Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 03.07. bis 09.07.2017

Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 27. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Faszination mitteltönige Stimmung, The New Discipline, Das Schlagzeug in der Neuen Musik, SWR JetztMusik Edenkoben, 10. Saarbrücker Komponistenwerkstatt, Ernst von Siemens Musikpreis, Ulrichsberger Kaleidophon 2017, Elektronische Musik. Szene [54]: Mexiko, Musik mit Wal, Nickelsdorfer Konfrontationen, Prix Palma Ars Acustica, ein Western-Hörspiel-Musical von Stefano Giannotti, Maelstromsüdpol – Hörstück von Heiner Goebbels, Paul Wühr: Preislied, Wolfgang Danzmayr zum 70. Geburtstag, «Chortombola» im Gare du Nord, 40. Geburtstag des Ensemble Intercontemporain, Hanna Eimermacher, Alan Licht im Zeit-Ton Porträt, Dieter Schnebel und das Kunstlied und Hugues Dufourt.


03.07.2017


21:04 bis 22:00 | rbb-kulturradio
Musik der Gegenwart: Neue Musik aktuell

Mit Andreas Göbel

23:03 bis 00:00 | Ö1
Zeit-Ton Porträt. Alexander Moosbrugger. Faszination mitteltönige Stimmung

Gestaltung: Stefan Höfel. Der in Schoppernau im Bregenzerwald aufgewachsene Alexander Moosbrugger lebt seit über zehn Jahren in Berlin und ist dort als Organist und Komponist tätig. In den letzten Jahren hat er sich vor allem mit verschiedenen mitteltönigen Stimmungen auseinandergesetzt. Sein Kompositionsstil sei unverkennbar und unvergleichlich, meint Franck Chevalier vom französischen Quatour Diotima. In einem Porträtkonzert haben die vier Streicher, unterstützt von Musikerinnen und Musikern des Österreichischen Ensembles für Neue Musik, ausgewählte Stücke aus dessen Oeuvre dem Publikum präsentiert. Eine Aufnahme vom 5. Mai 2017.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Neu, streng, verspielt: The New Discipline

Von Martina Seeber. Gibt es noch das Neue in der Musik? In ihrem Manifest „Die Neue Disziplin“ verkündet Jennifer Walshe – wie es sich für einen solchen Text gehört – genau das. „The New Discipline“ sei keine Ästhetik, sondern eine Art zu arbeiten, „eine disziplinierte, strenge Haltung beim Machen und Sprechen über Kompositionen, in denen physische und visuelle Elemente ebenso wichtig sind, wie die klanglichen.“ Was ist dran an diesem Label, das mit drei Großbuchstaben und dem selbstbewusst bestimmtem Artikel nicht etwa irgendeinen, sondern den Anspruch auf Neuheit anmeldet? Eine kritische Sondierung im offenen Kreis von KomponistInnen, die bereit sind, sich „die Hände schmutzig zu machen“, die kleine Kopfbewegungen „ebenso streng notieren wie komplexe Bogenführungen“ und Gesten nach denselben Kriterien einbeziehen wie den „sexualisierten Augenkontakt mit dem Publikum“.


04.07.2017


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Wilfried Hiller: „Schulamit“, Sommer und Herbst (Regina Klepper, Sopran; Michael Schopper, Bassbariton; Elisabeth Woska, Sprecherin; Münchener Motettenchor; Münchner Residenzorchester: Hans Rudolf Zöbeley); Markus Zahnhausen: „Jahreszeichen“, Sommerklänge (Susanna Laurin, Blockflöte); Wilhelm Killmayer: Aus „Hölderlin-Lieder“ (Christoph Prégardien, Tenor; Siegfried Mauser, Klavier); Stefan Schulzki: „Der Sommer meines Lebens“ (Agnes Malich, Jane Berger, Violine; Verena Würtele, Viola; Johannes Gutfleisch, Violoncello; Andreas Kirpal, Klavier; Stefan Schutlzki, Elektronik); Meinrad Schmitt: „A Something in a Summer’s Day“ (Georg Mosley, Bariton; Therese Reichling, Harfe); Axel Frank Singer: Vier Stücke (Christian Altenburger, Violine; Siegfried Mauser, Klavier); Minas Borboudakis: „Steingartenstille“ (Susanne Bernhard, Sopran; Kozue Sato, Flöte; Jens Hilse, Schlagzeug)

