wieder zuhause

mit der BassflöteJa, jeder fängt irgendwann zu bloggen…  und ich habe lange gezögert, da mangels Erfahrung war ich mir unsicher.  Ein Tagebuch ist aus unserem  Blog nicht geworden. Das liegt sicherlich daran, dass es viele Proben gab und wenn man gerade frei hatte, wollte man noch selbst üben…  Die Stücke waren dieses Jahr sehr anspruchsvoll, für mich persönlich besonders wegen schnellem Wechsel zwischen vier Flöten inklusive Piccolo, Alt und Bass.

Als Vorbereitung für den Workshop hat sicherlich jeder zuhause seine Stimme gut studiert und geübt gehabt. Aber erst in den Proben hat man das Besondere an den Stücken entdeckt, die Struktur begriffen, die Faszination der Klangfarben und rhythmischen Elementen entdeckt.  Die Begegnungen mit den Komponisten haben letzte Fragen nach der einen oder anderen Spieltechnik geklärt.

Die viel zu schnell vergangene Zeit in Warschau endete mit unserem Konzert am Montag.  Wir hatten Spaß auf der Bühne, waren von dem Moment mitgenommen und haben sicherlich alle den Abend genossen. Der eindrucksvolle Abschluss mit dem Solisten Stefan Wirth im Konzert von Beat Furrer hat das Publikum zum jubeln gebracht.

Nun muss man Fazit ziehen.  Es ist eine gewisse Traurigkeit da, dass der Workshop schon vorbei ist.  Man hat viel mitgenommen: professionell, seelisch, menschlich.  Die intensive Beschäftigung mit zeitgenössischen Stücken und auch andere Konzerte die man im Rahmen des Festivals besucht hat ist eine Inspiration für die Zukunft.  Ich habe viel gelernt, neue Bekannte und Freunde gefunden und in meinem Willen gestärkt worden, viel mehr auf dem Gebiet zu machen.

Danke Euch allen für die tolle Zeit in Warschau und hoffentlich bis zum nächsten Jahr wieder!!!

noch drei stunden bis zum konzert….

ich sitze in meinem hotelzimmer und frage mich, was ich machen soll. schlafen? vielleicht, aber nicht zu lange. spazieren gehen? üben? wohl eher nicht, schließlich möchte man seine energie fürs konzert von heute abend aufsparen. deshalb wird jetzt hier erstmal gebloggt:

ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wie unterschiedlich musiker mit der bevorstehenden konzertsituation umgehen. die einen legen sich nachmittags am liebsten nochmals hin und schlafen zwei stunden, die anderen gehen shoppen oder gleich beim hotel um die ecke in einer edel-chocolaterie eine heiße schokolade trinken , wiederum andere üben nochmals ein paar schwere stellen. bei vielen musikern hat sich in ihrer bisherigen konzerttätigkeit ein ritual entwickelt, wie man die zeit bis zum konzert verbringt, so dass man beim konzert frisch und konzentriert an die musik herangehen kann.

heute morgen war generalprobe im sendesaal des polnischen rundfunks. mit der metro fuhren wir zum ort des geschehens (und in der u-bahn kam zum ersten mal sowas wie ein großstadtgefühl auf. bisher konnten wir ja alle strecken locker zu fuß bewältigen, da die chopin-akademie und die altstadt mit ihren pirrogerien sich in einem umkreis von 15 gehminuten vom hotel befinden). als erstes stand das beat furrers “konzert für klavier und ensemble” auf programm. wiederum war der komponist selbst anwesend und es wurde bis zuletzt an kleinen details gefeilt. zudem musste man sich erst einmal an die neue akustik gewöhnen. im gegensatz zum probensaal in der chopin-akademie ist die akustik im sendesaal viel transparenter. das bringt natürlich den vorteil mit sich, dass man die anderen besser hört, kann aber im ersten moment auch schon mal für irritation sorgen, da man plötzlich gewisse sachen hört, die man im probesaal nie hatte wahrnehmen können. eigentlich ist es leichter zusammen zu spielen, aber man hört eben auch viel besser, wenn mal was nicht ganz zusammen ist.

bei isabel mundrys stück, das eine relativ kleine besetzung aufweist, kam man sich teilweise ein bisschen einsam und verloren vor auf der riesigen bühne. das dies der idee des stückes von frau mundry entgegen kommt, die in diesem stück ihr augenmerk auf  individuelle und heterogene klänge gelegt hat, muss wohl unser einziger trost bleiben. dies ist aber nicht weiter schlimm, denn schließlich hatten wir in dieser woche genügend freie zeit, um etwas mit den mitmusikern zu unternehmen und gute gespräche zu führen. dann verkraftet man auch schon mal zehn minuten einsamkeit und verlorenheit auf der bühne.

danach hörte ich mir noch die stücke von marco stroppa und prasqual an, die ich wohl heute im konzert nicht werde zu gemüte führen können, da ich gleich danach spielen muss.

