Die Berliner “Initiative für einen starken Jazz in Deutschland” hat die hiesige Jazzszene ordentlich durchgeschüttelt. Jedenfalls ihre politische Vertretung, die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ). Die ist gewissermaßen von der Initiative übernommen worden und eine der Schlüsselfiguren, die Pianistin Julia Hülsmann, hat den bisherigen Vorsitzenden der Union Manfred Schoof abgelöst.
Was ist neu? Was bleibt? Welche Ideen hat die neue Führung der UDJ?
Der Wutbürger an sich tummelt sich nicht nur auf schwäbischen Bahnhöfen – auch in Tonstudios wird der eine oder andere zum unheimlichen Hulk, wenn er daran erinnert wird, dass es im Zeitalter der unbegrenzten Downloads viel zu leicht ist, Schindluder mit geistigem Eigentum zu treiben. Zuletzt beobachtet bei Sven Regener von Element of Crime, als Zündfunk-Autor Erich Renz anrief, um Regeners Meinung zum Urheberrecht zu erfragen…
http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/regener_interview100.html
Großer Sport! Wobei die Antwort durch den kulturpolitischen Sprecher der von Regener angegriffenen Piratenpartei Christoph Lauer – nein, nicht der “Urheber”-Lauer, den schreibt man mit ‘f’ – nicht ausblieb. Für die Piraten, ist das, was Regener so erbost, und was er als “ins Gesicht der Urheber pinkeln” bezeichnet, lediglich eine Kriminalisierung derer, die sich der hehren Sache verschrieben haben, “ohne kommerzielles Interesse Wissen zu teilen”.
Hm, bei dieser Pharisäer-Attitüde könnte man fast ein bisschen wütend werden. Vielleicht sollte ich vorsorglich mein Shirt ausziehen. Nur für den Fall, dass ich es “Hulk” Regener gleichtue…
Die Band Schneeweiss und Rosenrot hat sich am vergangenen Wochenende im Finale des Neuen Deutschen Jazzpreises durchgesetzt. Die 500 Zuschauer in der voll besetzen Alten Feuerwache in Mannheim gaben dem Quartett am meisten Stimmen und die Berliner (Lucia Cadotsch/Gesang, Marc Lohr/Schlagzeug, Petter Eldh/Kontrabass, Johanna Borchert/Piano) könnnen sich nun des MVV Energie-Bandpreises nebst 10.000 € erfreuen.
Am 9./10. März 2012 geht der Neue Deutsche Jazzpreis Mannheim in die siebte Runde. Wer dabei sein und beim einzigen Publikumspreis für professionelle Bands seine Stimme abgeben will, muss am Samstag, 10. März in die Alte Feuerwache nach Mannheim kommen. Dort spielen drei Bands jeweils ein Set, das Publikum stimmt direkt im Anschluss an das letzte Set mittels Stimmzettel ab.
Die in Mannheim antretenden Bands sind:
1) Schneeweiss und Rosenrot
2) Center
3) DRA
In der Titelstory der aktuellen Jazzzeitung (2012/01) hat sich BR-Jazzredakteur Roland Spiegel Gedanken über die Magie des Live-Augenblicks im Jazz gemacht, der in Zeiten von werbelastigen Vorberichten und Promotiontexten viel zu selten in Worte gefasst wird. Ein Plädoyer für die gute alte Konzertkritik…
Da Jazz ja jetzt nicht sooo viel mit Essen zu tun hat, gebe ich hiermit meine Kolumne “Jazzredakteurin Cooks” auf. Wer weiter an meinen Rezepten interessiert ist, sei auf meinen nicht mehr ganz neuen Blog verwiesen…
http://franz-allesmitliebe.blogspot.com
Wie Enja Records auf seiner Facebookseite bekannt gab, ist Label-Mitbegründer Horst Weber am 24. Februar 2012 im Alter von 78 Jahren in Garmisch-Partenkirchen verstorben.
