Ein mutiger und wichtiger Beitrag, Arno.
Ich muß in dieser Diskussion sehr vorsichtig sein, denn Jörg und ich sind gut befreundet, und ich schätze ihn als Musiker wie Komponisten sehr, kann aber auch nachvollziehen, was Du zu seiner Position in der Szene geschrieben hast.
Es passiert eigentlich in allen Ländern (vor allem in England, siehe Ades oder Turnage) – alle paar Jahre braucht es einen “Unantastbaren”, eine Art Referenzkomponisten auf den sich alle einigen können, damit man sich auf die Schultern klopfen und sagen kann “Was wollt ihr denn – es gibt doch tolle Neue Musik. WO ist hier die Krise?”. Bei Jörgs Bewunderern nimmt das manchmal schon skurrile Formen an, wenn man sich so manche Kritikerergüsse über ihn anschaut. Da kommen dann so Formulierungen wie “Seine Musik ist wie ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann” und die Latte wird schon ziemlich hoch gehängt, da könnte dann auch ein Beethoven nicht mehr wirklich mithalten bei all dem Geschwall.
Nun ist ein bißchen die Frage inwieweit man sich eine solche Rolle bewußt aussuchen kann, und ob es wirklich das Erstrebenswerteste ist, eine solche Rolle zu bekommen. Jörg ist zwar gewiß auch ehrgeizig und bedient gelegentlich auch die Erwartungshaltungen (oder erfüllt “den Rahmen”), dennoch gibt es bei ihm aber auch immer wieder sehr Mutiges und Eigenwilliges, ein fantastischer Musiker ist er ohnehin, also finde ich seinen Erfolg nicht falsch, sondern gönne ihn ihm von Herzen. Aber gibt es wirklich nur ihn (und vielleicht noch Pintscher)? Natürlich nicht. Und auch England besteht nicht nur aus Thomas Ades (auch wenn dieser mit großer Regelmäßigkeit von der dortigen Presse zum englischen Musiker des “Jahrtausends” hochstilisiert wird – armer Kerl!).
Was wiederum Rihm angeht – der hat doch sehr viel für uns Alle aufgebrochen, vor allem in den 80er Jahren, als er eine bedingungsloses Recht auf Individualität (damals mißverstanden unter der Bezeichnung “Neue Einfachheit” – sprich, man darf auch mal wieder einen “Ländler” schreiben, ohne dass man dafür von den Darmstädtern massakriert wird – übrigens ein tolles Stück von ihm) für sich einforderte und für uns alle erreichte. Damit hat er den Weg für uns freigemacht – ich bin ihm dafür sehr dankbar.
Im Moment hat man ja das Gefühl, es sei ein klein wenig stiller um ihn geworden – er schreibt zwar genau so viel wie vorher, aber er dominiert nicht mehr so die Feuilletons, vielleicht täuscht das auch und es ist einfach nur eine Ermüdungserscheinung (des Feuilletons). Aber mein Eindruck ist schon, dass er ein wenig “gesettelt” ist, und dass das auch ein Problem ist, denn wenn alle immer nur alles bewundern was man macht, kann das auf Dauer nicht wirklich gut für einen selber sein. Ich würde ihm aber jederzeit zutrauen, uns mit einem neuen Stück jederzeit komplett umzuhauen – ein unglaubliches Talent ist er auf jeden Fall!
Aber in Arnos Artikel geht es ja gar nicht darum, ob Jörg und Rihm “würdig” sind, das wäre zu billig (und dass beide sehr gut sind, haben sie glaube ich oft genug bewiesen), sondern eher darum, wie sich eine Szene solche Rollen bewußt schafft und damit natürlich auch manches unterdrückt. Das Problem sind also nicht Rihm und Widmann, sondern wie man mit ihnen umgeht (vielmehr: wozu sie benutzt werden). Vielleicht ist es auch weder für Jörg noch für Rihm künstlerisch das Beste, eine solche Rolle zu haben. Ich persönlich bin froh, diese Rolle nicht spielen zu müssen – ich bekomme zwar deswegen sicherlich mehr Gegenwind, aber dafür kann ich noch Reibung erzeugen und bin vor allem in meiner eigenen Arbeit komplett frei. “Ist der Ruf erstmal ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert” – wie so oft hat Wilhelm Busch hier komplett recht. An der kompletten Ruinierung meines Rufs arbeite ich schon seit einiger Zeit… und siehe da, ich fühle mich zunehmend freier in meiner Arbeit :-)
Arnos letzte Worte in dem Artikel, nämlich dass vielen Komponisten die eigene Musik eigentlich egal geworden ist gegenüber taktischen Überlegungen und Positionierungen, kann ich aber nur bestätigen. Für einen selber ist das eine Riesengefahr. Ich habe schon oft gesagt, dass die Schnittstelle “Ich will berühmt werden/Ich schreibe das, was mir WIRKLICH selber Spaß macht” in der Neuen Musik nur sehr selten funktioniert, und das ist natürlich erschreckend. Vor allem, da es in der Neuen Musik wirklich nur um eine sehr begrenzte Form von Ruhm geht, von der der Rest der Welt eher wenig mitbekommt. Jungen Komponisten könnte ich also nur raten, sich eher an den Komponisten ein Beispiel zu nehmen, die ein bedingungsloses Einssein mit der eigenen Arbeit anstreben und diesem auch höchste Priorität vor taktischen Überlegungen geben. Das ist letztlich das, was uns glücklich macht, und das ist auch das, was überdauert, da bin ich ganz sicher.
Ruhm ist viel flüchtiger, als man gemeinhin meint. Mein Lehrer Wilhelm Killmayer zählte mir mal eine lange Liste von Komponistennamen auf, die in den 50er Jahren die Szene komplett dominierten – keinen einzigen davon kannte ich! Vielleicht kann Theo Geißler hier auch noch ein paar Namen nennen, an die er sich erinnert – er hat ein wesentlich besseres Gedächtnis als ich! Dies sind alles Prozesse die so alt wie das Kulturleben selber sind, und alles ist möglich, auch – man höre und staune – dass mancher ZU RECHT berühmt ist….
Aber der Blick in den Spiegel, morgens, den nimmt uns keiner ab. Und wenn man den schafft, ohne sich schämen zu müssen, ist schon viel gewonnen.
Euer Bad Boy
Moritz Eggert
PS: Ich fände übrigens interessant, wie Patrick hierüber denkt, steht er doch sozusagen auch auf der Seite der Beurteilenden. Wie ist es zum Beispiel für einen englischen Kritiker, über Ades zu schreiben, und wie ist es für einen Deutschen? Gibt es auch dann so etwas wie einen Anti-Effekt? Kann etwas “zu viel gelobt” werden? Das würde mich sehr interessieren, Patrick….













danke für die direkte frage, moritz. habe auch schon gegrübelt, wie ich auf arnos artikel reagiere und ich stimme mit dir in vielen punkten überein.
1. die (neue) musik braucht noch viel mehr jörg widmanns!
2. wenn wir viele davon hätten, was machen wir dann mit all den “jahrhundertereignissen”? wie würde man über das außergewöhnliche sprechen, wenn es das alltägliche ist?
will versuchen, meine antwort am montag zu geben. denn am sonntag höre ich widmanns oboenkonzert, das er für holliger geschrieben hat. (und dessen anklänge an die französische ouvertüre, die manchem rezensenten fragezeichen in die stirn getrieben hat, einem klavier mit dem namen “rameau” geschuldet sein sollen, das ihm zur zeit der niederschrift zur verfügung stand.) bis dahin amüsiere “ichkölsch” mich mit “dubairischen tänzen”.
Patrick, hat jetzt die “Aura des Kritklosen” auch bei Dir zugeschlagen ? :-) Also, ich bin gespannt, was Du schreibst…
Also: Ein paar “vergessene” Komponisten der jüngeren Vergangenheit (ob zu Recht oder Unrecht stelle ich anheim): Da wären: Fritz Büchtger (ich behaupte ausnahmsweise: zu Unrecht), Niels Frederic Hoffmann (schrieb die hochpolitische Oper “…so kann es nicht weitergehen, aber so geht es weiter…”, 1972), Rudolf Kelterborn, Walter Haupt (früheste Multimedia-Erfahrungen…), dann Peter Jona Korn, Paul Burkhard (Zürich), Ladislav Kupkovic, Jürgen Beurle (Tage der neuen Musik Hannover), Leoncjusz Ciuciura, Fritz Geißler, Paul-Heinz Dittrich, Hans Otte, Lohannes G. Fritsch, Luc Ferrari, Emiil Petrovics (”Schuld und Sühne”), Klaus Hashagen, Frank Michael Beyer, Roland Moser (”Heinelieder”), Tilo Medek, Wolfgang Fortner, Rolf Liebermann, Manfred Niehaus, Peter Westergaard, Georg Kröll, Dieter Einfeldt. Erhard Karkoschka, ….was man so alles gehört hat…, wäre leicht fortzusetzen…
Danke für diese Liste, Theo, immerhin kannte ich mehr als die Hälfte der Namen auf Anhieb, und viele sind auch wirklich sehr zu Unrecht vergessen, zum Beispiel der großartige Luc Ferrari. Manche sind auch nicht so vergessen, zumindest nicht in der Szene, aber es gibt eine Diskrepanz zwischen einer damaligen Rezeption und einer heutigen Rezeption.
