Initiative gegen Bratscherdiskriminierung

Jetzt endlich kümmert man sich um Violaspieler und ihre Leiden im öffentlichen Raum. Als Cellist kann man ein wenig mitfühlen, wenn das mitgeschleifte Instrument immer für eine Gitarre oder einen Kontrabass gehalten wird. Was meist positiv verläuft bzw. man zur hormonellen Höchstform aufläuft, wenn ein Cello als solches identifiziert wird. Wenn allerdings ein Bratscher selbst ohne Instrument als solcher erkannt wird, muss sich der Bratscher oder die Bratscherin immer einen ätzenden Spruch anhören. Schlimm, schlimm, schlimm. Dem nahm sich nun die Initiative #endviolajokes an und schickte eine Frau mit Bratschenkasten durch New York. Ähnlich dem Internet kursierenden Videos, in denen Menschen stundenlang allein oder zu zweit durch Grossstädte der nördlichen Hemisphäre spazieren, um zu beweisen, wie nett oder unfreundlich zufällige Strassenbegegnungen für Frauen oder händchenhaltende Paare aller Geschlechtskombinationen ablaufen, wurde die Person einen Tag lang als Bratscherin gefilmt. Technisch könnte das jeder selbst ausprobieren: eine Person versteckt eine Kamera im Rucksack, die andere Person, auf deren klischeehafte Erkennbarkeit in ihrer zu testenden Lebensform die Passanten reagieren, folgt der ersten Person. Danach wird das Material auf ein, zwei Minuten zusammengeschnitten, die verbalen Äusserungen der Begegnungen mit Untertiteln hervorgehoben. Und was für krasse Sachen musste unsere Versuchsperson da anhören: „Wie ist’s, niemals gestimmt zu spielen?“ „Wie rettet man einen Bratscher vorm Ertrinken?“ „Ich hasse Violas!“ „Warum sind Bratscherfinger wie ein Blitz – weil sie niemals an der gleichen Stelle zweimal treffen.“ „Hast Du auf Bratsche umgeschult, um an die Juilliard School zu kommen?“ Oder sie wird angerempelt oder mit Pappbechern beworfen oder von „Viola, Viola, Viola“ repetierenden Herren verfolgt. Lasst uns also netter zu Bratschern sein. Aber vorher bei Ansehen dieses Videos köstlich amüsieren, dem Satirekanal Submediant sein Dank!

Alexander Strauch.
Alexander Strauch
Komponist |

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2 Antworten

  1. Und woran erkannte man (mal abgesehen davon, dass die Szenen natürlich fake sind, dennoch lustig), dass sie Bratscherin ist? Sie hat ja keine Bratsche dabei…
    Vielleicht weil sie so hübsch ist?

  2. Am Gesichtsausdruck? An der Handtasche? Das Lustige ist ja, dass z.B. bei „Homosexuelles Paar 10 Stunden schweigend in Moskau unterwegs“ neben Händchenhalten v.a. das zu knappe bauchfreie T-Shirt Gayness evozieren sollte, musste. Oder Drag-Queens so klischeehaft mies gekleidet waren, dass klar ist, dass blöde Kommentare fallen mussten. Hier ist die Bratscherin ganz gewöhnlich unterwegs, weder bauchfrei noch als Alien verkleidet – und man erkennt sie an nichts. Oder am fehlenden Geigenkasten, weil der Bratschenkasten zu peinlich? Stellt köstlich das ganze 10-hours-silent-walking auf den Kopf.

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