Im Juli 1971 legte Horst Weber gemeinsam mit seinem Partner Matthias Winckelmann mit einer Live-Aufnahme eines Konzerts des Pianisten Mal Waldron im Münchner Jazzclub “Domicile” den Grundstein für ihr Label, das in den folgenden Jahren große Bedeutung für den internationalen Jazz erlangen sollte. 1986 trennten sich die Wege der beiden – Weber zog sich ganz aus der Jazzszene zurück, Winckelmann führt das Unternehmen Enja weiter bis heute. Im vergangenen Herbst konnte Enja Records sein 40-jähriges Bestehen mit einer Konzertreihe und einem Festkonzert im Münchner Carl-Orff-Saal feiern.
Zum Gedenken, die Aufnahme, mit der damals alles begann…
Die Trauerfeier findet statt am Montag, 5. März um 13 Uhr am Münchner Waldfriedhof, Eingang Loretto-Platz.
Auf YouTube können sich Fans des Vijay Iyer Trios einen Teaser zur aktuellen CD (“Accelerando”) anschauen. Interviewschnipsel und Konzertausschnitte geben einen Eindruck der Stücke…
“Accelerando” ist bei ACT Music erschienen (VÖ: 24.02.2012)
Vor nicht zu langer Zeit gab es in jeder deutschen Kleinstadt einen des Schreibens kundigen Jazzfan – im Zivilberuf Oberstudienrat oder Rathausbeamter –, der fürs Lokalblatt die örtlichen Jazzkonzerte besuchte. Dieser gute Mann kannte sich aus: Er wusste, dass Stan Getz kein Sänger war und Billie Holiday kein Kerl. Er konnte sogar ein Sopransaxophon von einer Klarinette unterscheiden. Doch dieser historische Typus des lokaljournalistischen, kleinstädtischen, verbeamteten Jazzfans ist akut vom Aussterben bedroht. Heute schicken die Lokalblätter zu Jazzkonzerten meist die hübsche Redaktionspraktikantin – jung, charmant, ehrgeizig und voller Fantasie! Wie öde erscheint uns nun plötzlich der jazzelnde Oberstudienrat von einst! Die Jazzkonzert-Berichterstattung erlebt derzeit einen Quantensprung.
Beispiel: das Johannes Enders Trio im Oktober 2011 im oberbayerischen Städtchen W. Laut Konzertkritikerin Nr. 1 handelte es sich da um „coolen Jazz“, sogar um „Cooljazz“, gleichzeitig aber auch um „die härtere Version des klassischen Bebops“ sowie um eine „superschnelle Mischung aus Hardbop, Soul und Blues“. Auch Konzertkritikerin Nr. 2 hörte sowohl „schwerelosen Cooljazz“ als auch „Cooljazz mit erdigen Grooves“, zudem aber eine „Mixtur aus klassischem Hardbop und NuJazz“. Zu derartig feinnervig-dialektisch differenziertem Stilempfinden waren die hausbackenen Jazzbeamten von ehemals schlicht nicht fähig.
Vielleicht liegt’s am erweiterten Bildungshorizont und der fortgeschrittenen Sprachbeherrschung der jungen Generation? Der Wortschatz von Kritikerin Nr. 1 kennt z.B. „Improvisateure“, eine „hochtourige Geschwindigkeit“ und „eskalierenden Rhythmus“. Kritikerin Nr. 2 entdeckte im Konzert sogar eine „Oberton-Spielweise“, „progressive Rhythmik“ und „unverblümte Klangfarbe“. Auch die erlesenen Wörter „Mensur“ und „Koloratur“ fanden sich früher eher selten in Jazzkritiken. Steht dem Jazz-Journalismus eine Revolution bevor? Im oberbayerischen Städtchen W. ist sie schon voll im Gang.
Ob Jazz noch von Interesse ist, wird derzeit wieder einmal mehr oder weniger heiß diskutiert. Jedenfalls innerhalb der betreffenden Interessensgruppe – also einem vielleicht ganz unrelevant kleinen Menschenhäuflein…
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – ein respektabler Multiplikator von gewichtigem Inhalt – tut nun das Seine dazu und veranstaltet heute Abend, 13.02.2012, sozusagen einen überregionalen Themenabend. Continue reading »






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