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Meine & Deine Musik – Musikbesitz! Eine Selbstbetrachtung

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Vollkommen klar, sagt der Komponist in mir. Meine Musik ist die, welche ich in mir höre, welche ich auf Papier schreibe, in den Rechner hacke. Wie? „Welche ich in mir höre“. Ich höre Vieles. Längst Komponiertes. Küchengeräte. Sich selbstverknüpfendes, von mir geknüpftes. Ich räsoniere über in mir Klingendes, baue meinen Resonanzraum, der mich bildet.

Was für ein Geschwafel! Immerhin deutet es an, wie vertrackt die Bedeutung von „meine Musik“ ist. Mit guten Verstand und wachen Geist kann ich wie ein Kleinkind auf „Musik aus mir“ und „Musik mit mir“ unterscheidend deuten. Nun kommunitaristisches Geschwätz? Musik und Mitgefühl? Mitleid? Wer nicht komponiert oder improvisiert oder mühsam als Musiker Töne in Mund und Hände überführt, dem bleibt das „Musik aus mir“-Verständnis immer diffus. Natürlich wird „jedermann“ unbeholfener oder gekonnter gehörte Musik je nach Stimmungslage in sich hören können, gar gedanklich mit anderer Musik verbinden, vielleicht sogar kombinatorisch vorkompositorisch.

Wenn der Sprung ins „aus mir tönt es“ nicht gelingt, ein „in mir“ bleibt, müsste die traumwandlerische Weltdeutung von „meine“ Musik, „deine“ Musik versagt bleiben. Dennoch wird jeder sagen, wenn eine gewisse Musik ihn und sie durchbebt, sie durchlebt wird, Gefühle, gar „positive“ (was das auch sein mag…) auslöst, es sei die seine. Sobald Musik im Ohr des Hörers eingedrungen ist, sie in seinem Hirn ihre Bahnen zieht, ist sie seine. Das ist klar. Wann könnte sie vorher seine sein? Entscheidet sich ein Mensch für eine gewisse Art von Musik, für Formen, für Formationen von Musikern, dann gehört er einem Kreis von Menschen an, die ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln, sei es einfach im finalen gemeinsamen Applaus, sei es beim einheimsen von Autogrammen, Noten, weiteren Fetischen, sei es beim Austausch über diese Musik oder der materielle Austausch dieser. Man hat an ihr seinen Anteil. Man lebt in und mit ihr. Ja, es könnte wirklich zutreffen, dass der Hörer, Fan zurecht sagen kann, es ist meine Musik, ich besitze sie.

Die Musikindustrie wirbt derzeit gerne mit dem Unterschied zwischen Musik besitzen und Musik teilen, nutzen. Musikbesitz spricht natürlich genau das Gefühl des „Musik mit mir“, der Anteilnahme, des in ihr Lebens, an. Knallhart meint dies aber nur den Erwerb eines Tonträgers.. Oder eines Audiofiles. Musik teilen im Sinne der Musikindustrie meint platterdings nur das „streaming“ von Musik im Internet. Und es wird genauso dieses Gemeinschaftsgefühl ausgelöst und bedient. In Wirklichkeit wird aber die Nutzung von Musik weiterverkauft, die runde glänzende CD-Scheibe, das kalte Audiofile, dessen Dateisymbol langweiliger als ein Ordnersymbol auf dem PC-Monitor sein kann. Oder eben besonders aufgehübscht wurde.

Hört der Käufer, der eigentliche Nutzer diese Musik, ist sie schon wieder seine, so wird er es sagen. Und ihm wird es egal sein, wie er an sie kommt. Tauscht er dieses wunderbare Ding mit einem Freund auf dem Parkplatz, macht er nur sehr wenig juristisch falsch. Tauscht er es im Internet, macht er höchstwahrscheinlich vieles nicht richtig. Er streitet sogar ab, dass dies eine Kopie sei, denn eine digitale Kopie sei immer was anderes als das originale Medium, derweil andere meinen, es sei dasselbe, der nächste die bakterielle Zellteilung anführt, wo aus einem zwei verschiedene werden. Die einen nennen es Austausch, wie ganz oben erklärt, die anderen Teilen, die nächsten Diebstahl und die Musikindustrie sagt „Raubkopierer“.

Aber ist es nicht was Anderes? Ist es nicht dieses komische Gefühl, diese einende pathetische Kraft, die Musik innewohnt, die sie zum Besitz eines jeden macht, sobald sie die Menschen eint, oder trennt, das Gefühl beim exklusiven Erklingen für den Hörer wiedererweckt, was diese Musik in ihm in der Gemeinschaft mit Anderen auslöste oder er in seiner Einsamkeit weiß, welche verschworene Gemeinschaft gemeint sein könnte? Sprechen Komponisten nicht immer wieder davon, was sie beim Schreiben beeinflusst, wie sie selbst nur ein Medium der Musik sein wollen? Dennoch erzeugt Musikbesitz simple und komplexe Rechtsbeziehungen, denn für das Medium sein und ausüben muss man leben können, braucht man existenziellen Freiraum, der nicht immer auf das nackte Elend zurückführt, so sehr dies auch manche Komponisten anregen kann. Und fielen nicht bereits hässliche Begriffe wie Nutzung und Besitz?

Musik ist wohl unter Menschen so etwas wie eine Wohnung: Man lebt in ihr, richtet sich in und mit ihr ein. Nur ist sie eben mehr. Sie gehört einem und gehört einem nicht. So ist sie eher eine Miets- denn eine Eigentumswohnung, auch dann ist sie weniger ewig denn langes, aber doch begrenztes Erbbaurecht. Für eine Wohnung muss man Miete Zahlen, für das Erbbaurecht einen Zins entrichten.

So bleibt es bei der Nutzung, solange die Musik nicht zu „Musik aus mir“ wird. Erst dann wird sie ästhetisch benutzt. So ist es der GEMA und noch mehr den Nutzern ein schweres, mit dem Komplex Musikbesitz/Internet zurecht zu kommen. So ist es ihr aber leicht gefallen, die 70.000 benutzten Stücke Kreidlers in seiner GEMA-Aktion als abrechnerisch irrelevant abzuhaken, da sie wohl so komprimiert waren, dass das eigentlich zu hörende Wesen ihnen ausgepresst worden war. Rein datentechnisch liesse sich der Ursprung rückwärts aufschlüsseln. Würde man in der Komprimierung allerdings leben wie man in der Musik eben so lebt, ist das Original nicht mehr zu hören. Es sein denn, man geht von Gedanken der Konzeptkunst oder der Datenstatistik aus, was ja auch ein GEMA-Einstieg gewesen wäre. Doch geht es wohl immer auch noch selbst dort um die direkt menschlich erlebte Sphäre von Musik.

Die Bayernpartei scheint in ihrer bairisch-nationalen Spähre nach wie vor Musik sehr direkt zu erleben. Ist sie nicht die allererste Piratenpartei? So macht sie der jetzt Konkurrenz und betet sich noch bizarrer ihre Sphäre zurecht, als ihre globalen Nachfolger, die selbst mit dem Composers-Club (s. S. 3 f.) vernünftig zu reden scheinen.

Es bleibt wohl schwierig mit dem Mein und Dein beim Thema Musik. Einerseits ist sie Nutzung, andererseits macht sie uns Alle zu Jäger und Sammlern, sind wir immer auf der Pirsch nach neuen Entdeckungen. Die einen auf dem Papier, die anderen im Konzert, die nächsten im Laden, und die meisten im Internet. Und ist sie erlegt, so führt man den „Mein-Tanz“ auf, derweil sie schon längst woanders weiterklingt

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