23:03 bis 00:00 | Ö1
Zeit-Ton: Ballade vom Träumer: Wolfgang Danzmayr zum 70. Geburtstag

Gestaltung: Gerti Mittermeyer. Der Dirigent, Komponist, Autor, Musikvermittler und langjährige ORF-Musikabteilungsleiter im Landesstudio Salzburg wird morgen 70 Jahre alt. Wolfgang Danzmayr studierte in Wien Komposition bei Alfred Uhl und elektroakustische Musik bei Dieter Kaufmann, Dirigieren bei Hans Swarowsky. Sommer- und Meisterkurse belegte er bei Bruno Maderna, Franco Ferrara und Carl Melles. Von 1976 bis 2009 war er in verschiedenen Funktionen für den ORF aktiv. Im Jahr 2003 hat er unter dem Titel „Orchesterprojekt“ begonnen, ein attraktives Programm aufzubauen, das Amateure und Musikprofis aller Altersklassen zusammen musizieren lässt. Vielfältig wie die Akteure sind auch die Programme – von ABBA-Arrangements bis Wolfgang Zamastil zählt Vielfalt, Kreativität und Horizonterweiterung mehr als plattes Nachspielen. Kein Wunder, dass sich Wolfgang Danzmayr, ein überzeugter 68er, von den Gedanken eines Freidenkers wie Kronprinz Rudolf angezogen fühlt. Im Zentrum dieser Sendung soll daher ein einziges Werk stehen, der letzte Teil seiner „Tableau“-Serie mit dem Titel „Tableaux-Epilog: Ballade vom Träumer – Des Kronprinzen Rudolf Vermächtnis“. In einem Gespräch wird Wolfgang Danzmayr auf die Besonderheit dieses Werks eingehen.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 ars acustica (bis 0.17 Uhr): Hin und zurück. Ein Western-Hörspiel-Musical von Stefano Giannotti

Aus dem Italienischen von Olivia Toffolini. Mit: Henrik von Holtum, Caroline Junghanns, Jürg Löw u. v. a. Komposition und Realisation: Stefano Giannotti (Produktion: SWR 2017)

Das Hörspiel „Hin und zurück“ handelt von zwei Städten: Die erste Stadt ist eine lebendige und kulturell reiche, die zweite eine komplett verfallene. Eine Gruppe von Menschen fährt aus ihrer schönen Stadt in eine Art Geisterstadt und zerstört diese. Abends kehren diese Menschen nach Hause zurück und stellen fest, dass ihre eigene Stadt zerstört wurde. Die Erzählung übernehmen drei Figuren: Ein Wächter, der seit jeher dort lebt, stets Notizen niederschreibt, die er niemals lesen wird, die Geschichten aller Einwohner kennt, die er im Gespräch und Gesang erzählt; eine weibliche Stimme, welche die Gedanken aller Figuren in einer Art innerem Bewusstseinsstrom verkörpert, diese Gedanken-Figuren dann auf die Welt bringt – jede mit ihrer eigenen Stimme – um sie schließlich wieder in ihren Mutterleib zu absorbieren; ein arroganter und unsympathischer Schaffner, eine Art Charon, der die Gedanken-Figuren von einer Stadt zur anderen begleitet. Die beiden Städte werden durch musikalische Architekturen dargestellt, in denen jedes Gebäude einem anderen Thema entspricht.


05.07.2017


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Claus Kühnl: „Duplum“ (Mitglieder des Kammerorchesters Schloss Werneck: Claus Kühnl); Albrecht Gürsching: Oboenkonzert (Günther Passin, Oboe; Amati-Ensemble Berlin); Rainer Brunn: „Sellanraa“ (Duo Stringendo); Rainer Pezolt: Sechs Stücke (Schlagzeugensemble des Hermann-Zilcher-Konservatoriums Würzburg: Bernd Kremling); Rolf Rudin: „Der Spinnerin Nachtlied“ (musica-viva-chor bamberg: Fritz Braun); Gustav Gunsenheimer: Konzert Nr. 1 (Sabine Spath, Klavier; Dmitriy Nedelev, Pauken; Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt: Oliver Weder); Cornelius Hummel: „Adagio memore“ (il capriccio: Friedemann Wezel); Stefan Hippe: „Eine Nacht in Castle Hill“ (Nürnberger Akkordeonorchester Willi Münch e.V.: Irene Kauper-Meyer)

