Till Brönner hat es wirklich geschafft. Nicht länger muss er mit dem Stigma leben, irgendein Jazztrompeter zu sein. Ab sofort firmiert er hochoffiziell als „der aus der Vox-Castingsendung ‚X Faktor’ bekannte Künstler“. So stellen ihn die Köln Nachrichten vor, Titel der Meldung: „Vox-Juror erhält Musikpreis“ – und das für eine eigene CD! Da hat nun nicht etwa ein bekannter Jazzmusiker ein preisgekröntes Jazzalbum gemacht. Vielmehr hat ein aktuelles Bildschirmgesicht offenbar rein zum Spaß – nämlich „neben der Produktion“ der historisch bedeutenden ersten Staffel von „X Factor“ – auch noch irgendwie Musik aufgenommen. Und „zwischendurch“ – der Autor der Meldung scheint es nicht fassen zu können – gibt dieser hauptamtliche Sangeskunst-Juror auch noch richtige Konzerte! – Die Saxophonistin Barbara Thompson wurde kürzlich gefragt: „Kennen Sie Till Brönner?“ Ihre Antwort: „Den Namen habe ich schon mal gehört.“ Wahrscheinlich ist sie doch einmal beim Zappen in einem deutschen Hotelzimmer versehentlich auf Vox geraten.
DIE ZEIT stellte kürzlich in ihrer Online-Ausgabe – wieder einmal – diese Frage.
Ausgangspunkt für das erneute Aufrollen eines altbekannten Themas – nämlich, dass sich vom Jazz schlecht leben lässt – ist die weiterhin zunehmende Dichte von erstklassigen Musikern und Bands aus Deutschen Landen, die das Missverhältnis zwischen der Qualität des Gebotenen und den Bedingungen, unter denen deutsche Musiker arbeiten, mehr und mehr in Schieflage bringt.
Der Autor des Artikels sieht die Deutschen Musiker – vor allem die jungen – durch die relative Gleichgültigkeit der Deutschen für ihre eigenen Künstler in Bedrängnis gebracht. In anderen Ländern sei dies anders. Deutsche Künstler, darunter unser Gastautor Felix Falk von Mo’ Blow, beklagen im ZEIT-Artikel die mangelnde strukturelle Unterstützung bei Konzertreisen vonseiten Deutscher Kulturinstitutionen.
Unter den zahlreichen Kommentatoren des Artikels wird natürlich mehr oder weniger polemisch diskutiert, ob Jazz nun toll sei oder doch eher nicht…
falsche Irrtümer…
Abseits der Geschmacksdebatten gab es aber auch einige der im Text getroffenen Aussagen richtigzustellen: Kritisiert wird zum Beispiel, dass im Artikel inklusive Labelchef Siggi Loch nur ACT-Künstler zu Wort kommen. Auf die Behauptung, dass junge deutsche Jazzkünstler bei deutschen Festivals kaum programmiert werden, meldeten sich Veranstalter wie beispielsweise das Elbjazz-Festival, das ausdrücklich auf 25 Deutsche Bands in seinem diesjährigen Programm verweist (Kommentar 21). Die Behauptung, deutsche Bands hätten auf deutschen Bühnen keinen Platz, ist so pauschal kaum haltbar. Der “Nachwuchsmusiker” DominikR deckt allerdings in seinem Beitrag den Pferdefuß auf (Kommentar 25): Einfach nur spielen reicht nicht, der Auftritt muss auch angemessen bezahlt werden, wenn Jazzmusiker von ihrer Kunst leben sollen! Gerade hier bleiben die Veranstalter oft hinter den Erwartungen zurück.
Die wütendsten Proteste gab es aus Richtung des italienischen Goethe-Instituts, das sein dortiges Engagement für deutsche (ACT-) Künstler ignoriert sieht (Kommentar 29, 32). Obendrein zitiert der Autor im ursprünglichen Text Siggi Loch dahingehend, dass der Leiter des Instituts in Rom bei einer Jazzveranstaltung mit Till Brönner im eigenen Haus durch Abwesenheit glänzte. Dies hat sich als falsch herausgestellt und die Redaktion musste den Passus inzwischen ausbessern.
