Schon seit geraumer Zeit gewinne ich den Eindruck, dass wir uns in der Diskussion über Jeki und die Sitaution der Instrumentalausbildung heftig im Kreis drehen, noch immer nicht den Kern der Sache getroffen haben. Vielleicht auch logisch, da wir meist nur darüber sprechen, auf welchem Weg das Ziel zu erreichen sei. Dies kann nicht weiterführen, solange wir nicht Einigung über das Ziel selbst gefunden haben. Dies betrifft sowohl die künstlerische Qualität, als auch die Frage nach den gesellschaftlichen Idealen, die durch die staatliche Vorgaben in Sachen Erziehung angestrebt werden. Da ich der Meinung bin, dass es eine gute Qualität per se nicht gibt, möchte ich mich an dieser Stelle bemühen, hierzu noch präziser Position zu beziehen, um die Diskussion eventuell in eine geänderte Richtung zu steuern.

Nach meinem Dafürhalten stärken die herkömmliche Form des Unterrichts (Bevorzugung des formalen, durch den Lehrer strikt gesteuerten Einzelunterrichts) und die darauf gegründeten Strukturen in stätdtischen Musikschulen und im privaten Instrumentalunterricht folgende Sachverhalte:

1. Die Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen
2. Die Bestätigung einer musikalischen Elite, die dadurch ihre bestehenden Werte und ihre Führungsposition sichert.
3. Die Fremdbestimmheit im Lernen und somit eine künstlerische Entfremdung der Schüler von ihrer eigenen musikalischen Motivation.
4. Die Betonung handwerklicher Fertigkeiten (höher-schneller-weiter als Ideal vergangener Jahrhunderte, als die Herrschaftsschicht auch durch die Musik ihre Führungsposition darstellte)
5. die Ausgrenzung innovativer Musikstile und Musizierpraktiken

Anders betrachtet fehlen dadurch einige wichtige Aspekte, die ich sowohl künstlerisch als auch gesellschaftlich für enorm wichtig halte.

1. Die Öffnung des elitären musikalischen “Inner Circles” für Alle
2. Die Förderung und Entwicklung individueller Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten
3. Ein lebendiges, offenes Umgehen mit der aktuellen Musikkultur. Altes wird bewahrt, was keinesfalls falsch ist. Aber die Entwicklung neuer Gedanken und Denkansätze wird dadurch oft gebremst.
4. Interessante, neue Musizier- und Gestaltungsansätze werden durch das Fixieren einer angeblich für ewig geltenden richtigen Handhabung der Instrumente und Behandlung der Materie “Musik” in der öffentlichen Ausbildung eher behindert als gefördert.

So stellt sich also die Frage, auf welchem Wege Kompromisse gefunden werden können, um Tradition nicht über Bord zu werfen, Individualität, gesellschaftliche Gerechtigkeit und Erneuerungen dennoch möglich zu machen.
Dabei müssen die alten Strukturen genauso in Frage gestellt werden, wie es nötig wird neue Programme kritisch zu prüfen und vor allem die für die Kompromisse notwendigen Voraussetzungen zu klären.

Nach meiner Meinung benötigen wir dafür

- Die Einbindung der musikalischen und instrumentalen Ausbildung in den Bildungskanon, um sowohl alle Kinder zu erreichen, als auch für alle Kinder die finanzielle Komponente der instrumentalen Ausbildung abzuschaffen oder wenigstens abzumildern.

- Die Stärkung der Instrumentallehrer durch eine noch fundiertere auch pädagogische Ausbildung.

- Ein Loslösen vom starren “einmal pro Woche”- Unterricht, zugunsten von flexiblen zeitlichen Strukturen

- Geld für eine angemessene Bezahlung der Lehrer, für brauchbares Material und passende räumliche Voraussetzungen.

- Die Selbstverständlichkeit, dass Musik und Instrument in den Stundenplan einer Schule gehören.

- Die ständige, offene Auseinandersetzung mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Bereichen Lernen und Begabung. (Und demzufolge auch ein ständiges Nachbessern der Strukturen)

Hierfür bietet Jeki, mit all seinen momentanen Schwächen, eine Chance. So schwer es auch sein mag, im laufenden System ständig Fehler zu verbessern. Und nicht zu vergessen ist diese Tatsache:
Die Rechtfertigung für die Veränderungen liegt primär in der Sache selbst, also in der Musik, nicht in den positiven Begleiterscheinungen des Musizierens. Die Möglichkeit zu Musizieren sollte endlich gleichberechtigt neben dem Erlernen der Fähigkeiten wie Rechnen und Schreiben stehen. Es kann doch nicht angehen, dass wir auf dem Stand verharren, dass die Zugehörigkeit zum Inner Circle und bestimmte finanzielle Mittel die Voraussetzung für eine mögliche künstlerische Ausbildung darstellen.

