Geschichte.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Horizonte: Ensemble Oktopus – Hommage an Roberto Gerhard

Vera Drazic, Akkordeon; Leitung: Armando Merino. Roberto Gerhard: „Concert for 8“; „LIBRA“; „Polar“; Irene Galindo Quero: „alfar.designio.duelo“; Elena Mendoza: „Relato improbable“

Unter dem Titel „Ein musikalisches Mosaik aus Spanien“ stellt das ensemble oktopus für musik der moderne der Hochschule für Musik und Theater München Werke dreier spanischer Komponisten-Generationen gegenüber. Anlass zu diesem Konzert in Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes ist der 125. Geburtstag des spanischen Komponisten Roberto Gerhard (1896-1970).

Die Musik Gerhards, der von 1923 bis 1928 in Wien und Berlin bei Arnold Schönberg studierte, bildet das Zentrum des Programms. Neben Gerhards Kompositionen erklingen an diesem Abend Werke des kürzlich verstorbenen Komponisten Luis de Pablo (1930-2021), Elena Mendoza (*1973) und Irene Galindo Quero (*1985). Das Konzert wird vom Gastdirigenten Armando Merino geleitet.

Zentrales Ziel des ensemble oktopus für musik der moderne, dem Ensemble für Neue Musik der HMTM ist der frühe, unkomplizierte Zugang von Studierenden zu zeitgenössischen Kompositionen. Dazu gehört die direkte und intensive Zusammenarbeit von jungen Musiker*innen mit Komponist*innen. Seit der Gründung des Ensembles im Jahr 2003 ist es der Künstlerischen Leiterin Prof. Konstantia Gourzi ein großes Anliegen, die Urheber*innen der gespielten Werke zu Probenphasen und Konzerten einzuladen.

23:03 – 24:00 | Ö1
Zusammen fließen: Komposition, Improvisation und Visual Arts beim New Adits Festival: New Adits 2021. Gegenwärtige Musik und interdisziplinäre Kunstformen. (Teil 1)

Es war ein Festival der Nähe statt social distancing in Klagenfurt/Celovec im Spätsommer 2021, mit erlebbarer Wohnzimmeratmosphäre in der Villa for Forest statt Onlinestreaming wie im Jahr zuvor. New Adits mit intimem Charakter, – und würde der Begriff „familiär“ nicht durch seinen inflationären Einsatz in anderen Zusammenhängen schon ein wenig abgenutzt klingen, hätte er sich zur Beschreibung der Stimmung im Publikum und unter den Künstler/innen förmlich aufgedrängt.

Seit 2010 wird mit diesem charmanten Festival ein Podium für Gegenwärtige Musik und interdisziplinäre Kunstformen, wie Performance, Video- und Klanginstallationen geboten. Sowohl akustische als auch elektronische Musik stand auf dem Programm, – im Spannungsfeld zwischen Komposition und Improvisation. Die aufgeführten Werke des Kurator/innen-Duos Ingrid Schmoliner (Wien) und Matthias Erian (Berlin) stehen im Mittelpunkt der beiden Zeit-Ton-Ausgaben heute und morgen. Gestaltung: Christine Pleschberger

23.03 | WDR 3
Open: Multitrack – Deconstructed Club Music – The bigger picture

Mit Total Freedom, Ziúr, Amnesia Scanner und anderen

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: All that Jazz – Saitenwege zweier Riesen des Modernen Jazz

Bassist Dave Holland und Gitarrist John Scofield im Duo. Aufnahme vom 13. November 2021 aus dem Stadttheater Neuburg an der Donau. Moderation und Auswahl: Roland Spiegel


fr – 21.01.2022


00:05 Uhr  | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: Art’s Birthday 2022 – Von Rosaceae und Hauptmeier / Recker

Produktion: Deutschlandfunk Kultur / ZiMMT 2022. Länge: 54’30. (Ursendung)

Eintauchen in eine Welt aus Klang: Dafür braucht man längst keinen hochgerüsteten Kinosaal mehr. 3D gibt es längst auch für Kopfhörer. Damit arbeiten die Künstlerin Rosaceae und das Duo Hauptmeier / Recker in ihren Performances zum Geburtstag der Kunst.

Der „Art’s Birthday“ geht zurück auf den Fluxuskünstler Robert Filliou. Er erklärte 1963 den 17. Januar zum 1.000.000. Geburtstag der Kunst. Seitdem beteiligen sich immer mehr Künstlerinnen und Veranstalter an der jährlichen Party. Zum 1.000.059. „Art’s Birthday“ vernetzt die European Broadcasting Union Konzerte aus der ganzen Welt.

Deutschlandfunk Kultur beteiligt sich mit einer Übertragung aus dem Zentrum für immersive Medienkunst, Musik und Technologie (ZiMMT) in Leipzig. Dort präsentiert die Künstlerin Rosaceae ein Klanggedicht zu Ehren der kurdischen Freiheitskämpferin Helbest Jiyan. Das Duo Hauptmeier / Recker macht den Raum des ZiMMT zu einem dreidimensionalen Instrument.

Unter dem Namen „Rosaceae“ ist die bildende Künstlerin und Autorin Leyla Yenirce als Komponistin und Klangkünstlerin aktiv. In ihrem jüngsten Album „DNA“ zeichnet sie die Beschaffenheit des Wiederstands nach. Zuletzt für Deutschlandfunk Kultur: „Reinigungskraft“ (2021).

