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Thielemann und Pegida zwei – Wanderzirkus von Zeit zu Welt

Erleben wir jetzt jeden Montag einen neuen Christian-Thielemann@Pegida-Artikel? Letzte Woche in der Zeit, heute in der Welt, nächste Woche dann vielleicht in der? Ein perfekter Wanderzirkus! Immerhin wissen wir seit heute, dass Thielemann es kindisch findet, wenn die Semperoper, seine Wirkstätte, während den Pegida-Demos ihre Beleuchtung abdreht. Da habe ich also meine Antwort auf den letzten Satz meines gestrigen Artikels! Faszinierender ist allerdings Thielemanns Fähigkeit zur Metamorphose: im Zeit/Sächsische Zeitung-Beitrag mal offene, mal codierte Sympathie für Teile des Pegida-Führungskreises. Allerdings überstürzten sich letzten Montag ja die Ereignisse, als L. Bachmann zurücktrat. So hüllt sich der Welt-Text darin nun in Schweigen, bleibt in der Hauptsache nur Verständnis für „unzufriedene“ Demo-Mitläufer, denen man doch bitte zuhören möge. Doch halt: im letzten Drittel beschwert sich Thielemann darüber, dass man heute eher Migrant denn Ausländer sagen müsse, dass man sich öffentlich als links oder sehr links bezeichnen dürfe, aber nicht als sehr rechts. Da haben wir es wieder, gut bürgerliche Zuckerwatte auftürmen und dann doch wieder diese symptomatische Beschwerde, die einen doch auf den bitteren sehr rechten Kern der Botschaft aufbeissen lässt. Und wie immer am Ende, die Flucht in die Welt der Musik, wo sich Alle verstehen, das Politische, welches zuvor noch beschworen wurde, ausgeschlossen bleibt, Kritik am Maestro abzuprallen hat.

Immerhin distanziert sich Thielemann im ersten Teil von Nationalismus und, O-Ton, „Holzköpfe(n), die abstossende Plakate“ auf dem Dresdner Opernplatz hochhalten. „Wenn ich Politiker wäre, wäre ich neugierig“, schreibt er im weiteren Verlauf. Aber ist da nicht ein Widerspruch verborgen? Warum Menschen zuhören, die gar nicht wollen, dass man ihnen zuhört, die a la Männerwohnheim-Bewohner – oben der Alkoholiker, dann der Drogenabhängige, zuletzt der Flüchtling – immer noch jemand weiter unten finden, auf die man allen Beteuerungen zum Trotze doch schimpfen kann? Oder fröhlich abschattiert eben die Diskussion um willkommene Flüchtlinge oder schlechte Migranten: „Ist es ihnen zu wenig, wenn einfach nur immer gesagt wird: ‚Natürlich nehmen wir Flüchtlinge auf‘, aber keiner im Detail diskutieren mag, welche Menschen denn nun genau aufgenommen werden sollen oder was dann hier mit ihnen geschehen soll?“ Ih wo, lassen wir ihn doch reden, wie wir eben jeden Montag andere Verwirrte brabbeln lassen. Da gebe ich Kommentator Guntram Erbe heute vollkommen recht. Aber Hand auf’s Herz: der Welt-Text ist letztlich nur Schadensbegrenzung für die zu grossen Pegida-Sympathie-Bekundungen seines Textes letzter Woche in der Zeit. Und nicht noch grössere Weltsicht, Edda-Kunst, wie es manchen Musikern erscheinen mag und sie sich nun in ihren stillen Hoffnungen nach dem „das meint der doch nicht so ernst“ der letzten Woche mit dem sanfteren Text bestätigt sehen könnten…

Lustig war heute Abend, wie man den älteren Text nun online, dort z.B. auch bei slippeddisc in Grossbritannien reichlich kommentiert wie als Papier gut auffinden kann, der Welt-Text aber kurzzeitig nur noch unter hd.welt.de (siehe Link ganz oben) zu finden war statt wie heute morgen auf der Welt-Hauptseite wie auch dem Netzauftritt des Hamburger Abendblattes. Auf der Welt-Seite nur „Fehleranzeige“, eben geistige Fehlanzeige, wie all diese Thielemannschen Sachsen-Welterklärungen.

Autor: Alexander Strauch

Komponist

Ein Kommentar

  1. Haha!
    Thielemann sprach’s, ließ es für die Welt aufschreiben, streifte mit einer spießbürgerlichen Attitude die Frackschöße zur Seite, setzte sich auf seinen großdimensionierten Chefsessel, streckte die Beine aus und hatte endlich Zeit, genussvoll in einen von seinem Assistenten herbeigebrachten, gutbürgerlichen Döner zu beißen. Natürlich biss er als Rechtshänder ein wenig links von der Mitte zu.