 

In der Diskussion um die von manchem Kollegen so ungeliebten Unterrichtsformen wie Bläserklassen, Großgruppen, Jeki-Ensembles usw. taucht an erster Stelle häufig das Argument auf, ein qualitativ hochwertiger Unterricht und die angemessene Kontrolle der technischen Fortschritte sei in diesen Unterrichtsformen nicht möglich. Schon lange stellt sich mir die Frage, ob diese Kontrolle, so wie sie propagiert wird, tatsächlich notwendig und die einzig wahre Voraussetzung für hochwertigen Instrumentalunterricht darstellt. Es stehen sich zwei extreme Behauptungen gegenüber:

  • Nur gezielter Einzelunterricht kann die Grundlagen für sinnvolles Instrumentalspiel legen!
  • Nur lustvolles Musizieren von der ersten Stunde an legt den Grundstock für individuelles und kreatives Schaffen!

Dem aufmerksamen Lehrer wird dieses Dilemma, in dem die Instrumentalpädagogik seit Jahrzehnten steckt, nicht entgangen sein. Es könnte hier gern auch noch einmal Adorno zitiert werden, um den Konflikt zu beschreiben. („Dass einer fidelt, soll wichtiger sein als was er geigt.“ Zitiert durch Christian de Witt hier im Blog am 12.12.09) Jeki hat also die Diskussion um qualitativ hochwertigen Unterricht in Zeiten des Sparens neu aufflammen lassen. Kann für die Kinder bei Jeki Gutes erreicht werden oder ist alles nur rausgeworfenes Geld und gleichzeitig der Todesstoß für die Musikschulen?

Zum  Thema „Lernen im Musikunterricht“ und wie  es funktioniert, erscheint dazu 2009 von Schott herausgegeben ein Buch über formales und informelles Lernen mit dem Titel „Vom wilden Lernen“.

Die verschiedenen Beiträge in diesem Buch beschäftigen sich mit dem Thema „Lernen“ z.B. auch einmal aus der Sicht der Schüler. Studenten verschiedenster Semester beschreiben ihre eigene „Lerngeschichte“. Dabei stellt sich heraus, dass alle Befragten den Anteil des wilden also informellen Lernens sehr hoch bewerten. Alle können auf einen großen Anteil autodidaktischer und beiläufiger Erfahrungen zurückblicken, meist schon als Kinder.

Ich zitiere dazu Ulrich Mahlert:

„Bildung ist ein informeller Prozess: nicht der Lehrer bildet den Schüler, sonder dieser bildet sich durch Verarbeitung von Lernerlebnissen immer selbst. Instrumental- und Vokalunterricht, der nicht nur Fertigkeiten vermitteln, sondern musikalische Bildung ermöglichen will, muss daher auf informelles Lernen ausgerichtet sein…. Lehrkräfte sollten sich auch institutionell um Entgrenzung der formalen Lehre bemühen. Die Beschränkung auf oft jahrelange Zweisamkeit zwischen Schüler und Lehrer verengt den Horizont beider Partner.“ 1)

Daraus ergibt sich, nimmt man Mahlerts These ernst, eine notwendige Veränderung von Unterrichtsformen, Umgestaltung von Klassen- bzw. Gruppenstrukturen, Teamteaching und Vieles mehr.

Ein zweiter Blickwinkel eröffnet sich durch den von Peter Röbke formulierten Wunsch, den Instrumentalisten (ich schließe alle Vokalisten mit ein) also den Schüler  beim Lernen nicht von seinen musikalischen Bedürfnissen zu entfremden. Hier steckt  das Denken vieler Lehrer noch in den Idealen des 18. Und 19. Jahrhunderts fest. Entfremdung zu vermeiden scheint nur machbar, durch die Verknüpfung von formalem und informellem Lernen. Wie viele der Weltstars schöpfen nicht einen großen Teil ihrer Motivation und Kreativität aus dem autodidaktischen, wilden Erforschen und Gestalten der Materie Musik!? Keinesfalls möchte ich die präzise, durch den Lehrer gesteuerte Unterweisung aus dem Lernprozess verbannen. Sie hat an vielen Stellen ihre Berechtigung. Dennoch zeigt sich immer wieder, dass der lange, auch von Fehlern und Irrtümern begleitete Weg am Ende zu einem besseren Ziel führt.

In Bezug auf Jeki bedeutet das für mich:

Es entstehen kein allgemeiner Qualitätsverlust und das Ende jeder sinnvollen Instrumentalistenausbildung, wenn Schüler auch mal eine Weile ohne die perfekte Technik spielen, wenn sie Umwege gehen und sich selbst im Vergleich mit dem Tun anderer Schüler erleben. Vom vermeintlich schlechteren oder besseren Partner profitieren sie dabei ebenso, wie vom spontanen, lustvollen und explorativen Musizieren.

Die Offenheit für das wilde, das informelle Lernen könnte der Arbeit z.B. im Ensemble Kunterbunt auf die Sprünge helfen. Fehlen nur noch die guten Arbeitsbedingungen, die es den Lehrern ermöglichen, sich autodidaktisch, wild und lustvoll auf diese Arbeit vorzubereiten ohne sich selbst dabei auszubeuten.

1)Ulrich Mahlert, Fremdgehen? – Informelles Lernen und „klassischer“ Instrumental-/Vokalunterricht; in „Vom wilden Lernen“ aus der Reihe: üben & musizieren texte zur Intrumentalpädagogik, Schott 2009

 

Das Orchester Kunterbunt hat im Programm JeKi einen festen Platz. Nach den ersten Erfahrungen mit der für das dritte und vierte Schuljahr vorgesehenen Ensemblearbeit fragen sich jedoch viele Kolleginnen und Kollegen, wo dieser Platz eigentlich ist.