20:00 – 21:00 | SRF2-Kulturradio
Musik unserer Zeit: Fragen zur Neuen Musik: «Chortombola» im Gare du Nord

Drei Basler Chöre, drei KomponistInnen, drei Fragen zur Neuen Musik. Gare du Nord hat in den letzten Monaten auf Postkarten in Basel und darüber hinaus Fragen zur Neuen Musik gesammelt: «Wozu braucht es Neue Musik?», «Ist Neue Musik morgen alt?», «Welche Möglichkeiten bietet Neue Musik?», «Kann Neue Musik mich rühren?». Diese und andere Fragen kommen in einer Lostrommel im Gare du Nord zusammen. Aus der Trommel werden einzelne Fragen gezogen und mit Podiumsgästen und dem Publikum diskutiert. Mit Leo Dick (Komponist), Matthias Heep (Komponist), Johanna Schweizer und Irena Müller-Brozovic (Musikvermittlerinnen), Mike Svoboda (Posaunist und Komponist) und je einem/r SängerIn aus dem «Chorlabor».

21:00 – 22:00 | SRF2-Kulturradio
Neue Musik im Konzert: «Fragen» – Konzerte aus dem Chorlabor

Der Singchor Basel, die Mädchenkantorei Basel und Choriosa Basel betreten Neuland: Sie singen Neue Musik, die eigens für sie komponiert wurde. In einem zweijährigen Austausch mit drei KomponistInnen haben die Chormitglieder Fragen zur Neuen Musik formuliert, von denen die KomponistInnen je eine für die Vertonung aussuchten.

Programm: Sylwia Zytynska: «Mikado» (UA, 2017) / Leo Dick: «Hippie Marbling» (UA, 2017) / Matthias Heep: «Quatrains valaisans» (UA, 2017). Volkslieder aus Schweden, Deutschland, Schweiz u.a., Werke von Johann Sebastian Bach und Johannes Brahms.

21:04 bis 22:00 | rbb-kulturradio
Musik der Gegenwart: Das Schlagzeug in der Neuen Musik

Mit Margarete Zander. Die Neue Musik bietet vor allem für das Schlagzeug immer wieder verlockende Herausforderungen. Der junge Schlagzeuger Alexej Gerassimez kennt diese Herausforderungen und hat dafür einen überraschend einfachen Ansatz parat: „Man muss eine Lösung finden, die sich einfach gut anfühlt.“ Ein Überblick über neue Tendenzen in der zeitgenössischen Musik für Schlagzeug.

21:31 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik: darin: neue musik im Norden. Genesis

Von Margarete Zander. Zum 40. Geburtstag des Ensemble Intercontemporain hat der Chefdirigent Matthias Pintscher sieben Komponisten eingeladen, Musik zu den sieben Tagen der Schöpfung aus dem Buch Genesis zu schreiben: Chaya Czernowin, „On the Face of the Deep“, Marko Nikodijevic, „dies secundus“, Franck Bedrossian, „Vayehi erev vayehi boker“, Anna Thorvaldsdottir, „Illumine“, Joan Magrané Figuera, „Marines i boscatges“, Stefano Gervasoni, „Eufaunique“ und Mark André, „riss 1“.

23:03 bis 00:00 | Ö1
Zeit-Ton Magazin.

Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen. Gestaltung: Marlene Schnedl

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik. SWR JetztMusik Edenkoben (2/2)

Florian Hoelscher (Klavier), Erik Borgir (Violoncello) | Jonathan Harvey: „Vers“ für Klavier solo; Salvatore Sciarrino: „ai limiti della note“ für Cello solo; Jonathan Harvey: „ff“ für Klavier solo; Enno Poppe: „Zwölf“ für Cello solo; Anton Webern: 3 kleine Stücke op. 11 für Klavier und Violoncello

Der Pianist Florian Hoelscher und der Cellist Erik Borgir sind erfahrene Partner, vor allem als Mitglieder des Stuttgarter ensemble ascolta. Im Herrenhaus in Edenkoben sind sie jetzt als Interpreten der Neuen Musik, sowohl solistisch als auch im Duo zu erleben. Das Konzert konzentriert sich dabei auf die Komponisten Jonathan Harvey und Salvatore Sciarrino. Der Engländer und der Italiener haben beide eine charakteristische Eigensprache entwickelt, die wiederum ohne instrumentale Virtuosität kaum denkbar wären. Über Jahrzehnte hinweg haben sie sich mit den instrumentalen Möglichkeiten und Herausforderungen beschäftigt. Mit Enno Poppe und Alberto Posadas sind in diesem Konzert zwei Vertreter der jüngeren Generation vertreten, denen es vergleichbar mit Harvey und Sciarrino um die Entdeckung des klanglichen Neulandes für virtuose Interpreten geht.