Fortner zum Beispiel war zu seinen Höchstzeiten eine Person des Musiklebens, an der man nicht im Geringsten vorbeikam – man musste ihn entweder aufführen oder bei ihm studiert haben, auf jeden Fall eines von beiden. Bei ihm ist das Sinken der Anerkennung besonders schnell gegangen, was angesichts eines durchaus interessanten Werkes verwundert, aber angesichts seiner ja auch nicht ganz unproblematischen Persönlichkeit auch wieder nicht.
Irgendwie gab es damals aber auch noch nicht das, was wir heute “Hype” nennen, also eine Art Ergebenheitsstarre des Feuilletons, das seltsame Blüten treibt. Man denke zum Beispiel an eine “vergessene” Komponistin der Neuzeit, Silvia Fomina, die eine Zeit lang als die wichtigste Komponistin des Jahrtausends gehypet wurde. Was über sie damals geschrieben wurde wirkt heute – mit einigem Abstand betrachtet- komplett lächerlich. Und damit will ich gar nicht sagen, dass sie eine schlechte Komponistin ist!
Oder erinnert euch an Herbert Willi, ein Schottphänomen über das wir schon gesprochen haben und der ungefähr 2 Jahre lang ÜBERALL aufgeführt wurde, jetzt fast gar nicht mehr. Detlev Müller-Siemens, Hans-Jürgen von Bose …alles Komponisten, die heute noch arbeiten (und auch durchaus gut), aber doch ihre eigene fast rauschhafte Prominenz nie wieder erreichen konnten (und darunter vermutlich auch leiden).
Manch einer mag so etwas mit Schadenfreude sehen, aber ich finde es ehrlich gesagt manchmal erschreckend wie gnadenlos solche Prozesse ablaufen, und wie schnell der letzte Schrei Schnee von gestern ist. Und das es eben den Gehypeten auch schadet, also den gegenteiligen Effekt hat.
Das gibt es auch auf der “anderen Seite”, also der Musikkritik und -wissenschaft. Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn dominierten Jahrzehnte lang das Neue Musik-Leben als Herausgeber, Dramaturgen, Autoren und scharfe Kritiker – heute leben sie verarmt und unter erbärmlichsten Verhältnissen in Berlin und sind auf Spenden und Nächstenliebe angewiesen. So geht die Neue Musik mit ihren Protagonisten um, eigentlich schlimm…
Lieber Theo Geissler,
knapp die Hälfte gekannt – Hashagen noch persönlich, was für ein liebenswerter Mensch, der in Nürnberg versuchte elektronische Musik im dortigen Konservatorium anzubieten – es ist dann bei dem Einführungskurs geblieben. Dass nicht mehr daraus wurde, lag sicher nicht an Hashagen.
Es gibt heute noch immer keine verbindliche MusikerInnen-Ausbildung, die das 20. Jahrhundert zur Grundlage des aktuellen Musizierens macht, nein, es ist das 17. , 18. und 19. Jahrhundert, das eingetrichtert wird.
Ich plädiere dafür, das ganze Ausbildungswesen zu trennen: die Musikstudentinnen müssen sich nach spätestens 2 Jahren entscheiden:
Alte Musik – dann ab zu Harnoncourt und Konsorten vom Stadttheater Trübleinsdorf, und Finger weg vom 20. und 21. Jahrhundert. – oder:
Neue Musik: dann nur 20. und 21. Jahrhundert und alles was davor ist dient, wie ein verstaubtes Röhrenradio, zum Ausschlachten – z.B. für experimentelle Zwecke a la B.A.Zimmermann (dessen Visionen sind den Neue-Musik-Potpourri-Schreibern von heute so verständlich wie die Relativitätstheorie).
beste Grüße aus dem Labor
– wechselstrom -
lieber herr geissler, das ist eine schöne liste. die meisten der genannten namen sind mir bekannt und ich habe von einigen der genannten auch schon stücke bei mir in programmen gehabt, da waren interessante und tolle stücke dabei. moritz hat noch andere namen dazu gesetzt (luc ferrari find ich übrigens auch super – nicht nur wegen des namens) und da fiel mir etwas ein. die gema hat nämlich anhand von den aufführungszahlen eine interessante beobachtung gemacht. es ist häufig der fall, dass bei komponisten, die eine professur an einer hochschule erhalten, plötzlich die aufführungszahlen schlagartig zurückgehen. sie haben jetzt ein festes, gesichertes einkommen und sind auf aufträge, aufführungen, tantiemen usw. nicht mehr so stark angewiesen, müssen sich nicht mehr so „kümmern“, abgesehen davon, dass eine lehrtätigkeit zeit „frisst“. das ist natürlich nicht bei allen so, aber in manchen fällen sehr auffällig. wenn man sich mal die namen von kompositionsprofessoren der hochschulen durchliest, stellt man sich schon mal die frage, wann eigentlich das letzte mal von dem oder dem was zu hören war.
Johannes K. Hildebrandt
@Johannes,
der Gedanke mit der Saturiertheit in einer festen Stellung kam mir auch, als ich die Liste gesehen habe: neben Professoren sind ja noch ein paar festangestellte Rundfunkredakteure und Lehrer darunter. Aber es gibt ja auch eine stattliche Anzahl von Gegenbeispielen, Leute, die eine Professur nicht daran hindert, weiter zu komponieren und Aufträgen und Ehrungen nachzujagen und -formen.
Die Liste ist außerdem doch auch ziemlich heterogen, was die denkbaren Gründe für das Vergessen-Werden anbelangt. Die dürften bei Kupkovic sehr viel andere sein als bei Dittrich und da wieder anders als bei Niehaus.
Einige von diesen sind durchaus auch heute noch ziemlich aktiv, nur eben – wie meist auch schon früher – halt außerhalb der einschlägigen “Szene”, was ja eigentlich eher dafür spricht, daß ihre Musik in einem breiteren Umfeld aufgeführt und gepflegt wird (z.B. Rudolf Kelterborn). Und die Bezeichnung als “Vergessen” setzt ja auch voraus, daß jemand mal halbwegs “bekannt” gewesen ist. Wenn drei, vier Leute hier dazu posten, daß sie nicht mal alle auch nur dem Namen nach gekannt haben…naja. —
@Moritz: Mir scheint es nicht so, daß das, was du “Hype” nennst, eine Erscheinung der letzten Jahre ist. Der Klassiker dazu ist eigentlich Schumanns berühmter Aufsatz “Neue Bahnen” in der NZfM, mit dem er den gerade 20jährigen Brahms quasi über Nacht zum wichtigsten Komponisten seiner Generation stilisieren wollte. Aber das geht schon vorher los: Lies mal in “Wie Beethoven auf den Sockel kam” von Elisabeth E. Bauer. Auch die Tatsache, daß man lange außer Bach und Händel keine (deutschen) Barockkomponisten mehr kannte, ist mit die Folge eines einseitigen “Hypes”, der im späten 18. Jahrhundert einsetzte. Ein schauerlicher Ausläufer des romantische Geniekults ist die “Gottbegnadetenliste” der Nazis (wo übrigens Richard Strauss ziemlich weit oben stand, auch er jemand, der schon als 20jähriger systematisch gepusht wurde).
Im Grunde steckt der alte bildungsbürgerliche Wunsch nach einem Kanon dahinter: in jeder Kunst und jeder Epoche möglichst einige wenige “Klassiker” zu identifizieren und zu überhöhen und den Rest als Kleinmeister abzutun. Die standardmäßige Ausgestaltung von Opernhäusern und Kunstakademien mit Reliefs und Bildnissen der großen Meister ist dafür ja ein schönes Beispiel. In der Semperoper haben dann auch Leute einen Ehrenplatz gefunden, die heute etwa genauso vergessen sind wie Wolfgang Fortner. Oder hat schon mal jemand eine Note von Spontini oder Meyerbeer gehört?
Also, der Kreislauf des Hypens und Vergessens ist fast so alt wie die Musikgeschichte selbst. Nicht jedes Phänomen taugt als Beitrag zur aktuellen Kulturkritik.
“Wechselstrom bezeichnet elektrischen Strom, der seine Richtung (Polung) in regelmäßiger Wiederholung ändert und bei dem sich positive und negative Augenblickswerte so ergänzen, dass der Strom im zeitlichen Mittel null ist.” Genau. Null.
@ Wechselstrom: kein guter Gedanke! Das wäre ja in etwa so, als wenn jeder Komponist sich zu Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit verpflichten würde, nur noch in Dur oder Moll zu schreiben, und entweder Orchesterstücke oder Solowerke für Flöte zu komponieren. Nicht besonders sinnvoll!
Ich spiele selbst hauptsächlich aktuelle Musik, fühle mich aber (schon aus Gründen der “Dienstleistungspflicht”) absolut in der Lage, eine Frescobaldi-Canzone artgerecht zu interpretieren.
Die unterschwellig angestellte Behauptung, dass es nicht ausreichend versierte Interpreten zum Spielen heutiger Musik gäbe, kann ich so nicht teilen. Das Verhältnis “schlechte Interpreten – schlechte Komponisten” hält sich mindestens die Waage. Mindestens.
