Szene Neue Musik

Permanent temporäre Neuigkeiten aus der Neuen Musik Szene
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Grüße aus Bonn

18. September 2009 Von: Kerstin Jaunich Kategorie: European Workshop for Contemporary Music

Viele Grüße an die rund 23 jungen Musiker des European Workshop for Contemporary Music auch von der „HomeBase“ hier im Deutschen Musikrat in Bonn. Wir freuen uns, dass Ihr alle gesund und vorfreudig angekommen seid, und wünschen viel Energie für die Proben!
Besonders begrüße ich den Posaunisten Lennart Fries, der kurzfristig für den erkrankten Michael Knake eingesprungen und buchstäblich von heute auf morgen zur Arbeitsphase nach Warschau geflogen ist! Vielen Dank und Gute Besserung an Michael Knake.
Das waren aufregende zwei Tage: Unser Kollege Olaf Wegener – Chef-Koordinator der Ensemblewerkstatt – organisierte bereits vor Ort in Warschau die letzten Details mit der Festivalleitung des „Warschauer Herbstes“, während wir in Bonn unsere Finger wund telefonierten, um einen qualifizierten jungen Posaunisten zu finden, der Erfahrungen mit zeitgenössischer Musik, Interesse und vor allem Zeit für die rund 10-tägige Probenphase samt Konzert hat. Unser herzlicher Dank geht dabei auch an die Posaunen-Professoren Mike Svoboda, Olaf Ott, Henning Wiegräbe, Werner Schrietter und Erhard Wetz, die uns prompt und hilfsbereit berieten und Ihre besten Schüler für das Projekt empfahlen. Es war schön zu erfahren, wie sehr sich diese Lehrer trotz engen Zeitplans kümmern und Ihre Schüler beim Berufseinstieg unterstützen – und wie wunderbar sie ihre Studierenden in Spieltechniken und Repertoire der Neuen Musik einführen!

angekommen!

17. September 2009 Von: goldberg Kategorie: European Workshop for Contemporary Music

Als ich nach der ersten Nacht im neuen “Eigenheim”, sprich Appartement im Warschauer Zentrum aufwache, scheinen die Strapazen der gestrigen Anreise schon weit weg zu liegen. Einen Augenblick lang wähne ich mich fast zuhause – doch da jault ein polnisches Polizeiauto vor unserem Fenster vorbei. Dieses ungewohnte Geräusch katapultiert mich schlagartig in die Wirklichkeit zurück. Aufstehen! Frühstücken! Erste Probe! Aufregung und Vorfreude halten sich die Waage. Beim ersten lockeren Treffen gestern abend zum Abendessen in einer Warschauer Kneipe schimmerte bei allen Teilnehmern gewaltiger Respekt vor der Aufgabe durch, der wir uns gestellt haben. Heute geht es zum ersten Mal ans Eingemachte: Xenakis’ Stück THALLEIN stellt wohl die größte Herausforderung des diesjährigen Programmes dar. “Weißt du, was wird?” fragt mich eine innere Stimme.

Mal sehen.

Neue Musik und Urheberrecht

05. August 2008 Von: Martin Hufner Kategorie: Nicht kategorisiert

Damit hier nicht nur über Neue Musik im Allgemeinen debattiert wird, möchte ich mal eine konkrete Sache ansprechen.

Hat es eigentlich je den Fall eines Plagiatsprozesses in der Neuen Musik gegeben? Wahrscheinlich nicht. Nicht, dass nicht abgeschrieben würde – das passiert andauernd bzw. immer mehr, denn langsam gehen die neuen Spieltechniken aus, und so kommt es zwangsläufig zu mehr Ähnlichkeiten. Aber vor den Kadi geht wohl keiner, weil sich finanziell nichts holen lässt – eine Folge des Nischendaseins der Neuen Musik.

Ganz so rechtefrei geht es aber doch nicht zu. Denn es gibt die GEMA. Die Werkanmeldung bei der GEMA erfordert die Angabe fremder Anteile, und gegebenenfalls die Lizenz des fremden Urhebers. Was ist aber ein fremder Werkanteil? Das ist nicht nur ein juristisches Problem, sondern schlechthin ein ästhetisches, spätestens seit der Postmoderne. Und auf der anderen Seite ist durch die Möglichkeiten des Internet-Downloads und den Bearbeitungsmöglichkeiten am Computer alle Musik Material geworden. Dem steht ein veraltetes Urheberrecht gegenüber.