Martin Recker und Paul Hauptmeier studierten Komposition an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Bereits seit 2009 arbeiten sie als Künstlerduo unter dem Namen „Hauptmeier | Recker” in den Bereichen Komposition, Klang- und Multimedia-Kunst. Sie sind Mitbegründer des ZiMMT − Zentrum für immersive Medienkunst, Musik und Technologie − in Leipzig.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Klaus Ospald: „Così, dell’uomo ignara“ (Collegium Novum Zürich); Joachim F. W. Schneider: „St. Vitus’s Dance“ (Ensemble für Neue Musik Würzburg: András Hamary); András Hamary: Suite (Armin Fuchs, Markus Bellheim, Klavier; Stephanie Carr, Christian Wissel, Percussion); Walter Zimmermann: „Ländler Topographien“ (Radio Sinfonie Orchester Frankfurt: Cristóbal Halffter)

14:05:00 | Ö1
Thomas Enhco und Stéphane Kerecki 2021 in Tourcoing

Am 1. Februar 2021 gastiert der zu diesem Zeitpunkt 32-jährige französische Pianist Thomas Enhco mit seinem Landsmann, dem Kontrabassisten Stéphane Kerecki, beim Jazzfestival im nordfranzösischen Tourcoing. „Folksongs“ heißt das Programm, bei dem das Duo Eigenkompositionen mit Liedern von Aretha Franklin, Sting oder auch einem Stück von Gabriel Fauré verbindet. Der Grundstimmung ist oft lyrisch, Enhcos kultivierter Anschlag zeigt sich hörbar von Keith Jarrett und Bill Evans beeinflusst.

Der virtuose Stéphane Kerecki, der in Interviews seinerseits den früh verstorbenen Bill-Evans-Bassisten Scott LaFaro als Idol nennt, widmet die Nummer „Gary“ dem Basskollegen Gary Peacock, der wenige Monate zuvor, im September 2020, für immer von der Bühne abgetreten ist.

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Das Musik-Feature: Drei Rosen, drei Damen und ein Saxofon

Von Ulrike Zöller. Die drei Damen und viele andere Figuren und Symbole der Zauberflöte laden in die Welt der Freimaurerei ein: Dass die beiden Logenbrüder Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart ihre Oper mit Symbolen des freiheitlichen Männerbundes gespickt haben, ist inzwischen Allgemeinwissen. Der Loge gehörten aber auch Komponisten wie Joseph Haydn, Louis Spohr und Johann Nepomuk Hummel an, ebenso wie zwei Protagonisten unseres bis heute gültigen Volksliedbegriffes: Johann Gottfried von Herder und der schottische Dichter Robert Burns, der sich selbst als „Fiddler and Poet“ bezeichnete. Wie freimaurerisch sind unser deutsches Volkslied, der europäische Folk? Und wie freimaurerisch ist der amerikanische Jazz? War es programmatisch, dass bereits der Erfinder des Saxofons, Adolphe Sax, einer Loge angehörte? Viele Größen des US-Jazz waren und sind „Brüder“; die Jazzszene der 1950er und 1960er Jahre stellte fast so etwas wie eine große Loge für sich dar: Louis Armstrong, Lionel Hampton, Duke Ellington, Nat King Cole, Fats Waller oder Count Basie waren Freimaurer. Auch in der zeitgenössischen Musikszene und im Grenzgebiet zwischen zeitgenössischer Klassik und Jazz, Folk und Kabarett finden sich viele Logenbrüder, deren Denken ihre Kunst beeinflusst – auch wenn sich nicht alle Musiker öffentlich zur Freimaurerei bekennen. Schließlich ist Musik bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Zeremonien und des freimaurerischen Alltags. Ulrike Zöller begibt sich auf Spurensuche in eine geheimnisvolle und faszinierende Musikwelt.

19:15 Uhr | Deutschlandfunk
Kunstschaffende arbeiten im Kosovo an einer geeinten Gesellschaft – Theater, das weh tut

Von Benedikt Schulz. Produktion: Deutschlandfunk 2022. Im Kosovo ist in den vergangenen Jahren eine der spannendsten Theaterszenen Europas entstanden. Theaterschaffende, die Krieg und Gewalt selbst erlebt haben, legen den Finger in die Wunden, die in den 90er-Jahren entstanden und noch immer nicht verheilt sind. Das Verhältnis zum großen Nachbarn im Norden, der Republik Serbien, ist weiterhin angespannt, da Serbien die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennt. Inmitten dieser Gemengelage inszeniert das Künstlerkollektiv Qendra Multimedia auch gemeinsam mit serbischen Kunstschaffenden Stücke im Stil des absurden Theaters. Ein Austausch, der viel aufrührt und bewegt. Doch viele Hindernisse bleiben. In der Politik und in den Köpfen der Menschen.

20:00 bis 22:00 | rbbKultur
Jazz Berlin: Jazzfest 2021

Als Berliner Jazztage 1964 gegründet, zählt das Jazzfest Berlin zu Europas ältesten und renommiertesten Festivals seiner Art. Im Silent Green Kulturquartier, der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und dem Pierre-Boulez-Saal trafen sich auch letzten Herbst wieder Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Jazz-Spielarten. Nach einer rein digitalen New York-Berlin-Ausgabe im Jahr 2020 folgte das Jazzfest Berlin 2021 der improvisierten Musik in drei weitere Kulturmetropolen: Kairo, São Paulo und Johannesburg. Jazz Berlin präsentiert zwei Konzertmitschnitte aus dem internationalen Spannungsfeld des Jazz.