@ Energie MANAGER:
Manager = Person, die in erster Linie dafauf aus ist,
die Dinge nach ihrem ÖKONOMISCHEN NUTZEN (Geldeswert) zu beurteilen und zu sehen. Also für den Beitrag der ästhetischen Substanz hier: höchst geringer “Gewinn”.
Oder besser: Resistenz gegen jegliche Dinge, die sich JENSEITS von Ökonomik und Energie-Erhaltungssätzen abspielen (schade eigentlich!).
Sie interessiert anscheinend nur “ZEITLICHES MITTELMAß” wie an Ihrer kleinen “Wechselstrom-Definition zu ersehen ist, mal schnell im Internet nach gegoogelt…. Also: Sie WISSEN ja eine Menge. Glückwunsch!
@ Paule:
Wenn Sie mit pseudo-ironischem Zusatz von “Gründen der Dienstleistungspflicht” schreiben, wenn es darum geht,
als (offenbar Neue Musik-Hardliner?) auch einen Frescobaldi mit Liebe/Ausdruck etc. zu spielen, dann stimmt dies doch sehr bedenklich und traurig.
Ich stelle daher die Gegen-These auf, dass es scheints
auch Neue Musik-Interpreten gibt, die der Musik der Tradition bzw. der GESAMTSACHE MUSIK mehr Respekt
erweisen sollten und weniger danach fragen sollten,
ob es nun in der “(N)euen Musik” mehr durchschnittliche Komponisten oder Interpreten gibt.
Viel Spaß beim In-Sich-Gehen
und Nachdenken, eine angenehme Auszeit und viel Spaß
beim empfohlenen Nachhol- bzw. “Crash”-kurs: Musik-TRadition echten Respekt entgegen bringen und DAURAUF die Qualität des “Neuen” (auch Spieltechnisch und bzgl., expressivem Reifegrad der gespielten “Neuen Musik”…)begründen.
Erik Janson
@ Herr Schweitzer,
nur würde ich vorsichtig sein, das Phänomen Beethoven und seine Rezeption und Meriten insgesamt in der Musikgeschichte nun auf einen “Hype” zu Lebzeiten bzw. auf wohlwollende Kritiken aus der Beethoven Zeit und danach zurück zu führen…
Gewiss, Beethoven-Rezeption war vielfach zu seinen Lebzeiten positiv. Aber andererseits denke man daran, wie SCHWER es Werke wie die späten Streichquartette u.a. hatten und daran, dass die Musik selbst nun weiß Gott mehr Substanz hat als dass sie “NUR” wegen ihrer positiven Kritiken heute zu Recht immer noch als groß und von ihrer ganzen HALTUNG als vorbildlich gelten kann.
Ebenso bei Brahms – nicht umsonst “the progressive”…
genannt in einschlägigen Schriften und Debatten.
Und gewiss kann man Beethoven nicht im Kontext unserer kleinen “Widmann-”Debatte nennen. Da würde dieser selbst vermutlich (aber er hat es gar nicht nötig, hier bei uns “kleinen Fischen” mit zu lesen) sicher auch hoch rot anlaufen und das nicht unbedingt wollen.
Schönen Tag und Grüße,
E.Janson
Lieber Herr Janson,
bisweilen drängt sich der Eindruck auf, daß es vielleicht angemessen wäre, statt des Verfassens so vieler Beiträge in kürzester Zeit mal die der anderen etwas behutsamer zu lesen. Aber das ist vielleicht nur meine subjektive Wahrnehmung.
Ich habe keinesfalls behauptet, daß Beethoven oder Brahms ihre Stellung in der Musikgeschichte lediglich guter PR verdanken und auch keine Parallele zu Widmann gezogen, sondern nur Moritz darauf hingewiesen, daß es das, was er als “hypen” bezeichnet, schon im 19. Jahrhundert gegeben hat, und zwar durchaus mit Wirkung und nicht nur in Einzelfällen.
Schöne Grüße,
B.S.
@ energiemanager,
sie leiden unter einem direct-current-versatz, vulgo kopfschmerz.
– wechselstrom -
@ lieber Herr Schweitzer,
nachdem hier meine Blogbeiträge und die anderer tw. längst ausgestiegener Mitblogger auch nicht “gewissenhaft” gelesen bzw. mit anderen Themen /TrolLbeiträgen, Ablenkungen vom Thema oder mit Glattmoderationen quittiert wurden, nehme ich mir auch mal die Freiheit heraus, nicht alle anderen Blogbeiträge meiner Gegenüber buchstabengetreu zu lesen und darüber zu philosohieren, wie es “gemeint” gewesen sein könnte, bevor ich selbst wieder antworten oder einen eigenen Blogbeitrag zu setze. Dies ist nur mein gutes Recht.
Aber wie Sie sehen, habe ich mich mit dem Bloggen in letzter Zeit schon arg zurück genommen und bin hier im Blog schon.
Nur schienen Sie es mir gewesen zu sein, der den Namen Beethoven bzw. das eloquente Beispiel “Wie Beethoven auf den Sockel kam”, ein prominentes Buch, hier erstmals zitierten und in die Runde warfen (oder täusche ich mich da so sehr?)- Und dies stand im Kontext zum Thema “Hypen” heute und zu Moritz Stellungnahmen bzw. Eingangsbeiträgen.
Bzw. Sie haben das Beethoven-Beispiel in diesem Kontext (Ausgangspunkt war das Thema Jörg Widmann) halt als Beispiel aus früherer Zeit angeführt.
Darauf habe ich Stellung genommen, was mir nicht verboten werden sollte.
Gut, man kann zum Thema “Beethoven” viel sagen, auch über seine Krankheiten, ab wann nun in welchem Stadium ertaubt war oder was die Ursache für seinen Gehörverlust war etc., in welchem Maß er an Alkokolismus litt etc. , das sind ja alles auch beliebte Beethoven-Themen.
Das alles ZEIGT aber nur (und das wollte ich sagen):
Beim Fall Beethoven wird es ganz evident: er konnte nicht nur zum Mythos werden, WEIL er schon tw. zu Lebzeiten und danach Aufmerksamkeit erlangte, in Rezeption und Kritik, sondern auch deswegen (im Ggs. zu manchen modernen “Klassikern” heute) er wurde zum Mythos, weil er von seiner kompositorischen und menschlichen HALTUNG her (nicht nur von den Noten, dem Komponierten her) einen mutigen, vorwärts denkenden und autonomen Typus des Künstlers verkörperte.
Anders gesagt: Die Zeit SOLCHER Mythen sind vorbei. Es wird keinen Mythos Rihm oder Widmann in dem Sinne mehr geben aber der Grund dafür ist nicht darin zu sehen, dass Mythenbildung ausstirbt (die gibt es z.B. in der Konsumindustrie, im Film und überall sonst immer noch, immer weiter – oder nehmen wir nur den lächerlichen “Mythos Opel” der herhalten muss, um jahrzehntelange Überproduktion ). Nein: der Grund liegt in der MUSIK Selbst und in deren Authentizität Beeethovens im Vergleich zu heutigen “Klassikern der Moderne”
2. Das Hypen mag es auch schon früher gegeben zu haben,
Herr Schweitzer, O.K. Aber auch dieser Ihr Vertgleich hinkt, weil die Möglichkeiten der VERBREITUNG des Hypens heute ungleich größer sind als noch im 17.-19. Jahrhundert. Aber in Sachen Medientechnologie und -geschichte scheinen Sie dies einfach zu ignorieren bzw. argumentativ zu “überspringen” und Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen.
Buonna notte,
E.Janson
@ Herr Schweitzer,
auch beim mehrmaligen GENAUEREN Nachlesen Ihrer “intelligenten” Bloggings (z.B. des obigen vom 2.9. 8 Uhr 58) @ Moritz komme ich leider zu keinem anderen Ergebnis, als meinen Einwand gegen Ihren Beitrag für durchaus angebracht und richtig zu empfinden.
Da kommen Sie in einem Rundum-Absatz doch etwas von Hölzchen auf Stöckchen: Erst ist es der von Schuman angeblich “hochstilisierte” 20-jährige Brahms, dann Beethoven “Wie er auf den Sockel kam” wird mal eben im Halbwissen ein Buch zitiert. Und Ihr Absatz endet mit Richard Strauß, wobei das Reizwort “Gottbegnadedtenliste”
und “Geniekult” natürlich nicht fehlen darf…
Wenn DIESE Kontextbildung nicht abenteuerlich ist, weit her geholt, dann weiß ich es nicht mehr und klinke mich dann gerne hier aus. Weil mir das “zu hoch” erscheint…
Bzw. Ist es etwa (beschäftigt man sich mal mit Brahms Musik) NICHT so, dass Brahms nur zu einem bedeutenden, guten Komponisten von Schumann nur “hochstilistiert” wurde?
Was an Ihrer Darstellung skurril und abenteuerlich ist, ist nicht nur der Assoziationsstrom von Beethoven über Brahms zum Nazi “gehypten” Richard Strauss.
Sondern dass Sie Komponisten, die sich in der Musikgeschichte qualitativ bewährt haben, die überdauern in Punkto Hype mit heute schnell gehypten (aber auch schnell wieder fallenden) Komponisten vergleichen.