Was wir daraus gelernt haben? Es gibt viele deutsche Jazzmusiker, von denen spielen nur wenige oft genug und allesamt verdienen dabei zu wenig. Und: Wenn man andere Menschen als Siggi Loch fragt, findet man heraus, dass ACT gar nicht das einzige deutsche Jazzlabel ist! Wer hätte das gedacht…
Zum Artikel auf ZEIT-Online
Nach den Katastrophen in Japan rühren sich langsam die Künstler der Welt und organisieren Benefizkonzerte, um den Erdbeben- und Tsunami-Opfern zu helfen. In New York wird am 9. April ein von John Zorn organisiertes Konzert stattfinden, bei dem auch Lou Reed auflaufen wird. Auch in anderen Ländern und Städten gibt es Konzerte, in Deutschland sind es vor allem Initiativen klassischer Konzerthäuser, Ensembles und Musikhochschulen, die Geld für Hilfsorganisationen einspielen, die in Japan aktiv sind. Die Popbranche hat sich mit dem Charity-Album “Songs for Japan” in zahlreichen Ländern an die Spitze der iTunes-Charts katapultiert. Der Erlös geht an das japanische Rote Kreuz.
Die Jazzszene steht dabei noch recht im Abseits, obwohl viele Jazzmusiker gerade in Japan große Helden sind. Wahrscheinlich ist der Jazzmusiker an sich mit dem mühsamen Erwerb seines eigenen Lebensunterhalts absorbiert.
In München hat die Jazzbar Vogler immerhin am 28. März eine Benefiz-Session veranstaltet und die Hip-Hopper von Bluementopf spielen mit anderen Künstlern am 1. April ein Konzert am Odeonsplatz. Auch in anderen Städten wird es ähnliche kleinere Initiativen geben, das Gros der Clubs kommt ohne aus.
Die Jazz-Funk-Band des Saxophonisten “Grosskopf” spendet die Einnahmen aus dem Download-Verkauf ihrer Platte “Live in Japan” an das Deutsche Rote Kreuz.
Wladimir Klitschko, bitte helfen Sie!
Da könnte sich insgesamt mehr tun, aber der Jazz ist, wie gesagt, nicht der Kernbereich der Wohltätigkeits-Gesellschaft. Wäre das nicht ein Fall für Till Brönner? Da könnte er mal seine außerordentliche Stellung in der Mitte der Kulturgesellschaft ausspielen und irgendwo ein großes Philharmonie-Konzert geben. Auf Tour ist er sowieso gerade, dann macht er’s ja vielleicht noch…
Oder es schaltet sich Wladimir Klitschko ein, wie im vergangenen Jahr bei der Spendengala “Ein Herz für Kinder”, und rundet die Spendensumme auf. Wären in diesem Fall für ihn eh nur Peanuts…
Ganz nebenbei…
Aufmerksame Leser haben bestimmt entdeckt, dass der Autor auch heute wieder einen bekannten Jazztrompeter im Text versteckt hat. Man begreife dies als Hommage an den legendären Sepp Arnemann – Gott hab’ ihn selig –, dessen Mäuse der Autor lange Jahre in der TV Hören und Sehen suchen durfte … Danke, Sepp!
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel attestierte seiner Musik kürzlich ein „emotionales Vakuum“. Das ist erstens gemein und zweitens ungerecht. Denn Till Brönners Musik hat durchaus einen emotionalen Inhalt: die Melancholie. Eine sanfte Verzweiflung darüber, dass die große Zeit von Bebop und Cool doch schon eine Weile zurückliegt. Ein wehmütiges Gefühl des Zuspätkommens. Und dagegen, so Brönner, „spielt man eben an“. Für Brönner ist Jazz also eine nostalgische, melancholische Stimmung: „Regnerische Nacht“ und „einsamer Drink“, das sind die Assoziationen, die ihm zum Jazz einfallen.
Nun sagen schlechte Menschen gerne, die Welt sei schlecht, damit sie sich nicht bessern müssen. Brönner sagt einfach, der Jazz sei tot, damit er nichts Lebendiges liefern muss. Konsequenterweise schimpft er dann auch auf die „Zeitgenossen mit den strengen Avantgarde-Kriterien“ und auf die, „die sich heute für Avantgarde halten“. Wen er damit meint, verrät er nicht. Vielleicht meint er ja seine allerbesten Freunde, die manchmal noch zu ihm sagen: „Mensch, Till, du bist doch so ein guter Trompeter, mach doch mal etwas musikalisch Interessantes, etwas Überraschendes! Lass doch mal deine Verzweiflung raus!“
Manche dieser Freunde sagen auch: „Vielleicht lebst du einfach zu bequem.“ Doch was dann wäre, wenn er stattdessen ein wildes, aufregendes Leben führen würde, das weiß Brönner genau: „Dann gäbe es sicher ein paar Geschichten zu erzählen. Aber meine Musik würde nicht besser davon. Wenn heute so vieles an der Musik langweilig, brav und oberflächlich ist, wenn so manches tatsächlich klingt, als wäre es von jemandem erschaffen, der morgens in seine Sparkasse geht und pünktlich Feierabend macht: Dann hat das nichts mit dem fehlenden wilden Leben zu tun. Eher mit Quotenhörigkeit, totaler Absicherung und dem Mangel an musikalischer Risikofreude.“ Also, ehrlich ist er obendrein auch noch.
