Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 04.06. bis 10.06.2018

Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 23. Schwerpunkte: ’68 und die Neue Musik | Vom politischen Eklat in der Neuen Musik | Archaische Musik | Wittener Tage für neue Kammermusik 2018 | Neue Musik: 1968 | Edu Haubensak | Sven Daigger | Hermann Keller | Ole Hübner | Leonard Bernstein | Gustav Metzger | Matthias Krüger | Comandante Che Guevara | Ensemble Tetrachord.

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04.06.2018


21:04 bis 22:00 | kulturradio
MUSIK DER GEGENWART – mit Andreas Göbel – Neue Musik aktuell

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Falsches Konzert – Die Zwischentöne des Edu Haubensak

Von Thomas Meyer. Schmerzt es ein Klavier nicht, wenn es derart verstimmt wird? Nein, weiß Edu Haubensak. Seit 35 Jahren hat sich der Zürcher Komponist den Verstimmungen und Mikrotönen verschrieben. Systematisch, aber ohne Systemzwang erforscht er ihre Zwischenwelten, durchdringt ihre Falschheiten, verklumpt sie zu wirren Tongebilden und entwickelt daraus eigentümliche Klangverläufe von großartiger Poesie. Thomas Meyer stellt den Komponisten vor.


05.06.2018


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Die Fahne runter! – Vom politischen Eklat in der Neuen Musik

Von Michael Rebhahn. Politisches Aufbegehren ist selten in der Neuen Musik. Umso mehr weiß sie zu irritieren, wo sie mit Nachdruck Position bezieht.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponistinnen

Herbert Baumann: „Metamorphosen eines Menuetts“ (Guido Segers, Trompete; Dany Bonvin, Posaune; Oliver Triendl, Klavier); Max Beckschäfer: Sonate (Elisabeth und Edmund Wächter, Flöte); Herbert Blendinger: Klarinettenkonzert, op. 72 (Hans Schöneberger, Klarinette; Münchener Kammerorchester: Peter Gülke); Ulrich Stranz: „Janus“ (Mathias Tacke, Violine; Hermann Kretzschmar, Klavier; Ensemble Modern: Lothar Zagrosek); Heinz Winbeck: Symphonie Nr. 1 (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Muhai Tang)

20:10 bis 21:00 | Deutschlandfunk
Hörspiel: Scardanelli – Von Stephan Hermlin

Komposition: Kurt Herrlinger . Regie: Oswald Döpke. Mit Hannelore Elsner, Margot Leonard, Marianne Mosa, Marlene Riphahn, Karin Schmitz, Gerd Baltus, Rudolf Jürgen Bartsch, Lothar Ostermann, Christoph Quest, Günther Sauer, Raoul Wolfgang Schnell, Siegfried Wischnewski, Cay-Michael Wolf. Produktion: WDR 1970. Länge: ca. 50

Mit dem Namen Scardanelli unterzeichnet der kranke Friedrich Hölderlin ein Gedicht, das er für seinen Besucher Waiblinger schreibt. – In zarten Skizzen, in die Zitate aus Dichtungen und Dokumenten von Hölderlin und Materialien über ihn montiert werden, beschwört Stephan Hermlin die als wesentlich empfundenen Stationen aus Hölderlins Leben und die menschenferne Existenz des Kranken: die verständnislose Haltung Goethes, unter dessen Einfluss sich das anfängliche Interesse Schillers für seinen Landsmann abschwächt; die demütigende Hauslehrerzeit; die Trennung von Suzette Gontard, die beide nicht heil überstehen; die schwäbische Revolution, ihr Scheitern, ihr Niederschlag im Hyperion; die fruchtlose Reise nach Frankreich, die Festnahme des verratenen Freundes Sinclair und die eigene gewaltsame Verschleppung in eine Klinik.