Auch wenn Sie hier WENIGER bloggen, Herr Schweitzer und sich scheinbar “weise” im Hintergrund halten.
Dies steigert die QUALITÄT IHRER Beiträge hier weiß Gott nicht.
@ Meyerbeer
In DEM Punkt haben Sie Recht, Herr Schweitzer, und ein passendes Beispiel des VERGÄNGLICHEN Hypes genannt!
Aber eben solche Leute und Ihr NICHT-BLeibendes, die Vergänglichkeit deren Hypes, das haben scharfsinnige Komponisten und Musikkritiker (wie Schumann z.B. ) DAMALS auch schon erkannt.
Oder allen voran: wenn man bei Heinrich Heine seine spitzfindige Kritik über Meyerbeer nachliest.
@ Bildungsbürgerlicher “Kanon”-Wunsch: JA, dieser Kanon-Wunsch wird von denjenigen meines Erachtens konstatiert, die daran nicht viel ÄNDERN wollen und die verkennen, dass wir eben – in vielerlei Hinsicht (bzgl. humanistischer/aufgeklärter Bildung leider! – eben nicht mehr im Bildungsbürgertum leben sondern im 21. Jahrhuntert.
Meint,
Erik Janson
@ All, Herr Schweitzer,
sorry, kleine Korrektur, bzgl. 4. Absatzes meines letzten Bloggings: Die rhetor. Frage muss richtig lauten:
Ist es etwa so, dass (der 20-jährige) Brahms von Schumann zu einem der bedeutensten Komponisten seiner Zeit nur “hochstilisiert” wurde?
Meine Meinung: sicherlich NICHT, bzw. Schumann hat die Qualitäten von Brahms anscheinend früh erkannt, und sehr wohl hob/und hebt heute noch Brahms sich von anderen Komponisten seiner Zeit halt ästhetisch und qualitativ ab.
Freunde, nicht schon wieder diese Töne….
Und schimpft mir nicht über Meyerbeer – dessen “Vergessenheit” angesichts seines doch musikgeschichtlich enorm bedeutenden Werkes hat (ähnlich wie bei Mendelssohn) mit dem unverhohlenen Antisemitismus zu tun, dem sein Werk später ausgesetzt war, nicht zuletzt auch durch den von Meyerbeer großzügigst geförderten Richard Wagner (der die Hand die ihn fütterte wohl zu beißen vermochte). Heines Schmähtiraden auf Meyerbeer gehören nicht zu Heines Sternstunden, es ist auch bekannt, dass Heine zum Teil aus Geldnot Künstler mit der Drohung erpresste, negative Kritiken über sie zu schreiben (was er zum Teil dann auch tat).
Meyerbeer war Zeit seines Lebens ein großer Gönner, half zahlreichen Kollegen aus finanzieller Not und rief Stipendien und einen Vorläufer des “Rompreises” ins Leben. Selbst seine größten Feinde konnten ihm eigentlich nie irgendein mieses Verhalten nachweisen, es reichte für sie, dass er Jude, erfolgreich und gönnerhaft war (und Mitglied der Freimaurer, was natürlich allerhand Verschwörungstheorien Anlass gab). Dass ausgerechnet Wagner, der Meyerbeer unendlich viel zu verdanken hatte, ihn später schmähte, gehört zu den unappetitlichsten Episoden in Wagners Leben, wird aber verständlich, wenn man sich anschaut wie Wagner ganz gezielt seine eigene Position als neues Genie der Oper festigen wollte – dazu gehörte auch, seine schärfsten Konkurrenten in der damaligen “Szene” runterzumachen.
Meyerbeer ist übrigens noch nicht so lange “vergessen”, noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden seine Opern viel gespielt und er galt als einer der größten Opernkomponisten. Genau wie bei Mendelssohn erlitt sein Werk unter den Nazis größte Ungerechtigkeit, und hat sich bis heute nicht davon erholt (was auch mit einem schrumpfenden Opernbetrieb zu tun hat, der sich auf immer weniger Repertoirestücke einschiesst – da sind noch ganz andere Sachen als Meyerbeer verschütt gegangen).
Eine Geschichte wie die von Meyerbeer lehrt uns viel auch über die heutige Kulturpolitik, und auch, dass Musik nicht nur aus wenigen “Leuchtturmkomponisten” besteht, sondern eben auch aus denen, die diese gefördert oder auch musikalisch herausgefordert haben. Insofern ist Meyerbeer genauso wichtig wie Wagner, denn ohne ihn gäbe es Wagner überhaupt nicht.
Hallo Moritz,
ich hätte meinen kurzen Beitrag wohl doch vorher einem Anwalt vorlegen sollen. Nur um das nochmal klarzustellen: ich habe keinerlei Verbindung zwischen kompositorischer Qualität und von außen zugeschriebener Bedeutung zum Ausdruck bringen wollen, weder im Guten noch im Schlechten. Es gab und gibt gute Komponisten, die “gehypt” wurden und werden und solche, bei denen das nicht der Fall ist, und bei den schlechten Komponisten verhält es sich genauso. Tolle Komponisten werden vergessen, und mittelmäßiger Krempel hält sich im Repertoire wie Kaugummi an der Schuhsohle.
Herrn Jansons Kommentar zum Stichwort Meyerbeer gibt keinesfalls wieder, was ich über diesen Fall denke; ich hätte vielleicht ein unverfänglicheres Beispiel suchen sollen. Ich glaube aber, daß bei Meyerbeer das Verblassen seines Ruhmes auch darauf zurückgeht, daß er vorwiegend auf einem Gebiet der Opernkomposition tätig war, das schon in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts an Popularität verloren hat, auch in Frankreich. Auch die meisten anderen Stücke dieses Typs werden ja heute kaum noch gespielt. Von daher liegt die Sache doch etwas anders als bei Mendelssohn, der bis 1933 in Deutschland einer der meistgespielten Komponisten war.
Schöne Grüße,
B.
@Benjamin:
Ja, hier muß man jedes Wort auf die Goldwaage legen, schon gemerkt? :-)
Natürlich gibt Meyerbeers Musik heute relativ wenig her, dass aber die Oper an sich einen anderen Weg genommen hat, der seine Sachen heute altmodisch erscheinen lässt, hat auch mit damaliger Musikpolitik zu tun, dessen Opfer er wurde, es hätte ja auch anders kommen können. Auch die Entwicklung einer Ästhetik passiert ja nicht einfach, sondern ist auch durch die Aktionen ihrer Protagonisten gesteuert. Da blieb dann auch mal ein “Ritter Gluck” auf der Strecke, und der war wohl nun auch immens wichtig für die Operngeschichte.
Und das letzte Wort ist über nichts gesprochen…
Interessant ist Dein Brahmsbeispiel aber schon, denn hier hat ja Schumann Recht gehabt mit seiner Beurteilung, es war also nicht wirklich “hype” im eigentlichen Sinn (denn Hype bläst auf, wo wenig ist, bei Brahms war aber die Substanz schon früh vorhanden).
Beethoven wurde bewundert wie auch gehasst, er war keineswegs der populärste Komponist seiner Zeit, und auch der gute Brahms musste später einiges einstecken.
Es sollte uns also nicht etwas verdächtig vorkommen, weil es gelobt wird, sondern weil es nur gelobt wird, und keine Gegenreibung erzeugt (Gegenreibung entsteht nur, wenn da etwas Interessantes ist, an dem man sich abarbeiten kann).
Dass aber etwas auch mal gelobt wird ist eigentlich etwas Schönes, darüber sollte man sich auch zu unseren Zeiten nicht ärgern, auch wenn die üblichen Superlative wie “Jahrhundertgenie” etc. ziemlich abgenutzt sind.
Wirklich interessant aber wird es erst durch den gleichzeitigen Widerspruch, da bin ich ziemlich sicher. Deswegen ist die “Feuilletonkarriere” oder das von Erik zitierte “Festivalschaulaufen” eben auch nicht als Selbstzweck erstrebenswert.
@ Eggy,@ Schweitzer, @ all,
angesichts der mittäglichen Zeitknappheit fällt mir vorerst zu Deiner vehementen “MEyerbeer”-In-Schutz-Nahme” (wollte den Menschen ja nicht angreifen und antisemitisch bin ich gewiss nicht! und er mag auch ein paar schöne Opern komponiert und sich auch sonst verdient gemacht haben) nur folgendes ein:
“Freunde, nicht diese Töne
Sondern lasst uns …. “(BEETHOVENS NEUNTE).
Also: ich sehe keinen Anlass, wenn hier mal Dissenz herrscht, dass man dann gleich Worte wie “Anwalt”
in den Mund nehmen oder beleidigt sein müsste.
Es gehört – das wollte ich ua. auch zu Bedenken geben – leider zur traurigen Realität, dass die FOLGE (auch der heutigen “Hypes” ist und sein wird) dass eben jene ungerechte SPANNE zwischen “Genie”/erklärtem Genies
und einem “Fußvolk” an unbekannten/vergessenen oder ignorierten Komponisten besteht. Und dass man das nicht so einfach mit dem historischem Verweis auf “das war immer schon so” abtun kann. Jedenfalls macht man es sich damit – finde ich – zu einfach. Dann kann man auch sagen: Klimawandel etc. hat es auch SCHON IMMER gegeben…
Ich denke also, so weit liegen wir da nicht auseinander.
