Szene Neue Musik

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auf der Rückfahrt…

07. Oktober 2009 Von: annegret Thema: European Workshop for Contemporary Music

Ja, und dann ist plötzlich auch schon das zweite Konzert vorbei und man findet sich im Zug wieder, auf der Rückreise…

10 Tage nach dem Konzert in Warschau sind wir alle am letzten Sonntag bzw. Montag in Dresden eingetroffen. Einige Mitglieder des Ensembles kommen sowieso aus Dresden, der Rest von uns war in einem sehr luxuriösen Hotel untergebracht, auf halber Strecke zwischen Innenstadt und dem Konzertort.

Den Montag verbrachten wir größtenteils mit Proben, um die Stücke nach der zehntägigen Pause wieder fürs Konzert aufzufrischen und uns auch an den neuen Raum zu gewöhnen, der doch deutlich anders war als der in Warschau. K. Nepelski hatte noch einige kleine Änderungen an seinem Stück vorgenommen, außerdem wurde sein Stück diesmal von Christian dirigiert (wie auch das Stück von Matuszewski), so dass wir einiges an Probenzeit benötigten, um alles gut vorzubereiten.

Danach kam Xenakis an die Reihe, dem die Probenpause offensichtlich sehr gut getan hatte! Es ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass es manchmal sehr sinnvoll sein kann, Stücke eine Weile beiseite zu legen und dann wieder aufzugreifen. Das Unterbewusstsein scheint in diesen Fällen den Verarbeitungsprozess fortzuführen, und gerade bei sehr schwierigen und komplexen Werken wie dem von Xenakis kann das sehr hilfreich sein. Jedenfalls hatte ich in der Probe den Eindruck, dass das Stück viel übersichtlicher und klarer geworden war, und dadurch auch wiederum viel stärker und kraftvoller; ich denke auch, dass viele das ähnlich empfanden. Natürlich bleiben die technischen Schwierigkeiten, aber auch sie verlieren etwas von ihrem Schrecken.

Nach der Probe gab es ein wenig Zeit, um durch die Stadt zu schlendern (auch hier sehr schönes Wetter, wie in Warschau, allerdings nur am Montag) oder sich auszuruhen, bevor sich abends alle in der Radeberger Brauerei trafen, auch die Hotelsauna wollte später noch getestet werden. Ich selbst war zum ersten Mal in Dresden, hatte schon oft gehört, dass es eine schöne Stadt sein soll, und war so ziemlich gespannt. Aber um sie richtig kennen zu lernen, müsste man einmal länger dorthin fahren, doch habe ich einen positiven ersten Eindruck.

Am Dienstag gab es morgens die Generalprobe, nachmittags war frei, und abends fand das Konzert statt. Es war ein Konzert im Rahmen des TonLagen-Festivals, eines zweiwöchigen Festivals für zeitgenössische Musik, in Hellerau, etwas außerhalb von Dresden. Meiner Meinung nach war es ein schönes und gelungenes Konzert, es hat viel Spaß gemacht, auch wenn das Publikum leider nicht sehr zahlreich war. Der Saal im Festspielhaus hat mir gut gefallen, es war angenehm, dort zu spielen. Im und um das Festspielhaus herum gab es einige Klanginstallationen zu erleben.

Nach dem Konzert wurde natürlich noch gefeiert, bevor sich die Wege vorerst wieder trennten…aber ich hoffe sehr, dass sie sich auch wieder kreuzen werden!

Und an dieser Stelle möchte ich noch kurz Olaf und dem Team vom Musikrat für die Organisation, Rüdiger Bohn und Christian für die Probenarbeit, aber auch dem Ensemble für die Zusammenarbeit, kurzum allen für dieses schöne Projekt danken!

Nachtrag II

01. Oktober 2009 Von: goldberg Thema: European Workshop for Contemporary Music

Natürlich spielt im Rahmen dieses blogs unser Workshop die Hauptrolle, doch weil auch wir “nur” ein Teil des Warschauer Herbsts sind und weil mir so viele Abende des Festivals so nachdrücklich in Erinnerung geblieben sind, möchte ich nachträglich ein paar Konzerteindrücke hier festhalten.

Alles fing mit einer Panne an: wir verpaßten den Eröffnungsabend, da wir zu spät und ohne Stadtplan im nachtfinstren Warschau den Weg zum Konzertsaal nicht fanden und selbst Einheimische uns nicht weiterhelfen konnten. Mit dem Hinweis “Ihr müßt rechts, rechts, rechts….. äh, links, links, links gehen” war uns leider gar nicht gedient.

