Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 15. bis 21. Mai 2017

Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 20. Eine etwas durchwachsene Woche, die nicht so viel Hintergrundfeatures zum Bereich der Zeitgenössischen Musik bietet. Erfreulich ist aber doch, dass wir alle Kultur-Sender Deutschland, Österreich und der Schweiz listen können – mit Ausnahme des MDR, bei dem nach wie vor fast gar nichts läuft. Spezielle Portraits widmen sich: Patrick Frank, Claus Kühnl, Hermann Nitsch, Mats Larsson Gothe, Aribert Reimann, dem Label Gruenrekorder, dem Nomos Quartett und Soundscapes aus Rumänien.


15.05.2017


21:04 bis 22:00 | rbb-kulturradio
Der Komponist Aribert Reimann

Mit Andreas Göbel. Der Berliner Komponist Aribert Reimann ist längst ein Klassiker der Moderne, gefeiert vor allem für seine Lieder und seine Opern. Am 21. Mai feiert „Medea“ an der Komischen Oper Berlin Premiere.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Das hörbare Hören. Über das Recht des Hörers am Werk und die Bearbeitung als dessen klingender Ausdruck

Von Jan Kopp. Der Vorstellung, einem musikalischen Werk hörend in vollem Umfang gerecht werden zu können, steht eine Wirklichkeit gegenüber, in der oft selektiv, mit schwankender Aufmerksamkeit oder auch zerstreut gehört wird. Ob bewusst oder unwillkürlich, durch das Verweilen an „schönen Stellen“ und das Überhören von anderen verformt der Hörer ein Musikstück auf höchst individuelle Weise und drückt ihm in jedem Rezeptionsakt seinen persönlichen Stempel auf. Nach klassischem Verständnis haben solche Hörerfahrungen keinen Bestand und auch kein eigenes Recht gegenüber der objektiven Gestalt des Werks. Dem widerspricht der französische Musikphilosoph Peter Szendy. Er erkennt vielmehr in der Praxis der musikalischen Bearbeitung eine – wenn auch ephemere – Tradition der Hörbarmachung solcher individuellen Hörerfahrungen, der sich durch die Digitalisierung von Musik in jüngster Vergangenheit ungeahnte Möglichkeiten eröffnet haben. Anhand von herkömmlich komponierten Bearbeitungen ebenso wie von digitalen Remixes geht Jan Kopp der Frage nach, inwieweit sich Spuren eines individuellen Hörens dingfest machen lassen.

23:03 | Ö1
Zeit-Ton: Mats Larsson Gothe. Musik muss emotional berühren. Gestaltung: Peter Kislinger

Der 1965 als Pastorensohn in Südschweden geborene Mats Larsson Gothe kam früh mit Musik in Berührung. Zunächst erweiterte die Aufnahme in die örtliche Blechblaskappelle seinen Musikhorizont, dann Musik von Schostakowitsch und Strawinsky. Für die ersten Kompositionen wurden Lutoslawski, Stockhausen, Boulez und andere „Avantgardisten“ wichtig. Jedoch der Komponist, der für Gothe am bedeutendsten wurde, war Anders Eliasson (1947-2013). Jede neue Komposition legte er ihm sofort vor: „Eliasson konnte in seinen Urteilen sehr direkt sein, aber wir hegten großen Respekt füreinander“. Während der Arbeit an seiner 2. Sinfonie „…sunt lacrimae rerum…“ (2009), die jetzt auf CD vorliegt, kam der Autodidakt Gothe zu einer für ihn neuen Erkenntnis. In der Kunst gibt es eine einzige Regel: Kultivierung der eigenen Stimme; Dunkelheit, Schönheit der Melancholie und Gefühlen nicht ausweichen; andererseits Virtuosität, die Formeln der „modernen Musik“ und komplexe Rhythmen meiden. Die in der Partitur der 2. Sinfonie am häufigsten anzutreffende Anweisung ist „molto espressivo e cantabile“.