Nur fand ich die angeführten Beispiele nicht so prickelnd.
Nichts für UNgut,
Schönen Tag noch,
Erik
Noch eine Ergänzung in Würdigung von Eggys interessanter Meyerbeer-Verteidigung: Ich empfehle die beiden Wagner-Schriften “Was ist deutsch?” und “Die Kunst und die Revolution” unbedingt zu lesen, für mich Schlüsselaufsätze, ohne deren Kenntnis es wohl kaum möglich ist, über den “Fall Wagner” zu diskutieren.
Man muss wissen, dass damals (um 1850) unter vielen deutschen Künstlern und Intellektuellen eine große Franzosen-Antipathie herrschte, man war es unter Detuschen überdrüssig, ständig in den Pariser Salons fernab der Heimat herumzuhängen und nur französisch zu sprechen. Ein einiges Deutschland gab es noch nicht. Die Frage, ob man als Deutscher Jude war oder nicht, spielte
zu dieser Zeit überhaupt keine Rolle. Meyerbeer galt in diesen Kreisen als ein (deutscher) Komponist, der sich mit seinen Stoffen an die französische Großbourgeoisie verkauft hat und deshalb unter den Jungen als überholt und korrumpiert.
Eine kleine Ergänzung noch zu Ihrem Beitrag, bzw. Frage Herr Simon:
Was soll Ihr Satz bedeuten: “Ein einiges Deutschland gab es [um 1850] noch nicht. Die Frage, ob man als Deutscher Jude war oder nicht, spielte zu dieser Zeit überhaupt keine Rolle.” (ZITAT ENDE).
Leider spielte es dann ja, wie wir alle wissen, nicht viele Jahre später eine zunehmende und fatale Rolle, wer – gerade in Deutschland lebend – Jude war/ jüdischer Abstammung und wer nicht. Bzw. der Antisemitismus war und ist gerade in Deutschland in unterschiedlichen Ausprägungen, mal verdeckt mal offen, omnipräsent und entstand ja dann keineswegs “über Nacht”. Was schließlich in der zutiefst zu verurteilenden Massenvernichtung von Millionen Juden in der NS-Diktatur führte. Das gilt es niemals zu vergessen und immer sensibel mit zu bedenken.
Solche Diskussionen und Fragen nach “jüdisch – nicht jüdisch”, deutsch – nicht deutsch” etc. sind einfach einer seriösen und objektiven Diskussion und musikhistorischen Aufarbeitung abträglich; dahinter verbirgt sich eine menschenverachtende Einstellung bzw. oft sind es verwöhnte Leute von heute, die sich Holocaust und Naziregime gar nicht in ihrer Schrecklichkeit vorstellen können, die so etwas dann als “Schockvokabeln” und um zweifelhafte Aufmerksamkeit für sich zu erregen ins Feld führen. Die dann auch noch von angeblich “postfaschistischen Festivalstrukturen Berlins und Brandenburgs” in ihren Blogs schreiben.
Der Antisemitismus, ja Moritz, da hast Du Recht, ist
in Sachen Musikrezeption in Deutschland wohl eine unterschätzte bzw. noch auf zu arbeitende Größe; im Fall Meyerbeer und sicher so manch anderer unbekannter Komponisten. Wenn Antisemitismus bei der Musikrezeption, insbesondere der Beurteilung von Meyerbeer eine Rolle spielte, dann hast Du damit Recht bzw. den Punkt wollte ich nicht in Abrede stellen. Das habe ich – zugegeben – bei Meyerbeer noch nicht so studiert und muss mich damit noch befassen. Ich bin auch KEIN “Heine”-Fan, um das gleich zu sagen. Obwohl ich Düsseldorfer bin (bzw. geboren auf der “falschen”, der französischen RHeinseite, also in NEUSS aufgewachsen).
Aber wenn mich nicht alles täuscht, so hatte Heine selbst wiederum jüdische Wurzeln (der Meyerbeer NUR wegen dessen jüdischer Wurzeln dann attackiert haben soll? – schwer vorstellbar). Es spielen also bei Sympathien-Antipathien in der Musikkritik damals sicher viele andere Faktoren auch eine Rolle.
@Herr Simon: lernen Sie trotzdem mal Französisch,
vielleich bekommen Sie ja bald “fernab der Heimat” ein Cité des Arts-Stipendium. Was Sie sicherlich, wenn ich Sie richtig einschätze, mit Kusshand annehmen würden.
Herr Janson, französisch brauche ICH nicht mehr zu lernen, ich habe fast zwei Jahre in Paris zugebracht und weiß zu parlieren. Im übrigen liebe ich diese Sprache.
Zum Thema: Es gehört nun einmal zu den SCHLECHTEREN bundesrepublikanischen Traditionen, alles, was mit Wagner und seinem Umfeld zu tun hat, durch die braune und antisemitische Brille zu sehen, viele packen dann noch den Nietzsche gleich mit hinein, kurzum: Es ist eine ästhetisch-intellektuelle Unverschämtheit, die hier stattfindet! Was können denn geistige Größen dafür, wenn links neben ihrem Bett ein Verwandter oder ein Nachkomme seinen dicken braunen Haufen hinterläßt und einem heute deswegen von höchster Stelle verboten wird, vorurteilsfrei das Original noch einmal anzuhören und zu lesen, oder nur dann gestattet wird, wenn man die Interpretation gleich mit hören/lesen soll.
Das sind nun einmal die Demokratiedefizite und die Denk- und Fühlverbote, die die BRDeutschland AG nach 1945 turmhoch errichtet hat und die sie nicht im Traum abzuschaffen, geschweige denn zu überprüfen gedenkt. Klar ist doch: Antisemitismus muss bekämpft werden, aber nicht mit den Mitteln, die eine Bekämpfung zu einer Farce machen, nämlich der Errichtung einer neuen Meinungsdiktatur, die wiederum aufs Neue Menschen von der Meinungs- und Gesellschaftsbildung ausschließt, sie öffentlich diffamiert und ihnen neue Judensterne auf die Jacken heftet.
Wagner wurde gespielt und er wird gespielt werden, daran können keine selbsternannte Sittenwächter irgend etwas ändern.
Guten Abend Moritz und Blogger,
Ich beantrage die Einführung von “Internetblog Urheberrechtsschutz”(wäre eine neue “Marktlücke” für die “gierige” GEMA zum Schrecken aller “Klein-”Blogbetreiber und Blogger weltweit…): Und zwar In Punkto des Themas: Schumanns RICHTIGER Prophezeihung zum jungen Brahms, dass er einer der bedeutensten seiner Zeit war (und dass dies – richtig – KEIN Beispiel für “Hype” war).
Moritz, Moritz, das ist GEKLAUT.
Das habe ICH zuerst geschrieben, lies nochmal bitte weiter oben genau nach – ääätsch. Also gib mir gefälligst mein “Förmchen” zurück…
@”Festivalschaulaufen”: das finde ich nach wie vor nicht einmal dann erstrebenswert, wenn es nicht um Selbstzweck sondern “nur” um Lebensunterhalt geht. BZw.
ist halt traurig dass es angeblich/anscheinend so sein MUSS…?
@ Benjamin Schweitzer bzgl. der Tipps für junge Komponisten/Studierende (@ Gewievtheiten/Erfahrung bei Förderantragstellungen, Stipendien, Wettbewerben, Beziehungen-Suche etc. pepe)und dem latent für die “Next joung Generation” an die Wand gemalten “Schreckgespenst”, dass man als Komponist auch andere Tätigkeiten (wie Unterrichten oder auch mal gelegentlich auch andere Jobs annehmen) muss oder sein Geld nicht 100% mit Kompositionsaufträgen o.ä. verdient (auch nicht nach Möglichkeit mit ewigem Hartz IV und Verweigerung von “unwürdigen Jobs” in Stipendienpausen…) wenn man nicht Festival-schauläuft…):
Ich darf vielleicht daran erinnern, dass selbst bedeutenste Komponisten aller Epochen, auch die im Nachhinein fälschlicherweise zu “Kreativgenies” oder zeitweisen “Großverdienern-durchs Komponieren” hochstilisiert wurden, zu allen zeiten AUCH unterrichtet haben, Kirchenmusiker waren etc. und diverse andere Brotberufe und Einnahmequellen hatten.
Es ist schon bedenkenswert, wenn heute die ersten Komponisten sich darüber beklagen, dass an Hochschulen für Komponisten der Nachfolgegeneration “ZU WENIG” an
Tipps für das “Leben vom Komponieren”/Karrierebeförderung” o.ä. gegeben würden.
Lieber sollte man weiterhin bzw. wieder stärker monieren, dass immer mehr an SUBSTANZ der Lehre des zunächst notwendigen Handwerks und an musikalischer Sensibilität und Sinnlichkeit etc. verloren geht (natürlich AUCH bedingt durch Stellenkürzungen etc. aber nicht nur) und dass es an Vermittlung eines aufrechten, selbstständigen Gangs durch manche Lehrer (zusehends) leider fehlt.