Soll das Ensemble im Mittelpunkt des Programms stehen, mit anderen Worten, ist es wesentliches Ziel des Programms, Kinder über den Weg des gemeinsamen Musizierens nachhaltig zum eigenen Musikmachen zu motivieren?  Wenn das so ist, gibt es in der pädagogischen Planung Schwachstellen. Das fängt mit dem Angebot der Instrumente an. Wenn tatsächlich oberstes Ziel ist, dass möglichst alle Kinder in einem elementaren Orchester Kunterbunt miteinander musizieren, dann macht es Sinn, die gespielten Instrumente mit diesem Ziel zu vernetzen. Die Konsequenz wäre die Reduzierung der JeKi-Instrumente auf ein „elementares“ Instrumentarium, das ermöglicht, in der zur Verfügung stehenden Zeit eine qualitätvolle Ensemblearbeit zu leisten.

Ein anderer Platz des Orchester Kunterbunt im Programm wäre die Unterstützung der Arbeit in den vielfältigen Instrumentalunterrichten. Das würde dann aber bedeuten, dass die Ziele der jeweiligen Instrumentalunterrichte sich auch im Orchester Kunterbunt wiederfänden. Insbesondere auch die Ernsthaftigkeit, mit der die technischen und musikalischen Anforderungen der unterrichteten Instrumente im Unterricht umgesetzt werden, muss in der Arbeit des Ensembles  abgebildet werden. Die Kinder lernen, ihre instrumentalen Fertigkeiten in die Orchesterarbeit einzubringen. Bei dieser Form von Orchesterarbeit geht es nicht nur um ein gemeinsames Musikerleben sondern vielmehr um die gemeinsame Erarbeitung von geeigneter Musik.

An dieser Stelle kann man einwenden, dass eine derartige Polarisierung nicht zulässig ist und eine gute „Orchester-Kunterbunt“ Arbeit beide Sichtweisen miteinander verbinden kann.

Zurzeit ist jedoch leider keine befriedigende Verbindung beider Standpunkte auszumachen. Es zeigt sich ein  Widerspruch, der oft schmerzlich auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen ausgetragen wird. Man muss feststellen, dass es in vielen Fällen unter den vom Programm bereitgestellten Voraussetzungen nicht möglich ist, musikalische Ziele im Orchester Kunterbunt angemessen umzusetzen, weil den Kindern genau die instrumentalen Grundfertigkeiten fehlen, die für ein gemeinsames Musizieren notwendig sind.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich, dass es unter Berücksichtigung der instrumentenspezifischen Anforderungen und Qualitätsstandards der Musikschulen in vielen Fällen nicht möglich ist, Ziele zu definieren und durchzusetzen, die ein sinnvolles gemeinsames Musizieren sicherstellen können. Eine Reduzierung auf ein Instrumentarium, das schnell zu Lernerfolgen führen kann, die in einem Orchester angewendet werden können, könnte viele Probleme lösen.

 

Vor mir liegt der Band 1 Gitarre, herausgegeben von der JeKi-Stiftung, als Vorabausgabe. Ganze 32 Seiten umfasst das Werk, bis einschließlich Seite 10 wird inhaltlich nur mit leeren Saiten gespielt und gesungen. Auf einen musiktheoretischen Lehrgang – Einführung des Liniensystems, Notenschlüssel, Musikalphabet – wird verzichtet. Dieses könnte im ersten Schuljahr bereits von Kindern erarbeitet worden sein, wird aber nicht in den geforderten Inhalten von Jeki 1 verlangt. Darüber hinaus sind musiktheoretische Lehrgänge im Lehrplan der Grundschule in NRW sehr offen gestalten, aber auf leinen Fall Inhalt des ersten Schuljahres.

Wie die Noten ins Fünfliniensystem kamen wird im Jeki 2-Unterricht Gitarre jedenfalls außerhalb des Heftes stattfinden müssen, somit werden die Kinder ohne zusätzlichen Schnellhefter, in den dann ergänzende Arbeitsblätter abgeheftet werden.

Ansonsten ist das Heft für Kinder ansprechend, da sie aktiv Aufgaben erledigen müssen. Viele “Instrumentalschulhits” finden sich wieder. Die Autoren haben dazu zum Teil neue Texte gemacht, die ich auch ansprechender finde, wie zum Beispiel die Neutextung von “Fing’ mir eine Mücke heut” in “Coole Typen rocken ab, zupfen auf den Saiten; machen mega Supersound, hörst sie schon von Weitem: Wenn wir auf der Bühne stehn und die Massen toben, könn’ wir stolz nach Hause gehn und uns selber loben.” Ob nun in der ersten oder zweiten Lage beim Gitarrenspiel angefangen werden soll, darüber ist zu diskutieren. Die Autoren haben sich für die zweite Lage entschieden, aber das gesamte Heft kann problemlos auch in der ersten Lage bewältigt werden. Da muss nur dann gemeinsam mit den Kindern viel geändert werden. Auf Bilder zur Haltung, die Anschaffung einer Stütze oder eines Fußbänkchens wurde verzichtet.