Also machten wir uns ein paar Tage später rechtzeitig und besser informiert auf den Weg. Im Lutoslawski-Studio spielte die London Sinfonietta u.A. Werke von Aperghis und Harvey. Es begeisterte uns die Präzision und Spielfreude dieses Ensembles, doch trotz der fesselnden Darbietung sprang der sprichwörtliche musikalische Funke nicht über. Mit gemischten Gefühlen gingen wir nach Hause.

Das nächste Konzert, an das ich mich erinnere, fand ein paar Tage später an der Musikakademie im Konzertsaal statt. Mich reizte daran das kontrastreiche Programm : auf eine polnische Uraufführung folgte eine Hommage an Varese, ein Cellokonzert von Norgard sowie ein Konzert eines *Name unaussprech-und-schreibbar* finnischen Komponisten für Orchester und Vierteltonakkordeon. Gespannt nahm ich Platz im ausverkauften Saal – und wurde zunächst enttäuscht. Das erste Stück namens “Elements” schien vor allem jegliche Klischees über Neue Musik erfüllen zu wollen, die mir je begegnet waren: übermäßig komplex aufgeladen, lang, gegliedert in nicht nachvollziehbare Abschnitte, unterbrochen von elektronischen Einschüben, wirkte es mehr ausgedacht als ausgehört und forderte eher meine Geduld als mein musikalisches Fassungsvermögen heraus. Wieso gibt es immer noch Komponisten, die meinen, daß sie nur dann ein gutes Stück schreiben, wenn sie dahinein alles packen, was ihnen an zumal neuartigen und elektronischen, Mitteln zu Gebote steht?

Immerhin versöhnte dann das Cellokonzert von Norgard, das mit fast schon klassizistischer Transparenz glänzte und endlich etwas bot, was ich sonst oft in der Neuen Musik vermisse: Humor!

In der Pause meinte dann Simone: “Also, ich geh nach Hause….” Doch ich, nach dem Cellokonzert nebst kleiner Solo-Zugabe wieder mit der Neuen Musiik  versöhnt, beschloß zu bleiben und mir auch den Rest anzuhören. Es lohnte sich durchaus, denn es erwarteten mich zwei sehr unterschiedliche Werke, die beide ihr experimenteller Charakter verband. Die Hommage an Varese – ein Stück für selbstorganisiertes Orchester ohne Dirigenten – und das Stück für Orchester und vierteltöniges Akkordeon (sprich, Akkordeon mit Diskant-Vierteltonregister) boten beide eine ungewöhnliche Klangerfahrung.

Das nächste Konzert, das dienstagabends spät stattfand, läßt sich eher als happening denn als Konzert beschreiben und verdient eigentlich eine eigene ausführliche Beschreibung! Es gehört jedenfalls zu den eigentümlichsten kreativen Veranstaltungen, die ich jemals besucht habe! Dazu zählt ebenso der Stockhausen-Abend mit dem Asko/Schönberg-Ensemble (GLANZ und Orchester-Finalisten standen auf dem Programm). Vielleicht verliert ja noch eine meiner Kolleginnen ein paar Worte darüber…

Was mich am ganzen Festival immer wieder erstaunt hat, ist die breite Resonanz beim Publikum, die Neue Musik aller Formen in Warschau findet. Die meisten Konzerte sind sehr gut besucht bis ausverkauft, und das Publikum besteht wirklich aus Menschen aller Altersgruppen und Schichten. Dazu kommt die Preispolitik, die es wirklich jedem ermöglichen soll, am Festival teilzunehmen, da es bei vielen Konzerten Restkarten mit freier Platzwahl zu 10 Zloty (ca. 2,50 Euro!) zu kaufen gibt. zudem wird ohne großes Vermittlungs-Aufhebens selbstverständlich verschiedenartige Musik gemischt und sehr heterogene Stücke in einem Programm präsentiert. Zwar habe ich zugegeben unter den vielen polnischen Uraufführungen kein Werk erlebt, was mich wirklich erstaunt oder begeistert hätte, doch bewundere ich die Begeisterung und Offenheit des polnischen Publikums für Modernes und Ungewöhnliches. Davon könnten wir uns in Deutschland sicher noch eine Scheibe abschneiden