21:00 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik: Arvo Pärt – zum Klingen gebracht von Tonu Kaljuste und Bob Wilson

Von Margarete Zander. „Diese Musik funktioniert bei den Proben nicht auf Autopilot“, schmunzelt der Dirigent. Was das Publikum so packt im Konzert, ist das Resultat einer ganz speziellen (Lebens-) Haltung. Die vier neu auf CD veröffentlichten Sinfonien sind eigentlich „ein Lebens-Werk in vier Sätzen.“ Tonu Kaljuste erfasst nach Analysen der mathematischen, 12-Ton und sonstigen Methoden die Musik von Arvo Pärt als ein organisches Ganzes.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Acht Hörner, zwei Komponisten und der Ernst von Siemens Musikpreis

Eine Podiumsdiskussion mit Helmut Lachenmann, Beat Furrer und Michael Krüger. Was mag wohl zwischen Helmut Lachenmann und Beat Furrer liegen? 19 Jahre, wenn es um den Altersunterschied geht. 21 Jahre, wenn es um die weltweit renommierteste Auszeichnung geht, den Ernst von Siemens Musikpreis: Lachenmann erhielt ihn 1997, Beat Furrer 2018, verliehen am 3. Mai. Tags darauf treffen die beiden großen Komponisten der Gegenwart bei einem Podiumsgespräch in der Allerheiligen-Hofkirche aufeinander, moderiert vom Schriftsteller und ehemaligen Leiter des Hanser-Verlags Michael Krüger. Was liegt künstlerisch zwischen den Beiden? Was verbirgt sich hinter dem neuen Werk, das Lachenmann für die „musica viva“ im Juni schreibt? Der Abend wird es zeigen. Eine Sendung von Johann Jahn

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 ars acustica: Vive les fantômes – Momentaufnahmen als Hörspiel

Komposition und Realisation: Martin Brandlymayr. (Produktion: SWR 2018). Eine Vielzahl von akustischen Momentaufnahmen (Field-Recordings, Sprachfetzen, Musik etc.) bilden ein Netzwerk, eine in sich verwobene Struktur, in der immer wieder Motive auftauchen, sich aufeinander beziehen, Verbindungen herstellen. Eine Vielheit von Musik und Klang, ein Spiegelkabinett, eine Echokammer, die sich mit steigender Entfernung zu einem Rauschen verdichtet. Diese und andere Tonaufnahmen tauchen als Gespenster einer vergangenen Zeit zum Teil in immer neuer Gestalt wieder und wieder auf, ähnlich musikalischen Motiven einer Fuge, permutiert und verändert, immer wieder in neuem Kontext, in neuer Umgebung, aus einer neuen Perspektive. Die Rhythmik und der Klang des Schlagzeugs mit seinen erweiterten Klangmöglichkeiten bilden einen Rahmen, verbinden, verknüpfen, stellen einen musikalischen Kontext her.


06.06.2018


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponistinnen

Stefan Hippe: „Eine Nacht in Castle Hill“ (Nürnberger Akkordeonorchester Willi Münch e.V.: Irene Kauper-Meyer); Bertold Hummel: „Tastenspiele“, op. 103 d (Markus Bellheim, Klavier); Holmer Becker: Streichtrio (Mitglieder des Bamberger Streichquartetts); Wolfram Graf: „Suite symphonique“ (Martin Seel, Flöte; Chie Honda, Klavier); Werner Heider: „-einander“ (Armin Rosin, Posaune; Nürnberger Symphoniker: Werner Heider); Hans-Günther Allers: Quintett, op. 92 (Ensemble Kontraste)

20:04 bis 21:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge: So wild wie möglich – Archaische Musik

Igor Strawinsky hatte 1913 mit dem „Sacre du printemps“ erfolgreich vorgemacht, wie man archaische Tänze und Rhythmen in sinfonischer Musik darstellen kann.

In den Folgejahren wurde archaische Sinfonik zu einer regelrechten Mode. Von den Opferriten der Mayas bis zu den kultischen Tänzen der Bassariden, von den Reiterjagden der Skythen bis zum Vulkanausbruch auf Island: Diese Musik ist vor allem eines: wild und laut.