20:03 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Konzert: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik – Heimathafen Neukölln

Live und in Aufzeichnungen vom Abend. Zsolt Sörés: „Astro-Noetic Chiasm (X)“ für Ensemble (2021). Franz Hautzinger, Trompete, Elektronik; Zsolt Sörés, fünfsaitige Viola, Elektronik; Anthea Caddy, Violoncello; Judith Hamann, Violoncello; Mihály Sándor, Klangregie

21.00 Uhr: „The New Recherche“ (2021) (Uraufführung) – Konzept und Komposition/Film: Sara GlojnariÄ, Charles Kwong, Hannes Seidl. Ensemble Recherche: Melise Mellinger, Violine; Geneviève Strosser, Viola; Åsa Åkerberg, Violoncello; Eduardo Olloqui, Oboe; Shizuyo Oka, Klarinette; Christian Dierstein, Schlagzeug; Klaus Steffes-Holländer, Klavier; Lucia Kilger, Klangregie; Bastian Zimmermann, Dramaturgie

22.20 Uhr: Dieter Ammann: „Après le silence“ für Klaviertrio (2005) | Sarah Nemtsov: „[love]“ für Klaviertrio (2018) | Isang Yun: Klaviertrio (1972/75). Boulanger Trio: Karla Haltenwanger, Klavier; Birgit Erz, Violine; Ilona Kindt, Violoncello

20:05 bis 22:00 | BR-KLASSIK
Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks

Leitung: Robin Ticciati; Chor des Bayerischen Rundfunks; Solistin: Siobhan Stagg, Sopran. Julian Anderson: Neues Werk für Chor und Orchester (Uraufführung); Sergej Rachmaniow: Symphonie Nr. 3 a-Moll

Dazwischen: PausenZeichen – Julia Schölzel im Gespräch mit Robin Ticciati. Der 38-jährige Robin Ticciati, gebürtiger Londoner mit italienischen Wurzeln, war schon als ganz junger Dirigent ein Sympathieträger für die Klassik. Mit seiner charismatischen Ausstrahlung gewinnt der Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin Musiker und Publikum gleichermaßen für sein undogmatisches Musikverständnis und seine durchaus unkonventionelle Programmgestaltung. So präsentiert Ticciati bei seinem erneuten Gastauftritt in München die Dritte Symphonie von Sergej Rachmaninow – ein spätromantisches Monument, das vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks seit beinahe einem halben Jahrhundert nicht mehr gespielt wurde! Zeit wurde es für dieses nostalgische Spätwerk, das von süffigen Melodien, mitreißenden Rhythmen und unsagbarer Schwermut geprägt ist. Rachmaninow hatte seine Dritte Symponie 1935 im amerikanischen Exil komponiert. Ticciati stellt sie der brandneuen Partitur „Exiles“ von Julian Anderson gegenüber, den tragenden Vokalpart übernehmen die australische Sopranistin Siobhan Stagg und der von Ticciati hochgeschätzte Chor des Bayerischen Rundfunks. Kurz vor der Münchner Weltpremiere des fünfteiligen Gesamtzyklus hatte Widmungsträger Simon Rattle in London bereits eine dreiteilige Suite aus „Exiles“ uraufgeführt. Wie schon der Plural im Titel andeutet, fasst der 1967 in London geborene Julian Anderson den Begiff „Exil“ weit: Das Spektrum reicht vom Heimweh des jüdischen Volkes in der babylonischen Gefangenschaft über eine Hommage an Varian Fry, der Tausenden die Flucht vor den Nazis ermöglichte, bis hin zur erzwungenen Isolation während der Corona-Pandemie.

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Milestones – Jazzklassiker: Zwischen Protest und Poesie

Saxofonist Archie Shepp und seine Platten „Attica Blues“ (1972), „The Cry Of My People“ (1972) und „Mama Rose“ (1982). Am Mikrofon: Niklas Wandt

Der Tenorsaxofonist Archie Shepp, in den 60er-Jahren einer der bekanntesten Vertreter des Free Jazz, hatte ursprünglich Literaturwissenschaften studiert. Schon früh war seine Musik explizit politisch. Er stellte sich auf die radikalere Seite der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und reicherte seine Performances mit flammenden Deklamationen und Gedichtvorträgen an. Die Verbindung von Musik und Wort fand einen Höhepunkt auf „Attica Blues”, Ende Januar 1972 aufgenommen als Reaktion auf den blutig niedergeschlagenen Aufstand im Attica State Prison. Zugleich dokumentiert die Platte Shepps verstärkte Auseinandersetzung mit der gesamten afroamerikanischen Musiktradition, Blues und Soul eingeschlossen. Zehn Jahre später, im Februar 1982, veröffentlichte Shepp eine Duoplatte mit dem niederländischen Keyboarder Jasper van’t Hof. Das Titelstück „Mama Rose“ basiert auf einem Gedicht, das Shepp seiner Großmutter gewidmet hat – eine Bilanz der politischen Kämpfe, eine Reflexion über das Leben und eine seiner eindringlichsten Aufnahmen.

23:03 – 24:00 | Ö1
Zusammen fließen: Komposition, Improvisation und Visual Arts beim New Adits Festival: New Adits 2021. Gegenwärtige Musik und interdisziplinäre Kunstformen. (Teil 2)

Es war ein Festival der Nähe statt social distancing in Klagenfurt/Celovec im Spätsommer 2021, mit erlebbarer Wohnzimmeratmosphäre in der Villa for Forest statt Onlinestreaming wie im Jahr zuvor. New Adits mit intimem Charakter, – und würde der Begriff „familiär“ nicht durch seinen inflationären Einsatz in anderen Zusammenhängen schon ein wenig abgenutzt klingen, hätte er sich zur Beschreibung der Stimmung im Publikum und unter den Künstler/innen förmlich aufgedrängt.