Links:
In unserem Blog-Eintrag Till Brönner will Zentrum für Jazz gründen haben wir Brönners Äußerungen aufgegriffen, in denen er ein Zentrum für Jazz in Deutschland fordert. Darin prognostiziert er für die deutschen Rundfunk-Bigbands eine Rest-Lebensspanne von weniger als zehn Jahren.
In der Süddeutschen Zeitung von Freitag, 26.11.10 ist nun ein Artikel erschienen, der Deutschland als wichtigstes Land für den Big-Band-Jazz außerhalb der USA bezeichnet und die Bedeutung der Rundfunk-Bigbands auch für amerikanische Jazzmusiker betont, die immer wieder mit ihnen konzertieren und aufnehmen.
Ein Auszug aus dem Artikel “Tranatlantische Schwingungen” von Lewis Gropp:
“Tatsächlich ist die deutsche Big-Band-Landschaft weltweit einmalig. In Europa leistet sich niemand mehr den Luxus einer professionellen Big Band mit Musikern in Festanstellung, abgesehen von den Niederlanden mit dem Metropol Orkest oder Dänemark mit der DR Big Band. Dass es in Deutschland gleich vier Big Bands dieser Art gibt, ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Selbst in den USA hat sich die Big Band-Landschaft stark gewandelt und verdünnt. Neben dem von Wynton Marsalis unter großem Aufwand und mit Stiftungs- und Sponsorengeldern betriebenen Jazz at Lincoln Center Orchestra spielen hier vor allem die von den Universitäten getragenen Big Bands und die Independent-Szene eine Rolle. Andere traditionsreiche Orchester wurden nach und nach aufgelöst, zuletzt die Carnegie Hall Jazz Band im Jahr 2002, und das, obwohl sie in Kritikerkreisen zu den besten des Landes zählte. Um Orchester dieser Größenordnung finanzieren zu können, fehlt vielen Institutionen das Geld. ‘In den USA gibt es diese Art von Kontinuität einfach nicht’, erklärt der Jazzforscher und Leiter des Jazz Instituts Darmstadt, Wolfgang Knauer. ‘Darum sind die Big Bands hierzulande auch künstlerisch so erfolgreich.’” (Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 274, Freitag, den 26. November 2010 , Seite 17) Continue reading »
Hört, hört:
Berlin (dapd). Der Trompeter Till Brönner will eine Jazz-Akademie gründen. “Mein Traum wäre es, in Berlin an einem wirklich prominenten Ort ein Zentrum für Jazz zu etablieren. In diesem Zentrum würde ein Orchester von ungefähr 15 bis 20 Personen sitzen, die täglich proben und alle zwei Wochen am Freitag und am Samstag anspruchsvolle Konzerte geben”, sagte der 39-Jährige der Zeitschrift “Melodie & Rhythmus”. Bisher gebe es in Deutschland “keine wirklich wahrnehmbare Institution, die man im weitesten Sinne als Dach für die Jazzausbildung empfinden könnte”.
Es gebe zwar Landesjugendorchester, Musikschulen und Jazzstudiengänge, aber “nichts, worauf es sich hinzuarbeiten lohnt”, kritisierte Brönner. Die Rundfunk-Big-Bands böten keinen Ansporn mehr. “Den wenigen, die noch übrig sind, prophezeie ich höchstens noch fünf bis zehn Jahre.” Wenn es zu diesem Zeitpunkt kein einziges professionelles Ensemble im ganzen Land mehr gebe, das Jazz auf hohem Niveau spiele, “dann haben wir ein Problem”.