20:04 bis 22:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert: ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln – Konfigurationen

Johannes Schöllhorn: Auszüge aus „Anamorphones“, 9 Sätze nach der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach für Kammerensemble | Bernd Alois Zimmermann/Johannes Schöllhorn: Konfigurationen, Instrumentation für Ensemble, Uraufführung | Bernd Alois Zimmermann: Konfigurationen, 8 Stücke für Klavier / Canto do speranza, Kantate für Violoncello und kleines Orchester | Michael M. Kasper, Violoncello; Ueli Wiget, Klavier; Ensemble Modern Orchestra, Leitung: Brad Lubman. Aufnahme aus dem Kölner Funkhaus

21:04 bis 22:00 | kulturradio
MUSIK DER GEGENWART: Die Wittener Tage für neue Kammermusik 2018

Mit Andreas Göbel. In diesem Jahr stand das Festival ganz im Zeichen der Musik des Berliner Komponisten Mark Andre. Weitere Programmpunkte beschäftigten sich mit einer Flüstergalerie, einer Parkmusik mit verstärktem Lagerfeuer oder der Rückenmuskulatur musizierender Instrumentalisten.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: SWR JetztMusik in Ravensburg – Komponistenporträt Sven Daigger (1/2)

Zafraan Ensemble. Leitung: Premil Petrovic. Sven Daigger: „… und ab dafür …“ für Klarinette, Violoncello und Klavier, „move“ für Violoncello, „painkiller“ für Klavier, „Strom“ für Flöte, Klarinette, Violoncello und Klavier, „hunt“ für Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello und Klavier, „Cays“ für 2 Violinen und Klavier, „Miniaturen“ für Flöte, Klarinette und Saxofon. (Konzert vom 20. April im Konzerthaus Ravensburg).

„hunt“, „painkiller“, „Strom“ – die Titel der Kompositionen Sven Daiggers sprechen für sich. Es geht zur Sache. Und es ist sicher nicht falsch, wenn man den 1984 geborenen Komponisten als einen Motoriker bezeichnet. Frühaufsteher ist er ohnehin und stolzer Besitzer einer Bahncard 100 und hat deshalb auch Gelegenheit viel zu reisen und damit auch viel kennen zu lernen. In Rostock, Salzburg und Karlsruhe bei Manfred Wolf, Adriana Hölszky und Wolfgang Rihm ausgebildet, erweist sich der junge Komponist mit einem bereits recht anschaulichen Werkverzeichnis als gefragtes Talent. Mit dem Berliner Zafraan Ensemble verbindet den Komponisten eine langjährige Zusammenarbeit.


07.06.2018


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Kompositionen von Hermann Keller (1945-2018)

Sonate für Streichtrio und Klavier. Antje Messerschmidt, Violine; Martin Flade, Viola; Ralph-Raimund Krause, Violoncello; Hermann Keller, Klavier. Konzert für Klavier und 13 Instrumentalisten. Hermann Keller, Klavier; ensemble chronophonie; Leitung: Manuel Nawri

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Carlos Veerhoff: Symphonie Nr. 6 – „Desiderata“ (Elizabeth Hagedorn, Sopran; Andreas Scheibner, Bariton; Hermann Christian Polster, Bass; Boris Carmeli, Sprecher; MDR Rundfunkchor; MDR-Sinfonieorchester: Leopold Hager); Klaus Obermayer: „Trossinger Suite 1980“ (Siegfried Palm, Othello Liesmann, Violoncello); Isabel Mundry: „Vogelperspektiven“ (Sarah Maria Sun, Sopran; Meret Roth, Sprechstimme; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Susanna Mälkki); Ataç Sezer: „Fragmente alla Turca“ (Klaus-Peter Werani, Viola)

20:04 bis 22:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: Moderne Kinderszenen

Werke von Josef Dichler, Wilhelm Killmayer, Helmut Lachenmann, John Cage, Gija Kantscheli, Jean Françaix, John Rutter und Jörg Widmann

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Introducing: Ole Hübner

Eine Sendung von Michael Rebhahn. Musiktheater, Theatermusik, Hörtheater. Die Arbeit von Ole Hübner bedient sich der ästhetischen Mittel und Formen verschiedener darstellender Künste.