16.05.2017


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Lärm mit Instrumenten. Musik im Gesamtkunstwerk von Hermann Nitsch (*1938)

Von Thomas Groetz. Musik und Geräusch sind essentielle Bestandteile des sogenannten Orgien-Mysterien-Theaters von Hermann Nitsch.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Wilhelm Killmayer: Huit Poésies de Mallarmé (Janet Williams, Sopran; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Olaf Henzold); Günter Bialas: „Haydn-Fantasien“ (Münchener Kammerorchester: Hans Stadlmair); Harald Genzmer: Klavierkonzert Nr. 2 (Oliver Triendl, Klavier; Bamberger Symphoniker: Werner Andreas Albert); Karl Amadeus Hartmann: Symphonie Nr. 3 (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Ferdinand Leitner)

22:30 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Studio für Musik: Der Pianist Andreas Skouras spielt Werke von Kalevi Aho

23:03 | Ö1
Zeit-Ton: Magie des Klangs. Aspekte-Festival Salzburg.

Das letztjährige Aspekte-Festival stand unter dem Motto „Magie des Klangs“ und brachte für das Publikum interessante Begegnungen mit Spezialisten für Neue Musik. Zu Gast waren das New Yorker International Contemporary Ensemble (ICE), das Ensemble L’Itinéraire aus Paris, das Ensemble des XXI. Jahrhunderts aus Wien und das Österreichische Ensemble für Neue Musik (oenm), Salzburgs Aushängeschild für aktuelle Musik. Werke von Christopher Trapani, Mark André, Vasilikí Krimitza, Liza Lim und Tristan Murail – in Besetzungen von drei Instrumenten bis hin zum Kammerorchester – entführen in sehr verschiedene Klangwelten.


17.05.2017


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese. Fränkische Komponisten

Heinrich Hartl: „Die kleine Meerjungfrau“ (Alexandra Eyrich, Sprecherin; Heinrich Hartl, Orgel; musica-viva-chor Bamberg: Ingrid Kasper); Klaus Ospald: „Sopra un basso rilievo antico sepolcrale…“ (Hans Nickel, Tuba; Schlagquartett Köln; WDR Rundfunkchor Köln; Experimentalstudio des SWR: Rupert Hubert)

20:00 Uhr | Radio SRF 2 Kultur
Feuerwerk: Francis Poulencs Konzert für zwei Klaviere

Ironisch, raffiniert, klanggewaltig: das ist das Konzert für 2 Klaviere von Francis Poulenc aus dem Jahr 1932. Ein Klassiker der Moderne. Exzentrisch, berauschend, rätselhaft. Ein Tanz zwischen den Stilen und den Emotionen.

21:00 Uhr | Radio SRF 2 Kultur
Aus der Welt heraus. Wolfgang Rihms grosses neues Requiem

«Wenn ich nach Mut gefragt werde, kann ich nie antworten. Dieses Denken setzt voraus, dass man weiss, was man tut. Ich handle im Komponieren sehr intuitiv und versuche etwas zum Ausdruck zu bringen, das mich bewegt, von dem ich aber nicht genau weiss, warum es mich bewegt.» «Zu wissen, was das Richtige ist und es den anderen vermitteln, ist für mich eine absolut unkünstlerische Haltung. Ich schreibe ein Stück aus einer Lebenssituation, aus Ungewissheiten heraus. Und auch mit einem Wissen, dass ich mit meiner Antwortfähigkeit nicht hinlangen werde. Ich bin nicht hinlänglich. Allein das zu spüren, scheint mir die richtige Voraussetzung, um eine Requiem-Komposition überhaupt zu riskieren.» (Wolfgang Rihm)

21:04 bis 22:00 | rbb-kulturradio
Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik 2017

Mit Eckhard Weber. In seinem großdimensionierten Werk „Face“ für Frauenstimme und elf Musiker erweitert der italienische Komponist Pierluigi Billone die vokale Gestaltung in der Musik: „Es geht um die Schwingung des Körpers und den Klang der Stimme, nicht um den musikalischen Ausdruck des Textes. Das Wort kommt zuletzt; die alte Hierarchie wird umgekehrt: der Körper baut, verschlingt, trinkt, spuckt, erbricht oder baut das Wort neu.“ Mitschnitt am 22. Januar 2017 im Radialsystem V Berlin.

