ich sitze in meinem hotelzimmer und frage mich, was ich machen soll. schlafen? vielleicht, aber nicht zu lange. spazieren gehen? üben? wohl eher nicht, schließlich möchte man seine energie fürs konzert von heute abend aufsparen. deshalb wird jetzt hier erstmal gebloggt:
ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wie unterschiedlich musiker mit der bevorstehenden konzertsituation umgehen. die einen legen sich nachmittags am liebsten nochmals hin und schlafen zwei stunden, die anderen gehen shoppen oder gleich beim hotel um die ecke in einer edel-chocolaterie eine heiße schokolade trinken , wiederum andere üben nochmals ein paar schwere stellen. bei vielen musikern hat sich in ihrer bisherigen konzerttätigkeit ein ritual entwickelt, wie man die zeit bis zum konzert verbringt, so dass man beim konzert frisch und konzentriert an die musik herangehen kann.
heute morgen war generalprobe im sendesaal des polnischen rundfunks. mit der metro fuhren wir zum ort des geschehens (und in der u-bahn kam zum ersten mal sowas wie ein großstadtgefühl auf. bisher konnten wir ja alle strecken locker zu fuß bewältigen, da die chopin-akademie und die altstadt mit ihren pirrogerien sich in einem umkreis von 15 gehminuten vom hotel befinden). als erstes stand das beat furrers “konzert für klavier und ensemble” auf programm. wiederum war der komponist selbst anwesend und es wurde bis zuletzt an kleinen details gefeilt. zudem musste man sich erst einmal an die neue akustik gewöhnen. im gegensatz zum probensaal in der chopin-akademie ist die akustik im sendesaal viel transparenter. das bringt natürlich den vorteil mit sich, dass man die anderen besser hört, kann aber im ersten moment auch schon mal für irritation sorgen, da man plötzlich gewisse sachen hört, die man im probesaal nie hatte wahrnehmen können. eigentlich ist es leichter zusammen zu spielen, aber man hört eben auch viel besser, wenn mal was nicht ganz zusammen ist.
bei isabel mundrys stück, das eine relativ kleine besetzung aufweist, kam man sich teilweise ein bisschen einsam und verloren vor auf der riesigen bühne. das dies der idee des stückes von frau mundry entgegen kommt, die in diesem stück ihr augenmerk auf individuelle und heterogene klänge gelegt hat, muss wohl unser einziger trost bleiben. dies ist aber nicht weiter schlimm, denn schließlich hatten wir in dieser woche genügend freie zeit, um etwas mit den mitmusikern zu unternehmen und gute gespräche zu führen. dann verkraftet man auch schon mal zehn minuten einsamkeit und verlorenheit auf der bühne.
danach hörte ich mir noch die stücke von marco stroppa und prasqual an, die ich wohl heute im konzert nicht werde zu gemüte führen können, da ich gleich danach spielen muss.
übrigens habe ich vorhin dank wikipedia erfahren dass, Die Deutsche Nationalbibliothek [...] Blogs als Internetpublikationen [bezeichnet]. An Weblogs werden jedoch, mit Beschluss von 2002, keine ISSN Nummern vergeben.[1] Die Begriffe „Blog“, „Blogger“, „Bloggerin“ und „bloggen“ haben in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden und sind in Duden und Wahrig eingetragen.
jetzt muss ich also nebst zehn minuten einsamkeit und verlorenheit auch noch verkraften, dass mein bloggen nicht mit einer issn-nummer honoriert wird….
ich geh mir jetzt mal einen kleines pausenbrot für heute abend kaufen, danach geh ich ein paar schwierige stellen durch (also doch üben…) und döse die letzte halbe stunde vor abfahrt vom hotel noch ein bisschen vor mich hin.
viel spaß wünsch ich uns heute abend!
nils