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In der Titelstory der aktuellen Jazzzeitung (2012/01) hat sich BR-Jazzredakteur Roland Spiegel Gedanken über die Magie des Live-Augenblicks im Jazz gemacht, der in Zeiten von werbelastigen Vorberichten und Promotiontexten viel zu selten in Worte gefasst wird. Ein Plädoyer für die gute alte Konzertkritik…

Cecil Taylor im Neuburger Birdland im November 2011. Foto: Ssirus W. Pakzad

Cecil Taylor im Neuburger Birdland im November 2011. Foto: Ssirus W. Pakzad

 

Zum 70. Geburtstag von John McLaughlin sendet WDR 3 heute, 4. Januar 2012, 22 (auch im Internet-Livestream) Uhr ein einstündiges Porträt mit besonderen Aufnahmen und Ausschnitten aus Interviews, die der Autor der Sendung Karl Lippegaus mit McLaughlin im Lauf der Jahre geführt hat.

Man darf annehmen, dass diese Gespräche erhellend sind, denn wie unser Autor Rainer Wein herausgefunden hat, haben bei Lippegaus Barpianisten zwar keine Chance, aber ein solcher ist der gute McLaughlin ja zum Glück nicht…

 

zur Einstimmung ein wenig sinnlose (doch heitere) Raserei mit drei alten Kämpen aus alten Tagen…

Aus der Sendungsinfo von WDR3:

Früh absorbierte der Engländer John McLaughlin ein immenses Wissen über Jazz, Rock und Blues, der klassischen Musik des Orients und Okzidents – all den Quellen, aus denen sich seine Musik seither nährt. In den 1970er Jahren wurde McLaughlin einer der Pioniere des Jazz-Rock. Das ständige Suchen und Experimentieren hat John McLaughlin nie aufgegeben, musikalische Scheuklappen kennt er nicht, gerade das macht ihn zu mehr als nur einem Griffbrettraser und Paganini der Jazz-Gitarre. Die Schönheit und Energie, die seine Bands seit dem berühmten Mahavishnu Orchestra freisetzen, ist der Garant ihrer Langlebigkeit.

Links:

http://www.johnmclaughlin.com/

 

Das neue Frankfurter Ermittler-Duo im hessischen Tatort, Steier und Mey, löst heute abend (20.11.11; 20.15 Uhr, ARD) seinen zweiten Fall. Dabei geht es dank der musikalischen Vorliebe des von Joachim Król gespielten, saufenden Kommissars Steier jazzig zu. “Sex, Suff und pumpende Bläsersätze” resümiert der SPON-Artikel über den Auftritt des neuen Tatort-Teams.

Gehört sich ja auch irgendwie für einen Frankfurter Kommissar. Die Liebe zum Jazz, nicht das Saufen…

Szene aus "Der Tote im Nachtzug. Foto: HR/Johannes Krieg

Infos zur Sendung (Quelle: HR):

„Der Tote im Nachtzug“ ist der zweite Tatort-Fall des neuen hr-Kommissarteams Conny Mey und Frank Steier alias Nina Kunzendorf und Joachim Król. Der Hessische Rundfunk (hr) zeigt den TV-Krimi am Sonntag, 20. November, um 20.15 Uhr im Ersten. Lars Kraume schrieb das Drehbuch, das auf einem authentischen Fall aus dem Buch „Auf der Spur des Bösen“ des Kriminalkommissars und Tatort-Analytikers Axel Petermann basiert. Kraume führte – wie schon beim ersten Fall – auch Regie.

Zum Inhalt: Conny Mey wird früh morgens – noch in Joggingkleidung – zum Bahnhof beordert. Im Nachtzug aus Warschau wurde eine blutüberströmte Leiche mit Schusswunde gefunden, ein Verdächtiger ist beim Eintreffen der Polizei geflohen. Frank Steier, nach einer Stichverletzung eben erst aus der Reha entlassen, ist ebenfalls bereits vor Ort. Alles sieht nach einem Raubmord aus. Das Ermittler-Duo Frank Steier und Conny Mey sucht Elsa Lange auf, die Frau des Ermordeten, um ihr die traurige Nachricht zu überbringen. Von ihr erfahren sie, dass ihr Ehemann Sanitäter bei der Bundeswehr in Afghanistan war, doch vor drei Jahren wegen Medikamentenmissbrauchs entlassen wurde. Schließlich finden Mey und Steier heraus, dass sich der flüchtige Hauptverdächtige, Stanislav Kilic, und Elsas Mann Rüdiger aus Afghanistan kannten. Beide waren an krummen Geschäften beteiligt. Wollte sich Stanislav rächen? Der Fall bekommt eine neue Wendung, als plötzlich auch Feldjäger großes Interesse an Stanislav zeigen…