übrigens habe ich vorhin dank wikipedia erfahren dass, Die Deutsche Nationalbibliothek [...] Blogs als Internetpublikationen [bezeichnet]. An Weblogs werden jedoch, mit Beschluss von 2002, keine ISSN Nummern vergeben.[1] Die Begriffe „Blog“, „Blogger“, „Bloggerin“ und „bloggen“ haben in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden und sind in Duden und Wahrig eingetragen.

jetzt muss ich also nebst zehn minuten einsamkeit und verlorenheit auch noch verkraften, dass mein bloggen nicht mit einer issn-nummer honoriert wird….

ich geh mir jetzt mal einen kleines pausenbrot für heute abend kaufen, danach geh ich ein paar schwierige stellen durch (also doch üben…) und döse die letzte halbe stunde vor abfahrt vom hotel noch ein bisschen vor mich hin.

viel spaß wünsch ich uns heute abend!

nils

Begegnungen

Die Begegnungen mit Beat Furrer und Isabell Mundry waren ein besonderer Höhepunkt. Die beiden Stücke bekamen plötzlich Gesichter. Beide Komponisten sind so verschieden wie es auch ihre Werke sind. Isabell Mundry gab uns ein wenig mehr Einblicke in ihrer Persönlichkeit, ihre Gedankenwelt und ihr Schaffen. Vor allem die Bearbeitung von Couperin aus dem Zyklus “Schwankende Zeit”, die sie uns von CD vorspielte, hat mich sehr beeindruckt und berührt. Ihr Stück “Silence – Tystnaden”, das sie als ihr “op.1″ bezeichnete, hat durch ihre Erklärungen für mich an Tiefe und Ausdruck gewonnen. Konkretes wiederzugeben kann nur schief gehen, denn es ist einzigartig schön, WIE sie es einem erzählt. Nur so viel: Als Komponistin geht sie den existentiellen Fragen nach, was Musik, was Klang etc. In “unserem” Stück war sie gerade von Berlin nach Paris gezogen und war mit Einsamkeit, der Fremdheit und somit verschiedenen Identitäten konfrontiert. “Der Blick in mich hinein und der Blick nach außen”, durch beides entsteht ihre Musik – aber all das ist so unvollständig wiedergegeben! Man muss sie erleben…
Beat Furrer scheint weniger von Texten, Erlebnissen und philosophischen Fragen der Welt inspiriert worden zu sein. Vielmehr erstaunte sein strukturelles Denken und seine genauen Kenntnissen über Klangwirkungen zwischen Klavier und Orchesterinstrumenten, sein gutes Gehör und sein Qualitätsbewusstsein! Ein “strenger” Komponist, wenn man so will..
Er hat sehr genaue Vorstellungen von seinem Stück und hat diese auch akribisch versucht mit den Musiker umzusetzen.Irgendwie ist es doch schade, dass aus verschiedenen Gründen Marco Stroppa nicht auch kommen konnte!
In ein paar Stunden beginnt das Konzert! Ich drücke allen die Daumen und freue mich auf ein sicher schönes, spannendes Konzert! toitoitoi…

Der Assistent.

Jeder bloggt wohl irgendwann zum ersten Mal, so ich heute. Doch wer sind die Adressaten? Wer sich für Warschau, Neue Musik und die Kombination “Warschauer Herbst” interessiert, ist hier richtig. Ebenso wer sich überlegt, einmal bei diesem Workshop mitzumachen.

Es sind nun schon einige Probentage vergangen und wir steuern auf die erste Begegnung mit einem Komponisten, in diesem Fall einer Komponistin, zu. Als Assistent von Rüdiger Bohn habe ich die ersten Proben geleitet, dann kam er aus Japan angeflogen, mit Mahler und Fauré noch im Ohr und wir probten seitdem paralell, später er im tutti. So entstanden die hochkomplexen Werke von Beat Furrer, Marco Stroppa und Isabell Mundy bis zu dem Zeitpunkt heute, wo man zum ersten Mal das Ganze wahr nahm: Die Fragezeichen in den Gesichtern schwinden, die Spielfreude nimmt spürbar zu! Auch ich verstehe manchen Satz, manche Passage auch emotional zum ersten Mal, da sich die richtige Klangfarbe und Klangmischung ergibt. Auch der Ehrgeiz nimmt zu: Keine Furrer-Probe heute? Es war doch noch gar nicht richtig zusammen! Also werden Extraschichten geschoben… Dieses Ensemble ist wirklich phänomenal, nicht nur instrumental sondern auch was ihren Einsatz und ihre Ernsthaftigkeit betrifft. Da der Termin mit Isabell Mundry näher rückt, sei nur noch ein Satz zu dem Ort und den Menschen hier verloren: Freundlichkeit und Höflichkeit, wohin man schaut. Auch die sehr unterschiedlich guten Englischkenntnisse auch der jungen Leute überraschen immer wieder! Mein guter Eindruck von Warschau hat sich also aufs Neue bestätigt. Eine vielseitige Metropole – mit einem Hang zu Baustellen wegen der EM 2012…

Auf zu Frau Mundry – ob sich mein Eindruck, meine Meinung zu dem Stück verändert? Ich bin gespannt!

