Bonn Chance der Oper Bonn – R.I.P.

Ich bin empört! Und kann darüber nur gähnen – mistiger Einstieg. Besser: Wer seine zeitgenössische Experimentierbühne schließt, dem soll das ganze Opernhaus geschlossen werden. Wie jetzt im Falle des Theaters Bonn mit seiner Experimentierbühne „bonn chance“. Mir steigt schon Schadenfreude bei dem Gedanken auf, sollte die Bonner Piratenpartei mit ihrem unappetitlichen Bürgerbegehren zur Totaldemontage der dortigen Oper Erfolg haben. Fehlt die Brutstätte für Neues, bleibt nur noch Museum und Kinderopernzirkus. Mit der Streichung soll ein Teil des Defizits der Haushaltsreduktion von 2013 noch 30 Mio. Euro auf 2014 nur noch 28 Mio. Euro erwirtschaftet werden. Jeder, der zeitgenössische Musiktheaterproduktionsweisen hautnah miterlebt hat, weiß, dass das nicht ganz billig sein kann. Die eingesparten 2 Mio. würden aber je nach Aufwand für 5 bis 15 mittlere und kleine Experimentalstücke ausreichen können! Aber das Sterben der operneigenen Werkstätten für radikalere Ansätze geht schleichend weiter. Zwar konnte man G. F. Haas „Nocturno“ noch als neues Werk verkaufen, obwohl es wohl nur ältere Stücke neu kompilierte. Also dürfte diese Produktion gar nicht so teuer gewesen sein, als dass dies ein deutliches Einsparungspotential wäre. Wenn ich es richtig im Kopf bewahrte, bot „bonn chance“ renommierten Kolleginnen und Kollegen wie auswahlsweise Charlotte Seither, Reinhard Febel, Jan-Müller Wieland, Klaus Lang, Thomas Adés und Vladimir Tarnopolsky mit durchaus unterschiedlichen, aufmerksam machenden Ergebnissen eine wichtige Bühne und brachte von Fall zu Fall das Theater Bonn eher in die Schlagzeilen als die Museumsstücke, beförderte diese Reihe die Karriere des lange Zeit Verantwortlichen Paul Esterhazy maßgeblich – nur um zu zeigen, dass auch Führungspersonal an Opernhäuser sich eher über das Neue als das Ängstliche für höhere Weihen empfehlen. So zerschneidet Bonn eine Perlenkette und wird sie nie wieder zusammenknüpfen können, so reiht man sich in den Schliessungsreigen der Experimentierbühnen ein, aus dem stellvertretend die „Kleine Szene“ der Sächsischen Staatsoper Dresden († 2010) oder das „Forum Neues Musiktheater“ der Oper Stuttgart († 2006) hervorgehoben seien. Bleibt eine Forderung: Schliessung der gesamten Opernsparte in Bonn und Übergabe an den Fonds Neues Musiktheater und Experimentelles Musiktheater des Landes NRW, angesichts der eigenen Kürzungsabsichten des Landes aber ein unsicherer Treuhänder.

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1 Antwort

  1. Ich sag es mal so:
    Die „Finanzexperten“ der Gemeinden (und hier sind in Deutschland 95% der Gemeinden und in Österreich 99,9% der Gemeinden angesprochen), nebst ebensolchen „Finanzexperten“ der durch öffentliche Mittel (oder auch gebührenfinanzierte) Institutionen wie z.B. Rundfunkhäuser, haben in den Jahren der Finanzblase das ihnen anvertraute Geld zu erheblichen Teilen verspekuliert.

    Der Verlust, den eine Gemeinde getätigt hat beträgt zwischen 50 bis 250 Euro pro Einwohner.
    So, jetzt ist es raus –
    Kaum denkbar, dass da noch Geld für Kultur übrig bleibt – woher auch.