06.07.2017


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Gloria Coates: „Homage to Van Gogh“ (Musica viva-ensemble Dresden: Jürgen Wirrmann); Ilja Bergh: „Before Sunset“ (Sunset Piano Trio); Dorothea Hofmann: „Schritte im Grasland“ (Carmen Amrein, Johanna Höbel, Tobias Vogel, Komale Akakpo, Hackbrett); Bernd Redmann: „Verstrickung“ (Stefan Schilli, Oboe; Klaus-Peter Werani, Violine; Dorothea Hofmann, Klavier); Friedrich Gulda/Limpe Fuchs/Paul Fuchs: „New Age Suite“ (Friedrich Gulda, E-Piano); Dorothee Eberhardt: Klaviertrio Nr. 1 (Micaela Gelius, Klavier; Sreten Krstic, Violine; Stephan Haack, Violoncello)

20:04 bis 22:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mouvements“

Abschlusskonzert der 10. Saarbrücker Komponistenwerkstatt. Deutsche Radio Philharmonie. Leitung: Manuel Nawri | Neue Werke von Martin Sadowski, Florian Wessel, Samuel Walther und Benedikt ter Braak. Außerdem: Musik von Yevhen Stankovych und Johannes Maria Staud

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Neue Musik – Introducing: Hanna Eimermacher

Eine Sendung von Michael Rebhahn. Die Konzertbühne als Raum zur Schärfung unserer Sinne. Der Komponistin Hanna Eimermacher, 1981 in Duisburg geboren, geht es in ihrer Arbeit nicht nur um Musik, sondern ebenso um die vielfältigen Bezüge und Verweise, die das Musikalische im erweiterten Sinne mit sich bringt: „Mir geht es darum“, sagt Hanna Eimermacher, „einen lebendigen und aktiven Erfahrungsraum zu schaffen. Denn es sind die scheinbar bekannten Dinge, die – neu zusammengesetzt – bei genauem Hinschauen andersartige Gebilde schaffen: Formen, die wir vorher nicht wahrgenommen, gesehen, gehört, durchdacht, erfahren haben.“ Für hr2-kultur hat Michael Rebhahn die Komponistin in Berlin besucht.

22:03 bis 23:00 | SWR 2
SWR2 Hörspiel-Studio: Maelstromsüdpol. Hörstück von Heiner Goebbels

Hörstück von Heiner Goebbels unter Verwendung des gleichnamigen Textes von Heiner Müller. Mit: David Bennent, Peter Brötzmann u. a. Musik und Realisation: Heiner Goebbels. (Produktion: Autorenproduktion/ECM 1987/91)

Die Documenta 14 von 2017, die in Athen am 16. Juli endet, steht u. a. im Zeichen performativer Kunst. Bereits 1987 wurde die Schnittstelle von bildender und akustischer Kunst sowie Theaterperformance auf der Documenta 8 in Kassel wegweisend umgesetzt durch ein Projekt des Bühnenbildners Erich Wonder, des Komponisten Heiner Goebbels und des Dramatikers Heiner Müller. Über eine Postproduktion realisierte Goebbels anschließend den Transfer der Performance in ein eigenständiges Hörstück. Müllers Text verdichtet Motive aus Edgar Allen Poes Roman „Arthur Gordon Pym“. Verhandelt werden die letzten Eindrücke eines Menschen, der der Anziehungskraft des Südpols als Naturereignis sowie als Metapher für die katastrophale Menschheitsgeschichte erliegt. Über eine Struktur aus sieben Tracks entwickeln Stimme, Musik und Geräusch eine damit korrespondierende Sogwirkung.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Ernst von Siemens Musikpreis

Münchener Kammerorchester. Leitung: Jonathan Stockhammer | Lisa Streich: „Augenlider“, Auszüge (Laura Snowden, Gitarre); Michael Petzel: Aus „Gravity’s Rainbow“ (Ernesto Molinari, Elektronische Kontrabassklarinette); Simon Steen-Andersen: „Run Time Error @ Opel feat. Ensemble Modern“ (Simon Steen-Andersen, Joysticks). Aufnahme vom 2. Juni 2017 im Münchner Prinzregententheater