(Clemens Schuldt, 18/9/2010)

komponisten zu besuch

die proben des diesjährigen ewcm-projekts in warschau nähern sich schon dem ende. gut gesättigt von einer woche pirrogen essen (Das Wort Pirogge geht wohl auf das urslawische *pirъ ‘Fest, Gelage’ zurück und findet sich in allen ost- und westslawischen Sprachen (russ. пирог, eigentlich ‘Kuchen’, poln. pieróg, tschech. und slowak. piroh). Die Pirogge ist eine gefüllte Teigtasche aus Hefe-, Blätter- oder Nudelteig, die in der osteuropäischen Küche weit verbreitet ist. Piroggen sind ein beliebter Bestandteil von Festmahlzeiten.) nahmen wir gestern die probe von isabel mundrys “le silence-tystnaden” in anwesenheit der komponistin in angriff. vor der probe gab sie uns einen einblick in ihr schaffen, so dass wir  mit einer konkreteren vorstellung an ihr frühwerk herantreten konnten. wir haben uns sehr gefreut, im anschluss mit ihr und den polnischen mitmusikern essen zu gehen.

dann erlebten wir das warschauer nachtleben in einem fancy club und begaben uns danach wohlverdient zur nächtlichen ruhe.

heute wohnte beat furrer der probe seines 2007 geschriebenen “konzert für klavier und ensemble” bei und arbeitete sehr detailliert mit uns an der vielschichtigen partitur. mit dem hinzukommen des solisten stefan wirth wurde die textur noch dichter und es war nötig die balance zwischen dem solisten und dem ensemble genau herauszuarbeiten, zumal das ensemble oft als nachklang des soloklaviers fungiert.

nach den vielen proben freuen wir uns auf das morgige konzert im sendesaal des radio polskie.

nils & garlic cath

Online-Tagebuch European Workshop for Contemporary Music 2010 in Warschau

Nachdem im letzten Jahr bereits ein Online-Tagebuch des European Workshop for Contemporary Music geführt wurde, werden die Teilnehmer nun wieder die Gelegenheit bekommen, über ihre spannenden Erfahrungen vor Ort zu berichten. Auch in diesem Jahr findet das gemeinsame Projekt des Deutschen Musikrates und des Festivals Warschauer Herbst wieder in der polnischen Hauptstadt statt. Junge Musiker aus Polen, Deutschland und anderen europäischen Ländern proben gemeinsam unter der Leitung von Rüdiger Bohn und seinem Assistenten Clemens Schuldt vom 13. – 19. September 2010 in der Chopin-Musikhochschule und erhalten die Möglichkeit, ihre Spieltechniken der Zeitgenössischen Musik zu erweitern. Abschließend wird es am 20. September um 19.30 Uhr ein Konzert beim Polnischen Rundfunk geben.

Zum Programm zählt diesmal das Klavierkonzert mit Ensemble von Beat Furrer sowie Werke von Isabel Mundry, Marco Stroppa und dem jungen polnischen Komponisten PRASQUAL. Wir freuen uns besonders, Beat Furrer und Isabel Mundry in Warschau für ein paar Tage willkommen zu heißen. Sie werden die Musiker bei den Proben begleiten und ihnen tiefere Einblicke in ihr kompositorisches Schaffen ermöglichen. Zudem wird das Ensemble durch den Solisten Stefan Wirth ergänzt.

Weitere Informationen zum Workshop finden sich unter: www.musikrat.de/ewcm

Ich freue mich auf die kommenden Beiträge. Fragen und Kommentare sind natürlich erwünscht!

warschau 2010

am sonntag abend packten wir (lennart, arlette und ich) schnell unsere koffer und klemmten uns unsere instrumente unter den arm. denn wir spielten am vergangenen wochenende noch in eisenach beim abschlussfestival mittenDrin von sounding D und mussten rechtzeitig in warschau sein. denn am monatg begann die probenphase. zu allem überfluss verlor ich die ticktes für den nachtzug. hier möchte ich der bahn danken für ihre kulanz, denn wir mussten kein neues ticket lösen! also, danke deutsche bahn!
die ersten proben gestern liefen sehr gut-ist ja auch wieder ein sehr gutes ensemble!!!! wir probten furrer!
heute stehen stroppa und mundry auf dem probenplan…