Auf und davon. Mauererinnerung. Sommerlochtagebuch (7)

Das ist kein Foto, sondern ein Standbild aus einem Fernsehprogramm - ist das dann urheberrechtlich geschützt, Hufi? Wenn ja, ersetze es doch durch ein Foto von Theo Geißler, der sich zusammen mit mir auch noch an den Mauerfall erinnern kann....

Das ist kein Foto, sondern ein Standbild aus einem Fernsehprogramm - ist das dann urheberrechtlich geschützt, Hufi? Wenn ja, ersetze es doch durch ein Foto von Theo Geißler, der sich zusammen mit mir auch noch an den Mauerfall erinnern kann....

Es hat Spaß gemacht, dieses kleine Sommerlochtagebuch. Aber jetzt muss ich mein eigenes Sommerloch aufsuchen und 2 Wochen mal nichts tun, nachdem ich die letzten 8 Monate mehr oder weniger durchgearbeitet habe und viel zu viele Stücke geschrieben und viel zu viele Konzerte gespielt habe. Seltsamerweise setzt ja das schlechte Gewissen des Nichtstuns bei mir quasi am ersten Tag des Nichtstuns ein, was wahrscheinlich heißt, dass ich ein verrückter Workaholic bin und in die Klapse gehöre.

Aber natürlich kann ich auf meine Blogmitstreiter vertrauen, die diese Seiten in den nächsten 2 Wochen befüttern werden, dabei immer brav das Foto-Copyright und den guten Geschmack beachtend, was bei uns im Blog natürlich immer Ehrensache ist, denn wir sind ja allgemein als die Braven der Braven bekannt. Patrick Hahn wird wieder über eine neue aufregende Produktion in Stuttgart berichten, unter dem Intendanten, der früher mal Student meiner Mutter in Gießen war, aber mich leider dennoch nicht kennt; Arno Lücker wird einen vollkommen unerwartet bizarren oder einen vollkommen unerwarteten sanftmütig freundlichen Artikel schreiben, und Alexander Strauch wird ein wortreiches Plädoyer für etwas Schönes, Wahres und Gutes abliefern….
Während ich an einem Strand in Paros liegen werde und meinen Kindern beim Plantschen im Wasser zuschauen werde. Vielleicht werde ich dort Hans Neuenfels und Sissy Trisenaar über den Weg laufen, die dort auch immer Urlaub machen. Das Wichtigste ist glaube ich, dass man nicht nach Mallorca fährt, denn im letzten „Stern“ habe ich gelesen, dass es dort aussieht wie in einer Favela in Sao Paulo, die Insel von den Hells Angels regiert wird und jährlich mehr Deutsche dort Urlaub machen, als es überhaupt Deutsche gibt. Wahrscheinlich tarnen sich die ganzen anderen Urlauber aus anderen Ländern alle als Deutsche, während in Wirklichkeit kein Deutscher außer Jürgen Drews die Insel überhaupt noch besucht. Um sich als Deutsche zu tarnen, legen die Scheindeutschen lauter Handtücher an den Strand und an den Pool, und zwar schon morgens um 6 Uhr, weil man das von den Deutschen eben so erwartet.

Da fällt mir eine meiner Lieblingsanekdoten ein: Ich bin ja inzwischen so uralt, dass ich mich tatsächlich noch an den Mauerfall erinnern kann. 1989 fuhr ich dann auch tatsächlich Silvester nach Berlin, um die allgemeinen Festivitäten mitzuerleben. Mit ein paar Freunden fuhr ich nachts zum Brandenburger Tor, wo Millionen von Menschen zur Mauer drängten um dort Silvester zu feiern und über den Mauerfall zu jubeln. Irgendwie gelang es mir tatsächlich, zur Mauer vorzudringen, auf der schon tausende von Menschen tanzten und feierten. Eine Hand kam von oben, ich wurde hochgezogen. Neben mir standen mehrere junge und vollkommen besoffene Menschen die laut „DEUTSCHLAAAAAND!!!! DEUTSCHLAAAAAND!!!!“ brüllten und deutsche Fahnen schwenkten. Trotz meiner guten Laune versetzte mir das einen Stich ins Herz – als Kind der 80er Jahre war mir ein solches Zurschaustellen von Nationalstolz damals irgendwie unheimlich. „Fehlt nur noch der Hitlergruß“ dachte ich insgeheim.
Aus welcher Stadt waren diese jungen Deutschtümler? ich versuchte, mit meinen Mauernachbarn Kontakt aufzunehmen, aber sie schienen mich nicht zu verstehen. Ich brüllte noch einmal „Von wo seid ihr denn???“. Weiterhin fragende Gesichter. Dann sagte einer der Deutschlandflaggenschwenker: „From where are you, mate?“ und es stellte sich heraus, dass es sich um einen Neuseeländer handelte. Sein Freund war ein Australier. Neben den beiden waren drei Schotten, links von mir eine Gruppe Italiener und ein paar Meter weiter 10 Franzosen aus Paris. Ein surrealer Gedanke kam mir: „Was ist, wenn ich in diesem Moment der nationalen Freude der EINZIGE Deutsche auf der Berliner Mauer bin?“.

Bis heute glaube ich, dass es wirklich so war.

In diesem Sinne,

Euer
Moritz Eggert

Moritz Eggert

Komponist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.