Zumal das auch pauschal, denke ich, nicht zu trifft die These vom angeblichen Mangel an “Karriere”-Tipps oder Geldverdienen-Know How durch Kompositionslehrer bzw. “die Hochschulen”. Man nehme als Beispiel ja nur mal Komponisten und angebliche Akademie-”Genie”-Schmieden, bei denen – mal vorsichtig formuliert – doch sehr “auffällig” ist, wie DEREN Schüler (auch lange nach dem angeblich “nur schützenden Hochschulaufenthalt”!) durch eigene Professoren oder ehemalige Professoren von Stipendium zu Stipendium, von Wettbewerbssieg zu Wettbewerbssieg durch gereicht werden… Also, lieber Herr Schweitzer: Solche Komponisten/Lehrer, bringen die etwa durch solche Praktiken z.b: NICHT ihren Schülern bzw. ehem. “Schülern” bei, wie man in erster Linie ans Geldverdienen an “Erfolg” denkt und vielleicht erst in zweiter Linie an Selbstwertgefühl, innere Autonomie und Schaffenskraft bzw. an ein Sich-unabhängig -Halten OHNE sich von Vitamin B immer abhängiger zu machen?
Einen Kompositionslehrer/ oder in meinem Falle Lehrerin, der/die mir im Kompositionsunterricht gesagt hätte “du musst es so und so machen, um an Aufträge zu kommen/ oder “reich mal da und da ein…” Oder “du musst an die und die Leute ran treten…” oder “Du musst Dich mit dem und dem “gut halten”/nicht “anecken” sonst bekommst Du da nichts..” (etc. pepe). Das hätte ich als zutiefst suspekt empfunden und ich bin froh, dass mir derlei “Tipps” in MEINEM Studium noch erspart blieben. Dafür bin ich meinen Kompositionslehrern zutiefst dankbar.
Denn nur eine solche Einstellung – wenn sich alle Lehrer/Professoren daran halten würden – würde, denke ich wieder mehr aufrechte und auch kritische und auch musikalisch aussagekräftigere/authentischere Komponistinnen und Komponisen zu Tage fördern.
Eben mit solchen Visionen oder Denken (das Ideal des 100% Berufsomponisten, der nur vom Komponieren oder Professur o.ä. “lebt”) wird doch leider durch die Hintertür der alte, aber ewig falsche Mythos vom “Genie”/der romantische Geniekult vom ewig durch Einzel-Mäzene gesponsorten Genie und “reinen Berufskomponisten” affirmativ fort geschrieben, den es so weder in der Vergangenheit noch heute gegeben hat bzw. gibt noch – zynischerweise – angesichts der zunehmenden Kürzungen und des Aussterbens des Mythos “Berufskomponist” jemals geben wird.
Anders gesagt: Komponieren ist in erster Linie BERUFUNG, Talent und Ausdruck von innerer Freiheit, innerer Menschenbildung und Autonomie. DANACH kommt erst der Gedanke ans Geldverdienen. Trotzdem heißt dies NICHT (oder SOLLTE nicht heißen), dass dann Förderer/Wettbewerbe etc. auf die Idee kommen sollten zu denken (wie ich leider manchmal den Eindruck habe): Wir fördern nur selbsterklärte “Freischaffende”,
die KEINE anderen Berufe oder “Geldquellen” haben, die eben sich als “arme Schlucker” bewerben bzw, oder aufs “Entdecktwerden als Berufskomponist” warten.
Und die dann daraus den Umkehrschluss ziehen: Der und der WILL 100% vom Komponieren leben (oder lebt gerade davon gut)/ ist da diesbzgl. sehr “ehrgeizig” etc., ALSO ist seine Musik auch automatisch gut bzw. förderungswürdig…
Denn gerade DIES beschneidet immer mehr die innere Freiheit der Kunst und befördert tendenziell den “Einheitsbrei” bzw. das “ach nicht so neue”/ IMmergleiche, aus dem doch viele heraus wollen.
Dies heißt natürlich keineswegs,dass ich der Meinung bin Komponieren sei nichts Wert oder das Bestehen auf Entlohnung und Wertschätzung der Arbeit sei nun “unmoralisch”, “anti-idealistisch” oder dergleichen und dass ich nicht prinzipiell der Meinung wäre, wir müssten nicht alle viel besser bezahlt werden.
Im Gegenteil bzw. ich empfehle z.B. jedem jungen Komponisten/Kollegen: Wenn Ihr z.B. merkt, dass (kleinere oder mittlere) Veranstalter quasi wie “selbstverständlich” oder “automatisch” davon ausgehen, dass Ihr aus reinem Altruismus schreibt, oder nach dem Motto: ich bin noch “jung” bzw. ich darf keine Ansprüche stellen und muss “froh” sein da “gespielt werden zu “dürfen” etc. Dann, würde ich sagen: lieber auch mal eine sogar lukrative Anfrage ablehnen, auch wenn eine scheinbar “lukrative Aufführung” (z.B: durch gute Musiker/Ensembles)lockt und Euch “durch die Lappen” geht.
Man spürt so etwas oft intuitiv, wenn man auf sein Inneres hört, inwiefern und ob als Komponist
Traurig genug auch, dass z.B. Komponisten bei Bewerbungen für Stipendien etc. sich latent oder offen immer noch tendenziell als “REINE KOMPONISTEN” dar stellen müssen, weil das eben alle oder die allermeisten so machen, um eine Förderung zu erhalten. Obwohl stillschweigend ja die meisten Förderer/Ausschreibende davon ausgehen, dass der/die Bewerber meist vom Komponieren sowieso nur zu einem mehr oder weniger großen Bruchteil/Anteil leben können bzw. nur phasenweise etc.
Allerbestes Beispiel von denen die es “geschafft” haben (im Sinne breiterer öff. Anerkennung, Aufträgen jüngst), die einen “Brotberuf” hatten und dazu standen, die sich künstlerisch NICHT abhängig gemacht haben z.B.: bekennender Arzt und “Hobbykomponist” Nikolaus Brass
(das “Hobbykomponist keineswegs böse oder abwertend gemeint!!!). Dann noch Hans Joachim Hespos und viele andere prominentere Beispiele, die (aber vor allem eher aus Vergangenheit (Charles Ives) zu nennen wären.
UNd da kommt auch wieder ein Jörg Widmann ins Spiel,bzw. verdient in der Hinsicht größten Respekt der ja eigentlich “Klarinettist” werden wollte und nun sich glücklich schätzen kann, derzeit mehr als gut vom Komponieren zu “leben” denn als Solist.
Aber: Wovon “lebt” man eigentlich und “Was ist Glück?”
Auch mal einen spannende Frage. Dazu erlaube ich mir am Rande eine kl. Lektüreempfehlung: Dieter Thomä: Vom Glück in der Moderne.
Zu Herrn Art Oliver Simon und seinen Theorien möchte ich mich hier nicht weiter äußern, denn dies hat wenig Sinn.
Zumal bei DEN abstrusen Vergleichen, die er hier oben immer wieder anführt (z.B. “neue Judensterne auf die Jacken hefte(n)” (s.o.))wenn es anscheinend darum geht, dass er sich als “Opfer” sieht, wenn man seinen bizarren Meinungen Contra gibt.
Das ist gegenüber den Millionen Opfern des Holocaust ziemlich respektlos, ja mehr als das! Wagner und Nietzsche, jene “geistigen Größen” hätten vermutlich selbst nie gewollt, auf DIESE weise “verteidigt” zu werden.
Und gegen WEN richtet sich diese implizite Unterstellung, ich wolle, dass man nun keinen Wagner mehr spielt? Ich bin – bzgl. der Musik, einiger Schriften und Ideen Wagners und Nietzsches – ebenfalls ein Bewunderer. Aber eben eher ein sehr distanziert-vorsichtiger. Denn man findet doch leider auch genügend
Stellen in den “Originalen” bei Nietzsche und Wagner, die eben – leider – einem Missbrauch durch die NS-Ideologen enormen Vorschub geleistet haben und die doch schon einen antisemitischen Zeitgeit teilweise atmeten. Aber wenn man – umgekehrt – dies hier in die Debatte einbringt… Dann wird man von manchen gleich als Anti-Wagnerianer oder “Schänder der DEUTSCHEN GENIES Wagner/Nietzsche” etc. abgestempelt.
Will das aber hier nicht vertiefen, denn sonst setze ich mich bestimmt einem Hagel von Angriffen aus.
Mich bestürzt, wie Kraftausdrücke wie oben bzw. verdeckt antisemitischen Vergleiche wie von Herrn Simon – ausgesprochen ausgerechnet von einem Deutschen Komponisten – nach Ausschwitz noch (oder wieder?) möglich sind und auch noch anscheinend teils ohne Widerspruch geduldet oder geflissentlich ignoriert werden oder anscheinend wieder “Salon”-fähig.
Sehr schön, lieber Erik wie du die NLP-Schulung von Art-Oliver Simon heraus gekitzelt hast –
Es ist ein untrügerisches Zeichen aller Faschisten, dass sie sehr gerne und überproportional oft von Freiheit reden, OHNE differenzierte Inhalte folgen zu lassen.
Jüngstes Beispiel in der Politik ist Silvio Berlusconi.