Es gilt nachzudenken, ob das gegenwärtige Urheberrecht den Technologien und der Ästhetik nach noch tragbar ist. Kopiert wird überall und ist (notwendiger) Teil der Kultur. Was bringt es, ein Werk zu schützen? Verliert ein Komponist (der Neuen Musik, wohlgemerkt) dadurch nennenswert Geld? Sind seine eigenen Partituren völlig rein von fremden Ideen?

Ich bin zu diesem Thema angeregt worden durch eine “Musiktheater”-Aktion des Komponisten Johannes Kreidler, der demnächst bei der GEMA ein Elektronisches Werk mit 70200 (!) Zitaten anmelden wird, und dazu tatsächlich 70200 Formulare mit den notwendigen Nachweisen bei der GEMA hineintragen lässt. Das finde ich eine gelungene Sache, einen konkreten ästhetischen und politischen Aspekt wieder als Kunst zu thematisieren.

Neue Musik: Umbruch – Abbruch – Aufbruch?

30. Juli 2008 Von: Theo Geißler Kategorie: Darmstadt, Hintergrund

Ein weiteres Diskussionsforum (oder besser Blog) zur Situation unserer Musik-Petrischalen, unserer Klang-Zukunfts-Laboratorien, unserer „zeitgenössischen“ Musik?

 

Nachdem man die nmz („…wer liest die schon“ – Frank Hilberg, WDR) in die Nähe von Nazi-Literatur gerückt hat (Frank Hilberg, WDR in den „Musiktexten“ von Oehlschlägel/Gronemeyer), nachdem man uns zu doofen ideologisch verengten linken Revoluzzern (Friedrich Hommel, Peter Jona Korn u. a., Gott hab sie teils selig), zu leichtfertigen Seichtplapper-Opportunisten (dem Sinn nach: Michael Zwenzner, Reinhard Schulz) abgestempelt hat, sehen wir uns gut in der Lage, für ein solches Spannungsfeld mal möglichst freien Raum zu bieten. Zumal offensichtlich unsere eigene Redaktion von schwerster Schizophrenie in dieser Angelegenheit befallen ist.

 

Zwar trage ich als nmz-Herausgeber und ConBrio-Verleger die presserechtliche Verantwortung. Die inhaltliche möchte ich aber den Autorinnen und Autoren der jeweiligen Beiträge aufbürden. Deshalb fände ich es – bloguntypisch – sauber, die eigene Meinung mit klarer Identität zu verbinden.

 

Für mich haben sich aus den – da lasse ich mich nicht beirren – mutigen, subjektiven und hochnotwendigen – Berichten aus Darmstadt von Arno Lückert und aus einigen Blog-Beiträgen noch ganz unstrukturiert ein paar Fragen ergeben:

 

Warum müssen die Schöpfer neuer Klänge Höhlenbewohner sein (Reinhard Schulz, Martin Hufner)? Man stellt sich da so blinde Grottenolme vor, schmutzige weißhäutige Troglodyten, zutiefst misstrauisch und kommunikationsscheu…

 

Warum treffen sich solche Menschen ausgerechnet in Darmstadt? Warum nicht in Lourdes oder im Schuler-Loch?

 

Warum, Michael Zwenzner, darf in Sachen zeitgenössische Musik nur auf von Dir nicht genau definiertem, aber offenbar allerhöchstem intellektuellem Niveau, mit subtilster Sensibilität – begabt oder erlernt – Stellung bezogen oder Meinung geäußert werden?

 

Wie gelangt man zur Ehre solcher Weihe? Wie erlangt man die Gnade der avantgtarde-zirkel-adäquaten Satisfaktionsfähigkeit? (Gisela Nauck, Frank Hilberg)

 

Wie „frei“ sind die aktuellen Protagonisten der Musikzukunft in ihrem kreativen Schaffen tatsächlich, bedrängt doch hart von Gema-Wertung, Darmstadt-Stipendien, Siemens-Preisgeldern und Netzwerk-Neue-Musik-Subventionen? (Moritz Eggert)

 

Nach (schlichten) Antworten sehnt sich

 

Theo Geißler (der es sich zeitlebens immer besonders leicht gemacht hat im Umgang mit der und in der Beförderung von Avantgarde, der gesteht, dass er in vielen Situationen lieber Coldplay oder gar Eggert hört als Lachenmann oder Rihm.)


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