Seit 2010 wird mit diesem charmanten Festival ein Podium für Gegenwärtige Musik und interdisziplinäre Kunstformen, wie Performance, Video- und Klanginstallationen geboten. Sowohl akustische als auch elektronische Musik stand auf dem Programm, – im Spannungsfeld zwischen Komposition und Improvisation. Die aufgeführten Werke des Kurator/innen-Duos Ingrid Schmoliner (Wien) und Matthias Erian (Berlin) stehen im Mittelpunkt der beiden Zeit-Ton-Ausgaben heute und morgen. Gestaltung: Christine Pleschberger

23.03 | WDR 3
Open: Diskurs: Wander-Zirkus

Die Klima- und Umweltdebatte spielt in den derzeitigen politischen Debatten eine zentrale Rolle – und sie wird sich auch auf das Musikleben auswirken: Werden Orchester in Zukunft noch reisen?

Der internationale Musik-Zirkus hat bereits ja teils extreme Ausformungen angenommen: der Stardirigent, der vormittags eine Probe in Frankfurt absolviert – Flugzeug – nachmittags in Dresden (oder Stuttgart, das ist egal) eine weitere Probe – Flugzeug – um am nächsten Tage in Tokio für ein Konzert zu landen. Ein großes Orchester, 130 Musiker:inn:en plus Entourage, auf Asien-Tournee – was bedeutet das für den ökologischen Fußabdruck? Und ist der Wander-Zirkus durch alle Kontinente und Metropolen überhaupt wünschenswert? Bringt das einen ästhetischen Nährwert? Oder bietet am Ende doch jedes größere Museum einen Warhol, den man schon dutzendmal zu sehen geglaubt hat? Fragen über Fragen.

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: Jazz auf Reisen – Hommage an einen oft Vergessenen

Das „Dameronia’s Legacy Allstar Octet“ mit einer musikalischen Verbeugung vor dem Bebop-Pianisten Tadd Dameron

Unter der Leitung von Schlagzeuger Bernd Reiter spielen unter anderem die amerikanischen Gaststars Dick Oatts (Altsaxofon) und Jim Rotondi (Trompete) Klassiker des Komponisten prägnanter Jazzstücke. Moderation und Auswahl: Roland Spiegel


sa – 22.01.2022


09:05 bis 10:00 | SWR 2
SWR2 Musikstunde: Soul Makossa – Musik aus Kamerun

Mit Susanne Herzog.  „Afrika im Kleinen“ wird Kamerun genannt. Regenwald, Savanne, Bergland und Strände: Kameruns Landschaft ist genauso abwechslungsreich wie die Musik des Landes. „Makossa“ – so heißt ein bekannter Musikstil aus der Metropole Douala. Zur Gegend um Kameruns Hauptstadt Yaoundé gehört „Bikutsi“. Außerdem mit dabei: der Schriftsteller und Musiker Francis Bebey mit seinem ganz eigenen Sound, der Multiinstrumentalist Richard Bona zwischen Jazz, Pop und Weltmusik und viele mehr! (SWR 2018)

14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Das Musik-Feature: Drei Rosen, drei Damen und ein Saxofon – Die Musik der Freimaurer

Von Ulrike Zöller. Die drei Damen und viele andere Figuren und Symbole der Zauberflöte laden in die Welt der Freimaurerei ein: Dass die beiden Logenbrüder Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart ihre Oper mit Symbolen des freiheitlichen Männerbundes gespickt haben, ist inzwischen Allgemeinwissen. Der Loge gehörten aber auch Komponisten wie Joseph Haydn, Louis Spohr und Johann Nepomuk Hummel an, ebenso wie zwei Protagonisten unseres bis heute gültigen Volksliedbegriffes: Johann Gottfried von Herder und der schottische Dichter Robert Burns, der sich selbst als „Fiddler and Poet“ bezeichnete. Wie freimaurerisch sind unser deutsches Volkslied, der europäische Folk? Und wie freimaurerisch ist der amerikanische Jazz? War es programmatisch, dass bereits der Erfinder des Saxofons, Adolphe Sax, einer Loge angehörte? Viele Größen des US-Jazz waren und sind „Brüder“; die Jazzszene der 1950er und 1960er Jahre stellte fast so etwas wie eine große Loge für sich dar: Louis Armstrong, Lionel Hampton, Duke Ellington, Nat King Cole, Fats Waller oder Count Basie waren Freimaurer. Auch in der zeitgenössischen Musikszene und im Grenzgebiet zwischen zeitgenössischer Klassik und Jazz, Folk und Kabarett finden sich viele Logenbrüder, deren Denken ihre Kunst beeinflusst – auch wenn sich nicht alle Musiker öffentlich zur Freimaurerei bekennen. Schließlich ist Musik bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Zeremonien und des freimaurerischen Alltags. Ulrike Zöller begibt sich auf Spurensuche in eine geheimnisvolle und faszinierende Musikwelt.

19:05 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Konzert: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik – Live aus dem radialsystem

Yiran Zhao: „Fluctuation Ia“ für Ensemble (2015/2016) / „Joik“ für Rahmentrommel (2014) / „Piep“ für zwei Korg MA-1 Metronome (2015) / „Ohne Stille II“ für eine große Trommel und Licht (2014/2015) / „Touch II“ für Ensemble (2015/2016). Christian Dierstein, Schlagzeug; Dirk Rothbrust, Schlagzeug

Ensemble Recherche: Melise Mellinger, Violine; Mirka Stepanovic, Viola (als Gast); Åsa Åkerberg, Violoncello; Phoebe Bognár, Flöte, Piccolo (als Gast); Shizuyo Oka, Klarinette; Christian Dierstein, Schlagzeug; Klaus Steffes-Holländer, Klavier; Robert Felix Menczel, Gitarre (als Gast)