Auf Kulturebene funktioniert das über die Begrifflichkeit der Meinungsbildungsfreiheit, die dann mit einem schulterklopfenden “lest-mal-dies-und-das” oder auch “ich-empfehle-unbedingt-zu-lesen”-Spruch einhergehen.
Warum man das lesen soll, in welchem Sinnzusammenhang der empfohlene Lesestoff gestellt wird, das bleibt im Dunkeln.
Bei einsetzender Kritik folgt der Vorwurf der Denk- und Fühlverbote, man ortet “Demokratiefeindlichkeit” und “Meinungsdiktatur”, wahlweise auch Tabus, die es zu “überwinden” gilt.
Der konkrete Anlass, die Erwähnung nachvollziehbarer Tatsachen entfällt wieder.
Und so geht es dann weiter und weiter – ich warte nur noch auf die Frage und das dazugehörige Symposium, ob Antifaschismus die Grundlage der Demokratie sein muss, – das ganze garniert mit dem Zusatz, man müsse auch einmal ganz unvoreingenommen nachdenken können …
Meine regelmäßige Antwort: Man kann sich auch einmal ganz blöd stellen.
freundlich grüßend
– wechselstrom -
Nach Italien würde ich auch gerne mal fahren. Aber ich werde dann nicht bei Silvio wohnen, sondern bei befreundeten Genossen (vielleicht auch vom schwarzen Block, Szenekundige wissen, wovon ich spreche). Übrigens ist es das Verdienst des Spätwerkes von Luigi Nono, dass er mit den eingeschliffenen linken historischen Denkmustern (Liszt>Wagner>Nietzsche>Fascismo) aufgeräumt hat und uns aufgezeigt hat, dass historische Labyrinthe eben immer wieder neu erkundet und “ergangen” werden müssen und zu frischen Entdeckungen führen können, die das etablierte Denken infrage stellen.
sehr geehrter herr janson,
können sie endlich mit ihrem pauschalen rundumschlag mal aufhören?
haben sie etwa an über 20 deutschen musikhochschule die lehre bei etwa 60 komposition professoren kennengelernt? woher wissen sie was jeder student an SUBSTANZ (in den von ihnen SO bevorzugten grossbuchstaben) vermittelt bekommt?
dass manche aufträge und förderungen bekommen aufgrund ihrer eigene arbeit ist ihnen auch ein unglaubliches konzept oder? dass es sich um eine vitamin -B- verschwörung handelt wurde wie ermittelt? in dem sie keine förderungen, preise oder aufträge bekommen haben? dass stattdessen manche studenten mancher professoren was bekommen haben? ist ihnen nie die gedanke eingefallen dass möglicherweise sehr gute studenten zur sehr guten professoren gingen und mit sehr guter arbeit sehr viel aufmerksamkeit in der fachwelt erregen? versuchen sie es realistisch einzuschätzen- wie gross ist den die reine wahrscheinlichkeit dass sie soviel besser sind als alle andere denen gegenüber sie nichts anderes als häme, missgunst und neid offenbart haben?
Lieber Herr Janson,
ich habe nicht behauptet, daß die Musikhochschulen alle Komponisten zu karrierestrategisch versierten Festivalschauläufern trainieren sollen. Aber es muß zum Lehrangebot und zur Ausbildung auch gehören, daß es sich beim Komponieren auch um einen Beruf (und nicht nur um eine “Berufung” handelt) und der auch materielle Aspekte hat. Was der Student dann mit diesen Informationen anfängt, bleibt ihm ja überlassen, aber sie sollten ihm nicht vorenthalten werden. Daß es vielleicht jemand anders sein sollte oder könnte als gerade der Lehrer im Hauptfach Komposition, der was darüber erzählt, der Meinung bin ich auch.
Eine mir sehr nahestehende Dame macht grade ihre Meisterprüfung in einem Handwerksberuf und muß dafür auch mehrere ziemlich dröge Bücher über Kalkulation, Marketing, Buchhaltung usw. usw. lesen, obwohl sie lieber in der Werkstatt steht. Warum sollten Komponisten von sowas ausgenommen sein? Weil sie alle (ggf. verkannte) Genies sind und daher Anspruch darauf haben, daß ihnen ohne eigenes Zutun die gebratenen Tauben in den Mund fliegen? Und wenns nicht klappt, sind dann natürlich die anderen schuld und die Verhältnisse, ja?
Fast jeder Komponist macht hin und wieder oder regelmäßig irgendwelche Nebenjobs (ja, ich auch). Das hat auch noch keinem geschadet, im Gegenteil. Schaden tut es, wenn man genauso naiv aus dem Studium rauskommt, wie man reingegangen ist, und wenn man diese Nebenjobs im Übermaß und ungern macht und eigentlich lieber mehr komponieren würde. Sie sind mit ihrer Situation offensichtlich sehr zufrieden, jedenfalls sagen Sie das so. Schön. Ich kenne auch eine Menge Kollegen, die gerne unterrichten o. dgl. und sich damit arrangiert haben, daß sie am Wochenende dann mal ein paar Stündchen komponieren.
Vielleicht wollen aber ja manche begabten jungen Menschen, die an eine Musikhochschule gehen und Komposition studieren, wirklich und in erster Linie Komponisten werden und davon leben. Dann müssen sie die Chance bekommen, während des Studiums ein bißchen was darüber mitzukriegen, wie man das anstellen könnte (was keine Garantie dafür ist, daß es auch klappt), und/oder man muß ihnen ehrlich sagen, daß sie sich rechtzeitig einen Plan B überlegen sollten.-
Nur zu einem konkreten Punkt aus Ihrem letzten Beitrag (meiner wird auch schon zu lang, aber das bleibt wohl nicht aus, wenn man mit Ihnen zu diskutieren versucht): Ich kenne übrigens viele Kollegen, die hier und da mal Stipendienaufenthalte bekommen haben. Darunter sind nur wenig Freischaffende – im Gegenteil ging es mir eher manchmal so, daß ich mich fast schon ein wenig gefragt habe, warum jemand, der mit anderen Arbeiten so gut ausgelastet ist, daß er sein Stipendienatelier die Hälfte der Zeit leerstehen lassen muß, um diesen Verpflichtungen nachzukommen, sich eigentlich auf sowas bewirbt. Vielleicht haben Sie dieses Thema ein bißchen zu sehr ohne wirklichen Einblick in die Situation betrachtet.
Noch was Grundsätzliches: Es gefällt mir immer weniger, wie Sie aus meinem obigen Beitrag wieder ein paar Stichworte herausklauben, ein paar eigene hinzusetzen, das ganze noch ein bißchen verzerren und am Schluß wieder als Bestätigung für Ihre hier schon häufig genug geäußerten Thesen nehmen. Sie haben allerdings Ihr Standard-Schimpfwort “neoliberal” diesmal vergessen. Aber SUBSTANZ ist immerhin wieder dabei (QUALITÄT habe ich jetzt in dem Text auch vermißt), schön in GROSSBUCHSTABEN und erneut ohne jeden konkreten Hinweis darauf, worin diese Substanz eigentlich bestehen soll. Schreiben Sie doch mal was dazu, anstatt solche Schlagwortketten zu permutieren.
Wenn man einen Rechner mit einem von Ihren Beiträgen füttern würde, könnte der so ähnlich wie Mozarts Walzer-Würfel-Maschine daraus endlose Posts im Stil von Erik Janson kreieren, und, wer weiß, vielleicht ist es ja schon die ganze Zeit ein Computer, der hier automatisiert unter Ihrem Namen bloggt, da sich ja der echte Erik Janson schon vor Monaten “auf Nimmerwiederlesen” verabschiedet hat?
Sorry, das mußte jetzt mal raus. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.-
Nix für ungut & so,
B.S.
Lieber Herr Benjamin Schweitzer,
dieser Ihr Blogbeitrag ist einer der ersten von Ihnen, der mir wirklich gefällt, weil Sie
a) erstmals länger auf mich inhaltlich eingehen
b) weil Sie auch mal Beispiele aus Ihrem Leben nennen
Dennoch: Was ist so schlimm daran, wenn ich behaupte, bzw. mal stärker und entschieden betone, dass das Komponieren – MEINER MEINUNG NACH (SIE können ja gerne eine ANDERE haben!) in erster Linie aus einer inneren Berufung heraus kommen sollte, denn aus (materieller) “Berufsmotivation”? Damit sage ich ja – das habe ich AUCH geschrieben – NIcht, dass deswegen Komponieren kein Beruf sein sollte im Sinne von materieller Entlohnung (angemessene Auftragshonorare etc.), aber auch allgemein viel mehr Würdigung und Respekt (sei es von Musikern, Veranstaltern, Auftraggebern, wem auch immer).
Im Gegenteil. Lesen Sie nochmal nach. Ich habe den “Jungen” auch den Tipp gegeben, z.B. auch mal Anfragen
Damit stelle ich mit gerade GEGEN das, was Sie implizit behaupten: ich sei ein 100%-Idealist
Also da sind wir wieder beim Thema: WER verdreht hier eigentlich? Ich angeblich?
Aber darum ging es in der ganzen Debatte gar nicht.
Gesetztes Ausgangsthema war ja der Themenkomplex: Hype,
übertriebene Hypes heute und die Frage
Im Grunde: JEDER BERUF, auch noch jeder Beruf wo viel “Geld” im Spiel ist/ins Spiel kommt, ist IMMER zugleich auch größtenteils BERUFUNG, damit man wirklich innerlich glücklich und mit sich im Reinen ans Werk gehen kann.
