Gestern erreichten und die Ergebnisse der Wahlprüfsteiner der Jazzinitiative Berlin, die wir Ihnen/euch nicht vorenthalten wollen… Wir haben Sie als PDFs angehängt. Beantworter haben Sie die Linke/PDS, die SPD, die CDU und die FDP.
Der GEMA geht es im Moment wie schwarz-gelb. Sie scheint nur noch mit dem Managen von Krisen beschäftigt. Der einzige Unterschied: sie tut das nicht erst seit Herbst 2009. Von der Enquete-Kommission über die Sonthofer Initiative bis hin zur Petition und der dazugehörenden Anhörung setzte sich ein schon lange köchelnder Unmut in Bewegung, mit dem die ALTehrwürdige GEMA nie gerechnet hätte. Wenn über 106.000 Menschen und dazu noch größtenteils Mitglieder gegen ihre eigene Institution aktiv zu Felde ziehen, ist diese in einer existenziellen Krise. Doch wo liegt das zentrale Kernproblem der GEMA? Ich glaube,
1. Es liegt in der Überkomplexität der GEMA.
2. Sie wird diese jedoch nicht überwinden können.
3. Deshalb wird die GEMA so lange in der Kritik bleiben, bis die Menschen das Interesse verlieren oder das GEMA-Monopol gebrochen wird.
Ein kleines Beispiel: Ich hatte vor ca. einem Jahr die Möglichkeit, mir direkt von der Leitung der Abteilung, die für die Berechnung des Verteilungs-(Pro)-Verfahrens verantwortlich ist, dieses im Detail ganze 3,5 Stunden erklären zu lassen. Der gesamte Verteilungsschlüssel und dessen Berechnung ist derartig kompliziert, dass sich in diesem Gespräch immer wieder zentrale Fragen ergaben, die mir niemand beantworten konnte. Im April 2010 habe ich als Mitglied einen Brief der GEMA bekommen, in dem das auf öffentlichen Druck hin modifizierte Pro-Verfahren erklärt wird. Mein Liebslingssatz daraus:
“Die Verteilungssumme [außer für Wiedergabe von Fernsehsendungen und von Bildtonträgern], die aus Aufführungen von Tonträgern mittels mechanischer und elektronischer Vorrichtungen (außer E und DK) zur Verfügung steht, wird ab dem Geschäftsjahr 2009 zu 60% in der Sparte R (davon 40%) und zu 40% in der Sparte M (davon 60%) verrechnet.” Alles klar?
Das Beispiel soll zeigen: Die GEMA steht unserem Steuersystem an Komplexität in nichts nach. Doch warum gibt es keine prominente Forderung nach einer Abrechung auf dem Bierdeckel, keinen Friedrich Merz in der GEMA?
Das Grundproblem ist die Struktur. Weil diejenigen Mitglieder der GEMA, die die höchsten Tantiemen erzielen gleichzeitig die absolute Dominanz in der Hauptversammlung haben, sind sie es, die die Geschicke der GEMA lenken und lähmen. Dabei sind sie nicht nur selbst von der Komplexität und Vielfalt von Regelungen überfordert, sondern gleichzeitig voller Angst, durch Änderungen am Regelwerk ihren komfortablen Status Quo zu riskieren. Anstatt einen Weg der umfassenden Vereinfachung zu initiieren, versucht jeder durch weitere Detailregelungen etwas mehr aus dem Geldtopf auf seine Seite zu schaufeln. Die Politik hat ebenfalls keine wirksame Handhabe, da die GEMA in ihrer Mitgliedsstruktur trotz Monopol letztendlich autark bleibt.
Mit diesen Voraussetzungen bleibt die bis zur Bewegungsunfähigkeit schwerfällige GEMA in der Krise. Befreiungsschlag ausgeschlossen. Momentan wird versucht das System der Kritik leicht anzupassen (Pro-Verfahren, Kulturtarif und Aufstockung der “Kleinen” Delegierten in der Mitgliederversammlung) und dabei wird alles nur noch komplizierter. Da hilft auch keine Kommunikationsinitiative mit Twitter, Blog & Co. – denn, um der viralen Anti-GEMA-Kampagne etwas entgegenzusetzen, braucht man keine Web 2.0 Tools als Selbstzweck, sondern berichtenswerte inhaltliche Entwicklungen. Die aber wird es bei diesem Dinosaurier nicht geben.
Was folgt? Entweder der Dinosaurier gerät in Vergessenheit – was aufgrund seiner Größe eher unwahrscheinlich ist – oder er stirbt aus.




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