Bad Blog Of Musick

Musikvermittlung und Kinderbilder – hanebüchene Sorglosigkeit im Dienste des Mammon

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Was ist das Schönste am Badblog? Die Kommentare? Manchmal. Die Beiträge Mathias Monrad-Møllers? Geschichte. Moritz Chefsachen? Superwichtig und wahrlich Aufbauarbeit. Aber das Schönste? Keines dieser Beispiele. Die Bilderstorys! Diese heimsen gefühlt die meisten Seitenaufrufe und Facebook-Gefällt-Klicks ein. Ich denke, der Administrator Hufner kann das bei Nachfrage bestätigen. Davon abgesehen wirkt immer am eindrücklichsten die Macht der Bilder, wie ich es mir wieder köstlich bei Moritz’ neuestem Schwemmer-Lämmer-Beitrag reinziehen konnte. Es gibt nichts berauschenderes, als dem Treiben der erwachsenen Menschheit in Fotografien folgen zu können. Wie sinnlos, wichtig, bewegend oder peinlich die Dargestellten abgelichtet sein mögen, das dringt sofort ins Hirn und Herz, ähnlich direkt den Tönen. Und es ist so ungemein befriedigend, wenn man sich ohne grosse Fantasie zu Worten gleich über dazugehörige Bilder seine Vorstellung dazu losschweifen lassen kann.

Schwieriger bis unangenehm wird es, wenn nicht Erwachsene sondern Kinder im Augenmerk der Bilder stehen. Grundsätzlich berühren Darstellungen Heranwachsender unmittelbarer als Bilder von Erwachsenen. So ist es klar, warum Caritas und Misereor immer wieder mit den Ablichtungen halbverhungerter Kinder werben, wenn es ums Spendeneintreiben geht: Der Zweck scheint besonders bei den weltanschaulichen Institutionen jeden Zweck zu heiligen. Ist es verwunderlich, wenn Musikorganisationen, die sich der musikalischen Bildung von und mit Kindern widmen, ähnlich verfahren? Besonders Musikvermittlung greift immer wieder gerne zu diesem Mittel. Nun werden hier keine hungernden Kinder abgebildet, auch wenn man den Bildungspaketen folgend mir nichts, dir nichts Bilder von während der Trommelpause Suppe löffelnden Hartz-IV-Abkömmlingen gut zur Anprangerung unserer absolut realen Missstände nutzen könnte. Das wäre auch zu traurig! Am ehesten werden Kinder gezeigt, die fröhlich Krach oder sogar richtig Musik machen, die Wettbewerbe gewannen oder die staunend zu grossen Instrumenten aufschauen. So verkneife ich mir heute ein Titelbild!

Musikschaffende und Musikaffinen ist klar, dass es in Zeiten von Kürzungen an musischer Bildung und schrumpfenden Kulturhaushalten das Beste ist zu beweisen, dass Musik, besonders die als Hochkultur verrufene Klassik samt Neuer Musik, Altersgrenzen überspringt und nicht nur ein Fall für den Kulturanteil in der Grundsicherung von Senioren ist. Nachdem unsere Politiker bis auf sehr wenige Ausnahmen kaum Zeit und Interesse für Kultur und Musik aufbringen, also all die Arbeit ihren Ohren verborgen bleibt, ist die Macht der Bilder mitunter der effizienteste Weg, um in Sachberichten und Hochglanzbroschüren auf die wertvolle Basisarbeit hinzuweisen. Und wie die Weihnachtskonsumenten von den Hungerhilfen mit Bildern Notleidender drangsaliert, bestrahlt man die grossen Geldgeber mit Fotos von lachenden und staunenden Kinder. Oh Knete, oh komme! Ihr Kinderlein kommet, heisst es, wenn die fröhlichen Kinder ihresgleichen oder deren Eltern anspringen, auf dass diese möglichst ihre Kinder samt Knete der Musikvermittlung überlassen und darauf um so noch berechtigter von der Politik einzufordernde Kohle und Vergoldungen von potentiellen Mäzenaten einzuwerben wäre. Ein kleiner, gemeiner, wenn auch gut gemeinter, Teufelskreis. Es lohnt sich also mal ein kritischer Blick auf dieses Treiben, besonders auf den Internetseiten von Musikvermittlern, die vom Netzwerk Neue Musik profitierten.