Es ist mit Sicherheit – auch bei reichsten Banker und Bankmanagern – die Berufung, die immer mit dabei sein MUSS, damit man in seinem Metier wirklich gut, ausdrucksvoll und in seiner Musik/seiner Sprache und Stil glaubwürdig rüber kommen kann.
Also, auf persönlich-menschlicher Ebene nichts für Ungut,
ich wollte Sie keinesfalls hier beleidigen oder den Eindruck entstehen lassen, Sie würden nun dafür plädieren
gleich überall “Pflichkurse” in “Wie-komme-ich an-VITAMIN-B” oder “Festivalschaulaufen für Erstsemesterer” an den Deutschen Musikhochschulen ein zu führen.
Und @ Ihrem Vorwurf “Schlagworte aus dem Kontext nehmen”: was Sie an mir kritisieren: Jetzt können Sie vielleicht in Ansätzen ermessen, wie ich mich fühlte als bei vielen meinen Bloggings – gerade im Anfangsstadium – auch sich an einzelnen Formulierungen “aufgehangen” wurde und dies bei mir auch verdreht oder auf eine persönliche Ebene, verbunden mit UNterstellungen etc. vermischt wurde und wie Dinge verdreht wurden.
@ Ihrer Vermutung, dass hier ein Computer am Werk sei,
der vielleicht Erik Janson virtuell generiert:
Da muss ich Sie leider enttäuschen:
Nein nein, ich kann Sie beruhigen, so weit sind wir (trotz Orwell 84 und zunehmender virtueller (pseudo-)Intelligenz der Rechner etc.) doch noch nicht:
Hier sitzt schon ein MENSCH aus Fleisch und Blut vor dem Rechner, und zwar der Mensch und “Berufs”-Hobbykomponist (weil auch GERNE und mit Passion unterrichtend aber es könnte – da bin ich ehrlich – ETWAS weniger sein!) daher förderungs-”unwürdige”?) Erik Janson.
Dieser rennt – kaum zu glauben angesichts dieser Sysiphos-Arbeit – immer und immer wieder virtuell und SCHNELL (grüße an Virilio und P. Hahn!)und mit verschiedenen Kommunikations-Registern gegen Vorurteile und Argumentations-Teufelskreise und System-Selbstkritik-Verweigerungen an, weil er sie einfach nicht widerspruchslos stehen lässt. Schlimm, nicht wahr?
Mozart hätte sich vielleicht gefreut und würde bei diesem Internet-”Würfelwalzer” sicher gerne mit machen.
Beethoven und Brahms vielleicht auch. (Obwohl Beethoven hätte bestimmt längst die Nase voll und sich gesagt: nein, Zeitverschwendung: meine “NEUNTE” ruft: “alle menschen werden Brüder…”).
Und: @ “auf Nimmer-wiederlesen verabschieden”?: Sie müssen wissen (kleiner “rheinischer Aphorismus”): Der Rheinländer (liegt in der Mentalität) hat manchmal die Angewohnheit, sich eben nicht EINMAL sondern manchmal ZWEIMAL, DREIMAL, X-mal aus einer Runde (die er eigentlich mag…) zu verabschieden. Und auch mit vielen GROSSBUCHSTABEN.
WANN er dann wirklich geht, das weiß man bei Rheinländern nie so genau. Und das ist doch eigentlich auch ganz lustig, oder? Also, ich fürchte, Herr Schweitzer, Sie müssen mich noch etwas länger ertragen, wenn Sie gestatten und wenn die nmz-Redaktion damit einverstanden ist.
P.S.: Unter einen GROBEN Keil gehört ein WEICHER,
“Klotz”…
Dieser Grüßt Sie herzlichst aus Düsseldorf,
Erik Janson
Lieber Herr Janson,
danke für ihre verständnisvolle Antwort auf mein “Dampfablassen” und für die Einführung in das Wesen des Rheinländers. In der Tat ein Typus, mit dem ich bisher noch nicht viel Umgang pflegen konnte als gebürtiger Hesse, den das Leben und die Neigung meist eher Richtung Nordosten gezogen hat…
Friedenspfeife & ein schönes Wochenende noch,
B.S.
Der Wege Komponisten sind bekanntlich viele. Bei Ch. Ives hat es sehr lange gedauert mit dem Ruhm (fast zu spät für ihn), eigentlich hat er auch schon den Beruf gewechselt (=den des Versicherungsmaklers angenommen), trotzdem am Wochenende, ganz Sportsmann, seine Partituren geschrieben und an Freunde (=Hobbymusiker) – mit Begleitbrief – verschickt (”das könntest Du doch mal spielen!” Und was für eine Musik, hochkomplex und polytonal, das hat um 1880 nicht einmal ein Profi hinbekommen), der Zöllner im Buch TaoTeKong hat seine Memoiren auch während der Dienstzeit im Häuschen verfasst und die Aufzeichnungen fast liegengelassen (ich rede hier noch nicht von Vernichtung, wie die Manuskripte von F, Kafka). Der französische Maler Henri Rousseau (auch am Ende seiner Karrier angestellter Zöllner) soll mit seiner Malerei die Moderne und den Surrealismus vorbereitet haben, also: Wer plant, der schafft verkehrt und wird am Ende als Künstler vergessen, oder?
@Art-Oliver:
Das sind natürlich alles treffende Beispiele – und auch die Klassik kennt einen Schubert, zu Lebzeiten größtenteils erfolglos und unbekannt. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass diese Beispiele einerseits sehr schöne und Mut machende Geschichten sind, andererseits auch die große Ausnahme in der Musikgeschichte. Es ist der übliche Trugschluss: viele Menschen meinen, man müsste ein Wunderkind wie Mozart oder Saint-Säens sein, um später mal ein berühmter Komponist zu werden, dabei ist das Verhältnis der gescheiterten “Wunderkinder” zu denen, die daraus eine wirkungsreiche Karriere machten, viel größer. Rein statistisch gesehen hat also ein extremes Wunderkind eine geringere Chance “etwas zu werden” als ein normal aufwachsendes Kind, so seltsam das auch klingt.
Ebenso ist ein Verkennen zu Lebzeiten kein Garant dafür, später entdeckt zu werden, es ist die absolute Ausnahme – ein Großteil der heute noch bekannten klassischen Komponisten war auch zu Lebzeiten ziemlich bekannt, nur eben oft nicht mit derselben Anerkennung wie später.
Sicherlich spielen Anflüge von Kontroverse (Wagner, Schönberg, Stravinsky) wie auch “interessante” Biographien (Gesualdo, Mozart, Schubert) eine Rolle.
All diese Aspekte sind aber kaum unter unserer Kontrolle, d.h. am Ende des Tages zählt dann vielleicht doch der Gehalt des Werkes an sich, vor allem unter wie vielen unterschiedlichen Aspekten es immer wieder neu betrachtet werden kann.
Daher spricht aber auch nichts dagegen, seine Arbeit radikal unabhängig zu äußerem Erfolg im Sinne der von Dir genannten Beispiele zu entwickeln.
100% d´accord. Die Rolle des Verkannten ist auch eine schlechte Rolle, die man sich nicht zu eigen machen sollte. Man muss eben schon um seine Musik kämpfen,
dass sie wahrgenommen wird, aber dabei die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht aus den Augen verlieren.
@ A.O. Simon
Ich lach mich kaputt! – A.O. Simon macht auf Antifa – ausgerechnet er – unfassbar – spricht da einer von “befreundeten Genossen” und auch noch vom “schwarzen Block” . Mit einer vormaligen Polit-Karriere, die in die diametral entgegengesetzte Richtung verwies, sich den Genossen vom schwarzen Block anschleimen – bruuuaaahh
Da glaubt einer, alle Leute sind naiv.
– wechselstrom -
Hallo Wechselstrom!
Meine Frage: Wieviel mal haben Sie sich die Bilder vom 11.September angeschaut? Ich vermute ganz schön oft. Das prägt das Urteilsvermögen für lange Zeit.
KH. Stockhausen kann sich ja jetzt nicht mehr gegen seine Leichenfledderer wehren (trotzdem ich durchaus den energischen Dissenz seiner sympathischen Tochter Majella völlig logisch und damit auch vollkommen berechtigt finde), ich schon.
Entschuldigen Sie bitte, ich muss mal eben weiterarbeiten.
AO. Simon
@ Mr. Simon,
Sie betreiben hier ziemliche Progaganda, um Ihr Aufmerksamkeit zu bekommen oder so. Denke ich, Sie machen das alles deswegen.
Sprechen Sie zuerst von Faschisten, dann von Judentumsfrage in Verbindung mit Wagner, Nietzsche.
Ich habe Ihre Beiträge in diesem Blog schon einige Zeit im Stillen verfolgt und finde sie einfach nur beschämend
für Sie selbst.
Wollen Sie sich hier auch noch nun mit Stockhausen vergleichen und sein damaligen unglaublichen Ausspruch zu 11. September?
Wann konzentrieren Sie sich auf ihre Musik,
wenn Sie wirklich gute haben?
Schönen Tage