 

In ihrer Antwort auf die Große Anfrage der SPD-Fraktion des Bundestages zur Förderpolitik im Bereich Musik geht die Bundesregierung auch auf die verschiedenen Jazz-Projekte und -Institutionen ein, die aus dem Fördertopf Gelder bekommen. Ein Auszug aus dem Papier der Bundesregierung; Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2010: Continue reading »

 

In unserem Post “Wo bleibt der deutsche Jazz” über den ZEIT-Online-Artikel zur Deutschen Jazzszene kam kürzlich wieder die Situation des deutschen Jazz zur Sprache. Im genannten Artikel hat unter anderem Felix Falk von Mo’ Blow die fehlende Exportförderung für deutsche Bands beklagt, die es zum Beispiel in skandinavischen Ländern sehr wohl gibt, mit der Folge, dass deutsche Jazzbands einen Wettbewerbsnachteil bei Engagements für Festivals und Clubs haben. Julia Hülsmann hat im nmz-TV-Studio auf der Musikmesse 2011 ins selbe Horn gestoßen:

Über die Bedingungen in der deutschen Jazz- und Popszene im Vergleich zum stark subventionierten Klassikbetrieb hat Jazzzeitungs-Redakteurin Ursula Gaisa auf der Messe mit Julia Hülsmann (Musikerin, Sprecherin Bundeskonferenz Jazz), Peter Ortmann (Deutscher Musikrat, Projektleiter “Jugend jazzt”, Bundeskonferenz Jazz), Udo Dahmen (Pop-Akademie Baden-Württemberg) und Ina Keßler (Initiative Musik) über Themen wie Spielstättenförderung und Exportsubventionierung für deutsche Bands gesprochen.

Das komplette Gespräch im Stream auf nmzMedia


v.l.n.r.: Udo Dahmen, Ina Keßler, Ursula Gaisa, Julia Hülsmann, Peter Ortmann. Foto: nmzMedia

v.l.n.r.: Udo Dahmen, Ina Keßler, Ursula Gaisa, Julia Hülsmann, Peter Ortmann. Foto: nmzMedia


 

DIE ZEIT stellte kürzlich in ihrer Online-Ausgabe – wieder einmal – diese Frage.

Ausgangspunkt für das erneute Aufrollen eines altbekannten Themas – nämlich, dass sich vom Jazz schlecht leben lässt – ist die weiterhin zunehmende Dichte von erstklassigen Musikern und Bands aus Deutschen Landen, die das Missverhältnis zwischen der Qualität des Gebotenen und den Bedingungen, unter denen deutsche Musiker arbeiten, mehr und mehr in Schieflage bringt.

Der Autor des Artikels sieht die Deutschen Musiker – vor allem die jungen – durch die relative Gleichgültigkeit der Deutschen für ihre eigenen Künstler in Bedrängnis gebracht. In anderen Ländern sei dies anders. Deutsche Künstler, darunter unser Gastautor Felix Falk von Mo’ Blow, beklagen im ZEIT-Artikel die mangelnde strukturelle Unterstützung bei Konzertreisen vonseiten Deutscher Kulturinstitutionen.

Mo' Blow. Foto: ACT/Dirk Mathesius
Mo’ Blow. Foto: ACT/Dirk Mathesius

Unter den zahlreichen Kommentatoren des Artikels wird natürlich mehr oder weniger polemisch diskutiert, ob Jazz nun toll sei oder doch eher nicht…

falsche Irrtümer…

Abseits der Geschmacksdebatten gab es aber auch einige der im Text getroffenen Aussagen richtigzustellen: Kritisiert wird zum Beispiel, dass im Artikel inklusive Labelchef Siggi Loch nur ACT-Künstler zu Wort kommen. Auf die Behauptung, dass junge deutsche Jazzkünstler bei deutschen Festivals kaum programmiert werden, meldeten sich Veranstalter wie beispielsweise das Elbjazz-Festival, das ausdrücklich auf 25 Deutsche Bands in seinem diesjährigen Programm verweist (Kommentar 21). Die Behauptung, deutsche Bands hätten auf deutschen Bühnen keinen Platz, ist so pauschal kaum haltbar. Der “Nachwuchsmusiker” DominikR deckt allerdings in seinem Beitrag den Pferdefuß auf (Kommentar 25): Einfach nur spielen reicht nicht, der Auftritt muss auch angemessen bezahlt werden, wenn Jazzmusiker von ihrer Kunst leben sollen! Gerade hier bleiben die Veranstalter oft hinter den Erwartungen zurück.

