Der Kampf geht weiter. Gegen die Fusionierung der SWR-Orchester.

Von den vielen Solidaritätsaktionen, mit denen wir in letzter Zeit zu tun hatten, ist die gegen die geplante Fusionierung der SWR-Radioorchester Baden-Baden und Freiburg wohl die erfolgreichste. Intendant Peter Boudgoust hatte wohl selber nicht damit gerechnet, dass die Fusionierungspläne auf solch erbitterten Widerstand nicht nur bei den Betroffenen sondern auch bei der Bevölkerung stoßen würden, und dass seine eigene Rolle bei diesem Vorgang immer massiver kritisiert wird.

Ohnehin ist die Diskussion um die Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen Sender immer undurchsichtiger geworden, nachdem bekannt wurde, dass durch die Rundfunkgebührenreform statt eines Finazierungseinbruches plötzlich ein gigantischer Überschuss entstanden ist. Zwar behauptet z.B. Boudgoust, dass dieses Geld keineswegs z.B. dem SWR zugute kommen würde, aber wo genau die Milliarde Überschuss eigentlich hin verschwindet, ist keinem so richtig klar. Ich habe in der letzten Zeit mit mehreren beim Rundfunk arbeitenden Personen gesprochen, und kein einziger konnte mir erklären, warum man beim Rundfunk trotz erfreulicher Gebührenmehreinnahmen massivst sparen und ständig auf die Quote schielen muss, anstatt einfach das zu machen, für das die Öffentlich-Rechtlichen einmal geschaffen wurden: den Bildungsauftrag zu erfüllen und ein qualitativ hochwertiges Programm zu bieten.

Was läuft hier also schief? Wenn die Gebührenreform tatsächlich nicht z.B. dem SWR zugute kommt, warum gab es sie dann überhaupt? Warum wurde vorher damit argumentiert, dass man mit deutlich weniger Einnahmen durch die Gebührenreform rechnen und daher dringend Orchester einsparen müsse, wenn nun dieses Argument sich als vollkommen absurd herausstellt? Warum erwägt man ernsthaft, die Gebühr wieder zu erniedrigen, wenn doch dieses Geld anscheinend dringend gebraucht wird? Und zwar beim Rundfunk, für dessen Erhalt diese Gebühr ja einal erfunden wurde? Rätsel über Rätsel….

Wie auch immer, der Kampf geht weiter, und ich möchte hier Hans Zender das Wort übergeben, der auf eine neue Petition hierzu aufmerksam macht, die ich alle Blog-Leser bitte, zu unterschreiben.

Moritz Eggert

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde!

Der Widerstand gegen die Pläne des Südwestrundfunks, das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg (SO) mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR (RSO) zu fusionieren, hält auch nach dem Erscheinen der beiden offenen Briefe der Komponisten und der Dirigenten im November des vergangenen Jahres unvermindert an, ja, er hat sich sogar noch einmal intensiviert und ausgeweitet.

Einen vom Verein der „Freunde & Förderer des SWR-SO“ initiierten Appell an Winfried Kretschmann, den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, sich aktiv um den Erhalt des SO zu bemühen, haben bis heute schon mehr als 20.000 Bürgerinnen und Bürger dieses Bundeslandes unterschrieben. Und auch die Politiker beginnen endlich, sich dieses so wichtigen Themas anzunehmen, wie eine gegen die Fusion gerichtete parteienübergreifende politische Erklärung belegt, die von 40 Bundes- und Landtagsabgeordneten aus dem badischen Raum unterschrieben und am vergangenen Wochenende publik gemacht worden ist.

Neben dieser überwältigenden regionalen Unterstützung, regt sich aber auch international noch immer Protest gegen die Fusionspläne. So hat etwa der Komponist Franck Bedrossian eine Petition ins Leben gerufen, die eine Rücknahme des Fusionsbeschlusses fordert und sich an alle musikalisch Interessierten und kulturpolitisch Engagierten auf der ganzen Welt richtet. Leider hat diese Initiative bisher nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit erfahren. Daher bitte ich Sie hiermit eindringlich: Unterschreiben Sie, falls noch nicht geschehen, die internationale Petition zum Erhalt des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und leiten Sie diese Mail oder den Link zur Petitions-Seite an Ihre Kollegen, Freunde und Bekannten weiter, denn jede Unterschrift zählt!