21.00 Uhr: Celeste Oram & Ensemble Adapter: „Yunge Eylands Varpcast Netwerkið“ (2021-2022). Experimentelle Radio-Oper. Ensemble Adapter: Kristjana Helgadóttir, Flöte, Stimme; Ingólfur Vilhjálmsson, Klarinette, Stimme; Gunnhildur Einarsdóttir, Harfe, Stimme; Matthias Engler, Perkussion, Stimme; Zak Argabite, Technische Entwicklung/Design

22.00 Uhr: Stefan Prins: „Piano Hero #1“ für Midi-Keyboard, Live-Elektronik und Video (2011) | Christian W. Christensen: „Piano Preludes“ für präpariertes Klavier (2012-2015) | Stefan Prins: „Piano Hero #4“ für Midi-Keyboard, Elektronik und Video (2016-2017) | Klaus Lang: sechs präludien für klavier (2011). Rei Nakamura, Klavier

20:00 bis 23:00 | hr2-kultur
Aus München: „Die Nase“ von Dmitri Schostakowitsch

Wenn die Nase plötzlich nicht mehr mitten im eigenen Gesicht sitzt, sondern auf zwei Beinen umherspaziert und sich als vermeintlicher Staatsrat für etwas Besseres hält, dann könnte und sollte man das für einen Traum halten. In Schostakowitschs abenteuerlich-grotesker Oper nach Gogol aber ist es bitterböse Wirklichkeit.

(Aufnahme vom 27. Oktober 2021 aus dem Nationaltheater). Mit einem Ausrufezeichen und einem Plädoyer für die Musik des 20. Jahrhunderts eröffnete das neue Führungsteam aus Intendant Serge Dorny und Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski die Saison in München. Dmitri Schostakowitsch schrieb seine erste Oper „Die Nase“ 1928 als 22-Jähriger und er schuf eine wild-verwegene Mischung aus hochexpressiven, atonalen Episoden, trivialen Tanzeinlagen und spielerisch neoklassizistischen und folkloristischen Elementen. Das Stück war zunächst recht erfolgreich, verfiel aber dann in den 1930er Jahren wie so vieles andere auch dem „Formalismusverdikt“ der russischen Machthaber.

In München kam die Oper jetzt zum allerersten Mal auf die Bühne, inszeniert von Kirill Serebrennikov, der seine russische Heimat aktuell nicht verlassen darf, von daher gewissermaßen aus dem erzwungenen Homeoffice Regie führte. Seine Interpretation setzte vielleicht allzu sehr auf die demonstrative und alles andere etwas nivellierende Polizeipräsenz, wodurch die Kenntlichkeit und Prägnanz der Personen doch ein wenig litt – zudem sorgte die nicht ganz einleuchtende Verlegung zweier Szenen für weitere inhaltliche Unübersichtlichkeit.

Vladimir Jurowski führte souverän durch die komplexe Partitur mit einem gar nicht so groß besetzten Orchester, erweitert allerdings durch eine neunköpfige Schlagzeuggruppe und entlegenes Instrumentarium wie Domra, Balalaika und singender Säge. In der Partie des seiner Nase beraubten, leidgeplagten Protagonisten überzeugte der russische Bariton Boris Pinkhasovich – vor allem aber bot die Bayerische Staatsoper eine hervorragende Ensemble-Leistung, denn mit einer Besetzungsliste von absolut rekordverdächtigen 58 Rollen stellt „Die Nase“ für jedes Haus eine erstmal zu bewältigende Herausforderung dar.

22:03 bis 23:00 | SWR 2
SWR2 Jazztime: #zusammenspielen – Das Christoph Neuhaus Trio im Studio 2 in Baden-Baden

Von Henry Altmann. „Zusammen spielen“ muss ein Gitarrist erst mal mit sich selbst, sechs Saiten und zehn Finger lassen da viele Möglichkeiten. Weil Christoph Neuhaus das auf bislang fünf eigenen und über 60 Alben aber auch mit anderen zusammen extrem gut kann, hat er 2021 den Landesjazzpreis Baden-Württemberg erhalten. Am 13. Juni vernähte er beim #zusammenspielen im Studio 2 des SWR in Baden-Baden die Schnittstellen von Jazz, Blues und Folk, im klassischen Trio mit Martin Meixners brodelndem Hammond-B3-Sound und den satten Grooves von Daniel Mudrack am Schlagzeug.

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Discorso – Georg Katzers letzte Instrumentalwerke

Am Mikrofon: Ingo Dorfmüller. Dass Georg Katzer (1935- 2019) sein letztes großes Orchesterwerk „discorso” nannte, wirkt wie ein Reflex seiner künstlerischen Lebenserfahrung. Was er konkret erlebt hat, sei dahingestellt – ob unter obrigkeitlicher Diskurslenkung anfangs in Ostberlin oder an Diskurs-Fragmentierung später im wiedervereinten Deutschland. Im Stück scheinen Stadien eines argumentativen Dialogs indes noch einmal auf: Rede, Gegenrede, Disput, Streit, bis zum völligen Zerwürfnis. „Discorso” gehört zum Spätwerk des Komponisten, das eine aktuelle CD des Labels NEOS dokumentiert. Auch in kammermusikalischen Formaten lassen sich hier die Ideen von Dialog und Diskurs wie ein roter Faden verfolgen: Etwa in „postscriptum zu B.”, drei Stücke, die sich mit Beethovens Cellosonaten auseinandersetzen. Oder im fünften Titel der Werkreihe „La Scuola dell’ Ascolto” – dazu bestimmt, Laienmusiker und ungeübte Hörer mit Formen und Klängen der Neuen Musik vertraut zu machen.

