Oh, weltumarmender Eros – Ikone der Mauser-Festschrift

Wir befinden uns im Jahre 2119. Just tauchte eine russische Ikone „OH, WELTUMARMENDER EROS“ aus dem Jahre 2019 auf. Dieses feierliche Bild huldigt dem Vorwort der Herausgeber der Siegfried Mauser Festschrift zu dessen 65. Geburtstag nach seiner Verurteilung wegen sexueller Nötigung zu 2 Jahren und 9 Monaten Gefängnis: Dieter Borchmeyer, Susanne Popp und Wolfram Steinbeck und ihrem Stoßgebet. Die zentrale Aussage dieses Vorworts geht so: „Seine Visionen und sein unbändiger Tatendrang, die ansteckende Spontaneität und begeisternde Vitalität haben ihm manche Kritik eingetragen – und sein bisweilen die Grenzen der ,bienséance‘ überschreitender weltumarmender Eros hat für ihn schwerwiegende rechtliche Folgen gehabt.“ Um sie herum verweilen in Demut die Autoren der Festschrift, die nach dem Zitat von Borchmeyer in der SZ vom 26.10.19 alle geschlossen hinter der Festschrift stehen. Leider war auf der Ikone nicht mehr für Alle genügend Platz, aber es sind Alle gemeint. Wenn Ihr meint, nicht in diese Ikone zu gehören oder mit dem Vorwort nicht einverstanden seid, meldet Euch. Man wird Euch dann aus der Ikone kaschieren. Apropos: nach einer kurzen Sitzung wurde beschlossen im Sinne interkultureller Toleranz vor dem koranischen Bilderverbot auf Namenshüllen umzustellen und die aufgefundene Ikone korrekt anzupassen. Hoffentlich befürchtet jetzt nicht mancher Autor den Untergang des Abendlandes. Die Festschrift ist ein Teil seines Untergangs bzw. geht nun der aus ihrem Vorwort schielende Ungeist unter.

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Neulich entdeckte Ikone „Oh, Grenzen der bienseance überschreitender weltumfassender Eros“

Jetzt huldigen dem Vorwort, da sich bisher davon nicht distanzierend: M. Krüger, A. Reimann, G. Gruber, H. Danuser, W. Rihm, M. Mosebach, M. Trojahn, H. J. Hinrichsen, E. Rahn, H. Lühning, E. Schmierer, M. Brzoska, P. M. Hamel, C. Gerhaher, S. Schwarz, M. Becker, N. Wagner, M. Schmidt, S. Döhring, P. Revers, P. Gülke, W. Hiller, O. Panagl, H. Lachenmann, D. Rexroth, T. Seedorf, S. Schaal-Gotthardt, J. P. Hiekel, J. Stenzl, H. Parzinger, I. Schwalb. Eine Mail an uns reicht und wir vermelden Eure Distanzierung. Das ist nicht maoistische Selbstkritik, das ist sich ehrlich machen.

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3 Antworten

  1. Sonia G.Y. sagt:

    Tozki ist eine Figur im Roman „Der Idiot“ von Dostojewski. Dieser feine Herr gilt als großer Frauenkenner. Er nimmt das Vollwaise-Mädchen Nastasja zu sich, als Ziehtochter. Einige Jahre später wird Nastasja von Tozki missbraucht und schließlich seine Geliebte. Für ihr Leiden und ihre Vorwürfe gegen ihn hat er kein Verständnis. Dafür fehlt es ihm an Empathie. Schuld ist, wenn überhaupt, Nastasjas Schönheit und sein sozusagen „weltumarmender Eros“. Keiner seiner Freunde aus der oberen Klassen erhebt den Zeigefinger gegen ihn. Stattdessen aber, Victim Blaming gegen Nastasja. Nur Myschkin erkannte ihr Leiden und empfindet tiefes Mitleid mit ihr. Dafür wird er belächelt.

    Gut 150 Jahren sind vergangen, seit dieser Roman veröffentlicht wurde. Inzwischen gibt es immer mehr Myschkins. Aber Tozkis und seine Freunde scheinen gut überlebt zu haben.

  2. k. sagt:

    Jetzt ist es offziell: laut Dieter Borchmeyer stehen alle die Autoren zum Vorwort.

    https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kulturwelt/dieter-borchmeyer-zur-umstrittenen-festschrift-fuer-siegfreid-mauser-100.html?fbclid=IwAR1PmCAgHBXQjX5dxh0rMtOQHXOQNw4TOFUdpw9JHSEswbJ0pfsVtNV1CNc

    https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/dieter-borchmeyer-festschrift-siegfried-mauser-akademie-der-schoenen-kuenste-interview-100.html

    Liebe Autoren,

    Dann sagen Sie doch offen: wir finden es doof, dass der besagte prominente Jurist nicht mehr BGH-Richter ist. Wir finden es doof, dass das Konzept der „geschlechtspezifischen Situationsverkennung“ nicht mehr greift. Wir finden es doof, dass es Leute gibt, die von uns nicht beliebig „erotisch umarmt“ werden möchten. Und wir finden es doof, dass wir neuerdings beim Sex drauf achten sollen, ob er oder sie andere es auch will. Wir wollen die gute alte Welt, wo wir unsere Begeisterung sexuell ausleben konnten, ohne Rücksicht auf die Grenzen des Gegenübers, und ohne Angst vor der Justiz.

    Liebe Autoren, wenigstens diese Ehrlichkeit sind Sie den Opfern schuldig – nicht nur denen von Mauser.

  3. Liebe K., Sie sagen’s. Gestern gab’s zwei Interviews mit Dieter Borchmeyer auf Bayern 2 u. BR-Klassik. Im ersten sagte er am Ende: “Ich sag Ihnen ganz offen: Weder der Verlag, noch die Autoren, hätten einen Strich getan für S. Mauser, wenn wir der Ansicht wären, dass er wirklich ein Gewalttäter wäre. Das können wir uns aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung mit ihm nicht vorstellen.“ Das besagt relativ klar, dass ihm und seinen Autoren das Urteil des BGH egal ist und die Erfahrung der Opfer als Missbrauchte für ihn und seine Runde nichts bedeutet. Und nachdem das Vorwort sowieso nur Ironie sei und man angeblich nicht im Spätsommer 2019 nochmal Änderungen dort hätte vornehmen können, ist das die perfekte bienfaktorische Verbalviolation, um hier neologistisch-pseudofranzösisch zu sein, den Opfern böse Grüße von 35 Festschrift Beiträgern hinzuklatschen. Nachdem nach wie vor keiner der 35 sich irgendwie öffentlich vom Vorwort oder gar der Festschrift löst, kann man hier dieses konkrete Musikleben so interpretieren und verstehen, analog zum Titel, dass Herr Rihm, Herr Widmann, Herr Hamel, Herr Sloterdijk, Herr Gülke, Herr Hiekel, Herr Assmann, Herr Steinbeck, Herr Becker, Herr Mosebach, Herr Panagl, Herr Lachenmann, Herr Seedorf, Herr Reimann und all die weiteren Beteiligten die Opfer Schornsheim und Collien als niederträchtige Lügnerinnen und die fünf Urteile der Justiz als Rechtsbeugung betrachten, einzig ihre Selbstjustiz aka Selbsteinschätzung zählt. Mögen sie sich endlich öffentlich erklären, ansonsten sind sie das Ende der Schönen Künste und ein empathieloser Ausbund seniler Gefühlslosigkeit. So, der Rant musste sein. Mutlose, schweigende Angsthasen!

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