21:33 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik. Intuition – das Nomos Quartett

Von Margarete Zander: Im Rahmen des Programmes von Musik 21 Niedersachsen spielt das Nomos-Quartett im Kleinen Sendesaal des NDR in Hannover Werke von Stockhausen, Beethoven, Britten, Mozart und Heintz. Die Vielfalt ist Programm und spannende Beziehungen zwischen den Werken garantiert. 1984 hat sich das Ensemble in Hannover gegründet und seither mit Enthusiasmus auch Laien in die Musik verstrickt. Auf höchstem Niveau, versteht sich. Ein Porträt.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik. Tempi Agitati. Neue Vocalsolisten Stuttgart: Katharina Rosenberger: Tempi Agitati für 6 Stimmen a cappella

In „tempi agitati“ reflektiert die Schweizer Komponistin Katharina Rosenberger die Unmöglichkeit, der Zeit habhaft zu werden. Der Zyklus umfasst von Rosenberger geschriebene Passagen, die mit Musik der Renaissance-Komponisten Adrian Willaert und Cipriano de Rore verflochten werden. Im Blickpunkt steht dabei auch die Synthese von Klang und Raum, die sowohl in den Renaissance-Werken als auch in den Arbeiten von Rosenberger zentral ist. Die Neuen Vocalsolisten Stuttgart haben den Zyklus unter Studiobedingungen in der Böblinger Stadtkirche für den SWR aufgenommen

23:03 | Ö1
Zeit-Ton Magazin

Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen. Gestaltung: Susanna Niedermayr


18.05.2017


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik. Eclat Festival Neue Musik

Theaterhaus Stuttgart (Aufzeichnungen vom 03./04.02.2017). Ricardo Eizirik: „junkyard piece I“ (2014/15) für Ensemble und gefundene Objekte. Talea Ensemble. Yair Klartag: „Nothing to express“ (2014) für E-Gitarre und Streichquartett. Lev Nadav, E-Gitarre, Mivos Quartet. Clara Maïda: „Ipso Lotto“ (2016) für Elektronik (UA). Ulrich Kreppein: „Echoräume“ (2016). Polystück bestehend aus vier simultanen Kammermusikstücken (UA). Ensemble Illegal, Trio Vis-à-vis, DUO2KW, AAA—AAA Gitarrenduo

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Minas Borboudakis: „Krámata“ (Mitglieder des Ensemble oktopus: Konstantia Gourzi); Konstantia Gourzi: „Aiolos Wind“, op. 41 (Lorenda Ramou, Klavier); Philipp C. Mayer: „tin can phone“; Richard Ruzicka: „Relikt“ (ensemble oktopus: Knut Hanßen); Dorothea Hofmann: Magnificat (Alice Oskera-Burghardt, Mezzosopran; Münchner Rundfunkorchester: Sian Edwards); Philipp Mohler: Symphonisches Capriccio, op. 40 (Bamberger Symphoniker: Ferdinand Leitner); Bernd Redmann: „Verstrickung“ (Stefan Schilli, Oboe; Klaus-Peter Werani, Violine; Dorothea Hofmann, Klavier); Gerhard Dorda: „Pax“ (Polnischer Kammerchor Gdansk: Jan Lukaszewski); Hans Pfitzner: Drei Vorspiele zu Henrik Ibsens Schauspiel „Das Fest auf Solhaug“ (WDR Rundfunkorchester Köln: Helmuth Froschauer)

20:04 bis 22:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: Zwei Klassiker der Moderne und zwei Uraufführungen

Vorschau auf die 7. Matinée der Deutschen Radio Philharmonie im Rahmen von „Mouvements“ u.a.

