Drama, baby!

Staatsballett Berlin: Da ruckelt’s und knirscht’s und rumpelt’s grade heftig im Karton.

Man mag und darf von der Entscheidung, die „ballettferne“ Sasha Waltz und das „Feigenblatt“ Johannes Öhmann als Intendantengespann ab 2019 zu engagieren, und gerne auch vom Wie oder Wie nicht halten, was man bei der unübersichtlichen Lage will.

Quasi eine ganze Compagnie fühlt sich übergangen bis heftig vor den Kopf gestoßen. So schaut es aus einiger Distanz auf jeden Fall aus. Die ins Rollen gebrachte Anti-Waltz-Kampagne scheint ein einziges großes argumentum misericordiam zu sein: Die von den Ballettis initiierte, inzwischen knapp 20.000-fach unterzeichnetete Petition läuft unter dem hochdramatischen Namen „Rettet das Staatsballett!“ – klar, zuspitzen erlaubt, aber ob ein experimenteller bis heikler Richtungswechsel gleich den Untergang des Abendlandes aka Staatsballetts bedeutet?

Und dann gibt es da seit wenigen Tagen auch noch „dieses Video“… einfach mal anschauen und wirken lassen:

Und? Wann gab’s das erste Stirnrunzeln? Wann den ersten What-the-fuck-Moment?

Funfact zwischendurch: Kopfkino habe ich bereits bei Sekunde 15, weil ich „belly dancer“ statt „ballet dancer“ verstehe. :D

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Ab 0:52 ist mein WTF-Moment: Die Aufzählung „global warming, social injustice or… a dance theatre choreographer who could permanently damage the fabric of Staatsballett Berlin“ lässt mich stutzig werden, der Logikbruch stört mein latent vorhandenes Sympathisieren mit der Sache, von der ich (noch) zu wenig weiß für eine solide getroffene Entscheidung.

Und Stirnrunzeln? Nun, das war irgendwie permanent da. Weil mich das Video an ein anderes erinnerte… nur an welches?

Heureka(!), dank sei crowd thinking / meiner Facebook-Timeline:

Also nix mit eigener Kreativität! Simple 1:0,9-Kopiererei ohne Würdigung / Verlinkung. Das vor Pathos triefende Original (das können die Amis einfach besser) einfach missbraucht als Lückentext für die eigenen ach-so-hehren Ziele. Naja, US-amerikanische / Weltpolitik ist bei aller reichlich vorhandenen Kulturliebe doch noch ein zwei Nummern bigger als die künftige künstlerische Ausrichtung einer Berliner Kulturinstitution. Und dann wird Frau Waltz auch noch gleichgesetzt mit Herrn Trump? Oulala, schwere Geschütze…

Steigern wird da echt schwierig, vermutlich nur noch möglich durch ’nen Nazi-Vergleich on top.

Alles in allem wirkt das auf mich wie eine Gewerkschaftsdemo mit Trillerpfeifen und Protestchören, aber morgens um 4:30 Uhr – in der Sache vermutlich richtig, aber absolut kontraproduktiv um mein Verständnis „bittend“.

Mein Vorschlag: Versucht doch einfach, mich und noch besser: die Politik mit guten, fundierten Argumenten zu überzeugen, so ganz ohne Hysterie. Dann werde ich auch gerne eure Petition unterschreiben!

Philipp Krechlak

Trainee Orchestermanagement bei der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen, Studium Musikmanagement in Saarbrücken, Leiter/Organisator/Posaunist des freien Brassensembles blechimpuls in Ulm, Rosinen/Kirschkernblogger beim Sperrsitz und dem Bad Blog Of Musick der NMZ in diesem Internet

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