Band 1 verrät schon, dass die 32 Seiten für die Grundschulzeit nicht ausreichen werden. Ich denke, es reicht für das zweite Schuljahr. Viele Lieder kommen in den Vorabausgaben der anderen Instrumente ebenfalls vor und können dann Anlass sein, zum gemeinsamen Musizieren im “Ensemble Kunterbunt”.

Das Hinzunehmen von Ergänzungsmaterial ist unumgänglich, vor allem dann, wenn binnendifferenziert gearbeitet werden soll.

Der Band 1 Gitarre beinhaltet nichts, was nicht schon in anderen Gitarrenlehrwerken stehen würde. Ohne Ergänzungen geht es eben auch hier nicht. Eine schon auf dem Notenmarkt bewährte Gitarrenschule würde es auch tun. Der einzige Vorteil sind die gemeinsamen Lieder aller Instrumente, hier liegt der große Vorteil des Jeki-Materials.

Fazit: Eine “normale” Gitarrenschule tut’s auch, fragt sich nur, ob die Eltern diese bezahlen können und wollen. In der Jeki-Praxis müssen die Musikpädagogen mit einer musikalischen Einfachheit sicher und überzeugend umgehen können und letztendlich Freude daran haben Kindern auf ganz simplen Niveau Musikerleben zu ermöglichen. Diese innere Überzeugung vermittelt den Kindern eine Wertigkeit von Musik unabhängig von ihrem Schwierigkeitsgrad.

 

Auf der Frankfurter Musikmesse konnten wir ein anregendes Streitgespräch zwischen Manfred Grunenberg, Leiter der Jeki-Stiftung und Stefan Gretsch als Vertreter der Fachgruppe Musik in Ver.di hören. Ich kann nur sagen: da sind wir doch dankbar!

Danke Jeki

Endlich werden die oft noch zu starren Inhalte und Methoden der Musikschularbeit in Frage gestellt. Anscheinend war ein sehr lauter Warnschuss notwendig, um hier wirklich Tacheles zu reden.
Endlich können wir uns mit Schwung der Frage widmen, wie viel Pädagogik ein Instrumentallehrer benötigt, um die Binnendifferenzierung in heterogenen Gruppen ohne Stress bewältigen zu können. Im Bereich der Musikalischen Grundstufe muss dies schon sehr lange geleistet werden, denn entgegen der Meinung von Herrn Gretsch besteht auch im Bereich des MFE-Unterrichts z.B. in Kindertagesstätten keine Möglichkeit, allzu großen Einfluss auf die Gruppenzusammenstellung zu nehmen. Und auch der Alltag des Instrumentalunterrichts macht in dieser Hinsicht viele Kompromisse notwendig.
Endlich wird die Diskussion um den Begriff „Qualität“ von Grund auf geführt werden müssen. Qualität sollte sich in einem humanistischen Sinne doch am Wohl der Schüler orientieren. Dafür wird ein noch viel intensiveres Denken aus Sicht der Schüler notwendig. Ja, es gibt Werte, die wir weiter transportieren sollten. Aber bitte nicht l´art pour l´art als heiligstes Ziel der Musikpädagogik. Und wenn, dann wie gesagt „von unten“, aus der Sicht der Schüler. Angeleitet durch das hohe Fachwissen der Musikschulpädagogen.
Endlich wird es möglich, Theorie und Praxis, Musikunterricht an allgemein bildenden Schulen und Instrumentalunterricht zu vernetzen. Schon immer, auch vor den Kürzungen beim Musikunterricht, war es einfacher, musiktheoretische Inhalte in der Praxis am Instrument darzustellen. Das spricht meines Erachtens für Jeki. Die Vernetzung wird einfacher.

Mein zweiter Dank gilt Ver.di

Endlich werden die Themen der letzten Jahre wirklich wichtig.
Zum Beispiel die steigende Zahl der Honorarkräfte, die im Bereich des Musikunterrichts tätig sind. Sie arbeiten schon seit langem auch im Kernbereich der Musikschulen, also im traditionellen Unterricht, aber zu gänzlich anderen Bedingungen als ihre fest angestellten Kollegen. Hier muss dringend etwas geschehen. Werden mehr Lehrer benötigt, wird doch die Position derer, die diese Dienstleistung bieten können gestärkt. Dies spricht für Jeki.
Dann gibt es den Bereich Fahrtzeiten, Regiezeiten, Räumlichkeiten und Arbeitsmaterial. Im Bereich der Musikalischen Grundstufe sind lange und häufige unbezahlte Ortswechsel schon seit Jahren die Regel. Auch die sich häufenden Regiezeiten werden oft nicht bezahlt. Und den Grundstufenlehrern wird das sich Einfügen in fremde, oft unangemessene Räume und mangelhaftes Arbeitsmaterial ebenfalls sehr oft und seit Jahren zugemutet. Dasselbe gilt für andere Kooperationen z.B. im Bereich der Bläser- oder Streicherklassen. Hier hätte schon vor Jahren eine viel deutlichere Reaktion der Gewerkschaft stattfinden müssen. Endlich werden diese Mängel laut ausgesprochen. Nicht alle bekommen schlechtere Bedingungen, sondern Dank der Unterstützung der Gewerkschaften werden die Probleme endlich für alle thematisiert. Eine Chance!