23:00 | hr2-kultur
The Artist’s Corner | Jugend komponiert 2021

Moderation: Stefan Fricke. Seit 1985 führt die Jeunesses Musicales Deutschland jährlich den Bundeswettwerb „Jugend komponiert“ durch.

23:03:00 | Ö1
Martin Philadelphy im Studio, Shai Maestro & Eleni 2021 in Lech

Zu Gast im Jazznacht-Studio ist der 50-jährige Gitarrist und Sänger Martin Philadelphy. Seit vielen Jahren bereichert der gebürtige Innsbrucker mit unterschiedlichsten Projekten die österreichische Musik-Szene. Im Gespräch mit Christian Bakonyi plaudert der heute zwischen Wien und New York pendelnde Musiker über seine neuesten Produktionen „Retrograde 2“ und „Komp“ -letztere eine Zusammenarbeit mit dem dänischen Schlagzeuger Kresten Osgood und dem US-amerikanischen Bassisten Trevor Dunn.

Die Ö1-Konzertaufnahme stammt von der Jazzbühne Lech, die seit 2015 jeden Sommer von Philip Waldhart im bekannten Wintersportort am Arlberg veranstaltet wird: Am 14. August 2021 präsentierten der israelische Pianist Shai Maestro und die griechische Sängerin Eleni Arapoglou im Sportpark Lech ihr Programm „Songs of Courage and Imagination“, mit Liedern in englischer, spanischer und griechischer Sprache.

23.03 | WDR 3
Studio Elektronische Musik: Stromlinie reloaded [16] erikM

Anders als andere experimentelle DJs, die musikalische Wiedergabegeräte wie Plattenspieler und CD-Spieler gerne als Geräuschgeneratoren missbrauchen, nutzt der französische Klangkünstler erikM Speichermedien, um mit den Zeichen des kulturellen Alltags musikalische Referenzsysteme zu generieren. Ganz gleich, ob er mit Soundrecordings des städtischen Alltags oder ins kollektive Bewusstsein gebrannte Klangikonen der Filmgeschichte jongliert, stets entstehen aus der Collagen heraus Klangwelten, die das Selbstverständnis der modernen Gesellschaft analytisch hinterfragen. erikM mit einem live gespielten Studiokonzert.

erikM: O. T., Live-elektronische Improvisation für CD-Spieler und Elektronik

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Musik der Welt: Die Balalaika – Das dreieckige Weltwunder

Vermutlich haben sie die Mongolen nach Russland eingeschleppt, jedenfalls gehört die Balalaika zu diesem Land wie Wodka, der Kreml und die Matrjoschka. Sie ist aus der russischen Volksmusik nicht wegzudenken (und wegzuhören)! Dabei hat sie nur drei Saiten, von denen auch noch zwei gleich gestimmt sind: A-E-E. Aber in denen stecken Teufel, Babuschki, Melancholiker und Engel. So kann die Balalaika mit ihrem hauchzarten Tremolo die Seele in Schwingungen versetzen, ihr Pizzicato klirrt wie gefrorene Regentropfen und wenn man sie anschlägt wie eine Gitarre, suggeriert sie, man wäre bei einer Gluthitze irgendwo in Südspanien. Die Balalaika ist die kleinste dreieckige Geschichtenerzählerin der Welt. Der Balalaikvirtuose Alexander Paperny kennt ihre Geheimnisse, ihre Tücken und Spezialitäten. In „Musik der Welt“ geht es mit der Balalaika zu Filmhits aus den „Goldenen Zwanzigern“, ins Studierzimmer von J.S. Bach und in die russische Steppe. Eine Sendung von Sylvia Schreiber

23:05 bis 02:00 Uhr | Deutschlandfunk
Lange Nacht: Das Dröhnen der heiligen Stimme – Eine Lange Nacht über Arnold Schönberg

Von Egbert Hiller. Regie: Burkhard Reinartz. Geboren wurde der Komponist Arnold Schönberg 1874 in Wien. Gestorben ist er 1951 in Los Angeles. Er lebte in unruhigen Zeiten mit zwei Weltkriegen und harschem gesellschaftlichem Wandel: „eine Welt von gestern“, die der heutigen aber noch den Spiegel vorhält. Künstlerisch wurde er stark von der späten Romantik beeinflusst, von Johannes Brahms, Richard Wagner und Gustav Mahler. Doch er ging weit über sie hinaus und geriet zum Außenseiter des Wiener Musiklebens, aber auch zum Übervater der Musik des 20. Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer Komponist spürte er den Atem der Geschichte, wie kaum ein anderer beeinflusste er selbst die Geschichte der Musik. Schönberg wagte viel und hatte oft das Gefühl, „alles ist hin“. Private Verwicklungen und Beziehungskrisen wirkten tief in seine Werke hinein. Massive, auch antisemitische Anfeindungen trafen ihn hart, seinen Weg aber verfolgte er unbeirrt weiter. Er erfand die bahnbrechende Zwölftontechnik und besann sich zurück auf seine jüdische Identität, die mit seiner berühmten Oper „Moses und Aron“ eng verknüpft ist. Zwischen Wien, Berlin und Los Angeles, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Tradition und Utopie – eine „Lange Nacht” über Arnold Schönberg und sein bewegtes Leben und Schaffen.


so – 23.01.2022


09:30 Uhr | Deutschlandfunk
Essay und Diskurs: Working Class – Arbeitersiedlungen an der neuen Seidenstraße in der Fotografie

Bernard Langerock im Gespräch mit Pascal Fischer. Der Düsseldorfer Fotograf Bernard Langerock besuchte drei Arbeitersiedlungen entlang der „neuen Seidenstraße“, das chinesische Chongqing, das polnische Zabrze und die Oberhausener Siedlung Eisenheim. Über Tausende Kilometer hinweg fotografierte er Verbindendes und Unterschiede im Alltag und Leben derjenigen, die einst und heute die Handelsgüter und Konsumwaren der Seidenstraße produzierten.