Themen wie die Schaffung und Manipulation von Wirklichkeiten, Erinnerung und Wiederholung als künstlerische Mittel, das Situative und das Abwesende, das Theatrale in der Musik und das Musikalische im Theater gilt Ole Hübners (*1993) Interesse. Sowohl in seiner Arbeit als Komponist, als auch in einem theaterwissenschaftlichen Zugriff. Nach dem Studium der Komposition in Hannover und Köln studiert er seit 2015 Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Die Bereicherung und Neubewertung von Wissen und Techniken der Neuen Musik durch theaterwissenschaftliche Sichtweisen spielt daher eine wichtige Rolle in Ole Hübners Ästhetik.

22:03 bis 23:00 | SWR 2
SWR2 Hörspiel-Studio: Gehen wir wirklich in den Tod?

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Zum 175. Todestag von Friedrich Hölderlin

Hans Werner Henze: Drei Fragmente nach Hölderlin (Colin Balzer, Tenor; Franz Halasz, Gitarre); Peter Ruzicka: „Parergon“ (Sophie-Mayuko Vetter, Klavier); Nicolaus A. Huber: „Offenes Fragment“ (Ensemble Aventure); Wolfgang Rihm: Drei Lieder nach Texten von Friedrich Hölderlin; Aribert Reimann: „Singen möchte ich von dir“ (Mojca Erdmann, Sopran; Axel Bauni, Klavier)


08.06.2018


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: Kurzstrecke 74 – Feature, Hörspiel, Klangkunst

Zusammenstellung: Barbara Gerland, Ingo Kottkamp, Marcus Gammel. Produktion: Autorinnen und Autoren / Deutschlandfunk Kultur 2018. Länge: 56’42. (Wdh. v. 28.05.2018)

Hörstücke aus der freien Szene: heute unter anderem mit einer preisgekrönten Studie aus Schleifen, Zirkeln und Loops, einem fußballerisch informierten Blick aufs postfaktische Zeitalter und einer Gruselfahrt mit dem Paternoster.

Circular Thinking: Von Marc Vernon und Jenn Mattinson | Podolski – ein postfaktisches Mannschaftsepos: Von Markus Collalti | Pater Noster: Von Julie Bräuning und Mirjam Wlodawer. Außerdem: Neues aus der „Wurfsendung“ mit Julia Tieke.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponistinnen

Jörg Widmann: „Drittes Labyrinth“ (Sarah Wegener, Sopran; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Jörg Widmann); Detlev Glanert: „Miserere“, op. 34 (Irmgard Lampart, Sopran; Chor des Bayerischen Rundfunks: Gustav Sjökvist); Moritz Eggert: „Muzak“ (Moritz Eggert, Stimme; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: David Robertson)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: „Trying to make the world a better place“ – Wie Weggefährten sich an Leonard Bernstein erinnern

Von Ulrike Zöller. Weltweit wird Leonard Bernstein als herausragender Dirigent, Komponist und Wohltäter geschätzt, der weit mehr war als ein prominenter Musiker: Er wechselte gern die Seiten, übersprang Gräben, wollte sich nicht auf ein Genre festlegen. Vor allem hing Musik für ihn mit Menschen und mit Menschlichkeit zusammen. Weggefährten, Schüler und Musiker wie Justus Frantz, Florian Sonnleitner, die Sängerinnen Christa Ludwig und Gabriele Weinfurter, der Organist Friedemann Winklhofer, der Kontrabassist Kilian Forster, Bernsteins Assistent Craig Urquhart und nicht zuletzt Tochter Jamie Bernstein erinnern sich an einen außergewöhnlichen Menschen. Ihre Erzählungen setzen das Bild eines Mannes zusammen, der bei allen ein anderer war; in einem Punkt aber sind sich alle Gesprächspartner einig: Leonard Bernstein liebte nicht nur die Musik, er liebte die Menschen und er liebte die Welt, die er mit seinen Mitteln zu einer besseren machen wollte.