Als Referenz dient mir mein gutes, altes Karlsgymnasium München-Pasing. Eine öffentliche Schule mit einem guten Musikprogramm, einer eigenen Homepage und moderaten Umgang mit Bildern von Kindern darauf: Klickt man sich durch, stösst man namentlich abgelichtet nur auf die Sprecher der SMV, die im Falle des Falles auch mal öffentlich in Erscheinung treten müssen, und als kleinen, nicht namentlichen Ausrutscher, auf „drastische Bilder“ der Schulsanitäter. Soweit, so gut. Aber natürlich hat der Virus der lächelnden Musikkinder auch meine alte Schule erreicht und man bildet ohne lange zu fackeln, da es ja x-fach mit y-Kindern an z-Einrichtungen geschieht, die neue Streicherklasse auf einem PDF. Gehen die anderen Abteilungen des Gymnasiums sehr vorsichtig mit der Ablichtung von Kindern um, ist dies bei der Musik zu Werbezwecken quasi selbstverständlich.

Das erste richtige Netzwerk Neue Musik Projekt ist in der Nachbarstadt Augsburg zu finden. „Mehr Musik!“ hat dort aus dem Nichts eine kleine, virile Neue Musik Szene geschaffen. Die erste zu findende Galerie mit Kindern ist „G 8 goes Concert“: Die Kinder sind von hinten zu sehen, vorne ein Ensemble, auch lächelnd. Denkt man ein wenig nach, scheint dann wohl auch den Kleinen das Konzert einigermassen gut getan zu haben. Schwieriger ist es mit der Galerie der Preisträger des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp“. Egal wie alt, ob fast erwachsen oder in der gymnasialen Unterstufe: Alle müssen auf das Bild, um mit ihrem Erfolg die Nachhaltigkeit der Musikvermittlung zu beweisen. Entschuldbar ist dies nur, da diese Kinder als Wettbewerbsteilnehmer sowieso ins „Rampenlicht“ der Öffentlichkeit müssen. Dennoch sei die Frage erlaubt, ob gerade zum Schutz der Jüngsten nicht eine textliche Darstellung ausreichend gewesen wäre. So erlaubt man sich bei einem Konzert Erwachsener die Beschränkung fast nur auf die Raumatmosphäre, derweil musizierende Kinder von St. Stefan in tagesheller Volldarstellung zu geniessen sind. Hätte man sich da nicht eher auf eine Raumatmosphäre beschränken sollen? Seltsam: Kinder sind allzu hübsch und heiligen gnadenlos den Zweck der Selbstdarstellung des Musikvermittlungserfolgs.

Arbeitet man sich auf den Seiten des Stuttgarter Netzwerk Süd ein, wird man erstmal nicht sofort fündig. Dann findet sich aber ein Lehrerfortbildungsseminar, dessen Flyer (Achtung: sich selbst downloadendes PDF!) auf Seite zwei nicht umhin kann, zwei Mädchen nett an ihren Cellos zu bebildern. Warum nicht Lehrer an ihrem Schreibtisch? Wäre wohl in alle Richtungen nicht genügend werbewirksam. Genauso findet sich unter den ersten einsehbaren Veranstaltungen ein Improvisationsprojekt, welches ganz unimprovisatorisch kalkuliert junge Menschen zeigt, wie sie klischeehaft an der Perkussion locker sind und arbeitsam verkrampft die hohen Streichinstrumente malträtieren.

Das Klangnetz Dresden leistete sich sogar eine eigene Homepage für seine Musikvermittlungsprojekte. Wie allgemeiner Usus, springen auch gleich auf der Willkommensseite Kinder ins Auge, natürlich im Zentrum ein lächelndes Mädchen an einem exotischen Regenmacherrohr und an einem nicht zu kleinen Tam-Tam ein Kind, das dieses „Riesending“ in Schwingung versetzen darf. Da groovt doch gleich die Mitmach- und Geldherausrückseele mit! Wieder heiligt der Zweck die Mittel. Einzig auf dem Regenrohrbild scheint das vorletzte Mädchen in der ersten Reihe skeptisch ihrer Ablichtung entgegenzusehen! Hat sie jemand gefragt? Generell ist ja immer das Einverständnis einzuholen. Nur wer unterschreibt dies? Die Eltern, die sich in der Mehrzahl freuen dürften, wenn ihr so kulturell umtriebiger Nachwuchs in die Öffentlichkeit gezerrt wird, kann man im Falle des Falles beim Kaffekränzchen oder Stammtisch damit angeben, um wieviel aktiver die eigenen Kinder als die der anderen sind, was man nicht Alles tut, welches dann quasi nicht nur in Schwarz-Weiss, sondern RGB-Hochglanz vorliegt.