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Neue Musik: „von ausgepressten Citronen“ – Der Komponist Claus Kühnl. Porträtiert von Jim-Igor Kallenberg

Claus Kühnl erfindet Musik und unterrichtet am Dr. Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main Komposition. Die Klangsprache des 1957 in Unterfranken geborenen Komponisten, der an den Musikhochschulen in Würzburg und Frankfurt studiert hat, gestaltet sich in der Spannung von großer Geste und präziser Artikulation, von dunkler Archaik und fragiler Helligkeit. Und oft scheinen in ihr Aspekte und Momente der musikalischen Tradition auf. Kühnl spricht selbstironisch von „ausgepressten Zitronen“, wenn er sich kreativ mit den Werken der Ahnen auseinandersetzt.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Gameboys – Kompositionen zwischen Musik und Videospiel

Das Computerspiel ist längst ein kulturelles Phänomen, ein ästhetisches Medium. Zahlreiche KomponistInnen sind fasziniert von der Gaming-Welt, die zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeiten wird: So zitieren und collagieren sie die charakteristischen Sound- und Bildoberflächen von Videospielen oder lassen Instrumente zu Controllern werden, mit denen die MusikerInnen ihre eigenen Avatare durch die virtuellen Welten lenken. Die Musik folgt hier grundlegenden Spielprinzipien: Regelwerk und Spielziel sind definiert, der Prozess hingegen bleibt offen und ungewiss. Durch diesen neuen Liveness-Charakter entstehen experimentelle Gegenentwürfe zu den für gewöhnlich fixierten und einstudierten Kompositionen – und möglicherweise auch neue Formen einer interaktiv vernetzten Community in der Musikwelt. Eine Sendung von Julian Kämper


19.05.2017


00:05 bis 01:00 |Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: documenta 14: Every Time A Ear di Soun. The Irrawaddy Blues. Von Alvin Curran

Produktion: documenta 14/Deutschlandfunk Kultur 2017. Länge: 47’30. (Ursendung). Die Klanglandschaft von Myanmar. „The Irrawaddy Blues“ ist eine minimalistische Symphonie atmosphärischer Klänge und Geräusche, aufgenommen in den Jahren 2014 bis 2016 in Myanmar. Alvin Curran reiste als Tourist mit seiner Frau von den Seen im Norden nach Bagan und Mandalay, den Irrawaddy hinab nach Yangon und danach zu den abgelegenen Inseln in der Andamanensee. Curran fand überall besondere und unverwechselbare Klänge. Die Komposition des Radiostücks ist ein sehr persönliches Hörporträt Myanmars, das den Ton einfach für sich „sprechen“ lässt. Alvin Curran, geboren 1938 in den USA, stilprägender Komponist der live-elektronischen Musik, lebt in Rom. Mitbegründer der Gruppe „Musica Elettronica Viva“. Zahlreiche Preise, Auszeichnungen und Stipendien, darunter Prix Italia (1986), Prix Ars Acustica des WDR (1988), Ars Electronica (2004), Phonurgia Nova (2005), Experimental Music Studio (2006, 2007), Gutenberg Fellowship der Johannes Gutenberg-Universität (2010/ 2011) und Elson lectureship (Harvard 2012). Zuletzt für Deutschlandradio Kultur: „Living Room Music“ (2009). „Every Time A Ear di Soun“ ist eine gemeinsame Radiokunst-Ausstellung von documenta 14 und Deutschlandfunk Kultur. Sie zeigt 30 neue Hörstücke von internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Diese Klänge werden von acht Rundfunksendern auf der ganzen Welt ausgestrahlt – und sie erscheinen im Klangkunstprogramm von Deutschlandfunk Kultur während des documenta-Zeitraums vom 8. April bis 17. September. Der Titel der Ausstellung ist einem Song des jamaikanischen Dub-Poeten Mutabaruka entlehnt. Er bedeutet „Immer wenn ich den Klang höre“.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten / Fränkische Komponisten