Eine Ausstellung seiner Bilder ist digital im Museum Eisenheim St. Antony-Hütte zu sehen.

Die Seidenstraße, ein sagenumwobenes Netz von Handels- und Karawanenstraßen, verband über Jahrhunderte Zentralasien mit Europa. Auf ihr bewegten sich Güter, Menschen, Ideen und Innovationen. Auch heute noch ist die Vorstellung einer verbindenden Handelsroute zwischen Ost und West lebendig, etwa im Projekt der „neuen Seidenstraße“, als deren einer Ausgangspunkt Xian in Zentralchina und deren anderer Duisburg am Rhein betrachtet wird.

Bernard Langerock, geboren 1953 in Belgien, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Nach der Ausbildung an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf ist er seit 1972 als freier Fotograf international tätig. Über Fotografie sagt er: „Fotografien sind das Ergebnis reflektierender Urteilskraft, sie entstehen als Plakative und entwickeln sich weiter als versuchte Explikate im Kontext ihrer Zeit.“

13:30 bis 15:00 Uhr | Deutschlandfunk
Zwischentöne: Musik und Fragen zur Person – Der Journalist Martin Gommel im Gespräch mit Julius Stucke

Martin Gommel hat als Fotojournalist geflüchtete Menschen porträtiert. Als Erzieher arbeitet er in einer Berliner Kindertagesstätte. Als Reporter für psychische Gesundheit schreibt er seit einigen Jahren über ein sehr persönliches Thema, denn er hat seit seiner Kindheit wiederkehrende Depressionen. Und es ärgert ihn wenn, wie er sagt, Erkrankte ignoriert werden.

17:10:00 | Ö1
Mahalia Jackson: Zum 50. Todestag der „Queen of Gospel“

Am 27. Jänner 1972 erlag Mahalia Jackson mit nur 60 Jahren in Chicago einem Herzversagen. Ihre Grabrede hielt Coretta Scott King, die Witwe des ermordeten Bürgerrechtlers Martin Luther King Junior. Ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod ist Mahalia Jackson immer noch die am meisten geachtete Person in der Geschichte des „Black Gospel“.

Geboren 1911 in New Orleans war Jackson während der „Großen Depression“ Teil der „Great Migration“ und landete in Chicago, wo sie eine hoch geschätzte Sängerin einer evangelischen Baptistenkirche und ab Mitte der 1950er Jahre eine gefeierte Plattenkünstlerin für Apollo und Columbia Records wurde, gepriesen als „The World’s Greatest Gospel Singer“-Titel ihres Debütalbums bei Columbia Records.

Bandleader wie Earl Hines und Duke Ellington umschwärmten Jackson; mit ihrer Authentizität und mächtigen Altstimme begeisterte sie die Zuhörer/innen in Kirchen, beim namhaften Newport Jazz Festival 1958 und in der berühmten Carnegie Hall in New York City. Diese Aschenputtel-Erzählung von Jacksons Karriere während des Jahrzehnts nach dem Zweiten Weltkrieg war für Afroamerikaner/innen von großer Bedeutung. Jackson war die erste Gospelkünstlerin, die diverse Medien nutzte; mit einem landesweit ausgestrahlten Radioprogramm, einer in Chicago ansässigen Fernsehshow und frühen Aufnahmen, die den „Black Gospel“ direkt aus der Kirche heraus einem amerikanischen und europäischen Publikum näherbrachte.

Gleichzeitig entstand dabei der Trend zu religiösem Pop im frühen Kalten Krieg. Legendär Mahalia Jacksons Auftritt am 28. August 1963 zum Abschluss des Bürgerrechtsmarsches nach Washington: Sie begeisterte 250.000 Zuhörer/innen vor Martin Luther Kings großer Rede „I Have a Dream“ mit dem afroamerikanischen Spiritual „I’ve Been ‘Buked and I’ve Been Scorned“: „Ich wurde beschimpft und verhöhnt. Ich werde es meinem Herrn erzählen, wenn ich nach Hause komme, wie lange ihr mich schon schlecht behandelt habt.“

Zum 50. Todestag streifen wir durch Mahalia Jacksons reichhaltige Diskografie und hören eine Sängerin, die ihre mächtige Stimme immer im Dienst des Herrn erklingen ließ!

18:30 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Claude Debussy: „Pelléas et Mélisande“

Staatsphilharmonie Nürnberg: Joana Mallwitz. Informationen und Gespräche zur aktuellen Premiere im Staatstheater Nürnberg: Claude Debussy: „Pelléas et Mélisande“. Mit Dorothee Hußlein

Zu Gast: Jens-Daniel Herzog (Staatsintendant und Operndirektor), Joana Mallwitz (Generalmusikdirektorin), Tarmo Vaask (Chordirektor), Julia Grüter (Mélisande), Samuel Hasselhorn (Pelléas)

ab 19.00 Uhr: Claude Debussy: „Pelléas et Mélisande“. „Pelléas et Mélisande“ – Claude Debussys Oper atmet den Geist des Fin de siècle, die Musik ist durchweht von Todesahnung und unerfüllter Sehnsucht nach Liebe und Freiheit. Und doch ist es auch ein Werk des Aufbruchs in ein neues Jahrhundert, ein Werk des Ausbruchs aus der Konvention. Die literarische Vorlage des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck deutet in seiner Sprache das Wesentliche nur an: das was verschwiegen wird, aber in Gesten und Stimmungen mitschwingt, ist wichtiger als das, was explizit gesagt wird. Die äußere Handlung sei für ihn nicht der Kern des Dramas, äußerte Maeterlinck, er versuche vielmehr, „tiefer in das menschliche Bewusstsein hinabzusteigen.“

Das war auch der Anspruch Debussys, der mit seiner feinsinnigen, ätherischen Klangsprache vielschichtige Psychogramme der Hauptpersonen erschuf.