Weiter nach Berlin! Dort findet man „Querklang“, kein dezidiertes Netzwerk Neue Musik Projekt. Man glaubt erst, dass die Kinder auf der Homepage nur verdeckt vom Leseframe zu sehen seien. Klickt man sich aber fröhlich durch die fröhlichen Kinder, so stößt man gar auf einen Film, der Kinder aller Berliner Schichten und Nationen beim Musikwahrnehmen und Ausprobieren zeigt. Dass dies generell ein gutes Unternehmen ist, sei mal nicht in Abrede gestellt. Das könnte sich durchaus selbst genügen, ohne fotografiert oder gefilmt zu werden. Liest man auf der Vimeo-Seite den Text unter dem Film, wird sofort deutlich, dass in erster Linie die Förderung, deren Nachhaltigkeit und Fortsetzung der Grund für diese bewegten Kinderbilder sind: „Ein Kooperationsprojekt der Universität der Künste, Klangzeitort, K&K Kulturmanagement & Kommunikation, Kulturkontakte e.V. und dem Festival für aktuelle Musik, „MaerzMusik” der Berliner Festspiele in Zusammenarbeit mit Berliner Schulen und freischaffenden Komponist/innen.“ Besonders schräg das aktuelle Facebook-Titelbild: Wohl islamische Kinder mit buddhistischen Klangschalen. Ob dies im Sinne aller Beteiligten ist?

Was soll man dazu noch sagen? KomponistInnen, verkauft für sowas nicht Eure Seelen, mag es auch nett, wichtig und ein wenig geldbringend sein. Liebe Eltern, überlegt Euch genau wofür Ihr Euer Ablichtungseinverständnis hergebt. Liebe Musikvermittler, seid ein wenig umtriebiger und nachhaltigkeitssüchtig, lass mal Eure Marketing- und PR-Konzepte in Bezug auf Kinder im Schrank. Ja, und das Wichtigste: Liebe Kultur- und Bildungspolitiker, vertraut nicht den Hochglanzbroschüren, sondern schwingt Euch gefälligst persönlich vor Ort und bringt dann aber nicht Euren Hoffotografen für den Wahlkampf mit! Begnügt Euch mit in Worten abgefassten Sachberichten, Bildern der Lehrer und weiteren beteiligten Erwachsenen. Aber fallt nicht auf die Kindermasche herein, nur weil auch ihr Euren Instinkten und Trieben eher folgt als den Fakten. Wie auch immer, fröhliche Kinder, die so oder so Musik versuchen oder machen sind ein Geschenk! Aber ist es wertlos, dass man damit Hausieren muss wie ein Gemüsetandler (bairisch für Gemüsehändler)? So wird der grösste und beste Schatz, unser Nachwuchs, verhökert wie Pauschalreisen, die mit Kindern am Sandstrand werben. So werden Kinder künstlich zu Personen von halbwegs öffentlicher Relevanz degradiert!

Autor: Alexander Strauch

Komponist

4 Kommentare

  1. Darüber habe ich noch nie nachgedacht, aber Du hast vollkommen recht, Alexander!
    Es geht gottseidank auch dezenter:
    http://www.facebook.com/pages/ALL-DIESE-TAGE/202143496496792
    Auf der Facebook-Seite meiner aktuellen Oper (an der auch viele Jugendliche beteiligt sind, auch im Rahmen eines geförderten Projektes – von Werder Bremen übrigens) sind nur abstrakte Bilder zu sehen, auf der “privaten” Seite der Produktion für die Jugendlichen selber sind zwar viele Bilder, dazu muss man sich aber erst einmal um die Freundschaft erwerben, mit “like” allein bekommt man nichts zu sehen.
    Werder Bremen macht schon so lange erfolgreiche Jugendarbeit in Bremen, dass sie dafür anscheinend keine Werbung machen müssen, und das Theater geht ebenfalls sehr vorbildlich mit den Jugendlichen um. Pressetermine etc. sind natürlich freiwillig und werden immer extra angefragt.