Hans-Günther Allers: Variationen mit Fuge über ein Thema von Niccolò Paganini, op. 82 (Cassiopeia Quintett); Elke Tober-Vogt: Variations on „Carnival in Venice“ (Gertrude Tröster, Mandoline, Michael Tröster, Gitarre); Zsolt Gárdonyi: „Mozart-Changes“ (Edgar Krapp, Orgel); Gerhard Deutschmann: Variationen über ein Thema aus der „Dreigroschenoper“ (Edgar Eichstädter, Klarinette; Christoph Machera, Viola; Barbara Zeller, Klavier); Hans Fleischer: Variationen und Fuge As-Dur über einen alten Gassenhauer, op. 42 (Reimar Ulrich, Klavier); Waldram Hollfelder: Variationen über ein Thema von Johann Pachelbel (Nürnberger Akkordeonorchester: Willy Münch); Heinrich Barthelmes: Sieben Variationen über ein Thema von Daniel Gottlob Türk (Alexander Willscher, Klarinette; Thomas Meier, Fagott); Herbert Fromm: Sonate nach einer sephardischen Hymne (Kolja Lessing, Klavier); Eberhard Klemmstein: Fantasie über ein Thema von Paganini (Michael Goldammer, Oboe; Christian Dollfuss, Klarinette; Thomas Eberhardt, Fagott; Robert Langbein, Horn; Holger Grohs, Alexander Klemmstein, Violine; Steffi Grohs, Viola; Tilmann Stiehler, Violoncello; Martin Knauer, Kontrabass)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK (Wiederholung am Samstag, 14.05 Uhr)
Das Musik-Feature: Wie klingt katholisch? Die Musik der Gegenreformation

Von Stefanie Bilmayer-Frank. Eine der wichtigsten Waffen Martin Luthers im Kampf um die Reformierung der Kirche war die Musik. Das erkannten auch seine Gegner. Auf dem Trienter Konzil von 1545 diskutierten deshalb auch die katholischen Kirchenoberen über den rechten Umgang mit der musica sacra. Aber wie sich von der Gegenseite absetzen? Wie komponiert man katholisch? Der Komponist Jakob de Kerle machte mit seiner Motettensammlung „Preces speciales“ einen konkreten Vorschlag. Befürworter der Gegenreformation wie die Augsburger Fugger förderten die katholische Kirchenmusik im Süddeutschen Raum. Und auch bei der Priesterausbildung sollte die Musik eine größere Rolle spielen. Doch funktioniert das Konfessionsetikett tatsächlich? Und wie klang die katholische Musik für Luthers Zeitgenossen?

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
hör!spiel!art.mix: Björn SC Deigner: Zusammen zittern

zusammen zittern. Von Björn SC Deigner. Mit Nico Holonics, Matti Krause, Hanna Plaß. Regie: Björn SC Deigner. SWR 2016. Elektromagnetismus und Avantgarde: Radio vor seiner Erfindung. Douglas Khan (Theoretiker) im Gespräch mit Ania Mauruschat. BR 2017. Was passiert, wenn der eigene Beitrag zum sozialen Netzwerk plötzlich politisch völlig unkorrekt erscheint, das Handy aber nicht einen Balken Empfang anzeigt? Vier Stories zwischen Kybernetik und Alien-Entführung, zwischen Weltverschwörung und Coca-Cola: Sie verbinden das Hörspiel „zusammen zittern“ als eine Partitur für drei Stimmen. Im Mittelpunkt steht die „Generation Y“: Es sind jene technikaffinen, alles hinterfragenden, jene gut ausgebildeten und nicht mehr ganz so jungen Menschen der westlichen Hemisphäre. Sie ziehen in die Metropolen Europas und vermissen dort die Natur. Sie frönen dem Luxus der kapitalistischen Ordnung und mahnen zugleich zu mehr Verzicht. Sie zittern zusammen wie bei einer Überdosis Rauschgift oder beim Entzug. Bjorn SC Deigner, geb. 1983 in Heidelberg, lebt in Berlin. Komponist, Autor, Regisseur und Mitglied der Performance-Gruppe „huRRa!“. Hörspiel u.a. „sich abarbeiten“ (SWR 2012).