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
hör!spiel!art.mix: Tribute to Gustav Metzger (1/2)

Kuratiert von Justin Hoffmann. Mit Rhythm King and her friends, Carl F. Oesterhelt, Eva Weinmayr, POLLYester, Dennis Graef, Max Müller, Lee Holden, Ted Gaier/Mense Reents, Frau Kraushaar & Nova Huta und anderen. BR/intermedium rec. 2008

Gustav Metzger, ein von den Nazis vertriebener Künstler, begründete Ende der 50er-Jahre die Destruktionskunst. Um die Idee der Destruktion in der Kultur allgemein und die von ihm als „Auto-Destructive Art“ (ADA) titulierte Methode zu initiieren, veröffentlichte Metzger verschiedene Manifeste, die nicht nur über diese Kunstrichtung informierten, sondern auch eine Bewegung der autodestruktiven Kunst entfachen sollten.

„Eingeladen wurden zu diesem Projekt bildende Künstler, die zum gegenwärtigen Freundeskreis Metzgers (Eva Weinmayr, Lee Holden) gehören oder früher im Austausch mit ihm standen (Yoko Ono). Andere kommen aus dem Feld der Musik, z.B. Cobra Killer, Ted Gaier / Mense Reents oder Carl Oesterhelt. Die meisten aber sind in beiden Bereichen tätig und verbinden in ihrer kulturellen Praxis Musik und Kunst auf unter schiedlichste Weise. Entsprechend different, aber auch abwechslungsreich erweist sich die Kompilation der Tribute-Tracks, deren Charakter aber nicht unbedingt durch die jeweilige kulturelle Herkunft erklärt werden kann. Einige Beiträge setzen mehr auf das Wort, andere produzieren Soundcollagen ohne Text. Nicht wenige schufen Songs. Einige der Songtexte zitieren direkt Metzger, andere reflektieren über ihn.“ (Justin Hoffmann)

„Zu Tribute to Gustav Metzger“ wurden Künstler und Musiker eingeladen, die in ihrer Praxis und Konzeption Gustav Metzger nahestehen, entweder ihn persönlich kannten und mit ihm zusammengearbeitet haben oder, wie der Großteil der jüngeren Projektteilnehmer, ihn schätzten und sich mit seinen Ideen verbunden fühlten.

Gustav Metzger (1926-2017), Künstler. Veröffentlichung mehrerer Manifeste zur autodestruktiven Kunst als Aufruf zu einer Revolution, die politisches und künstlerisches Handeln verbindet.

22:00 bis 22:30 | Deutschlandfunk Kultur
Einstand: Virtuose Kammermusik – Das Ensemble Tetrachord


09.06.2018


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: „Trying to make the world a better place“ – Wie Weggefährten sich an Leonard Bernstein erinnern (Wiederholung vom Freitag, 19.05 Uhr)

19:04 bis 20:00 | WDR 3
WDR 3 Hörspiel: Anschwitzen – Die Stunde der Wahrheit – (Neue Nachrichten vom Fußball). Von Ror Wolf

Regie: der Autor. Aufnahme des hr. O-Ton-Collage rund um den Ball

20:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
Hörspiel: Die apokalyptische Glühbirne – Von Frank Witzel

Komponist: Frank Witzel. Regie: Leonhard Koppelmann. Mit Peter Brombacher, Gaby Dohm, Thomas Hauser, Julia Riedler, Michael Tregor, Sophie von Kessel, Irina Wanka, Anton Winstel. Produktion: BR 2017. Länge: 53’45