Die wütendsten Proteste gab es aus Richtung des italienischen Goethe-Instituts, das sein dortiges Engagement für deutsche (ACT-) Künstler ignoriert sieht (Kommentar 29, 32). Obendrein zitiert der Autor im ursprünglichen Text Siggi Loch dahingehend, dass der Leiter des Instituts in Rom bei einer Jazzveranstaltung mit Till Brönner im eigenen Haus durch Abwesenheit glänzte. Dies hat sich als falsch herausgestellt und die Redaktion musste den Passus inzwischen ausbessern.

Was wir daraus gelernt haben? Es gibt viele deutsche Jazzmusiker, von denen spielen nur wenige oft genug und allesamt verdienen dabei zu wenig. Und: Wenn man andere Menschen als Siggi Loch fragt, findet man heraus, dass ACT gar nicht das einzige deutsche Jazzlabel ist! Wer hätte das gedacht…

Zum Artikel auf ZEIT-Online

 

Sportschau_Youtube. Foto: Screenshot YouTube

Die ARD-Sportschau feiert am 4. Juni 2011 ihren 50. Geburtstag.

Wir könnten das ignorieren aus Groll darüber, dass man die einstige Bigband-Titelmusik immer wieder gegen “zeitgemäßere” (Dosen-)Produktionen ausgetauscht hat (das aktuelle sportstudio beim ZDF hat da mehr Rückgrat bewiesen und seinen, im Übrigen besser eingespielten, Jazztitel “Up to date” bis heute behalten). Das Jubiläum ist aber zumindest eine Gelegenheit, sich nochmal 15 Sekunden jazzige Fernsehgeschichte anzuhören…

Zum Sportschau-Intro aus den 70er-Jahren bei YouTube

 

Basel ist eine weltoffene Großstadt – ein wohlhabendes Zentrum von Industrie, Verkehr und Kultur, pulsierender Mittelpunkt des „trinationalen Eurodistricts“, der fast eine Million Einwohner umfasst. Und im Zentrum dieses Brennpunkts, direkt neben dem Barfüsserplatz, liegt das „bird’s eye“, ein weit über Basel hinaus berühmter Jazzclub mit sehr moderaten Eintrittspreisen (12 Franken). Ideale Voraussetzungen für Jazz.

In der Tat muss sich das „bird’s eye“ keinerlei Sorgen machen. Es gibt eine große Auswahl an Kooperationspartnern: die „Basler Jazz Tradition“, die Jazzabteilung der Musikhochschule, ausländische Kulturinstitute, einheimische Museen, das Jazzhaus Freiburg, die Volkshochschule und so weiter. Auch finanziell ist alles geregelt: Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse der Stadt, Zuschüsse des Kantons und Sponsorengelder aus der Pharma-Industrie erfüllen dem Jazzclub alle Wünsche. Mehr als nur ideale Voraussetzungen.

Der beneidenswerte Basler Club ist nicht nur rundum abgesichert, er fährt auch stilistisch ein rundum abgesichertes Programm, „das im modernen Mainstream angesiedelt ist und keinen verschreckt“, wie die Badische Zeitung schreibt. Es könnte ja sein, dass die Hoffmann-LaRoche-Erbin versehentlich vorbeischaut – und die weiß vielleicht noch nicht, dass Jazz ein Synonym ist für Risiko und Abenteuer.

Erstaunlicherweise wird die Jazz-Lokalität in der besten Lage des Eurodistricts durchschnittlich von nur 50 Gästen pro Abend besucht. Der Duft von Freiheit und Abenteuer weht wohl anderswo in Basel.

 

Anfang Mai ist Kurt Maas, der ehemalige Leiter der Jazzabteilung des Richard-Strauss-Konservatoriums (heute Hochschule für Musik und Theater) München, im Alter von 68 Jahren gestorben.

Noch vor wenigen Jahren war seine Erscheinung eine Institution am “Kons” im Münchner Gasteig gewesen. Er hat die Anfangsjahre der Jazzabteilung entscheidend geprägt und durch seine gut funktionierenden Netzwerke, auch ins Lager der “Klassiker”, die Sache der Jazzer vorangetrieben.