  2. Hallo Moritz! Sehr schöne Produktion!! Es kommt eben immer darauf an, wie man vorgeht. Eine Oper oder gar ein Film ist irgendwann auch etwas anderes in vertraglicher wie jugendrechtlicher Natur als eher musikschulähnliche Angebote, die beworben oder nur dokumentiert werden. Sobald die Kinder einen Bühnenvertrag in der Hand haben bzw. ihre Eltern und man das auf keinen Fall gegen den Willen der Kinder machen kann, ist eine ganz andere Art von Öffentlichkeit samt entspr. Bewusstsein – hoffentlich – dafür gegeben. Dass z.B. wiederum gewisse Kinderchöre oder Jugendorchester ihre Kids anderweitig ausnutzen, dafür die Eltern noch zahlen müssen, das ist wieder eine andere Sache. Meine Mutter, ehemal. Chorsängerin an der Bayr. Staatsoper, konnte da interessante Stories über Gastknabenchöre berichten: Die Chordamen spendierten den Jungs Colas bzw. hielten den Chorleiter jenes Gastchors – nicht der hauseigene – ab, in der Probenpause die Kinder nochmals extra musikal. proben zu lassen. Wenn also Musiker wie Eltern und die unbedarften Kinder manche Schritte zuweit gehen, dann sollten PR und Management erst Recht eine besondere Sensibilität für das Thema Kinder, Arbeit und Öffentlichkeit an den Tag legen. Eine Dir auch bekannte PR-Dame erzählte mir zuletzt, wie sie z.B. wunderbare Figurinen a la Scherenschnitt für eine Produktion mit Kindern einsetzte, die PR der Partner dann aber immer die Kindergrossaufnahmen veranlasste… What a crap! Aber wie schön, dass es eben auch PR-Menschen mit solch einem wachen Geist wie sie gibt!

    Gruß,
    A. Strauch

  3. Mal ehrlich – Alexander Strauch – ich finde es sehr schade, dass Projekte auf diese oberflächliche Art und Weise hier in einen Topf geworfen werden, die doch so gar nichts miteinander zu tun haben!

    Und: das SchülerInnen stolz sind auf die Uraufführung ihrer eigenen Komposition kann man durchaus fotografisch festhalten – ebenso wie den Prozess des experimentellen Komponierens filmisch zu dokumentieren! Ich finde diese Dokumentation von Björn Speidel im übrigen sehr gelungen! Behutsam werden die Kinder auf ihrem experimentellen Forschungsprozess begleitet und dazu sind die Uraufführungen der 49 in der Zwischenzeit entstandenen Schülerkollektivkompositionen ebenso als Ergebnis zu betrachten.

    Und ja: auch musikalische Bildungsarbeit kostet Geld und daher sind wir froh, dass es QuerKlang gelungen ist schon in das 10. Jahr zu kommen (momentan arbeiten wir parallel mit 11 Schulklassen verschiedenster Altersgruppen in Berlin!) und durch konstante Partner und leider immer noch wechselnde Geldgeber ein stabiles und wachsendes Qualitätsniveau eines sich durch die Anlage kontinuierlich selber verbessernden und entwickelnden Projektes erreicht zu haben! Das soll uns erst mal jemand nachmachen und vorallem mit dem geringen Budget was wir dafür zur Verfügung haben!

    Ja. QuerKlang ist Wachsen und zwar aller Beteiligten – der Schülerinnen und Schüler, der Studierenden, der Lehrenden und der Komponistinnen und Komponisten und dem Leitungsteam. Alle in diesem Projekt sind immer Lernende – es gibt keine fertigen Konzepte die jemandem übergestülpt werden sondern es ist ein offenes System welches musikalische Öffnung und Bildung auf höchstem NIveau ermöglicht!

    Also: auch in einem BAD BLOG lohnt es sich offen zu bleiben und nicht immer nur alles nieder zu machen ohne inhaltlich in die Materie ein zu steigen!

    “Scherenschnitt” und Schblonenprojekte gibt es ohne Ende und die gewinnen auch viele Preise und verpulvern dafür auch viele MIttel. Aber gerade deshalb lohnt sich eben auch mal ein Blick in die Tiefe!

    Deutsche Mädchen mit Kopftuch die mit arabischen Küchenschüsseln (vermutlich made in China) aus den Haushalten der verschiedenen MItwirkenden Musik machen sind eben nicht in eine Schablone zu schieben sondern sind eigenständige und eigensinnige Menschen die durch die Erfahrungen mit experimenteller Musik wichtige Impulse für die Gestaltung ihres eigenen Lebens erhalten!

