Viel Zündstoff in die allgemeine Jeki-Diskussion bringt ein anonymer Leserbrief, den die NMZ in ihrer Novemberausgabe veröffentlichte. Fast schon hatte ich ihn wieder vergessen. Aber da trifft mich der Jeki-Alltag! Die Gedanken und vor allem die überschäumenden Emotionen des Autors/der Autorin fallen mir wieder ein.

Das Stichwort bzw. das entsprechende Zitat aus dem Leserbrief lautet: “…ich habe bestimmt schon ganz schlechte Stunden gemacht, einfach, weil mich diese Horde von Kindern überfordert hat.“
Nun ja, da könnte man sagen, o.k., jeder ist mal im Job überfordert. Niemand wird ständig alles nur richtig machen können. Doch leider werden mir sicher viele Kollegen, die an der Jeki-Front Dienst tun bestätigen, dass diese Überforderung eben keine Seltenheit ist, sondern ein zunehmendes Problem darstellt. Kann Jeki also doch nicht funktionieren, weil die Anforderungen an die Lehrer zu hoch sind?

Ich denke da steckt der Teufel im Detail. Zum Beispiel an der Stelle, wo der tatsächlich sehr anspruchsvolle Unterricht in großen und sehr heterogenen Gruppen von Lehrkräften erteilt wird, die nur wenig Unterrichtserfahrung haben, weil sie gerade ihr Studium beendet haben. Sie suchen dringend einen Job. Oder von solchen, die eigentlich mal eine künstlerische Laufbahn einschlagen wollten, aber dann kam es doch anders. Da ist Jeki besser als Taxi fahren. Oder auch von den Lehrern, die zwar wie der anonyme Autor von Jeki fasziniert sind, schon lange Jahre im Kernbereich der Musikschule gute Arbeit leisten, aber in ihrer Ausbildung auf die Situation Großgruppe gar nicht vorbereitet wurden. Sie haben zwar einen Job. Doch in Zeiten von Offenem Ganztag, Turboabitur und leeren Geldbeuteln schrumpfen die Wartelisten und die Schüler können gar nicht mehr zur Musikschule kommen, weil es ihr Schulalltag zeitlich nicht zulässt. Zudem stellt das Wort „Gruppenunterricht“ für viele Kollegen leider noch immer ein Synonym für mindere Qualität in Zeiten leerer Kassen dar. Und dies meine ich keines Falls als Kollegenschelte! Vielmehr als Beschreibung der tragischen Auswirkungen, die Fehler in der Ausbildung der vergangenen Jahrzehnte noch immer für viele Lehrer darstellen. Man fordert in der Praxis Dinge von Ihnen, auf die sie nicht vorbereitet wurden.
Das haben wir doch schon sooft gehört, sagen Sie jetzt? Natürlich müssen wir in der Quantität und in der Qualität nachrüsten. Aber fehlt nicht ein wichtiger Aspekt?

Es gibt die erfahrenen Lehrkräfte. Sie haben ein instrumentales Fach studiert und dazu viel Energie in die Ausbildung ihrer pädagogischen Fähigkeiten im Fach AME investiert – zwei Hauptfächer. Sie unterrichten in hoher Qualität an unseren Musikschulen, haben viel Erfahrung und dürfen oder wollen jetzt leider bei Jeki oft nicht mitmachen. Da stimmt doch etwas nicht!!
Wollen wir ein so hoffnungsvolles Projekt, nein, eine so hoffnungsvolle Einrichtung wie Jeki daran scheitern lassen, dass wir die dafür qualifizierten Lehrkräfte im „Kernunterricht“ halten? Sollte der Erfolg daran scheitern, dass diese qualifizierten Lehrkräfte gar kein Interesse an Jeki haben, weil die Arbeitsbedingungen zu schlecht sind? Wofür soll eine Lehrerin den „schmerzhaften“ Stress des Jeki-Unterrichts auf sich nehmen, solange sie noch genug andere Schüler hat und der Stress ihr nicht honoriert wird!? Genau an dieser Stelle ist die Frage nach schneller Masse zu Lasten der Klasse richtig gestellt.
Ich persönlich wünsche mir, dass Jeki sich schnell ausbreitet, dass es sich etablieren kann, ehe jemand den Geldhahn wieder zudreht. Aber das Tempo darf auch nicht über den Fähigkeiten liegen, denn die Gefahr aus der Kurve zu fliegen steigt. Und die Zweifler behielten dann Recht mit ihrer Kritik an der Qualität des Unterrichts.

Ich antworte dem/der anonymen Autor/in: es ist absolut richtig, auf all die Missstände hinzuweisen und Forderungen zu stellen. Eine meiner Forderungen an dieser Stelle lautet: setzt noch mehr Geld in personeller Hinsicht noch gezielter ein und hört auf, die Bereiche Jeki und Kernmusikschule an den falschen Stellen zu trennen. Denn nur durch schrittweise Annäherung und positive Ergebnisse besteht die Chance, alle Musikpädagogen von der Richtigkeit neuer, innovativer Maßnahmen in Sachen Musikalisierung und Instrumentalunterricht zu überzeugen.

  3 Responses to “Unzufriedene Jeki Lehrer? Wie Geld helfen kann.”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von neue musikzeitung, neue musikzeitung erwähnt. neue musikzeitung sagte: Unzufriedene Jeki Lehrer? Wie Geld helfen kann.: Viel Zündstoff in die allgemeine Jeki-Diskussion bringt e.. http://bit.ly/5F509h [...]

  2. Jeki steht zweifellos zwischen Allgemein Bildender Schule und Musikschule. Wenn die MusikschulkollegInnen im Bereich Jeki arbeiten und das vor Ort in der Grundschule, dann sollten sie für diese Arbeit den GrundschulkollegInnen in der Entlohnung gleichgestellt sein.

    • Jeki steht nicht ZWISCHEN Musikschule und Allgemein Bildender Schule, es VERBINDET diese beiden Institutionen! Wir dürfen doch hier nicht diesen Fehler begehen, allein durch unsere Wortwahl einen Konflikt herauf zu beschwören oder einen schwelenden zu schüren. Wie unser Blog-Untertitel schon benennt SchulMUSIKschule, verbindet uns beide die Musik und unser gemeinsames Bedürfnis, Kindern in der großen Breite unserer Gesellschaft zu musikalisieren und ihnen damit den Weg ins kulturelle Leben zu eröffnen.
      Die Frage der Entlohnung, finde ich, steht auf einem ganz anderen Blatt und sollte deshalb auch unnötig erhärtend auf dem Rücken von Jeki ausgetragen werden.

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