Nachtrag I

01. Oktober 2009 Von: goldberg Thema: European Workshop for Contemporary Music

Fast eine Woche liegt unser Warschauer Konzert nun zurück, und da ich mich gleich ins nächste Projekt gestürzt hatte, blieb zwischendurch keine Zeit, noch einmal Rückschau zu halten. Trotzdem ist mir aufgefallen, daß sich seitdem etwas verändert hat. Zurück am altgewohnten Studienort, inmitten von Lehrern und Kommilitonen, stelle ich fest: ich bin tatsächlich durch das, was ich in der letzten Woche getan habe, gewachsen und sehe die Aufgaben und den Alltag meines Studiums nun mit anderen Augen. Nachdem ich mich der Herausforderung gestellt habe, Unmögliches möglich zu machen, mein Herzblut für Werner und Xenakis gegeben habe (die Wunden an meinen Fingern  von all den glissandi und fff-pizzicati sind inzwischen gottseidank fast verheilt), ist es ein Vergnügen, wieder einmal etwas Klassisches zu spielen. Und zum ersten Mal ist es für mich wirklich Spielen, nicht Arbeiten, denn ich merke, was ich an Kraft, Fähigkeit und Konzentration hinzugewonnen habe. Wenn ich Xenakis gemeistert habe, kann mich ein Dittersdorf oder Hoffmeister nicht mehr ärgern! Mit dieser Gewißheit werde ich meinen Studienabschluß, der in ein paar Monaten ins Haus steht, und alle weiteren Aufgaben sicher viel ruhiger angehen. Danke, Warschau!

Abschied von Warschau

27. September 2009 Von: simone Thema: European Workshop for Contemporary Music

Die Zeit vergeht manchmal schneller als einem lieb ist. Vor etwa anderthalb Wochen kam ich in Warschau an, war zum ersten Mal in Polen und spielte zum ersten Mal Xenakis. Sowohl Warschau als auch Xenakis sind mir innerhalb von nur wenigen Tagen ans Herz gewachsen. So wie ich in Warschau immer neue Sachen entdeckte und auch neues ausprobierte (z.B. Essen…), entdeckte und probierte ich auch neues in der Musik aus. Zusammenfassend lässt sich ohne weiteres behaupten, dass es eine bereichernde Zeit war.

Umso schwerer fiel es mir, Freitags morgens nach erfolgreichem Konzert ins Taxi zu steigen. Auf dem Weg zum Flughafen, versuchte ich mir die Eindrücke der Stadt noch einmal einzuprägen… etwas traurig war ich schon darüber, dass dieses Abenteuer nun zu Ende war.

Mittlerweile bin ich wieder gut in Düsseldorf angekommen, habe schon wieder einige Proben hinter mir für das nächste Konzert mit meinem Trio in einer Woche. Der Alltag hat mich wieder etwas eingeholt. Aber auch die Neugierde darüber, wie sich mein künstlerisches Leben durch die letzten 10 Tage verändert haben könnte. Test: ich nehme mir ein Solostück für Bassklarinette vor, welches ich vor Warschau begonnen hatte und noch nicht sehr weit damit gekommen war. Und siehe da, Rhythmen, mit denen ich mich vorher schwer getan haben gingen mit einem Mal fast wie von alleine. Xenakis sei Dank!

Obwohl unser Konzert in Warschau erfolgreich war (ich messe diesen “Erfolg” jetzt einmal an der Reaktion des Publikums sowie an der Zufriedenheit des Dirigenten), sind mir einige Stellen noch nicht so gelungen, wie ich es mir erhofft hatte. Aber bis zum Konzert in Dresden werde ich noch Gelegenheit haben, weiter an mir und diesen Stellen zu feilen.

In dem Sinne freue ich mich schon auf ein Wiedersehen (und -hören) in Dresden!

Bis bald,

eure Klarinettistin

Auf dem Weg zum Lutoslawski Studio

Auf dem Weg zum Lutoslawski Studio

Das Ensemble probt Werners Augen-Blicke

Das Ensemble probt Werners Augen-Blicke

nach dem Konzert

25. September 2009 Von: annegret Thema: European Workshop for Contemporary Music

Nun ist es fast Zeit für die Abreise, der Rucksack steht halb gepackt neben mir, und in ein paar Stunden geht der Zug.

Unser Konzert heute abend war ein schöner Abschluss unserer Woche hier. Über die erste Konzerthälfte kann ich wenig sagen, da ich nicht mitgespielt habe, aber die zweite Hälfte hat recht gut geklappt. Mir hat auch der Saal sehr gut gefallen, in dem wir gespielt haben, das Konzertstudio des Radio Polskie.

In dem Stück von Nepelski hatte es bis zum Schluss (heute morgen bei der Generalprobe) Änderungen und Anmerkungen des Komponisten gegeben. Aber nun war Konzert, und bei dem Publikum schien sein Stück ausgesprochen gut anzukommen, was natürlich erfreulich ist.