Hier finden Sie die Petition und können sie auch sofort unterzeichnen:
http://www.change.org/en-GB/petitions/swr-s%C3%BCdwestrundfunk-international-petition-against-swr-orchestra-fusion-2

Moritz Eggert

Komponist

5 Antworten

  1. Janosch Korell sagt:

    Dass diesen Scharlatanen auch immer die gleichen Argumente, nämlich das Spare.. äh Kürzen, einfallen….
    Wären wir in Russland, Indien oder Pakistan könne man die Finanzängste ja verstehen, nicht aber in einem der, in Summe, reichsten Länder der Erde. Bei 2 Billionen Zuwachs der privaten Haushalte und einem milliardenschweren Verteilungssystem von Gelder, sollten diese Witzfiguren vor Peinlichkeit im Boden versinken, am besten dort bleiben, oder gleich abtreten.

  2. Renate Hausmann sagt:

    Nicht nur Herr Boudgoust sagt, diese Mehreinnahmen gingen woanders hin; das sagen ausnahmslos alle Rundfunkleute, und die Politik übrigens auch. Ich habe irgendwo aufgeschnappt, dass Frau Dreier kürzlich sagte, kein einziger Cent der Mehreinnahmen verbleibe bei den Rundfunkanstalten. Und ohne Expertin zu sein, glaube ich, dass es so ist: die Politik entscheidet, was mit dem Geld passiert bzw. die KEF. Jedenfalls nicht Herr Boudgoust. Die Reform der Gebühren wurde für größere Gerechtigkeit angesichts geänderter Mediennutzung (Computer …) eingeführt, nicht, damit der SWR u. a. mehr Kohle kriegen.

    Mich stört an Ihrem Blogpost, dass Sie Ihr Nicht-Wissen zu einem Argument gegen den SWR münzen. Wer früher die Mathe-Hausis nicht gemacht hatte, probierte es auch mit „die Aufgabe ist gar nicht lösbar, und daran sieht man, dass Mathe doof ist“ ;-)

    Viele Grüße,
    RH

  3. @Renate Hausmann:
    Ich habe nicht geschrieben, dass die Rundfunkmitarbeiter nicht wissen, dass das Geld von den Rundfunkgebühren woanders landet, sondern dass sie nicht erklären können, WARUM es nicht bei den Sendern landet. Bisher habe ich nirgendwo etwas gelesen, das mir diese seltsame Tatsache anschaulich erklärt.
    Wenn in unserem Land Rundfunkgebühren eingezogen werden, ein Riesenüberschüss entsteht, und dann kein einziger Cent bei den Rundfunkanstalten landet für die diese Gebühren mal ursprünglich geschaffen wurden (sic!), läuft doch irgend etwas falsch, oder? Und warum das so ist, kann niemand erklären – Herr Boudgoust mag an dieser Situation nicht Schuld sein, aber nicht nur er sollte diese Frage dezidierter an die Politik stellen.
    Und es sollte doch aus dem Artikel klar werden, dass ich nicht das Geringste gegen den SWR habe, sondern FÜR den SWR bin – nämlich für einen weiterhin tollen Sender mit wunderbaren Möglichkeiten, tollen Klangkörpern und Mitarbeitern, die gerne ein facettenreiches und niveauvolles Programm machen und auch weiterhin machen wollen…
    oder, wie von Ihnen ausgedrückt:
    „MIch stört an Ihrem Kommentar, dass Sie Ihr Halb-Lesen des Artikels zu einem Argument gegen den selben münzen“.

  4. Renate Hausmann sagt:

    Ich weiß nicht, wie groß der SWR ist, aber ich schätze: sehr groß. Und Sie führen da irgendwelche nicht näher benannten Kontakte an, die halt nicht wissen, warum man sparen muss bzw. was es mit den Einnahmen auf sich hat. Falls Sie das einen Sportredakteur gefragt haben oder jemanden, der Sendungen über Bücher macht oder vielleicht auch jemanden, der als Cutterin arbeitet: All diese Leute wissen normalerweise nicht, was es mit dem Finanziellen zu tun hat. Oder haben Sie dezidiert mit jemandem sprechen können, der für die Finanzen und das Management des Senders da ist?

    Ich arbeite bei der Verwaltung einer mittelgroßen Stadt. Und wenn Sie auf dem Einwohnermeldeamt was zu Grabsteingrößen wissen wollen würden, und der Mitarbeiter weiß das nicht, würden Sie dann auch sagen, dass die Größen der Grabsteine „niemandem so richtig klar“ seien, also damit irgendwas schief läuft?

    Das sind große Unternehmen von mehreren tausend Mitarbeitern. Es ist doch normal, dass da nicht jeder über alles Bescheid weiß. Ich dreh’s mal herum: Wüsste jeder Mitarbeiter viel über die Details des Sparkurses, dann hätten die Leute offensichtlich zu viel Zeit. Ich schätze einfach, die arbeiten in ihren spezifischen Jobs.

    RH

  1. 9. April 2014

    […] funny – when I wrote in this article that it is a mystery to me that the heightened income from the reform of the German […]

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