Der Betrieb der Musikschulen ist doch schon seit Jahren immer wieder gefährdet. Dies kann nun nicht Jeki zur Last gelegt werden. Endlich wird das Problem laut ausgesprochen und für die Politik interessant. Gut so. Also sollte die Gewerkschaft kräftig fordern, damit sich die Arbeitsbedingungen schnell verbessern. Und die Diskussion um die Inhalte, die Ziele und die Qualität sollten in den Hochschulen und durch die Lehrer der Musikschulen geführt werden.

 

Die nmz nutzt einmal die Funkstille im Blog, um darauf hinzuweisen, dass während der Frankfurter Musikmesse einige Streitgespräche zum Thema “Jeki” gelaufen sind.

Wie zum Beispiel dieses:

Sind die Instrumentallehrer pädagogisch überhaupt qualifiziert für den Gruppenunterricht in allgemeinbildenden Schulen? Wird dort mit festangestellten Lehrer gearbeitet werden oder überwiegend mit Honorarkräften? Und wie lange wird es JeKi überhaupt geben? Darüber streiten Manfred Grunenberg, Leiter der Stiftung “Jedem Kind ein Instrument”, und Stefan Gretsch von der ver.di Fachgruppe Musik. Teil 2 des Gesprächs finden Sie unter nmzMedia.

 

Vor einigen Wochen hatten wir an der Folkwang Musikschule unser „Instrumenteninfo“. Alle Kinder, die bei uns Unterricht in der musikalischen Grundstufe erhalten, waren mit ihren Eltern eingeladen, zuerst in einem kleinen Konzert und dann in den Unterrichtsräumen der Musikschule alle Instrumente anzuhören und selber auszuprobieren. Im Laufe dieser Veranstaltung machte der für die Mallet-Instrumente verantwortliche Kollege eine beunruhigende Feststellung: Früher kamen die Kinder und versuchten mit den Schlägeln ein Lied oder eine Melodie zu spielen. Heute kommen sie und prügeln mehr oder weniger unkontrolliert auf das Instrument ein  Mir kamen sofort andere Aussagen in den Sinn. Ein Kollege beklagte sich vor einiger Zeit, dass es in seinem Fachbereich immer schwieriger würde, die Kinder und Jugendlichen für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Musik zu motivieren. Auch in unserer Ensemblearbeit ist zu hören, dass immer weniger junge Menschen bereit sind, regelmäßig zu den Proben zu kommen und sich für ihr Ensemble zu engagieren. Aus ganz unterschiedlichen Gründen, bei denen die immer stärker werdenden schulischen Belastungen und die immer umfangreicher werdenden Freizeitangebote eine große Rolle spielen, besteht die Gefahr, dass Instrumentalunterricht zunehmend an Tiefe verliert.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Musikalisierungskampagnen wie JeKi eine solche Oberflächlichkeit befördern. Nehmen diese Programme Oberflächlichkeit bewusst in Kauf um eben das Ziel, alle zu erreichen, nicht zu verfehlen? Auf der einen Seite ist es zu begrüßen, dass viele Menschen eine instrumentale Ausbildung für sich oder ihre Kinder wünschen, auf der anderen Seite müssen wir prüfen, ob wir Unterrichtssituationen verantworten können, in denen die Kinder genau einmal in der Woche während der Unterrichtszeiten die Zeit finden, ihr Instrument auszupacken.

Wenn wir feststellen, dass persönliches Engagement und regelmäßiges Üben für das Erlernen eines Musikinstrumentes zwingend notwendig sind, dann werden wir überlegen müssen, ob wir Methoden entwickeln können, diese Fertigkeiten zu vermitteln. Wenn wir bemerken, dass der im JeKi-Programm festgelegte sehr enge Zeitplan nicht ausreicht, um die Kinder mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen nachhaltig zu fördern, dann müssen wir dafür sorgen, dass die notwendigen Zeiten zur Verfügung stehen.

In diesem Zusammenhang tauchen verschiedene grundsätzliche Fragen auf:

Können Musikalisierungskampagnen, die mit dem Erlernen eines Instrumentes verbunden sind, dafür sorgen, dass alle angesprochenen Kinder durch die Begegnung mit dem Musikinstrument nachhaltig zu einer tiefer gehenden Auseinandersetzung mit Musik angeregt werden können?

Sind Kinder in ihrer (musikalischen) Sozialisation mit dem Eintritt ins Grundschulalter schon so stark geprägt, dass ihre Einstellung zu musikalischem Tun kaum mehr verändert werden kann?

Zurzeit kann ich keine befriedigenden Antworten geben und freue mich auf die Diskussion.

 

Die Idee des Projektes “Jedem Kind ein Instrument”, nämlich jedem Grundschulkind (derzeit hauptsächlich im Ruhrgebiet) zu ermöglichen, ein Instrument zu erlernen, kann als sensationell betrachtet werden. Doch in der aktuellen Diskussion auf allen Ebenen ist zu hören, wie schwer die Umsetzung vor Ort zu sein scheint. Es werden zu einen wieder die alten musikpädagogischen Wunden aufgerissen und auch hier im Blog war die Begabung wiedermal ein Thema. Ich glaube jedoch, dass gerade JeKi sich nicht für diesen Grabenkampf eignet. Die Musikschulen und Grundschulen im Ruhrgebiet wurden von JeKi überrannt, weil die Kommunen knapp sind und die durch JeKi entstehenden neuen Ressourcen eine zukunftsweisende Neuorientierung für die Musikschulen bietet.