Also, eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, das Thema Till Brönner nicht mehr so schnell an-, bzw. aufzugreifen, aber es scheint doch die Gemüter zu bewegen. Nach Erscheinen des Artikels von Michael Scheiner zum Leipziger-Jazztage-Konzert Brönner-Sommer auf nmz-online kam gleich ein böser Kommentar… Siehe http://www.nmz.de/online/spannende-begegnung-till-broenner-und-guenter-baby-sommer-bei-den-leipziger-jazztagen
Heute erreichte mich unten stehende Pressemeldung zu seiner neuen CD bei Universal, die ich euch auch nicht vorenthalten will. Mmmh, alles schön und gut, aber X-Factor? Ist er in Sarah Connor verliebt? Braucht er Geld? Kann man seinen erweiterten Horizont ausdehnen wie ein Gummiband? Was meint Ihr/Sie?
“Till Brönner schätzt den weiten Horizont, mit dem er, der hochdekorierte Jazzer, durch die Welt der Musik streift. Sein neues Album „At The End Of The Day“ interpretiert Songs aus fünf Jahrzehnten Popgeschichte. Pop, nicht Jazz! Und unternimmt zudem einen Ausflug zu Johann Sebastian Bach. Er ahnt bereits, dass bei seinen Arrangements von den Beatles über Bowie bis hin zu den US-Rockern The Killers grundsätzliche Fragen auftauchen werden. Etwa: Warum macht der das? Oder auch: Darf der das überhaupt, so als vielfach ausgezeichneter Trompeter, der im Laufe seiner 25jährigen Karriere vier Echos und eine Grammy-Nominierung erhielt, dessen Tonträger in der ganzen Welt schon mehr als eine Millionen mal verkauft wurden und der mit den Größten der Jazz- und Popwelt gearbeitet hat? Grundsatzfragen, die ihn ein wenig nerven. „Ich stelle mich kontinuierlich diesen Jazz-Welten. Und dort entstehen dann neue, andere Sachen. Ob man diese allerdings auf einem Album veröffentlichen muss, steht auf einem anderen Blatt.“ Till Brönner hat sich seit längerem dafür entschieden, seine eigenen Maßstäbe zu setzen.
Nach „Oceana“ (2006) und der Bossa-Nova-Hommage „Rio“ (2008) stöbert Till Brönner 2010 in einer universalen Pop-Bibliothek: „Wir haben das `Rio`-Programm ausgedehnt auf Konzerten in der ganzen Welt gespielt, ohne genau zu wissen, wohin die nächste Reise führen wird. Gleichzeitig habe ich die Begegnungen mit anderen Künstlern intensiviert. Daraus ist eine Sammlung entstanden, die kunterbunter nicht hätte sein können. Faszinations-Fundstücke aus meinem Leben, die ich letztlich danach ausgewählt habe, welche Möglichkeiten sie mir für den eigenen Ausdruck bieten.“ Till Brönner fiel die Wahl der 12 besten aus den etwa 30 Referenzsongs relativ leicht. „Während der Produktion haben wir die `Temperatur` für meine Stimme fließend erarbeitet. Letztlich konnte ich dann auf „At The End Of The Day“ in Personalunion – als Trompeter und Sänger – agieren.“
Brönner bekräftigt, dass er auf musikhistorische Zusammenhänge verzichtet hat. „Space Oddity“ von Bowie steht genauso als eigenständiges Statement, wie es keine inhaltliche Brücke zwischen „Human“ von The Killers und „Human“ der britischen New-Wave-Band Human League gibt. Seine Trompete führt „Air“ aus der 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach in andere Sphären, genauso wie alle anderen Titel von seinem unverkennbaren Trompetenspiel leben. Brönners neues Album ist purer, ganz persönlicher Eklektizismus. Er durchkreuzt freischwebend ein Pop-Universum, bei dem die Beatles der frühen Sechziger auf das amerikanische 70er-Duo Seals & Croft („Summer Breeze“) treffen.
„Summer Breeze“, die erste Single, wirkte gleichzeitig auch als Ouvertüre für das kommende Album „At The End of the Day“, das nun am Freitag erscheint. Ein kongenialer Auftakt zu einer außergewöhnlichen musikalischen Expedition.
Till Brönner betrachtet die Geschichte des Pop auf seine eigene Art. Wenn man ihn danach fragt, diskutiert er mit Freude über die künstlerischen Strategien von Lady Gaga und Amy Winehouse oder den Minimalismus von Techno. Doch mit seiner Musik zielt er in eine andere Richtung. Trends oder Strömungen des Undergrounds überlässt er anderen – und widmet sich einem Herzensthema: Der Zeitlosigkeit.”