„Pelléas et Mélisande“ ist die erste Opernpremiere am Staatstheater Nürnberg im neuen Jahr. Allerdings kann die ursprünglich geplante Neuinszenierung von Staatsintendant Jens-Daniel Herzog aufgrund der Corona-Lage nicht realisiert werden, so dass die Premiere konzertant stattfindet. Am Pult steht Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz in der ersten Premiere nach ihrer Elternzeit. In den Titelrollen singen Julia Grüter als Mélisande und Samuel Hasselhorn als Pelléas.

Bereits um 18.30 Uhr meldet sich live aus dem Foyer Dorothea Husslein mit Interviewgästen rund um die Nürnberger Neuproduktion.

19:21 bis 20:00 | SWR 2
SWR2 Jazz: The Spirit of the Streets – Eine Paris-Hommage der Komponistin Rebecca Trescher

Von Thomas Loewner. Seit fast 10 Jahren leitet die Nürnberger Komponistin, Klarinettistin und Bandleaderin Rebecca Trescher ihr eigenes Large Ensemble. Mit dem Tentett hat Trescher einen erfrischenden, modernen Klang zwischen Jazz und Klassik entwickelt. Für ihre künstlerische Arbeit wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, u. a. war sie 2019 ein Jahr lang Artist in Residence an der Pariser Cité Internationale des Arts. Während dieser Zeit spazierte Rebecca Trescher viel durch die Straßen der Stadt und ließ sich von ihrer Atmosphäre und ihrem Spirit zu einer vierteiligen Suite inspirieren, die im Zentrum ihres neuen Albums steht.

20:03 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Konzert: Großes Haus, Stadttheater Bremerhaven – Aufzeichnung vom 19.01.2022

Mélanie Bonis: Trois femmes de légende | Alma Mahler: Lieder | Louise Farrenc: Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 32. Solgerd Isalv, Mezzosopran; Philharmonisches Orchester Bremerhaven; Leitung: Marc Niemann

22:08 – 23:00 | Ö1
Lieblingswerke des Jubilars Peter Burwik: Peter Burwik empfiehlt. Musik zum 80er des Dirigenten und Ensemblegründers

Peter Burwik studierte bei Hans Swarowsky in Wien Dirigieren und promovierte in Theaterwissenschaft an der Universität Wien. 1968 gründete er das Wiener Universitätsorchester, 1971 das ensemble XX. jahrhundert, das 2021 den 50. Geburtstag gefeiert hat (inklusive Umbenennung in ensemble XXI. jahrhundert) und dessen Direktor er bis heute ist. An der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien war Burwik als ao. Professor im Rahmen von „Interpretation und Aufführungspraxis Neuer Musik“ verantwortlich für den Aufbau der Fächer „Kompositionspraktikum“ sowie „Musik der Gegenwart“. Am Dienstag, 25. Jänner 2022 feiert Burwik 80. Geburtstag. In diesem „Zeit-Ton extended“ stellt der Jubilar Musik und Interpretationen vor, die ihn geprägt haben. Gestaltung: Rainer Elstner

23.03 | WDR 3
Studio Neue Musik: Vokale Verwandlungen

Mit Sophie Emilie Beha. „I like to be surprised. That’s what I look for.“ Juliet Fraser sucht in jedem Stück Überraschungsmomente. Ihre Neuaufnahmen zeugen davon, wie neugierig, offen und experimentierfreudig die englische Sopranistin und Stimmakrobatin unterwegs ist.

Juliet Fraser erkundet als Solistin wie auch in der Vokalformation Exaudi, die sie mitgegründet hat, die Stimme bis in die extremsten Bereiche – zwischen Hauchen, Flüstern und exaltierten Ausbrüchen. Dies geschieht meist in enger Kooperation mit Komponist*innen wie Rebecca Saunders, Enno Poppe oder Beat Furrer.

Rebecca Saunders’ Skin setzt sich mit der Haut als Metapher für Vergänglichkeit auseinander. Alte Haut wird abgelegt, damit neue wachsen kann. Genau wie Beat Furrers Lotófagos bezieht es sich auf Odysseus. Furrers Komposition für Sopran und Kontrabass behandelt den Zustand der Amnesie, das Abgleiten in einen anderen Zustand. Der Titel bezieht sich auf die Gefährten des Odysseus, die Lotosblumen aßen, um zu vergessen. Enno Poppes Wespe verwendet einen Text von dessen Lieblingspoeten Marcel Beyer, vertont in ironischer Lautmalerei. Und Morton Feldmans legendäres Vokalwerk Three Voices entfaltet eine ganz besondere Sogwirkung: Drei Stimmen überlagern und verschlingen sich, die in Wirklichkeit von ein und dieselben Vokalistin gesungen werden.

Enno Poppe: Wespe für Stimme | Beat Furrer: Lotofagos für Sopran und Kontrabass; Juliet Fraser, Sopran; Uli Fusseneger, Kontrabass | Morton Feldman: Three Voices für Stimme | Rebecca Saunders: Skin für Stimme und Ensemble. Juliet Fraser, Sopran; Klangforum Wien, Leitung: Titus Engel

 

radiofreak der alten schule. transistor, diode, spule, kondensator. ehemals manipulator:in mehrerer rundfunksendungen.

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