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Ernst von Siemens Musikpreis

Pierre-Laurent Aimard, Klavier. Vassos Nicolaou: „Frames“ (Tamara Stefanovich, Klavier); George Benjamin: „Shadowlines“, Nr. 4 und 5; György Kurtág: „Passio sine nomine“; György Ligeti: Étude Nr. 12 – „Entrelacs“;  Étude Nr. 10 – „Der Zauberlehrling“; Marco Stroppa: „Miniature Estrose“, Passacaglia canonica; Elliott Carter: „Caténaires“. Aufnahme vom 2. Juni 2017 im Münchner Prinzregententheater

23:03 bis 00:00 | Ö1
Zeit-Ton: Chronologien und Musik des Moments: Alan Licht im Zeit-Ton Porträt

Gestaltung: Heinrich Deisl. Alan Licht ist ein Grenzgänger: er ist Gitarrist, Komponist, Journalist und Autor von Fachbüchern. Und er ist ein Chronist US-amerikanischer Improvisations-, Noise Rock- und Minimalismus-Musik. Als langjähriger Kollaborationspartner von Jim O’Rouke, Loren Mezzacane Conners und Lee Ranaldo von Sonic Youth traversiert Lichts Gitarrenspiel lose Enden zwischen No Wave, Free Jazz und Drones. Den 1968 in New Jersey geborenen Alan Licht verschlug es schon früh in die New Yorker Improvisationsszene. Mit 15 Jahren sah er sein erstes Konzert von Glenn Branca und hörte sich durch den modalen Jazz von John Coltrane. Als er dann von seinem Gitarrenlehrer Steve Reichs „Music for 18 Musicians“ empfohlen bekam, war dies der Auftakt seiner intensiven Beschäftigung mit den amerikanischen Minimalisten, besonders mit LaMonte Young. Gleichzeitig studierte Licht Filmwissenschaften, weshalb er ab den frühen 1990er Jahren nicht nur Platten veröffentlichte, sondern auch als Filmjournalist tätig war. Später schrieb er regelmäßig für das Musikmagazin The Wire.

Licht war in Bands wie Love Child, Run On und Blue Humans, trat mit O’Rouke und Fennesz bei den Konfrontationen in Nickelsdorf auf und spielte mit John Zorn, Aki Onda, Christian Marclay oder Pita Rehberg. Mehr als 20 Alben hat er auf den Labels Drag City, XI Rec. oder Editions mego veröffentlicht, wie etwa „Tomorrow Outside Tomorrow“ mit Tetuzi Akiyama. Mit Ranaldo hat er seit einigen Jahren das Projekt „Text of Light“, bei dem sie über Avantgardefilme live improvisieren. 2007 erschien sein Buch „Sound Art: Beyond Music, Between Categories“, in dem er aus künstlerischer Perspektive Klangkunst untersucht. 2016 hat Licht mit Henry Kaiser, der ihn lange inspirierte, das Album „Skip to the Solo“ herausgebracht.

Es gehe ihm einerseits um intermediale Zugänge, erzählt Alan Licht im Zeit-Ton Interview. Andererseits setze er sich damit auseinander, Soundmöglichkeiten der Gitarre und von Elektronik auszureizen. Das reicht von der Erweiterung von Blues-Schemen bis zum ausgefallenen Umgang mit Feedback und Loops. Für die Präsentation des Films „Anisotropy“ von Philippe Decrauzat in der Kunsthalle Wien war Licht letztes Jahr in Wien und steuerte dafür den Live-Sound bei. Am Abend danach spielte er im Club fluc ein Konzert für Solo-Gitarre. Der Zeit-Ton präsentiert einen Überblick über Alan Lichts reichhaltiges Schaffen sowie einen Ausschnitt aus seinem fluc-Konzert.