Die Jugend jazzt erfreulicherweise nach wie vor recht aktiv – seit 1997 auch unter fachmännischer Beobachtung des Deutschen Musikrats. In diesem Jahr gab es die Bundesbegegnung “Jugend jazzt” zum ersten Mal auch für Jazzorchester. Jugend-Bigbands aus ganz Deutschland, die sich bei den jeweiligen Landesausscheidungen durchgesetzt hatten, trafen am 26./27. Juni 2010 in Bingen am Rhein zur Endauscheidung zusammen.
Workshops, Probentage und Konzerte unter der Leitung von Till Brönner und Tom Gaebel waren für die Gewinner des Škoda Jazzpreises ausgelobt, den der DMR bei “Jugend jazzt” zusammen mit Škoda Deutschland als Hauptsponsor verlieh. Till Brönner wird überdies die Nachfolge des im März 2010 verstorbenen Peter Herbolzheimer als Workshopleiter für die Preisträger bei “Jugend jazzt” antreten. Weitere Ehrenpreise gingen gesondert an herausragende Orchester und Solisten. Mit dem Jazzfestival “Bingen swingt” hatte man zudem einen idealen öffentlichen Rahmen zur Austragung des Wettbewerbs gefunden.
Die Preisträger des Škoda Jazzpreises 2010

Die Teilnehmer bei "Jugend jazzt" 2010. Foto Bernadette Heim
Die Bundesbegegnung “Jugend jazzt” 2011 wird in Dortmund stattfinden und ist turnusgemäß wieder für kleinere Ensembles ausgeschrieben. In Zukunft sollen die Bundesbegegnungen im jährlichen Wechsel für Ensembles und Jazzorchester ausgerichtet werden.
Weiter Infos zum diesjährigen Wettbewerb und zur Ausschreibung 2011:
Kein guter Monat für die Macher von JazzBaltica. Nach dem Tod des Pianisten Hank Jones, den man in Salzau als langjährigen Wegbegleiter und Freund schätzte, kommen nun schlechte Nachrichten aus der Landespolitik. Schleswig-Holstein ist auf striktem Sparkurs und hat ein Konzept vorgelegt, das bis zum Jahr 2020 neben Kürzungen beim Schleswig-Holstein Musikfestival auch eine komplette Streichung der Fördermittel für das Jazzfestival vorsieht. Die Landesliegenschaft Salzau selbst wird ebenfalls als zu großer Kostenfaktor angesehen (jährlich 1.2 Mio. €) und soll verkauft werden.
Das Motto des Konzepts “Schleswig-Holstein ist auf dem Weg. Handlungsspielraum erhalten – Zukunftschancen ermöglichen” dürfte in Salzau und bei den anderen betroffenen Kulturträgern in Schleswig-Holstein einen höchst bitteren Klang haben. Der Deutsche Kulturrat hat die Pläne in einer Stellungnahme verurteilt und fordert einen “Nothilfefonds Kultur” von der Bundesregierung.
Inzwischen ist auch eine Resolution und eine Facebook-Gruppe zur Rettung von Jazzbaltica auf den Weg gebracht, die zu ihren Unterstützern neben internationalen Schwergewichten der Musikbranche (u.a. Sting, Pat Metheny, Chick Corea, John Scofield, Till Brönner und Nils Landgren) auch den schleswig-holsteinischen Alt-Ministerpräsidenten Björn Engholm zählt.
Für den aktuellen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen ist Schleswig-Holstein durch die Vorlage des Konzepts “das erste Land, das den Weg zur Konsolidierung seines Haushalts beschreibt”. Erreicht wird das, so steht es auf der Website der Landesregierung zu lesen, durch “konsequente Ausgaben- und Aufgabenreduzierung”. Der Staat kann sich lästiger Pflichtaufgaben also offenbar einfach entledigen, wenn es ihm nicht mehr in den Sparkram passt. Wusste ich gar nicht. Wieder was gelernt…
So wirklich will sich im ernsthaft verbissenen Deutschland keiner über den neuen Wurf der hiesigen Musikindustrie, den ECHO JAZZ, freuen. Warum eigentlich nicht? Liegt wohl am bereits redlich verdienten kommerziellen Image seiner älteren Brüder ECHO und ECHO KLASSIK, bei denen man vermuten darf, dass die Champagnermarken für’s Catering schon getestet werden, bevor die Nominierungen rausgehen.







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