  4. @ kerstin wiehe: erstmal vielen dank für den kommentar. zuerst nochmals der hinweis: niemand stellt basal die pädagogische und künstlerische arbeit von querklang und der anderen genannten initiativen in frage, s.o. . ob man sich nun mit diesen jeweils zusammen erwähnt finden möchte, das muss jeder für sich entscheiden. hier ging es mir, ich wiederhole mich, nicht um die grundarbeit. mir ging es um die frage der bild-präsentation via fotos der abgelichteten hauptbetroffenen: die darstellung von kindern, nicht zu rein chronologischen zwecken, sondern natürlich auch im sinne der eigenwerbung. das bizarre an reiner produktwerbung, wie der für familienstrandurlaub, ist, dass man dort vom schriftlich fixierten einverständnis der eltern ausgehen, im rahmen der stellvertretung für die gegen entlohnung arbeitenden kinder. man kann nur hoffen, dass diese dabei ihren spass haben und nicht nur dem ehrgeiz der erwachsenen ausgeliefert sind. vollkommen harmlos dagegen natürlich bilder von musizierenden kindern. allerdings liegt hier v.a. das generaleinverständnis für das musikmachen vor, weniger für die bildaufnahmen, sei es als kindlicher konzertbesucher oder kindlicher musizierender. ich gehe natürlich davon aus, dass ausser dem fotografen bei all den darstellungen die kinder selbst, vertreten durch ihre eltern, der weiteren öffentlichen verwendung zugestimmt haben, insbesondere für homepages, broschüren, etc. wobei das sich ja nicht immer ins letzte glied sinnvoll durchführen läßt. ein grund, warum ich z.b. meine eigene facebookseite inzwischen nach aussen abgeschottet habe. ausserdem ist bei all den konzertveranstaltungen mit kindern oder auch erwachsenen kaum noch kontrollierbar, wer wen wie mit seinem smartphone aufnimmt. das andere bizarre: wenn z.b. mein vhs-orchester, reine erwachsenenbildung, für zwecke der vhs abgelichtet wird, muss jeder und jede sein schriftliches einverständnis geben. wie sensibel ist man dabei nun im umgang mit kindern? es ist ja mehr als bekannt, dass ehrgeizige eltern nicht davor zurückschrecken, ihre kleinen ins licht der öffentlichkeit zu rücken – besonders bei wettbewerben, klassenkonzerten, etc. dies hat mich selbst als kind immer masslos geärgert, wie andere eltern ihre kinder nach vorn schoben, sich für kameraplatzierung jeden raum herausnahmen. dieses gebaren mag den eltern von kindern, die über musikvermittlung überhaupt zum ersten mal mit selbstgemachter musik in kontakt kommen, noch fremd sein. da mag man noch so behutsam sein: aber wie gerade das bild der kopftuchtragenden, wohl islamischen glaubens seienden, klangschalen spielenden mädchen auf der querklang-facebook-seite zeigt. als musikpolitisch und musikbetrieblich wissender mensch sehe ich natürlich die sich aufzeigende offenheit, wenn potentielle mohammedanerinnen auf potentiell taoistischen musikgerät im berlin des 21. jahrhunderts machen: ein versöhnliches cross-over der kulturen. sehen das abgelichteten und ihre eltern genauso? oder dient es letztlich einem nicht gedachten, aber doch mitschwingendem kulturellen vorteil der zeitgenössischen westlichen kunst und kultur? es ist ein tolles motiv, das wohl ausdrückt, was querklang im positivsten sinne kann. aber ist es wirklich geeignet? müssen es letztlich die kinder sein. langer rede kurzer sinn: ich wünsche mir von der kindlichen musikvermittlung eine art gütesiegel, was bezeugt, dass allgemeines, offenes und nicht nur konkludentes einverständnis vorliegt, rein chronologischen einsatz von kinderbildern, auf keinen falle zu welchen werbezwecke und werbegrad auch immer! ich sah erst letzthin wieder werbefotos von, natürlich mit “nette musizierenden kindern”, sogar als reine werbung erkennbar und nicht nur gutes motiv – also kann man wieder das bizarre einverständnis der eltern unterstellen. letztlich aber doch nicht besser als nimm-2-werbung… damit mache ich mich nun bei weiteren mir bekannten berlinern unbeliebt. aber es ärgert mich, wirklich! aber die kritik am umgang mit bildern wird dann gleich zur generellen systemkritik umgemünzt. ich vermisse differnzierung!!!

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