07.07.2017


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Gloria Coates: Symphonie Nr. 7 (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Olaf Henzold); Minas Borboudakis: Klavierkonzert (Minas Borboudakis, Klavier; Nürnberger Symphoniker: Konstantia Gourzi); Konstantia Gourzi: „Hommage an Mozart“ (Nils Mönkemeyer, Viola; William Youn, Klavier); Enjott Schneider: „Neidhart’s nightmare“ (Oliver Triendl, Klavier; Tonkünstler-Orchester: Kevin John Edusei); Ruth Zechlin: Musik zu „Ephiphanie“ (Ruth Zechlin, Orgel)

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
hör!spiel!art.mix. Paul Wühr: Preislied

Komposition: Enno Dugend. Regie: Paul Wühr. BR/NDR 1971. Preislied entstand 1971 – mit Stimmen aus dem Alltag, Meinungsäußerungen von Passanten auf der Straße, von Menschen in Vorzimmern, auf Chefsesseln, am Küchenherd und an der Werkbank. Stammtischaufnahmen finden ebenso ihren Platz wie der Bericht einer Prostituierten. Wühr löst die Aussagen aus ihrem ursprünglichen Kontext, trennt Person und Stimme und überführt das Gesagte in ein Spiel. „Es sollte ein Preislied entstehen; Münchner sollten dieses Preislied singen.“ So fügen sich die ‚Stimmen des Volkes‘ zu einem ironisierenden Lobgesang auf die bestehende soziale Ordnung. Für Preislied erhielt Wühr 1972 den Hörspielpreis der Kriegsblinden, als „eine unser Zeitbewusstsein charakterisierende und zugleich kritisierende Komposition“.

Paul Wühr (1927-2016), Lyriker, Publizist, Essayist. 1949-83 Volksschullehrer in Gräfelfing. Großpoeme, Sprechdramen, Klangbilder, Hörspiele. Werke u.a. „Das falsche Buch“ (1983), „Der faule Strick“ (1987). Auszeichnungen u.a. Bremer Literaturpreis (1984), Ernst-Jandl-Preis für Lyrik (2007). Hörspiele u.a. „Verirrhaus“ (BR/WDR 1972), „Trip Null“ (BR/NDR 1973), „Faschang Garaus“ (WDR 1989).

23:03 bis 00:00 | Ö1
Zeit-Ton: Einige Höhepunkte vom Ulrichsberger Kaleidophon 2017: Blindes Verständnis

Gestaltung: Reinhard Kager. Ende April fand wieder das alljährliche Kaleidophon im oberösterreichischen Ulrichsberg statt. Erneut bot Kurator Alois Fischer eine bunte Mischung aus experimenteller Improvisationsmusik, Free Jazz und diesmal auch eher rockjazzigen Gigs. Ausschnitte aus einigen der Konzerte des dreitägigen Festivals, die vom ORF aufgezeichnet wurden, können Sie in zwei Zeit-Ton-Sendungen hören (vgl. auch Zeit-Ton vom 7. Juli). Das Sextett skeïn um den Pianisten Achim Kaufmann, den Saxofonisten und Klarinettisten Frank Gratkowski und den Kontrabassisten Wilbert de Joode ist innerhalb kürzester Zeit zu einer der interessantesten Formationen der frei improvisierten Musik aufgestiegen. Ursprünglich nur als Erweiterung des langjährigen Trios Kaufmann/Gratkowski/de Joode gedacht, entwickelte das um die Cellistin Okkyung Lee, den Drummer Tony Buck und den Elektroniker Richard Barrett erweiterte Ensemble mittlerweile ein so intensives Spielverständnis, dass die Konzerte von skeïn wirken wie aus einem Guss, obwohl die stilistischen Mittel des Sextetts extrem vielfältig sind. Der Stil des Quartetts Ashes mag zwar eindeutig in der rockjazzigen Phase von Miles Davis zu verorten sein, doch ist das Spiel von Hilary Jeffery an der Posaune, Julia Reidy an der E-Gitarre, Steve Heather am Schlagzeug und Richard Scott am Synthesizer so variantenreich, dass auch dieses Konzert voller Überraschungen war.


08.07.2017


22.04 – 00.00 Uhr | WDR 3
Open Sounds: Studio Elektronische Musik. Szene [54]: Mexiko

In der mexikanischen Stadt Morelia, in einem weitläufigen Gebäude aus der spanischen Kolonialzeit, befindet sich das Epizentrum der elektronischen Musik Lateinamerikas. 2006 wurde dort das Centro Mexicano para la Música y las Artes Sonoras – kurz CMMAS – gegründet. CMMAS versteht sich multifunktional: Produktion, Forschung, Ausbildung und Vermittlung sind die Kernkompetenzen der Institution. Im eigenen Studio entstehen hier kontinuierlich Arbeiten von mexikanischen Komponisten sowie von Gastkünstlern aus aller Welt. Seit 2007 veranstaltet das Centro mit den „Visiones Sonoras“ zudem eines der weltweit maßgeblichsten Festivals für elektroakustische Musik. Michael Rebhahn stellt die Arbeit des CMMAS vor.