Im Stück von Xenakis stimmte einfach die Energie, und so war es eine überzeugende Aufführung, denke ich (auch wenn dann die eine Stelle, die man 500mal geübt hat, im Konzert doch wieder schief geht…aber es geht ja um das Gesamtergebnis und die musikalische Aussage.). Ich kann nur noch einmal sagen, dass mir dieses Stück unglaublich viel Spaß gemacht hat und ich es wirklich sehr gerne spiele! Vielleicht hätte ich in den letzten zwei Tagen gern noch etwas mehr Proben für dieses Stück gehabt, aber da musste natürlich vorrangig mit den Komponisten an den neuen Stücken gearbeitet werden, vielleicht hätte es auch nicht viel ausgemacht…

Sowohl gestern als auch heute abend waren wir alle in einer Kneipe am Altstadtmarkt. Gestern gab es dort ein paar moderierte Gespräche mit den Komponisten zu ihren Stücken (die für mich außer im Fall von A. Werner nicht besonders aufschlussreich waren), und heute wurden natürlich das Konzert und die Woche gefeiert. :-) Was auch schön war, ist, dass auch die meisten der polnischen Musiker des Ensembles dabei waren, so dass sich auch mit ihnen Gespräche ergaben und man sich ein wenig besser kennen lernen konnte.

Insgesamt war es für mich einfach eine sehr schöne Woche und habe ich es sehr genossen, hier zu sein. Zum Glück gibt es in zehn Tagen noch das zweite Konzert in Dresden, so dass man alle noch einmal wiedersieht und auch die Stücke noch einmal spielen kann!

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Endspurt!

24. September 2009 Von: simone Thema: European Workshop for Contemporary Music

Ja, jetzt ist es fast soweit… heute Abend findet unser Konzert statt! In den letzten Tagen wurde noch sehr viel geprobt, vor allem die Arbeit mit den Komponisten war spannend, aber auch zeitaufwändig. Es gab noch viele Änderungen, und manche logistischen Probleme mussten noch behoben werden. Der Prozess, wie sich die Stücke im Laufe der Zeit verändern, und wie man die Musik selber empfindet nach einer Woche Arbeit, ist schon faszinierend.

Gestern Abend gab es ein Treffen der Musiker und Komponisten, und zwei junge Musikwissenschaftlerinnen aus Deutschland und Polen stellten uns die Komponisten genauer vor. Bei kleinen Interviews konnte man einen Einblick in die Schaffensweise und “Ästhetik” gewinnen (auch wenn sich mancher Komponist vom Wort “Ästhetik” distanzieren wollte). Nepelski, Matuszewski und Werner sind sehr unterschiedliche Komponisten… ich denke, es wird ein abwechslungsreiches Konzert werden, in dem zum Teil andere Welten aufeinandertreffen. Aber genau so wollen wir es im Konzert doch auch gerne haben.

Nun mache ich mich auf zur Generalprobe im Lutoslawski-Studio des Radio Polskie… ich bin sehr auf die Akkustik gespannt, und darauf, ob wir es schaffen, gut durch die Kompositionen durchzukommen (so, dass auch die Komponisten zufrieden sind).

Bis später!

Eure Klarinettistin

der Tag vor dem Tag X

23. September 2009 Von: goldberg Thema: European Workshop for Contemporary Music

Man sollte meinen, am letzten Probentag vor dem Konzert sei mittlerweile Ruhe in unseren workshop eingekehrt: alle großen und kleinen Probleme lägen  hinter uns, und wir machten uns nun in Ruhe daran, das Programm für den Auftritt zu festigen. Weit gefehlt! Wie so oft in kreativen Prozessen, geht es nun erst richtig in die “heiße Phase”. Erst gestern kam Andre Werner an und brachte die zwei bisher fehlenden Mitwirkenden für sein Stück mit: unsere Sängerin und die Spezialistin für die “visual effects”, die Video-Installation, die unsere Aufführung begleiten soll. Der gesamte Nachmittag war für intensive Proben reserviert, und doch habe ich nicht annähernd das Gefühl, daß ich das Stück wirklich durch-hören und als Ganzes wahrnehmen konnte. Die Geschichte, die den Augen-Blicken zugrunde liegt, ist z.T. sehr düster und höchst emotional, doch die Musik dazu ist sehr komplex und blitzlichtartig in kleine Abschnitte unterteilt. Da ist Präzisionsarbeit gefragt, vor allem für vertrackte Rhythmen und filigrane Zusammenspiele, die höchst anpruchsvoll sind, doch bei mir noch nicht denselben Sog bei der Aufführung entstehen lassen, wie er sich bei unsren Xenakis-Proben einstellt. Doch sicher erklärt sich Einiges, wenn wir uns heute abend mit zwei Musikwissenschaftlerinnen und den drei Komponisten treffen, um über ihre Werke zu diskutieren. Manchmal läßt sich ein Stück auch nur als Zuhörer gänzlich wahrnehmen, da man als Interpret zu nahe am Geschehen ist, um alle Einzelheiten und gleichzeitig das Große Ganze im Blick zu behalten.


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