20.05.2017


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK (Wiederholung vom Freitag, 19.05 Uhr)
Das Musik-Feature: Wie klingt katholisch?. Die Musik der Gegenreformation

22.04 – 00.00 Uhr | WDR 3
Open Sounds: Neulich in Rumänien. Soundscapes und Elektronik zwischen Oradea und Konstanza

Europa horcht auf, als in Bukarest Anfang Februar Hunderttausende mit Hupen, Sirenen und Sprechchören gegen ihre Regierung demonstrieren. Auch sonst verstehen die Rumänen viel von urbanen Sounds. Jedenfalls mehr, als das Klischee von der stillen Weite der Karpaten und den beschaulichen Burgruinen Siebenbürgens vermuten lässt. Zu entdecken gibt es z.B. die psychedelischen Tracks der Band Rodion G.A. aus der Ceaușescu-Ära, die hypnagogischen Transformationen des Manele-Genres von Steaua de Mare oder die musikelektronischen Versuchsanordnungen des Duos Somnoroase PÄsÄrele. Die Klangwelt rumänischer Bauernmärkte inspirierte den Berliner Klangkünstler C-Schulz zu seinem neuen Hörstück „Bazar Bizar“. „Bazar Bizar“ nimmt uns mit in die Maramureş, zum Kastanienfest in Bai Mare und auf den größten Markt des Landes in Negreni. C-Schulz zeigt die von ihm besuchten Orte nicht nur als Warenumschlagplätze. Er dokumentiert auch ihre Rolle als soziale Treffpunkte und Zonen interkulturellen Austauschs, wo unterschiedliche ethnische Gruppen zusammenkommen, um gemeinsam zu musizieren. „Bazar Bizar“ verwebt einheimische Klangkulturen mit elektronisch bearbeiteten Feldaufnahmen und selbst eingespielten Instrumenten.

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: We should fight on the beaches. Der Schweizer Komponist Patrick Frank

Von Barbara Eckle. Wer sich in der heutigen Zeit verständigen will, muss diese Zeit und ihre Sprache auch wirklich verstehen. Dass der 1975 in Brasilien geborene Schweizer Patrick Frank mit diesem Anspruch einer normalen Komponistenkarriere Steine in den Weg legt, liegt auf der Hand. Und Frank ist kein Mann der Kompromisse: Zehn Jahre lang befasste er sich hauptsächlich mit den gesellschaftlichen, politischen und medialen Entwicklungen der westlichen Welt nach 9/11. Er studierte Soziologie, Kulturwissenschaft und Philosophie. Das waren zehn Jahre, in denen er kaum einen Ton komponierte, dafür aber große interdisziplinäre Kunstprojekte realisierte, die den Kernfragen nachgehen: Wie haben Finanzkrisen, Flüchtlingswellen, wachsender Populismus und die totale Medialisierung unseren Freiheitsbegriff beeinflusst? Ist die maximale Freiheit tatsächlich unser höchstes Gut oder bedrängt und überfordert sie uns nicht schon längst mit dauerndem Entscheidungszwang? Vielgestaltig stellt Patrick Frank solche Fragen zur Diskussion, zwingt sein Publikum zum Mitdenken und tastet sich darin zu einer eigenen Musik vor, die daraus radikale Konsequenzen zieht.