Was kann die Grundschule an musikalischer Bildung bieten?

Die FachlehrerInnen für das Fach Musik sind rar und selbst wenn eine Fachkraft vor Ort ist, kann diese nicht den gesamten Musikunterricht einer Schule bewältigen. Das Fach Musik wird – wie auch das Fach Kunst – oft fachfremd unterrichtet. Wenn die Kinder während der Grundschulzeit ein musikalische Förderung bekommen sollen, dann benötigt die Grundschule meistens auch Hilfe von anderen Institutionen. Für mich bedeutet das, dass die Grundschulen sich um Kooperationsprojekte mit musikalischer Förderung reißen müssten, wenn Ihnen musikalische Bildung wichtig ist. Doch sollten die Schulen fragen, was wollen wir mit diesem oder jenem Kooperationsprojekt erreichen. Denn oft habe ich den Eindruck, dass den Schulen zwar eine musikalische Förderung wichtig ist, aber nach den Zielen fragen sie nicht. Jedes noch so schöne Projekt verpufft, wenn es gewählt wird, nur um den Kindern “nur” mehr Bildung angedeihen zu lassen. Vielmehr kann durch intensive Zusammenarbeit zwischen Schule und Projektpartnern eine Zielrichtung entwickelt werden. Ganz einfach ausgedrückt: wenn ich mir Zimmerpflanzen kaufe, muss ich sie auch gießen. Als JeKi-Lehrerin komme ich mir jedoch manchmal in der Schule wie eine Zimmerpflanze aus dem Sonderangebot vor, bei der das Gießen auch noch vergessen wird. Zurück zur Frage: Die Grundschule kann nur einen geringen und allgemeinen Beitrag zur musikalischen Bildung beitragen, in  AG’s können die GrundschulkollegInnen auf motivierte Auserwählte zurückgreifen.

Wie kann die Grundschule von Kooperationsprojekten wie JeKi profitieren?

JeKi bringt nicht nur musikalische Bildung sondern auch noch Instrumentalunterricht in die Grundschule. Doch von einem zielführenden Projekt kann nicht gesprochen werden. Warum gibt es keine Ziele? Inhaltlich sind zwar “Rote Fäden” als Handreichungen vorhanden, doch die InstrumentalkollegInnen kämpfen zwischen Realität und Anspruch. Grundschulen und Musikschulen bleiben oft in den Organisationsfragen stecken und die Zusammenarbeit vor Ort gleicht einer Zwangsehe. Doch was sollen die Kinder instrumentaltechnisch erreichen? Handelt es sich um eine Grundmusikalisierung in Anlehnung an den Lehrplan der allgemein bildenden Schulen oder um den Lehrplan der Musikschulen? Welchen Beitrag kann die Schule leisten, dass Bildungsziele erreicht werden? Muss überhaupt jede Schule sich musikalische Bildung auf die Fahne schreiben? Meiner Meinung kann eine Grundschule nur von Kooperationsprojekten profitieren, wenn sie in der Lage ist, die externen KollegInnen so einzubinden, dass die Zusammenarbeit für den Schulalltag gewinnbringend ist. Die Bereitstellung der Räume für den Instrumentalunterricht im Anschluss an den Schulunterricht reicht da bei weitem nicht aus. Weiterhin kann es für manche Schulen nicht schaden, mal nein zu sagen und sich gegen ein musikalisches Projekt zu entscheiden.

Was kann man den Kindern an musikalischer Bildung zumuten?

Der Schlüssel zum Erfolg ist die Begeisterung für Musik oder für das Instrument oder für dasSingen durch die Lehrkraft. Doch gerade in den so genannten Brennpunktschulen ist eine andere Motivation nötig als in den “sozial besseren” Schulen. Daher sollte ein musikalisches Bildungsprojekt auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten sein. Um eine Nachhaltigkeit für alle zu schaffen, muss das positive Erleben von Musik im Vordergrund stehen. Erst danach schließen sich Erkennen und Benennen an. Wenn wir eine musikalische Bildungsinitiative für alle wollen, dann werden einige Kinder über das Erleben von Musik nicht hinauskommen. Das Erleben von Musik im Tun wie z. B. Trommeln oder  Singen – auch ohne Noten- kann auch schon nachhaltiges Musizieren bedeuten. Hier schließt sich der Kreis: Steht das nicht im Lehrplan für die Grundschule?

Fazit:

Eine musikalische Förderung in der Grundschule bedeutet in den meisten Fällen, dass sich die Schulen Partner suchen müssen. JeKi kann, muss aber nicht der ideale Partner dafür sein. Vielleicht reicht eine Unterstützung zur nachhaltigeren Umsetzung des Lehrplans sogar aus. Die Partner können die wahren Ziele nur durch intensive Zusammenarbeit miteinander klären. Die Zeit, die dafür zusätzlich benötigt wird, wird bei JeKi nirgendwo berücksichtigt, schade eigentlich. Nur mit einer guten Zusammenarbeit oder – anders ausgedrückt – mit der Akzeptanz der externen KollegInnen in das Schulkollegium gelingt es, die Kinder optimal musikalisch zu fördern. Denn um die geht es ja eigentlich, oder?