Frank Witzel beherrscht ein einzigartiges Verfahren, um unserer leicht flüchtigen Realität Herr zu werden: er ver-rückt sie. In seinem Hör- und Sehspiel ,Die apokalyptische Glühbirne‘ im geradezu wörtlichen Sinne, denn im Zentrum seiner Geschichte steht die schriftliche Hinterlassenschaft des seit seinem neunten Lebensjahr in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen weggesperrten Christoph Wendel. Von ihrer Mutter beauftragt, soll seine Großnichte Bettina die persönliche Habe des Verstorbenen aufräumen und stößt dabei auf ein dunkles Kapitel Familien- und Gesellschaftsgeschichte. Gegen das systematische Schweigen seiner Umwelt hat ihr Großonkel mit vermeintlich ver-rückten Briefen angeschrieben – sein verzweifelter Versuch ein für ihn tief traumatisches Erlebnis während der Nazizeit zu bewältigen. Frank Witzel schafft mit dieser Setzung eine doppelte Leerstelle – durch Christoph Wendel, der ver-rückte Schlaufen um sein Trauma legt und durch das Totschweigen der Familie -, die wir automatisch mit unseren eigenen Erfahrungen anfüllen. Erfahrungen mit Familienbiografien, über die ebenso dröhnend geschwiegen wurde und wird und die dann doch irgendwann wie wuchernde Schwären aufbrechen und unsere sozialen Gefüge erschüttern.

Dieses große deutsche Thema packt Frank Witzel jenseits aller schulbuchmäßigen Didaktik mit den Mitteln des Absurden und der Groteske ohne es jedoch zu banalisieren oder gar zu bagatellisieren. Durch die Erweiterung seines Textes mit einem Zyklus ergänzender Zeichnungen und einer eigens dazu komponierten Musik breitet sich vor uns der dissoziierte Gedankenkosmos der Hauptfigur aus, eine vielfältige Einladung zur Selbstreflektion. Frank Witzel schafft mit seinem Verfahren Anknüpfungspunkte für unsere medialen und persönlichen Vorerfahrungen, denn die Auseinandersetzung mit der Schuldfrage beginnt ja zum Glück nicht erst heute. Dennoch müssen wir uns gewahr sein, dass sie eben auch noch lange nicht abgeschlossen ist und zu den Akten gelegt werden kann.

Für Christoph Wendel spendet die titelgebende Glühbirne als einzige Quelle Licht, Wärme und Hoffnung, gleichzeitig bedeutet das sprichwörtliche „Licht, das mit ihr aufgeht“ aber auch das Ende jeglicher Unschuld. Keiner kann nachher mehr sagen, er habe nichts gewusst. Diese Aufklärung ist aber kein neues Trauma, im Gegenteil, es ist der erste und notwendige Schritt zur Bewältigung. Im Mikrokosmos der Familie genauso, wie für uns als geschichtlich schuldbelastete Nachgeborene.

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Wie ein Stück Fett – Der Kölner Komponist Matthias Krüger

Von Ingo Dorfmüller. Jahrhundertelang ereignete sich Musik in verbindlichen Kontexten: In den Ritualen der Kirche, der weltlichen Macht, des bürgerlichen Kulturbetriebs. Nun, da sich diese Zusammenhänge auflösen, ist die Musik frei, sich neu mit der Wirklichkeit zu vernetzen. Hier setzt der 1987 geborene Komponist Matthias Krüger an: Er sucht einen holistischen Ansatz, der Körper, Räume und kulturelle Konnotationen zum Gegenstand der Komposition macht. Im Saxofonsolo ,Fucking A!‘ etwa, indem eine geradezu sportliche Agilität die Tonerzeugung maßgeblich beeinflusst, oder im Ensemblewerk ,Wie ein Stück Fett (Redux)‘, bei dem es ihm auf den Vorgang des konzentrierten Tuns – mithin eine szenisch-visuelle Komponente – mindestens so sehr ankommt, wie auf korrekte Tonproduktion. Rein akustisch findet das seinen Niederschlag in einem unverwechselbar expressiven Duktus, der von extremer Klanglichkeit und obsessiver Wiederholung bestimmt wird. Der Musiker soll als Mensch erscheinen, der mit seinen Grenzen konfrontiert ist und sich in ständiger Bewegung daran abarbeitet.

