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Neue-Musik-Verbot in der Elbphilharmonie

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Dass man in Hamburg, gelinde gesagt, Neue Musik “eher nicht so” (Bürgermeister Christoph Ahlhaus, CDU) schätzt, ist bekannt, nicht erst seit dem Hinweis von Patrick auf dieses schlecht gemachte, wie unlustige, wie im Grunde faschistoide Video.

Selbst die hartnäckige Initiative Das GANZE Werk hat erkannt, dass Neue Musik in Hamburg schlicht unerwünscht ist – und ihre jahrelange Tätigkeit im Oktober 2009 beendet. Denn ihr Unterfangen, durch Unterschriftsaktionen und pedantisch genaue inhaltliche Kritik den Radiosender NDR Kultur (in Hamburg zuhause) dazu zu bewegen, ein annähernd niveauvolles Programm auf die Beine zu stellen, beispielsweise mit einer guten Präsenz der Neuen Musik, scheiterte. Weil der NDR sich einfach weigerte, die Forderungen als angemessen anzuerkennen. So gibt es im NDR in Hamburg also weiterhin nur “verschwiegene Musik des 20. Jahrhunderts” (Zitat, Das GANZE Werk). Abschließend stellte die Intiative fest: “Wir bedauern dieses schleichende Ende des Kulturfunks dort oben. Ruhe in Frieden, NDR Kultur.”

Ein weiteres, höchst aktuelles Beispiel ist die heute erschienene Meldung (dpa), nach der es in der sich noch bis 2021 im Bau befindlichen Elbphilharmonie (Arbeitstitel intern: “Hamburg 21″) nach Fertigstellung keine Neue Musik geben soll. Jedes Werk nach 1945 müsse leider draußen bleiben, so eine schüchterne, aber ziemlich süße Sprecherin des Hamburger Senats. Erstens, weil “voll unschön, so schräg irgendwie, nee, mag ich nicht!”

Zweitens halte die Statik der Elbphilharmonie keine Dissonanzen aus. “Neue Musik würde der Bausubstanz langfristig irreparable Schäden zufügen, ungefähr so wie es historischen Violinen nicht gut tut, wenn man sie atonal bespielt”, so gab das Schweizer Architektenduo Herzog & de Meuron heute – erstaunlich interdisziplinär gebildet – bekannt. “Plötzliche Fortissimo-Einbrüche, womöglich noch dissonant durch irgendwelche Blechbläser untermauerte Akkorde könnten der sensiblen Innenraumakustik, die weltweit einzigartig ist, zusetzen. Und zwar so, dass das dann wieder ca. 560 Milliarden kosten würde.”

Nach der Pressemeldung der dpa reagierte Karl Olaf Petters von der Kulturbehörde Hamburg erleichtert: “Boah, krass – ich meine, w e n n das Ding denn mal fertig ist, dann will ich dadrin gefälligst auch richtig fett Bruckner hören. Und nicht diesen Carl-Anton-von-Webern-Dreck! (Entschuldigen Sie, können Sie das nachher schneiden?)”

Auch Hochtief-Sprecher Bernd Pütter sprach von einer “wichtigen” Entscheidung. Der Neuen Musik ein Aufführungsverbot für die Elbphilharmonie zu erteilen, so Pütter, sei ein richtungsweisender Schritt in die richtige Richtung.

Einzig Peter Tschentscher (Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und Finanzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion) gab sich in einer spontan improvisierten Pressekonferenz in einem zeltartigen Pavillon vor dem maroden Unfertig-Bau (“Hui, ganz schön windig hier, nech?!”) zunächst vorsichtig skeptisch: “Ich meine, meine Frau liebt ja diesen Quatsch. John Williams und so. Aber vielleicht ist es besser so. Es lebe die Elbphilharmonie!”

[Satire]

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Autor: Arno

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Lücker engagiert sich ehrenamtlich für "Yehudi Menuhin - Live Music Now". Seit Oktober 2010 arbeitet er als Dramaturg am Konzerthaus Berlin.

5 Kommentare

  1. Jan Delay macht jetzt “Neue Musik”!

    Ich trübe Tasse! Arnos Artikel lesend schwellte sich mein Kamm auf und ab, ist das Satire oder ist das doch “echt”? Uff, doch nur Satire! Dennoch googelte ich sofort Elbphilarmonie, Hamburg und Neue Musik, auf einen schönen Verleser stossend, der doch irgendwie uns altbackenen Neue-Musik-Festhaltern, nach all der HH-NDR-Neue-Musik-Ödnis, Hoffnung geben sollte.

    In der Welt vom 15.9.10 zu Lady Gagas Fleischberg-Outfits befragt, seinem eigenen Kleidungsstil befragt und Verneinung eines eigenen Modelabels sagt er:”Nee, das ist zu anstrengend, zu viel Arbeit, ich will Musik machen, das hält einen nur davon ab.”

    Die Welt dann weiter – jetzt kommt’s:”Neue Musik habe für ihn erstmal Priorität:’Ich werd’ mich jetzt ein Jahr einschließen und nur Musik machen’.”

    Ist das nicht hübsch? Neue Musik wird durch deutschsprachige Hip-Hopper wieder en vogue. Oder bin ich da Opfer der Rechtschreibregeln zur Grossschreibung am Satzanfang geworden, samt dem Begriffswirrwarr um “Neue Musik”, “New Music”, “Musique Nouvelle”? Muss mich wohl nochmals vom NDR-TV-Kulturjournal belehren lassen. Werde ich wohl sein lassen. Hörte den Schottenhamel-Vizekoch (Wies’n!) letzthin, dank Rauchverbot, vor einer merkwürdigen Bar im Glockenbachviertel plärren, dass es nun auch bei ihm im Zelt “o naie musi” geben würde, er meinte wohl den Ton, Umgangston in der Küche (“kuch’n”).

    Also hoffen wir auf des Hamburger Hiplihopli wortwörtliche annuale Klausur-Anwendung seines hinteren Künstlernamenteils und werden demnächst vom SWR-Experimentalstudio in Koproduktion mit Herrn Delay Riesen-Verzögerer vor der Stuttgarter Bahnhofsabrissbirne (verzögert und zu spät) sehen, die er per voice-code steuert, in Gedenken an Schlingensiefs Johanna-Erlösung rappend:”Alte, Komm’ runter vom Haufen, lass uns nach Hamburg schnell laufen! Ich bring’ ne Neu’ Musik der Elbe, klingt wie die Alte und blieb doch dieselbe…”

    Aus Isarathen, ganz alt aussehend ob so wenig Niveau meinerselbst,

    Lokführer Strauch

  2. @ arno,

    bravo. Aber: wieso “Satire”: Realsatire öhöm:
    genau so wird es kommen!

  3. So ein Schmarrn!

  4. Lieber 011n (mit 0815-Antwort),

    Falls Sie ein dem NDR oder der Elbphilharmonie nahe stehender sind, dann trauen Sie sich doch, mit Ihrem Namen hier zu posten. Dann könnte man sich in ein paar Jahren wieder unterhalten, wer mit seinen Prognosen Recht hatte.

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