 

Wahrscheinlich auch ausgehend von der Tatsache, dass die allgemeinbildende Schule Musikschule für alle ist, haben sich im Jeki-Ursprungsland NRW die Musikschulen in die Schulmusik zu integrieren versucht bzw. hat man sie, so wirkt es auf den außen stehenden Betrachter,  großflächig ohne große Planungs- und Vorbereitungszeit in sie hineingepresst. Dass diese Vorgehensweise auf Kosten der Instrumentalpädagogen geht, ist mittlerweile nun alles andere als eine Neuigkeit. Vielmehr trifft ein weiterer negativer Nebeneffekt, sozusagen als Kolateralschaden, auch Musikalien- und Musikinstrumentenhändler, wie zum Beispiel an der Reaktion und den Ausführungen eines klagenden Händlers zu erkennen ist. Selbst als Schulmusiker kann man sich durchaus in seinen eigenen Leistungen verkannt oder gar übergangen fühlen.

 Auch über die enormen Aufgaben, die im Klassenverband oder in Großgruppen agierend bestehen, klagen überforderte Jeki-Lehrkräfte. Das ist aber doch überhaupt kein Wunder. Die Schülerzahl einer Klasse erfordert pädagogischen Sachverstand, der natürlich von einem Laien – verzeihen Sie, ich sehe nun mal den durchschnittlichen Instrumentalpädagogen nicht als befähigt an, in Großgruppen zu unterrichten – nicht bewältigt werden kann. Darauf ist auch deren Ausbildung nicht ausgelegt. Meine Erfahrungen als Schulmusikerin  in der Zusammenarbeit mit Instrumentalpädagogen und zahlreiche Gespräche bestätigen dies. Noch heute freue ich mich über die Geständnisse einer Kollegin, eine ausgezeichnete, erfolgreiche, von Kindern geschätzte Klavierpädagogin, und eines Kollegen, geschätzter und gefragter Perkussionist, die als Schwangerschaftsvertretung Unterricht im Klassenverband erteilten. Beide ziehen seither den Hut vor den Leistungen eines Musiklehrers an allgemeinbildenden Schulen und geben zu, diese Tätigkeit bislang im vollkommen falschen Licht betrachtet und sie extrem unterschätzt zu haben. Im Umkehrschluss sehe ich auch aus meiner eigenen Erfahrung  die Möglichkeiten eines Schulmusikers als Instrumentalpädagoge als deutlich eingeschränkter an, als die des Fachmanns aus der Musikschule, der hierfür ausgebildet ist.

Spätestens die Forderung einer Jeki-Lehrkraft, die anonym in der nmz ihr Leid geklagt hat, erfordert dann aber doch eine eindeutige Antwort. Ihrer Meinung nach müssten Jeki-Lehrer adäquat bezahlt werden. Soweit gehe ich d’accord. Dass aber nun eine angemessene Entlohnung so gestaltet sein sollte, dass sowohl der Lohn einer Grundschullehrkraft – damit wären ihre pädagogischen Leistungen abzugelten -  als auch der der Instrumentallehrkraft – damit wären ihre instrumentalpädagogischen Leistungen zu entlohnen – addiert werden müsste, halte vermutlich nicht nur ich für absolut irrwitzig. Ich frage mich dann schon ernsthaft, ob nicht alle Beteiligten ein lautes, deutliches STOP aussprechen sollten. Natürlich bin ich ohne jeden Zweifel dafür, jedem Kind ein, besser natürlich noch sein Instrument (inkl. Stimme) zu lehren. Weiterhin sind Kooperationen zweifellos richtig und wichtig. Es gilt gemeinsam neue Konzepte zu entwickeln. Dabei sollten wir aber doch nicht an unseren eigenen Ästen sägen und uns gegenseitig das Wasser abzugraben versuchen. Vielmehr müssen wir unsere Leistungen gegenseitig anerkennen und unsere eigenen individuellen Grenzen akzeptieren und versuchen, anstatt alles zu verwischen und zu vermischen und damit die Wertigkeit unseres Standes in Frage stellen. Sonst öffnen wir Tür und Tor für eine Verschlechterung von Musikunterricht. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Gar nicht auszudenken wären mögliche Folgen. Hier könnte dann vielleicht sogar der sich selbst als besonders geeignete Hobby-Musiker unterrichten, der unter Umständen noch nicht mal Noten lesen kann und sich mit drei Akkorden auf der Gitarre ein ansehnliches Repertoire erarbeitet hat? Zweifellos eine deutlich kostengünstigere Variante…

 

Verdi hat recht, Herr de Witt hat recht: an den Rahmenbedingungen in Sachen JeKi gibt es noch viel zu verändern, die Musikpädagogen müssen geschützt werden. Auf diesem Hintergrund möchte ich mich ebenfalls auf einen Abschnitt im schon einmal erwähnten Artikel der NMZ „Chancengleichheit in der kulturellen Bildung entwickeln“ beziehen. Herr Grunenberg und Herr Gerland schreiben, es würde eine Überbeanspruchung des Projektes bedeuten, zu erwarten, dass es auch direkt alle arbeitsrechtlichen Problematiken lösen könne. Leider führt aber gerade Jeki an vielen Stellen zu neuen, tief greifenden arbeitsrechtlichen Problemen, die auf politischer Ebene schnellstens gelöst werden müssen. Hier schaffen wir ansonsten eine Generation von musikpädagogischen „Trümmerfrauen“, die in vierzig Jahren ohne gesicherte Rente dastehen, nachdem sie zuvor den Aufbau einer neuen blühenden Landschaft in Sachen Musikpädagogik geleistet haben.