23:00 bis 00:00 | hr2-kultur
The Artist’s Corner: [Silberlinge 6]. Das Label Gruenrekorder

Vorgestellt von Michael Rebhahn. Aus unterschiedlichen Gründen haben Lasse-Marc Riek und Roland Etzin zum Geräusch gefunden. Ende der 1990er Jahre liefen sie sich dann in Frankfurt über den Weg und beschlossen, ihrer Passion einen professionellen Rahmen zu geben. 2003 gründeten sie das Label Gruenrekorder, in dem seither gut 200 Tonträger erschienen sind. Fieldrecordings, Soundscapes und Sound Art heißen die Rubriken des Labels, wobei der Fokus auf das »klassische« Fieldrecording gerichtet ist. Klassisch bedeutet hier: unbearbeitet. Die Aufnahmen werden weder geschnitten noch nachbearbeitet. Ziel ist die möglichst authentische Wiedergabe einer bestimmten Zeitspanne an einem bestimmten Ort.


21.05.2017


23:00 | Ö1
metavoices – Landschaft mit Graupapageien der österreichischen Künstlerin Andrea Sodomka

Können auch Tiere eine Freude am Musizieren haben? Seit Dezember 2012 entwickelt die Künstlergruppe alien productions im Rahmen von „metamusic“ in enger Zusammenarbeit mit den Zoolog/innen der ARGE Papageienschutz elektroakustische Musikinstrumente für Papageien. Initialzündung lieferten das ORF musikprotokoll im steirischen herbst und das Festivalnetzwerk ICAS der International Cities of Advanced Sound. Nach mehreren Präsentationen in Österreich und Deutschland hat das Projekt eine PEEK-Förderung des Wissenschaftsfonds FWF erhalten (PEEK steht für „Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste“). Seit rund einem Jahr werden die bisherigen Forschungsfragen, Thesen, Beobachtungen und Erkenntnisse kanalisiert, fokussiert und in einem Viersäulenmodell miteinander vernetzt. In dem sich dabei aufspannenden Forschungsfeld greifen die Bereiche Kunst, Zoologie, Kulturwissenschaft und Interface Design ineinander. Für letzteres haben alien productions Martin Kaltenbrunner und Reinhard Gupfinger vom Institut Interface Culture der Kunstuniversität Linz ins gemeinsame Boot geholt. Gupfinger, der das erste Mal von „metamusic“ in einem Zeit-Ton Magazin hörte, beschäftigt sich beim Institut Interface Culture insbesondere mit einem neuen Bereich innerhalb der Forschungsdisziplin Musical Interface Design, mit dem Animal Computer Interaction Design. Seit Projektbeginn 2012 wird der work in progress von Zeit-Ton begleitet und dokumentiert. Rund um das Symposium „Animus“ am 1. Juni, das von der Papageienexpertin Irene Pepperberg mit einer Key Note eröffnet wird, wird es nun vom 24. Mai bis zum 2. Juni eine weitere öffentliche Labor-Situation geben. Im Linzer Salzamt wird für die Papageien wiederum eine temporäre Klangvoliere aufgebaut werden. In dieser gemeinsamen Sendung der Zeit-Ton- und der Ö1 Kunstradio-Redaktion werfen wir mit den Künstler/innen und Zoolog/innen einen Blick auf die vergangenen fünf Jahre. Im Anschluss daran hören Sie das Radiostück „metavoices“ von Andrea Sodomka. Seit 2012 sammelt die Komponistin und Künstlerin im Rahmen von „metamusic“ Klangaufnahmen der Papageien. Die extra für die Vögel entwickelten elektroakustischen Musikinstrumente lieferten genauso Klangmaterial wie ihre Bewegungen, Lautäußerungen und Gespräche. Zuerst ein Projekt rein dokumentarischer Natur, haben Sodomka bald die Klangvielfalt der Papageienstimmen und die Spielweisen der Tiere zu Klangbearbeitungen inspiriert.

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik. Klavier-Kanon-Künste [1] Brice Pauset

Mit Barbara Eckle. Trois Canons (1988) pour piano / Cinq Canons (2002) pour piano / Sept Canons (2010) pour piano (erster Teil); Nicolas Hodges

Martin Hufner
Chefmitarbeiter bei |

seit 1997 chefökonom der kritischen masse und netzbabysitter der nmz.

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