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: „Sind noch Lieder zu singen …?“ Mit zwei Alterswerken erneuert Dieter Schnebel das Kunstlied

Von Gisela Nauck. Auch heute noch werden Lieder gesungen, doch nicht zwingend geschönt oder Zwischenmenschliches abstrahierend. Im aktuellen Spätwerk des 87-jährigen Berliner Komponisten Dieter Schnebel finden sich zwei große Gesangszyklen, die die Gattung des Kunstlieds erneuert haben. Es handelt sich um Versuche über die Liebe. Konkret sind das die Miniaturen ‚Liebe-Leid‘ für Frauenstimme und Klavier sowie ‚Yes I will Yes‘, eine Vertonung des Schlussmonologs aus James Joyces ‚Ulysses‘ für Stimme, Schlagzeug und Tape.

23:00 bis 00:00 | hr2-kultur
The Artist’s Corner: Musik mit Wal

Am Mikrofon: Stefan Fricke. Das größte Säugetier auf Erden, der Wal, ist auch ein großer Musiker. Jedenfalls in unseren Ohren klingt die Kommunikation, die Wale über hunderte von Seemeilen unter Wasser führen, nach Musik. Wohl auch deshalb, weil die Meeresbiologen die Sprachkodes der einst noch für Fische gehaltenen Säuger bisher nicht ausreichend dechiffriert haben. Komponisten wie Alan Hovhaness, George Crumb und John Cage haben für ihre schwimmenden Kollegen einige sonore Hommagen geschrieben, Trauergesänge gegen ihre Ausrottung.


09.07.2017


22:05 bis 23:00 | Ö1
Ö1 Kunstsonntag: Zeit-Ton extended. Die Nickelsdorfer Konfrontationen in the Mix

Gestaltung: Nina Polaschegg. Vom 20. bis 23. Juli finden die alljährlichen Konfrontationen im burgenländischen Ort Nickelsdorf statt. Es ist eines der langjährigsten Festivals für freie und improvisierte Musik im deutschsprachigen Raum. Gründer und Veranstalter des Festivals ist Hans Falb. Im heutigen Zeit-Ton extended stellt Hans Falb Musik der Protagonistinnen und Protagonisten des heurigen Festivals vor und verrät uns auch einige seiner ganz privaten Highlights der vergangenen Jahre.

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: Interkontinental / Hugues Dufourt

Mit Martin Kaltenecker. L’Europe d’après Tiepolo für Klavier und Ensemble / L’Amérique d’après Tiepolo für Klavier und Ensemble; Jean-Pierre Collot; ensemble recherche

23:00 bis 00:00 | Ö1
Wettbewerb für Radiokunst der Euroradio Ars Acustica Gruppe der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Prix Palma Ars Acustica – Teil 1

Die „Palma Ars Acustica“ wird heuer zum fünften Mal vergeben. Die Jurysitzung fand Ende Mai im Rahmen des jährlichen EBU Euroradio Ars Acustcia Meetings im Wiener Funkhaus statt. Ö1 Radiokunst / Kunstradio war dieses Mal die Gastgeberredaktion. Ausgerichtet wird dieser Wettbewerb für Radiokunst von der Euroradio Ars Acustica Gruppe der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Diese besteht seit 1989 aus Redakteur/innen, die in ihren jeweiligen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Sendungen im Kontext der Radiokunst und Ars Acustica produzieren, sowie mit Künstler/innen aus allen Bereichen zusammenarbeiten um im Radio zu experimentieren und die Grenzen des Mediums auszuloten. Das Ö1 Kunstradio zählt zu den Gründungsmitgliedern. Neben bilateralen Kooperationen vernetzten sich die Ars Acustica Redaktionen gemeinsam mit Künstler/innen jährlich bei internationalen Projekten wie den weltweiten „Art‘s Birthday Parties“, die zu Ehren der Kunst gefeiert werden.

Martin Hufner
Chefmitarbeiter bei |

seit 1997 chefökonom der kritischen masse und netzbabysitter der nmz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.