Leider werden in der öffentlichen Diskussion die verschiedenen Problembereiche immer wieder vermischt. Da werden Rahmenbedingungen diskutiert, ohne dass klar ist, wofür, für welches Ziel genau, diese Bedingungen eigentlich geschaffen werden sollen. Und die inhaltliche Diskussion krankt daran, dass permanent Totschlagargumente aus dem Bereich der Rahmenbedingungen die Reifung einer guten gemeinsamen Idee blockieren. Ich schlage daher vor, beim Suchen nach der wirklichen gemeinsamen inhaltlichen Zielsetzung die mögliche organisatorische Umsetzung zunächst einmal außer Acht zu lassen bzw. als möglich vorauszusetzen. Wir sollten uns endlich auf eine gemeinsame Richtung einigen! Eine Richtung, die den Ländern, den Kommunen und den einzelnen Schulen Bewegungsfreiheit und Gestaltungsspielraum lässt, aber dennoch an den entscheidenden Punkten die Chancengleichheit und die Musikalisierung für alle Kinder, also die Interessen der KINDER, in den Mittelpunkt rückt.

Verstehen kann man natürlich die Lehrerinnen und Lehrer vor Ort, die mit Jeki in einem Programm arbeiten, das von ihnen fordert, trotzt der ungenügenden Arbeitsbedingungen extrem hochwertige Leistung zu bringen. Und zudem oftmals noch in einem Bereich, für den sie nicht ausgebildet wurden. Denn nur durch diese hohe Leistung kann Jeki sich rechtfertigen. Wie soll das funktionieren? Zum Beispiel dadurch, dass von Seiten der Politik ständige Bereitschaft gezeigt wird, schnell zu handeln, Missstände abzubauen und den hohen Einsatz der Menschen ideell, aber vor allem auch finanziell anzuerkennen. Und noch einmal wiederholt: es muss genauso schnell daran gearbeitet werden, dass sich Netzwerke bilden, die das inhaltliche Konzept konkretisieren, die soweit zu ende denken, dass alle im Boot mitrudern wollen und sich nicht gegenseitig behindern.
Leider gewinnt man den Eindruck, dass die Diskussion um diese gemeinsamen Inhalte stagniert. Möglicherweise spiegelt sich darin auch die Stagnation wider, die meines Erachtens in der Gesellschaft zu beobachten ist. Probleme werden nicht durch die Entscheidung für eine Richtung gelöst. Große Koalitionen finden nicht zu neuen Visionen für die Gesellschaft, sondern mühen sich mit dem verarzten der Symptome ab. Und die Ursachen werden nicht genügend erforscht.
In der Bildungspolitik geht ein „Leistungsruck“ durch die Gesellschaft. Abitur nach acht Jahren, Eliteschulen und Eliteförderung, Pisatests und Schulrankings zerren in die eine Richtung. Und dennoch können sich Programme wie Jeki etablieren, wird die Ausbildung der softskills gefordert, Grundschulen bekommen Preise für Integrationsleistung, Förderung von benachteiligten Gruppen steht auf dem Programm. Wo ist es wichtig Kompromisse zu schließen und wo wäre es endlich einmal angesagt, beherzt eine Richtung einzuschlagen?!
Viele meiner Kolleginnen und Kollegen denken darüber nach, wie sich die Veränderungen der Gesellschaft und der Bildungslandschaft positiv für die musikalische Ausbildung unserer Kinder nutzen lassen. Denn den Musikschulen geht es schlecht, dem „Kernbereich“ fehlen bald die Kinder, die nachmittags schon für ihr Abitur nach acht Jahren oder einen Hauptschulabschluss verplant sind. Gleichzeitig führen wir eine Diskussion darüber, wie sich in den Grundschulen die Rahmenbedingungen für „althergebrachten, guten, erfolgreichen“ Instrumentalunterricht einrichten lassen, wie ihn, ich zitiere, die „Happy few“ seit Jahrzehnten hoch subventioniert genießen. Hier muss dringend eine Richtung festgelegt werden. Und im nächsten Schritt brauchen wir dann schnellstens die Maßnahmen, die es ermöglichen, dass die Lehrer an den Grundschulen und die Musikschulpädagogen gern und gleichberechtigt an diesem Projekt arbeiten.

Abschließend noch ein hoffnungsfroher Gedanke:
Zum Glück brauchen wir tatsächlich keinen Führerschein, um musikalisch und künstlerisch tätig zu werden. Hier können wir alle Freiheit der Welt schaffen, ohne das Leben anderer Menschen zu gefährden. Wie schön!

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