Ganz einfach war es nicht immer mit ihm. Für uns Studenten war sein traditionalistischer Harmonielehre-Ansatz nicht der Weisheit letzter Schluss und das Rhythmus-Silben-Singen seiner “1000 Rhythmus-Patterns mit Jazz-Phrasierung” ein gefürchteter Termin im Wochenplan. Unsere Idole waren nicht die seinen und manch zukünftiger Jazzer hatte kein Verständnis für den von Kurt so wichtig erachteten “ganzheitlichen” Ansatz mit der umfassenden klassischen Bildung im ersten Studienjahr. Im Nachhinein haben die verordneten Klassik-Kurse wohl keinem geschadet, vielen genutzt und die drängende Frage, ob eine maj7 im Tonika-Akkord nun als Spannungston zu bezeichnen ist oder nicht, erscheint mir heute nicht mehr so entscheidend wie damals, als wir uns Kurts Auffassung so vehement entgegenstemmten.

Trotz der Dissonanzen zwischen dem Traditionalisten und uns besserwisserischen Modernisten habe ich Kurt als liebenswerten Menschen in Erinnerung, der uns oft mit seinem lustigen fränkischen Akzent zum Lachen brachte, wenn er wieder einmal musikalische Fachausdrücke und Jazzstandards zu skurilen Wortschöpfungen (“…des is ‘ne Tobbeltominande”, “…spielt’s mal Wuddchubber Balls” oder “…ihr müsst den Rhidhmus underdeilen!”) verdrehte. Die Bedeutung des “Underdeilens” zeigte er uns regelmäßig als Bigband-Leader auf der Bühne des Carl-Orff-Saals, wenn er mit Verve unser Studi-Ensemble dirigierte, dabei mit zackigen Bewegungen die Kicks markierte und dazu seine typischen wiegenden Bewegungen machte.

Kurt Maas. Foto: @lle-noten.de

Kurt Maas. Foto: @lle-noten.de

Die Leiden, die Kurt zwei Jahre lang durch mein uninspiriertes Klavierspiel – und wohl auch das einiger anderer – erdulden musste, hat er mir hoffentlich verziehen. Damals konnte er sich davor freilich nur durch den obligatorischen Gang zum Imbiss retten, wo er seine tägliche Aufbauration  – ein Paar Wiener-Würschtl – erstand, ohne die man sich den Kurt gar nicht vorstellen mag.

Kurt Maas hat gerne von seinem Jazz erzählt und sich besonders gefreut, wenn auch die Klassik- und Lehramtstudenten in seine Kurse kamen. Gerade mit seiner Fähigkeit, den richtigen Leuten die Bedeutung einer Jazzausbildung im Hochschulbereich zu vermitteln und sein Händchen, etwas im politischen Bereich für die Studierenden zu bewegen, hat er uns geholfen. Was ich persönlich bedauere ist, dass ich ihn nie bei einer seiner Akkordeon-Performances gehört habe, denn ein guter Jazz-Akkordeonist ist eine Seltenheit und ein solcher soll er gewesen sein, der Kurt.

Jetzt zeigt er wahrscheinlich den Engeln auf Wolke 7, was eine “Tobbeltominande” ist und wie man anständig “den Rhidhmus underdeilt”.

Danke, Kurt! Mach’s gut!

 

„Jazz“ ist ein schönes Wort. Sanft im Anklang, mit offenem Vokal in der Mitte und einem langen, weichen Zischen am Ende. Das Wort ist so schön, dass es gerne als Name für ganz unterschiedliche Dinge hergenommen wird. Für einen japanischen Kleinwagen zum Beispiel. Oder für ein französisches Herrenparfum. Für eine kanadische Fluglinie. Und sogar für einen leckeren neuseeländischen Apfel. Niemand aber würde im Ernst erwarten, dass aufgrund des bedeutungsvollen Namens irgendetwas Jazziges in diesen Dingen steckt. Weder geht ein Honda mit besonders viel Swing in die Kurve noch schätzt man bei Air Canada Jazz die Improvisation im Flugplan.

Auch in der Schweiz mag man den Namen „Jazz“. Da gibt es zum Beispiel das Montreux Jazz Festival – und auch da sollte niemand den Namen überbewerten. Dieses Jahr präsentiert Montreux zum Beispiel Arcade Fire, Aloe Blacc, Deep Purple, Guano Apes, Ricky Martin, Milow, Mogwai, Paolo Nutini, Seal, Paul Simon und Sting. „Jazz“ ist ein schönes Wort – so schön, dass es gerne als Name für ganz unterschiedliche Dinge hergenommen wird. Warum nicht für ein Pop-Festival?

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