23:00 bis 00:00 | hr2-kultur
The Artist’s Corner | Andreas Wagner – Selbstläufer remixed

hr 2018 | 50 Min. | Ursendung. 1999 betrieb der Holzbläser und Komponist Andreas Wagner (*1962) über Wochen hinweg ein schweißtreibendes Jogging-Programm. Nicht nur wegen der Fitness lief er täglich dieselbe Route durch die Kölner Südstadt und am Rhein entlang. Das Laufen war die Voraussetzung für die direkt anschließenden Aufnahmen von Saxofon-Improvisationen. Die physische Vorab-Verausgabung diente dem Zweck, dass der Ideen- und Spielfokus nicht zu sehr auf der Virtuosität liege, sondern sich so Fragiles entfalten könne. Während einiger Jogging-Runden nahm Wagner auch die Geräusche der Umgebungen und der Laufschritte auf: mit eigens dafür konstruierten Mikrofon-Turnschuhen. Im Studio legte er die verschiedenen Klangschichten übereinander, montierte und mischte sie zu dem Stück „Selbstläufer“, aus dem er nun für The Artist’s Corner einen aktualisierten Remix collagiert hat, indem er die Wegstrecke erneut mit Mikrofonen durchlief.


10.06.2018


17:04 bis 18:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge: Comandante Che Guevara – Musik der Revolte

Er war Revolutionär und Volksheld, Arzt, Guerillaführer und Märtyrer: der vor 90 Jahren geborene Che Guevara. Nach seinem frühen Tod wurde er zur Symbolfigur linker Befreiungsbewegungen und zur Ikone der Revolte, auch der musikalischen. Unzählige Lieder und Musikwerke setzen sich mit Che Guevara auseinander. Sie verehren den Comandante oder sie kritisieren seinen Mythos. Musikalisch ist der Rebell bis heute allgegenwärtig.

22:00 bis 22:30 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: Kann denn Musik Sünde sein? – Muslimische Antworten

Von Magdalene Melchers. Seit Jahrhunderten streiten sich Gelehrte und Musizierende auf der ganzen Welt, ob Musik im Islam verboten ist. In fundamentalistischen Kreisen der islamischen Gesellschaft wird sie als „Haram“ – als Sünde – benannt. Im Koran ist dazu keine eindeutige Stelle zu finden und es gibt keine zentrale Instanz, die einheitliche Glaubensregeln diktiert. Im Libanon, in der Türkei und hierzulande bieten Kontroversen im Diskurs um die Vereinbarkeit von Islam und Musik ein Mosaik aus Standpunkten – inspiriert oder definiert vom Zeitgeist.

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: 1968 [2] Im Sog des sozialen Aufbruchs

Ausschnitte | Luigi Nono: Per Bastiana. Tai-Yang Cheng für Orchester; Radio-Symphonie-Orchester Berlin, Leitung: Michael Gielen | Pierre Henry: Messe pour le temps présent, elektronische Komposition | Steve Reich: Pendulum Music für Mikrofone, Verstärker, Lautsprecher und Aufführende; Ensemble Avantgarde | George Crumb: Echoes of Time and the River für Orchester; Orchester der Nationalphilharmonie Warschau, Leitung: Thomas Conlin | Hans Werner Henze: Das Floß der Medusa, Oratorium für Sopran, Bariton, Sprechstimme, Chor, Knabenchor und Orchester mit einer Dichtung von Ernst Schnabel; Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Charles Regnier, Sprecher; NDR Chor; RIAS-Kammerchor; NDR Sinfonieorchester, Leitung: Hans Werner Henze | Musica Elettronica Viva: Spacecraft, Improvisation; Ivan Vandor, Saxofon; Alvin Curran, Percussion und Trompete; Allen Bryant und Richard Teitelbaum, Synthesizer; Frederic Rzewski, Performer.

Martin Hufner
Chefmitarbeiter bei | | + posts

seit 1997 chefökonom der kritischen masse und netzbabysitter der nmz.

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Martin Hufner

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